Hypokaliämie

Definition

Unter einer Hypokaliämie versteht man entsprechend dem Namen den Zustand, wenn zu wenig (lat. „hypo“) Kalium im Blut (lat. „-ämie“) vorhanden ist. Kalium ist ein Metall aus dem Periodensystem und kommt mit einigen anderen Metallen im Blut vor. Kalium liegt überall im Körper innerhalb und außerhalb jeder Zelle vor und bildet zusammen mit Natrium und Calcium und anderen geladenen Teilchen ein Gleichgewicht, welches oft nur als „Salzhaushalt“ oder „Elektrolythaushalt“ bezeichnet wird. Dieses Gleichgewicht sorgt dafür, dass jede Zelle an ihrer Hülle, ihrer „Membran“, eine elektrische Spannung aufrecht erhält. Das führt dazu, dass alleine durch Änderungen der Mengen an Kalium (und Natrium, Calcium, etc.) Prozesse wie Muskelanspannung, Verdauung und jegliche weitere Aufgaben der Zellen ablaufen können.

Liegt in diesem Gleichgewicht ein Fehler in Form einer Hypokaliämie vor, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Der Normalwert des Kaliums im Blut beträgt 3,6 – 5,2 mmol/L. Somit spricht man bei Werten <3,6 mmol/L von einer Hypokaliämie, bei Werten >5,2 mmol/L von einer Hyperkaliämie.


Symptome

Besonders empfindlich für Änderungen des Kaliumspiegels sind Muskelzellen. Sinkt der Kaliumspiegel im Blutserum, ändert sich somit die elektrische Spannung, die an den Membranen der Muskelzellen besteht und die Spannung sinkt. Die Zelle wird schwerer erregbar. Im elektrophysiologischen Fachterminus nennt man diesen Prozess „Hyperpolarisation“.

Im schlimmsten Fall kommt es dadurch zu Lähmungen (Paresen) der Muskulatur. Bewusste Muskelbewegungen fallen dem Betroffenen schwerer, es kommt zur Blasenschwäche, und zur Abschwächung der Verdauung, was Verstopfungen bewirkt. Sogenannte „Muskeleigenreflexe“ wie der Achilles- oder Patellarsehnenreflex werden abgeschwächt.

Besonders akut und lebensbedrohlich sind die Auswirkungen auf den Herzmuskel. Anfänglich kommt es zu Herzrhythmusstörungen, die man beim Abhören des Herzens oder beim Aufzeichnen eines EKGs feststellen kann. Bei schweren Hypokaliämien kann es bis zum Kammerflimmern kommen, bei welchem akut eine Defibrillation notwendig wird.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unterKaliummangel erkennen

Therapie

Eine dauerhafte Störung des Kaliumspiegels muss unbedingt vermieden werden. Nicht nur stellt das Ungleichgewicht bei mehreren Prozessen eine Einschränkung im Alltag dar, sondern kann vor allem im Zusammenhang mit der Herzerregung lebensbedrohliche Situationen verursachen und den Herzmuskel nachhaltig schädigen.

Die Ursache für die Hypokaliämie muss ergründet und behoben werden. Hierbei kommen mehrere Gründe in Betracht. Extreme Mangelernährung oder Erbrechen und starke Durchfälle können einen Kaliummangel verursachen aber auch Insulintherapien oder diuretisch wirksame Medikamente vermindern das Kalium im Blutserum.

In der akuten Situation muss unabhängig von der Ursache der niedrige Kaliumspiegel sofort ausgeglichen werden. Teilweise ist das mit kaliumreicher Nahrung oder Kaliumchlorid Tabletten möglich. In schweren Fällen muss unter strenger Beobachtung Kaliumchlorid intravenös gegeben werden. Ein EKG sollte dabei zur Kontrolle laufen, falls es zu einer Hyperkaliämie kommen sollte.

Veränderungen im EKG

EKG ist die Abkürzung für Elektrokardiogramm und wird aufgezeichnet zur Überprüfung der elektrischen Aktivität des Herzmuskels. Mit jedem Herzschlag werden die Ionen, die „Salze“ zwischen dem Innen- und dem Außenraum der Zellen verschoben. Dadurch ändert sich die elektrische Spannung die an jeder Zellmembran besteht und die Zellen werden erregt („depolarisiert“), was zur Kontraktion der Muskelfaser führt. Das EKG misst mithilfe von Elektroden auf der Haut die Summe aller elektrischen Spannungen des gesamten Herzens. Dadurch lässt sich verfolgen, wie und in welche Richtung sich die Erregung im Herzen mit jedem Herzschlag ausbreitet.

Mit dem EKG lassen sich alle Folgen einer Hypokaliämie erkennen. Beginnend bei Herzrhythmusstörungen, über Störungen der Erregungsrückbildungen bis hin zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern kann der Arzt alle Entwicklungen im EKG verfolgen. Die genauen Zeichen der Hypokaliämie sind T-Abflachungen, ST-Senkungen, U-Wellen und Extrasystolen.

Insulin und dessen Einfluss

Insulin ist ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, das mit der Nahrungsaufnahme und Verdauung sowohl produziert als auch ausgeschüttet wird und entscheidenden Einfluss auf den Zuckerspiegel des Blutes hat. Insulin hilft den Zellen dabei, Zucker in Form von Glucose aufzunehmen, was für die Zellen überlebenswichtig ist. Gleichzeitig bewirkt Insulin auch, dass Kalium aus dem Blut in das Innere der Zellen gelangt.

Insulin kann also den Kaliumspiegel deutlich absenken. Somit ist ein hoher Insulinspiegel ein potentieller Risikofaktor für eine Hypokaliämie. In der Medizin macht man sich das zu Nutze bei akuten Hyperkaliämien, welche ebenfalls lebensbedrohlich sein können. Durch Gabe von Glucose und Insulin gleichzeitig kann man den Kaliumspiegel beträchtlich absenken. Hierbei muss allerdings auf die richtige Dosis geachtet werden, damit es nicht fatalerweise im Gegenzug zu einer Hypokaliämie kommt.

Lesen Sie mehr zum Thema unterInsulin - Funktion & Wirkung

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.08.2017
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