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Hyperkaliämie

Definition

Eine Hyperkaliämie liegt vor, wenn der Kaliumwert im Blut einen bestimmten Wert überschreitet. Überschreitet die Kaliumkonzentration des Blutserums 5 mmol/l, spricht man bei Erwachsenen von einem Überschuss. Der Grenzwert im Kindesalter liegt bei 5,4 mmol/l.
Normalerweise befindet sich der Hauptanteil des Kaliums im Zellinneren. Nur etwa zwei Prozent zirkulieren im sogenannten Extrazellulärraum. Der Konzentrationsunterschied dient der Aufrechterhaltung des Membranpotenzials zwischen Innerem und Äußerem der Zellen. Schon kleine Konzentrationsänderungen haben deutliche Auswirkungen im Herzkreislaufsystem und auf das Zusammenwirken von Muskeln und Nerven. Eine derartige Elektrolytstörung kann lebensbedrohlich sein. Doch nicht nur die Konzentrationsschwankung allein spielt eine wichtige Rolle, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sie sich vollzieht. Je schneller das Serumkalium ansteigt, desto folgenschwerer sind die Konsequenzen.

Zu den Ursachen einer Kaliumerhöhung zählen verschiedene Nierenerkrankungen, wie akutes Nierenversagen, Morbus Addison und chronische Niereninsuffizienz. Kalium, welches normalerweise ausgeschieden wird, verbleibt im Körper.

Auch Medikamente können eine Hyperkaliämie verursachen. Darüber hinaus führen Veränderungen des pH-Wertes, großflächige Zerstörung von Muskulatur oder vermehrte Kaliumzufuhr zu einem Elektrolytüberschuss. Falsch hohe Werte bei Blutentnahmen sind auf das austretende Kalium aus geplatzten roten Blutzellen zurückzuführen.

Symptome

Die Symptome einer Hyperkaliämie sind häufig nicht eindeutig zuzuordnen. Sie betreffen die Funktionen des Herzkreislaufsystems und das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln.

Neben verminderter Muskelkraft, zählen Lähmungserscheinungen und, sofern die Atemmuskulatur betroffen ist, eine eingeschränkte Atemfunktion zu den Beschwerden. Auch Muskelzuckungen, Übelkeit, Erbrechen, vermehrter Harndrang, ein Darmverschluss (Ileus) und Sensibilitätsänderungen sind zu beobachten. Steigt der Kaliumwert weiter an, treten Herzrhythmusstörungen über Kammerflimmern bis hin zum Herzstillstand auf.

Bis zu einem Wert von 8 mmol/l bewirkt der Kaliumüberschuss eine vergrößerte Schlagkraft und erhöhte Frequenz des Herzens. Dies hängt mit der leichteren Erregbarkeit der Muskelzellen zusammen. Je höher der Kaliumwert jedoch ansteigt, desto schwerer erregbar sind die Zellen. Das Versagen des Herzkreislaufsystems stellt unter Umstände das einzige Symptom dar.

Im EKG sind zahlreiche Veränderungen nachweisbar, die in Abhängigkeit von der Höhe des Kaliumwertes auftreten.

Leitlinien in der Notfallmedizin

In der notfallmedizinischen Versorgung existieren Leitfäden zur adäquaten Diagnostik und Behandlung einer Elektrolytstörung durch Hyperkaliämie. Eine eigene Leitlinie für die Hyperkaliämie existiert nicht. Sie findet jedoch im Rahmen anderer Leitlinien, zum Beispiel bei arterieller Hypertonie, Erwähnung.

In der klinischen Diagnostik spielt die Bestimmung der Elektrolyte, eine Blutgasanalyse, die Nierenwerte und das EKG eine wichtige Rolle.

Als therapeutische Mittel kommen Diuretika, Infusionen aus Glukose und Insulin, der Ausgleich des sauren pH-Wertes mittels Infusion und die Behandlung von Veränderungen im EKG zum Einsatz. Sogenannte Kationenaustauscher, zum Beispiel Resonium, binden Kalium im Austausch mit Natrium im Darm.
Eine drei bis vier stündige Hämodialyse dient der Elimination des Kaliums außerhalb des Körpers und wird bei besonders hohen Kaliumwerten erwogen.

Therapie mit Glucose und Insulin

Wird eine Hyperkaliämie symptomatisch, handelt es sich um einen akut lebensbedrohlichen Zustand. Eine Therapie muss umgehend erfolgen. Zur Senkung der Kaliumkonzentration werden verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Eine von ihnen ist die Gabe von Insulin. Die Applikation erfolgt entweder als Injektion oder als kontinuierlich als Infusion. Die Infusion enthält eine genaue berechnete Menge an Insulin und Glucose.

Insulin bewirkt die Aufnahme von Glucose in die Zellen der Leber und Skelettmuskulatur. Gleichzeitig wird auch Kalium in die Zellen transportiert und damit aus dem Extrazellulärraum entfernt. Die alleinige Gabe von Insulin würde bei normal hohem Blutzuckerwert zu einer Unterzuckerung führen. Aus diesem Grund wird der Infusion Glucose hinzugefügt. Diese hat jedoch keine Auswirkungen auf die Höhe des Kaliumwertes. Allgemein gilt, dass der Blutzucker während der Insulingabe in engen zeitlichen Abständen kontrolliert werden muss.

Insulin kann als sogenannter Bolus in Form von 10 bis 20 IE (Injektionseinheiten) in das Unterhautfettgewebe appliziert werden. Eine andere Möglichkeit ist die intravenöse Gabe über eine kontinuierlich laufende Infusion. 10 IE Insulin werden beispielsweise zusammen mit 100ml einer 33 prozentigen Glucoselösung verabreicht. Die genaue Dosierung richtet sich jedoch nach dem Ausgangswert des Blutzuckers. Nach etwa 10 bis 20 Minuten setzen die ersten Effekte ein. Die maximale Wirkung ist nach etwa einer halben bis vollen Stunde erreicht und hält in abnehmender Wirkstärke für ungefähr fünf Stunden an. Der Kaliumwert kann in dieser Zeit um einen Wert von 0,5 bis 1,5 mmol/l gesenkt werden.

Je höher der Wert der ursprünglichen Kaliumkonzentration und je höher die zugeführte Insulinkonzentration, desto deutlicher ist die therapeutische Wirkung.

Die Infusion mit Insulin stellt eine effiziente und schnelle Methode zur Senkung der Serumkaliumkonzentration dar. Nur die Dialyse erreicht eine noch raschere Senkung.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Insulin - Funktion & Wirkung

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer werden vor allem in der Therapie der arteriellen Hypertonie, also eines erhöhten Blutdrucks, eingesetzt. Eine Folge beruht auf der Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), wodurch weniger Aldosteron freigesetzt wird. Dies bewirkt in weniger als 10% der Fälle eine Erhöhung von Kalium im Serum, also eine Hyperkaliämie. Diese Nebenwirkung tritt in geringer Dosierung nicht auf.

Folgende Risikofaktoren erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit für einen Kaliumüberschuss: bereits vorliegende Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz und hohes Alter. Die parallele Einnahme nicht-steroidaler-Antiphlogistika (NSAR) sowie kaliumsparender Diuretika begünstigt außerdem das Auftreten einer Hyperkaliämie.

Alkalose

Änderungen des pH-Wertes haben Auswirkungen auf die Kaliumkonzentration.
Ein sinkender, also saurer pH-Wert (= Azidose), bewirkt eine Umverteilung der Ionen. Die Kaliumkonzentration im Serum steigt.

In der Therapie einer Hyperkaliämie nutzt man den umgekehrten Effekt zur Senkung des Kaliumwertes.
Durch die Gabe von Natriumhydrogencarbonat wird der pH-Wert erhöht. So erzeugt man eine Alkalose, die die Kaliumkonzentration im Serium senkt. Eine Nebenwirkung der Therapie mit Natriumhydrogencarbonat ist folglich die Alkalose durch Erhöhung des pH-Wertes.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Hyperkaliämie

Eine Übersicht aller Informationen der inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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