Gaumenzäpfchen

Definition

Das Gaumenzäpfchen wird in der medizinischen Fachsprache auch als Uvula bezeichnet. Es ist bei weiter Öffnungen des Mundes im hinteren Bereich des Gaumens mit bloßem Auge erkennbar. Es besteht aus einem Muskel, dem Musculus uvulae und ist weich tastbar.
Das Gaumenzäpfchen kann beim Sprechen eine wesentliche Rolle einnehmen. Vor allem für die Lautbildung von Konsonanten ist das Zäpfchen von großer Bedeutung. Außerdem ist das Gaumenzäpfchen während des Schluckakts wichtig.

Funktion des Gaumenzäpfchens

Die Uvula hat maßgeblichen Einfluss auf die Lautbildung eines Menschen. Hauptsächlich ist dabei die Lautbildung von Konsonanten betroffen. So kann die Aussprache eines „Ach“ oder eines „R“ gestört oder sogar überhaupt nicht möglich sein, wenn das Gaumenzäpfchen nicht vorhanden ist. In der französischen Sprache führt es zu  Störungen des einfachen Sprachgebrauchs, da im Französischen das „Ach“ und „rollende R“ stark vertreten sind, während dies in der englischen Sprache kaum auffallen würde. Eine andere Art der Lautbildung, die durch das Gaumenzäpfchen verursacht ist, ist das Schnarchen.

Des Weiteren hat das Gaumenzäpfchen eine Art Schutzfunktion. Berührt man das Gaumenzäpfchen, löst dies einen Würgereflex aus, der meist zum Erbrechen führt. Das ist z. B. sehr hilfreich, wenn man sich verschluckt.

Eine weitere Funktion des Gaumenzäpfchens ist der Abfluss des Nasen-Rachensekrets in den Zungenbereich. Das Gaumenzäpfchen stellt die einzige Verbindung dieser beiden Anteile dar, wodurch bei fehlendem Gaumenzäpfchen der Abfluss des Schleims aus dem Nasen-Rachen-Raum eingeschränkt ist und es folglich zu einem Sekretstau kommen kann.

Beim Schluckakt wird durch diesen Verschluss nämlich verhindert, dass Essenspartikel in die Nasen- und Rachenhöhlen gelangen. Das Gaumenzäpfchen spielt hierbei jedoch eine eher ungeordnete Rolle.

Erkrankungen des Gaumenzäpfchens

Schwellung

Die Schwellung des Gaumenzäpfchens wird in der Regel durch virale Infektionen verursacht. Als Folge treten meist Schluckbeschwerden, ein Engegefühl im Hals, Heiserkeit, Halsschmerzen und Hustendrang auf. Die Schwellung der Uvula kann im Extremfall jedoch auch bis zu Brechreiz oder Kopfschmerzen führen.

Eine geschwollene Uvula kann Hinweis für verschiedenste Krankheiten sein. Zu diesen zählen:

  • Windpocken
  • Erkältung
  • Pfeiffersches Drüsenfieber
  • Mandelentzündung
  • Masern
  • virale Entzündung
  • Diphterie
  • allergischen Reaktion

Sollten die Beschwerden nach mehreren Tagen weiter zunehmen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann durch Gabe von Medikamenten versuchen die Symptome zu behandeln.

Informieren Sie sich auch unter: Schwellung am Gaumen

Entzündung

Eine Entzündung des Gaumenzäpfchens führt in aller Regel zu einer Schwellung. Auslöser können verschiedene Entzündungen innerhalb des Mund-Rachen-Hals-Bereichs sein, die sich auf das Gaumenzäpfchen auswirken.

Primär können schon grippale Infekte zu einer Entzündung am Gaumenzäpfchen führen. Aber auch Entzündungen der Mandeln und der Rachenschleimhaut, eine Pilzinfektion oder Pfeiffer`sches Drüsenfieber können die gleiche Folge haben.

Symptome einer Entzündung des Gaumenzäpfchen sind typischerweise Schluckbeschwerden, Hustendrang sowie Halsschmerzen. Bei Infektion mit einer typischen Grippe, treten meist, neben der Entzündung des Rachenraums, noch weitere Beschwerden auf. Dazu werden Schnupfen, Kopfschmerzen, Fieber und  Heiserkeit gezählt.

Gegen Halsschmerzen können außerdem Lutschtabletten eingenommen werden. Als mögliche Hausmittel werden heiße Halswickel, warme Milch mit Honig oder warme Kräutertees (Kamille, Salbei) empfohlen.

Lesen Sie auch: Entzündung am Gaumen

Weiße Spitze am Gaumenzäpfchen

Im Mund- und Rachenbereich können aufgrund verschiedener Ursachen weiße Beläge auftreten. Es kommen Pilze, Herpes, Pfeiffersches Drüsenfieber, Leukoplakie oder Diptherie in Frage.Je nach Ursache des weißen Belags kann die Infektion ansteckend oder nicht ansteckend sein.

Die häufigste Ursache stellt dabei jedoch der Candida-Pilz dar. Begleiterscheinungen sind neben Halsschmerzen oft auch Fieber oder Geschmacksstörungen. Man spricht auch vom so genannten Mundsoor.

Lesen Sie weiter unter: Mundsoor

Tumor

Der Mund- und Rachenraum ist mit viel Schleimhaut ausgekleidet, an der häufig unbemerkt gutartige oder bösartige Tumore entstehen können. Auch am Gaumenzäpfchen kann sich ein solcher Tumor bilden.

Ursache sind Rauchen (Nikotinabusus) und Alkoholismus, seltener auch Virusinfektionen oder Refluxerkrankungen, wie z.B. Sodbrennen. Dabei kommt die Schleimhaut in ständigen Kontakt mit schädlichen Stoffen.

Erste Symptome sind meist vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich. Weiterhin kann es zu Heiserkeit, Mundgeruch, Reizhusten sowie stechenden Schmerzen kommen. Eine Diagnose erfolgt in aller Regel durch eine Biopsie der Schleimhaut oder mittels Endoskopie des Mund-Rachenraums. Die Art der Behandlung kann stark variieren. Prinzipiell eignet sich eine Kombination aus Chemotherapie, Bestrahlung  und operativer Entfernung. 

Gespaltenes Zäpfchen

Ein gespaltenes Gaumenzäpfchen tritt im Rahmen einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte auf. Die Ursache einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte lässt sich bereits in der Embryonalentwicklung finden. Dabei erfolgt zwischen der 7. und 12. Schwangerschaftswoche ein Fehler bei der Verschmelzung des Gaumens.

Dass nur die Uvula gespalten ist, während Lippe und Gaumen regelrecht ausgebildet sind, passiert allerding sehr selten. Ein gespaltenes Gaumenzäpfchen fällt meist nicht durch Symptome oder Beeinträchtigungen auf. 

Zu langes Gaumenzäpfchen

Das Gaumenzäpfchen kann von Person zu Person unterschiedlich lang sein. Ein verlängertes Gaumenzäpfchen ist meist nichts Außergewöhnliches, kann jedoch einige Folgen mit sich bringen. Eine allgegenwärtige Begleiterscheinung stellt dabei das „Schnarchen“ dar. Das lange Gaumenzäpfchen kann bei tiefem Ein- und Ausatmen zu einem Flattern und Vibrieren führen, was wiederum meist lästige Schnarchgeräusche als Folge hat. Eine Behandlung des Schnarchens kann neben einer Schlaftherapie auch eine operative Behandlung sein.

Die übliche Behandlung eines zu langen Gaumenzäpfchens ist eine Verkürzung oder Entfernung dessen während eines operativen Eingriffs. Der Eingriff kann konventionell unter Vollnarkose oder alternativ durch eine Lasertechnik geschehen. Während bei einer  Operation mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt zu rechnen ist, kann die Verkürzung durch Lasertechnik sogar ambulant durchgeführt werden. Eine Besserung der Schnarchgeräusche ist bei 70-80% zu erwarten.

Lesen Sie auchSchnarchen

Anatomie

Der Gaumen eines Menschen wird in zwei Abschnitte unterteilt. Zum einen gibt es den sogenannten harten Gaumen (Palatum durum), der sich im vorderen Teil des Mundraum befindet. Zum anderen gibt es noch den weichen Gaumen (Palatum molle).

Dieser befindet sich hauptsächlich im hinteren Bereich des Gaumens, ist beweglich und lässt sich weich ertasten. Dem weichen Gaumen befindet sich Schleimhaut und eine Bindegewebsplatte, in die verschiedene Muskeln einstrahlen. Der Musculus uvulae stellt einen dieser Muskeln dar – er ist der Ausläufer des weichen Gaumens und bildet das Gaumenzäpfchen im hinteren Bereich.

Aus dem Bereich des Schädels kommen der Musculus tensor veli palatini, der das Gaumensegel und die Uvula spannt. Außerdem kommt von oben der Musculus levator veli palatini, der das Gaumensegel und die Uvula anhebt. Die Uvula wird vom 10. Hirnnerv, den Nervus Vagus, innerviert.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 13.04.2018 - Letzte Änderung: 21.04.2022