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Jungfernhäutchen

Definition

Das Jungfernhäutchen (Hymen) ist eine dünne Schicht aus Bindegewebe. Es umschließt oder überdeckt die Öffnung der Scheide (Vagina). Das Jungfernhäutchen kann viele verschiedene Formen haben. Es ist ein Überbleibsel der Embryonalentwicklung von Mädchen. Im Normalfall weist es eine Öffnung auf, durch die das Menstruationsblut abfließen kann. Beim ersten Geschlechtsverkehr (Defloration), aber auch im Alltagsleben kann es weiter einreißen, was evtl. mit Schmerzen oder Blutausfluss verbunden ist.

Anatomie des Jungfernhäutchens

Das Jungfernhäutchen (Hymen) ist eine Falte aus Bindegewebe und ist recht elastisch. Das Hymen, wird zum äußeren weiblichen Genital (Vulva) gezählt und manchmal als Grenze zwischen äußerem und innerem Genital bezeichnet. Es kann den Eingang in die Scheide (Vagina), den sog. Introitus vaginae, überdecken. Meist umgibt es ihn aber eher wie ein randständiger Saum. Es liegt ca 1-2 cm hinter dem Scheideneingang.

Normalerweise finden sich eine oder mehrere Öffnungen im Hymen. Man unterscheidet viele Formen des Jungfernhäutchens, z.B.

  • ringförmig (Hymen annularis),
  • halbmondförmig (Hymen semilunaris) oder
  • sichelförmig (Hymen falciformis).
  • Auch Jungfernhäutchen mit vielen kleinen Öffnungen (Hymen cribiformis) oder
  • mit einem Bindegewebsstrang in der Mitte und zwei Öffnungen seitlich (Hymen septus) sind beschrieben.

Die verschiedenen Varianten des Jungfernhäutchens sind alle normal. Problematisch ist hingegen ein komplett verschlossenes Jungfernhäutchen (Hymen impferforatus, Hymenalatresie).
Hierdurch kann mit Beginn der Regelblutung das Menstrualblut nicht abfließen und staut sich in der Vagina  und evtl. der Gebärmutter. In diesem Fall ist ein kleiner chriugischer Eingriff angezeigt um eine öffnung im Jungfernhäutchen zu schaffen.

Das Jungfernhäutchen entsteht aus einem Überbleibsel der Verschmelzung zweier embryonaler Strukturen, des Sinus urogenitalis und des Müller-Ganges (Ductus paramesonephricus). Es enthält wenig oder keine Nerven.

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Welche Funktion hat das Jungfernhäutchen?

Das Jungfernhäutchen  hat keine oder nur eine zu vernachlässigende Funktion.
Es gibt die Vermutung, das Hymen würde die Scheide (Vagina) und die Gebärmutter (Uterus) vor äußeren Einflüssen wie z.B. Krankheitserregern (Pathogenen) schützen. Diese These lässt sich jedoch nicht wissenschaftlich belegen.

Die Bedeutung des Hymens ist oft eher kulturell. So wird ein intaktes Hymen, dass beim ersten Geschlechtsverkehr (Defloration) reißt und eine Blutung verursacht, in einigen Kulturen als Beweis für die Jungfräulichkeit einer Frau angesehen. Dies hat besonders dann Bedeutung, wenn der Jungfräulichkeit einer Frau vor der Ehe ein hoher kultureller Stellenwert eingeräumt wird. Eine Blutung beim ersten Geschlechtsverkehr ist jedoch kein Anhaltspunkt für diese Frage.

Bei den allermeisten Frauen hat das Hymen ohnehin Öffnungen, die beim ersten Geschlechtsverkehr evtl. nur geweitet werden. Dies führt nicht unbedingt zu Blutungen. Die Blutung könnte auch durch eine Verletzung andere Genitalbereiche, wie z.B. der Schleimhaut der Vagina, entstehen. Darüber hinaus können in seltenen Fällen auch Frauen, die bereits Sex hatten, durch Verletzungen am Hymen bluten.

Das Jungfernhäutchen ist gerissen – was tun?

Ein Einreißen des Jungfernhäutchens stellt in der Regel kein medizinisches Problem dar und erfordert keine weitere Therapie. Das Hymen kann durch Verletzungen, z.B. beim ersten Geschlechtsverkehr (Defloration), teilweise aber auch erst bei der Geburt eines Kindes, reißen. Dies ist evlt. mit Schmerzen und dem Ausfluss von Blut verbunden. Diese Symptome sollten sich allerdings schnell wieder legen. Das Jungfernhäutchen ist in der Regel nicht so stark durchblutet, dass es zu größeren Blutverlusten mit evtl. schweren Folgen kommt.

Sollte die Blutung allerdings nicht aufhören oder die Schmerzen anhalten, sollte ein Frauenarzt (Gynäkologe) aufgesucht werden. Es ist dann möglich, dass die Symptome von einer Verletzung andere Teile des weiblichen Genitals stammen. Auch eine Infektion mit Krankheitserregern (Pathogenen) wie z.B. Pilzen oder Bakterien sollte bei anhaltendem Ausfluss und Schmerzen ausgeschlossen werden.

Jungfernhäutchen wiederherstellen

Es gibt verschiedene Methoden, um ein Jungfernhäutchen (Hymen) wiederherzustellen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es für keine dieser Methoden einen medizinischen Grund gibt. Ein gerissenes Hymen heilt meist problemlos ab und stellt kein medizinisches Problem dar. Eine Methode der Wiederherstellung ist die Hymenrekonstruktion oder Hymenorraphie.

Dabei wird das Hymen bei einer ambulanten Operation mit selbstauflösenden Fäden so eng vernäht, dass es beim nächsten Geschlechtsverkehr wahrscheinlich reißt und blutet. Dafür müssen jedoch Gefäße in das Hymen einwachsen, was bis zu 3 Monaten dauern kann.

Eine schnellere Methode um ein gerissenes Jungfernhäutchen scheinbar wiederherszustellen ist die sog. Hymen-Gewebeverdickung. Dabei wird eine Art Hymen-Implantat eingesetzt, welches beim Geschlechtsverehr als Widerstand zu spüren ist. Außerdem setzt das Implantat dann eine rote Flüssigkeit (Gelantine) frei, die Blut ähnelt. Diese Wirkung tritt bereits direkt nach dem operativen Eingriff ein.

Darüber hinaus ist es auch möglich, dass ein Jungfernhäutchen von ganz alleine wieder zu seiner ursprünglichen Form zusammenwächst. Dies ist jedoch nicht nach jedem Einriss der Fall.

Lesen Sie weitere Informationen dazu unter: Hymenrekonstruktion 

Kann man das Jungfernhäutchen nähen lassen?

Es gibt Verfahren, mit denen das Jungfernhäutchen wieder „zusammengenäht“ wird. Man nennt sie Hymenalrekonstruktoion oder Hymenorraphie. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein komplettes Zunähen des Hymens. Dies würde bei Mädchen und Frauen, die schon ihre Regelblutung (Menstruation) haben, zu erheblichen Problemen führen. Viel mehr wird bei diesem operativen Eingriff das Hymen so vernäht, dass es so enger ist als zuvor.

Es gibt keinen medizinischen Grund für eine Hymenalrekonstruktion, da das Hymen keine Funktion hat. Wird eine solche Operation dennoch gewünscht, hat dies meist soziokulturelle Gründe.

Bei dem Eingriff handelt es sich um eine meist ambulant durchgeführte Operation. Sie dauert bis zu einer Stunde und wird unter lokaler Betäubung, teilweise aber auch in Vollnarkose durchgeführt. Es werden Fäden verwendet, die sich einige Zeit nach der Operation selbst auflösen. Bei der Operation werden Teile des Jungfernhäutchens oder der Schleimhaut der Vagina so zusammengenäht, dass Sie einen Saum um den Scheideneingang (Introitus vaginae) bilden. Dieser Saum wird so eng gestaltet, dass es beim Geschlechtsverkehr wahrscheinlich zu einer Verletzung kommt die eine Blutung nach sich zieht. Dafür ist es nötig, dass in das wiederhergestellte (rekonstruierte) Hymen kleine Blutgefäße (Kapillaren) einwachsen.

Dies geschieht nach einer Rekonstruktion in den meisten Fällen, es kann jedoch nicht garantiert werden. Genauso kann eine Blutung nach dem Koitus auch nach Hymenalrekonstruktion nicht garantiert werden, da das Hymen sehr elastisch ist und sich evlt. einfach nur dehnt ohne einzureißen und zu bluten. Außerdem sollte beachtet werden, dass eine Hymenalrekonstruktion Zeit benötigt, damit ihre Wirkung eintritt. Denn in das operierte Hymen müssen erst Kapillaren einwachsen, was mehrere Wochen bis Monate dauern kann.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens - Das sollten Sie wissen!

Jungfernhäutchen vom Arzt entfernen

Es ist möglich, dass Jungfernhäutchen (Hymen) von einem Arzt entfernen zu lassen. Diesen kleinen operativen Eingriff nennt man Hymenektmoie. Er wird meist ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt.

Eine Hymenektmoie ist dann nötig, wenn das Hymen komplett des Scheidenausgang verschließt (Hymen imperforatus). Außerdem kann es sein, dass ein besonders stabiles Hymen, dass sich kaum dehnt, dauerhaft Schmerzen beim Sex oder beim Einführen von Tampons verursacht. Auch dann ist eine Hymenektomie angezeigt.

Um Schmerzen beim ersten Geschlechtsverkehr zu vermeiden wird sie nicht durchgeführt. Das Hymen reißt nämlich ohnehin nur bei jeder zweiten Frau, und die Schmerzen sind meist wenig stark und schnell vorüber.

Verletzt man das Jungfernhäutchen mit einem Tampon?

Um ein Tampon einzuführen muss das Jungfernhäutchen passiert werden, da es nur ca. 1-2 cm hinter dem Scheideneingang liegt. Ein Tampon sollte jedoch ca. eine Handbreite weit eingeführt werden, wobei es große individuelle Unterschiede gibt. Das Vorbeischieben eines Tampons stellt in der Regel jedoch kaum eine Verletzungsgefahr für das Hymen dar, wenn einige Maßnahmen beachtet werden. So sollte das Tampon vorsichtig, langsam und ohne Gewalt eingeführt werden. Außerdem ist darauf zu achten, die richtige Tampongröße zu verwenden – dann ist das Tragen eines Tampons auch wesentlich angenehmer.

Das Jungfernhäutchen ist sehr elastisch und dehnt sich beim Einführen eines Tampons meist mit. Bei gesunden Frauen hat es auch immer eine Öffnung, durch die das Tampon treten kann. Es ist theoretisch möglich, dass das Hymen durch ein Tampon verletzt wird, ob dies aber wirklich geschieht ist wissenschaftlich umstritten.

Bei einigen Frauen hat das Hymen keine Öffnung (Hymenalatresie). Dies stellt n behandlungsbedürftigen Zustand dar, denn es kann kein Menstruationsblut ausfließen. Soll dennoch ein Tampon eingeführt werden, gelingt dies oft nicht. In diesem Fall sollte ein Frauenarzt (Gynäkologe) aufgesucht werden. Dies gilt auch wenn das Einführen oder Entfernen eines Tampons mit großen Schmerzen oder Schwierigkeiten verbunden ist.

Kann das Jungfernhäutchen beim Sport einreißen?

Ob das Jungfernhäutchen (Hymen) beim Sport einreißen kann, ist wissenschaftlich umstritten. Einerseits ist das Hymen sehr elastisch und es liegt relativ geschützt hinter den Schamlippen (Labia pudendi). Andererseits ist es denkbar, dass starke sportliche Betätigung zu einem starken Dehnen und evtl. zu Rissen führen könnte.

Dabei ist jedoch zu beachten dass die Hymen von gesunden Frauen ohnehin immer Öffnungen haben. Ein Einriss ist deshalb oft kaum von einer natürlichen Öffnung zu unterscheiden, vor allem weil Hymen sehr variable Formen haben.

Schmerzen am Jungfernhäutchen

Das Jungfernhäutchen (Hymen) wird in der Regel nur von wenigen Nerven versorgt. Verletzungen des Hymens sollten deshalb normalerweise nur zu kurzen, nicht allzu heftigen Schmerzen führen. Diese Schmerzen können z.B. auftreten, wenn ein Mädchen oder eine Frau das erste mal Geschlechtsverkehr hat.

Dies ist jedoch nicht immer der Fall, nur bei ca. der Hälfte aller Frauen reißt das Hymen überhaupt beim „Ersten Mal“ ein.
Anderen Gründe für Schmerzen am Jungfernhäutchen könnten sein, dass das Hymen sehr stabil ist und nur eine sehr kleine Öffnung hat. Dadurch dehnt es sich nicht oder reißt nicht ein. Dann kann das Einführen von z.B. Tampons, oder auch Sex, zu anhaltenden Schmerzen führen. In diesem Fall kann ein Frauenarzt (Gynäkologe) unter lokaler Betäubung einen kleinen Schnitt setzen um das Hymen zu erweitern oder es sogar ganz entfernen (Hymenektomie).

Darüber hinaus sollte bei Schmerzen im Genitalbereich auch immer an mögliche Infektionen mit Krankheitserregern (Pathogenen) wie Pilzen oder Bakterien gedacht werden. Gerade Pilze wie Candida albicans können auch vor dem ersten Sex eine Infektion auslösen, da sie natürlicherweise auf der Haut von Menschen vorkommen.
Bei Brennen, Schmerzen oder Ausfluss sollte deshalb ein Gynäkologe aufgesucht werden.

Außerdem hinaus können auch Sorgen, Ängste und Unsicherheit, die es gerade im Bezug auf Sexualität häufiger gibt, zu Schmerzen führen. Dennoch sollte bei starken, anhaltenden Schmerzen immer eine organische (somatische) Ursache abgeklärt werden.

Erfahren Sie mehr unterScheidenschmerzen

Kann man das Jungfernhäutchen sehen?

Das Jungfernhäutchen (Hymen) ist meist sichtbar. Es zählt zu den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen (Vulva) und liegt ca. 1-2 cm hinter dem Scheideneingang.  Dieser ist normalerweise von den großen Schamlippen (Labia majores) und den kleinen Schamlippen (Labia minores) verlegt.

Um das Jungfernhäutchen zu betrachten muss man deshalb beide Schamlippen zu den Seiten spreizen. Dann sieht man direkt auf den Scheideneingang, hinter dem das Jungfernhäutchen zu finden ist. Hierfür ist es hilfreich, einen Spiegel und eine Lampe für ausreichende Beleuchtung zu verwenden. Ein Handspiegel kann mit einer Hand zwischen die gespreizten Beine gehalten werden, die andere Hand hält die Schamlippen zur Seite. Alternativ kann man sich auch über einen am Boden liegenden Spiegel hocken und so den Scheideneingang im Spiegel darstellen.

Das Hymen erkennt man als trübe Haut, manchmal auch als bindegewebige Hautfalte. Seine Farbe ähnelt der der umgebenden Strukturen. Oft kann es schwierig sein, dass Hymen im Spiegel zu erkennen. Das Hymen kann sehr unterschiedliche Formen haben und stellt sich manchmal nur als kleiner Saum um den Scheideneingang dar, oder es ist überhaupt nicht zu erkennen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es eingerissen ist. Vielmehr handelt es sich auch hier um eine normale Variante, die bei vielen Frauen und Mädchen auch schon vor dem ersten Geschlechtsverkehr (Defloration) vorliegt.

Farbe des Jungfernhäutchens

Das Jungfernhäutchen (Hymen) besteht aus einer bindegewebigen Haut oder Hautfalte. Es hat oft eine ähnlich Farbe wie die es umgebende Haut des äußeren Geitalbereiches der Frau (Vulva) oder der dahinter liegenden Scheide (Vagina).

Bei Neugeborenen ist es meist hellpink, dunkelt im Laufe der Zeit aber etwas nach. Dennoch behält es in der Regel seine rosige Farbe. Dabei ist jedoch zu beachten dass es auch bei der Farbe des Hymens,genauso wie bei seiner Form, eine große Variabilität und keine „ideale“ Farbe  gibt.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2019
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