Folgen Sie uns auf:


Schluckauf beim Baby

Überblick

Schluckauf (Singultus), bezeichnet in der Medizin ein automatisches („reflektorisches“) Zusammenziehen (Kontraktion) des Zwerchfells, also des wichtigsten Atemmuskels, wodurch eine kräftige, kurze Einatmung zustande kommt. Dieser Vorgang wiederholt sich periodisch in kurzem Abstand. Durch das Einatemgeräusch, welches gegen angespannte und damit geschlossene Stimmbänder geschieht, entsteht das „Hicksen“, also das charakteristische Schluckauf-Geräusch. Wozu der Schluckauf dient ist bis heute nicht bekannt. Im Regelfall verschwindet ein Schluckauf nach einiger Zeit von alleine.


Auch Babys können, sogar schon vor der Geburt, einen Schluckauf bekommen. Bei Babys kann der Schluckauf in manchen Fällen als Schutzmechanismus beim Trinken dienen, es liegt dem Phänomen also im Normalfall keine Krankheit zu Grunde. Ein Schluckauf tritt bei Babys zudem häufiger auf als bei Erwachsenen, insbesondere im jungen Säuglingsalter. Auch bei Babys verschwindet ein Schluckauf im Regelfall von alleine. Meistens lassen sich die Kleinen auch nicht weiter vom Schluckauf stören und können selbst mit Schluckauf friedlich einschlafen.

Ursachen des Schluckaufs beim Baby

Bei Säuglingen und Babys tritt ein Schluckauf häufiger auf als beim Erwachsenen. Dies liegt an verschiedenen Gründen. Sowohl Zwerchfell als auch die Nerven und Anteile des Gehirns, die die Atmung steuern, sind bei Babys noch nicht voll entwickelt. In Situationen, in denen sich der Atemrhythmus natürlicherweise verändert, also zum Beispiel beim Einschlafen und Aufwachen, kann dieses komplexe System etwas durcheinanderkommen, was dann zum Schluckauf führt.

Noch wichtiger für das Baby ist die Schutzfunktion des Schluckaufs beim Trinken. Babys können im Gegensatz zu Erwachsenen und Kindern gleichzeitig trinken und atmen. Dies liegt an den unterschiedlichen Proportionen des Rachens. Dabei besteht die vergrößerte Wahrscheinlichkeit, dass Babys sich verschlucken. Liegt aber nun gleichzeitig ein Schluckauf vor, so schützen die herausgedrückte Luft und die zusammengepressten Stimmbänder die Lunge davor, dass Milch verschluckt wird.

Andere Ursachen für einen Schluckauf beim Baby können auch plötzliche Temperaturschwankungen oder Erschrecken, bzw. Überraschung (z.B. durch Anpusten) sein.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Fieber beim Baby

Diagnose

Die Diagnose braucht keine aufwändigen Geräte oder einen geschulten Blick, da sich der Schluckauf beim Baby ähnlich wie beim Erwachsenen darstellt. Es ist ein plötzliches, stoßartiges Ausatmen, begleitet vom typischen „Hicks“-Geräusch zu beobachten. Dazu passend zieht sich manchmal krampfartig die Brust und Bauchmuskulatur des Babys zusammen.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Schluckauf

Begleitende Symptome

Im Regelfall tritt ein Schluckauf beim Baby ohne weitere Symptome auf. Ein krampfartiges Zusammenziehen der Bauch- und Brustmuskulatur des Babys im Rhythmus der Hickser ist dabei ganz normal. Sollte es beim Schluckauf zu einem starken Auswurf von Schleim oder Flüssigkeit kommen (alles was über das normale Erbrechen des Babys hinausgeht) sollte aufgemerkt werden. Ist der Schleim grün, oder geht der Auswurf auch nach ein oder zwei Tagen nicht weg, sollte das Baby beim Kinderarzt (Pädiater) vorgestellt werden. Auch bei Fieber sollte das Kind unbedingt dem Kinderarzt vorgestellt werden.

Lesen Sie hier mehr zu den Themen:

Sollte ein beim Trinken aufgekommener Schluckauf in starkes Husten übergehen, bei dem das Baby offensichtliche Luftnot bekommt und eventuell sogar blau wird, muss es sofort zum Kinderarzt. Es handelt sich um einen Notfall! Dies geschieht jedoch im Regelfall nicht.

Behandlung des Schluckaufs beim Baby

Im Normalfall hört ein Schluckauf auch bei einem Baby von alleine auf. In Ausnahmefällen kann es einige Stunden dauern, jedoch ist kein Eingreifen von Nöten. Auch stören sich die Babys meistens nicht am Schluckauf und können auch mit Schluckauf trinken oder friedlich einschlafen. Trotzdem gibt es einige einfache Möglichkeiten mit denen man den Schluckauf beenden kann, allerdings hat keine der hier aufgeführten Methoden eine hundertprozentige Erfolgsquote.

Insbesondere nach dem Trinken, jedoch auch zu anderen Zeiten kann das Baby auf den Arm genommen werden. Gleichzeitig kann dem Baby sanft auf den Rücken geklopft werden. Dies führt zum sogenannten „Bäuerchen“ (Aufstoßen), was überflüssige Luft aus dem Körper entweichen lässt und die Atmung entspannter ablaufen lässt. Zudem entspannen sich die Babys durch den Körperkontakt und die Wärme, was die Atmung entspannter ablaufen lässt.

Genauso kann es in manchen Fällen helfen dem Baby erneut etwas zu trinken anzubieten. Durch das Trinken verändert sich der Atemrhythmus des Babys, was den Schluckauf durchbrechen kann. Hierbei sind warme Getränke deutlich besser als kalte.

Auch ein warmes Kirschkernsäckchen, welches jedoch nicht zu heiß sein darf, kann auf dem Bauch des Babys entspannend wirken und so wieder zu einem normalen Atemrhythmus führen.

Generell kann man versuchen das Baby auch auf andere Art und Weise zu entspannen (z.B. durch eine leichte Massage der Fußsohlen) oder es abzulenken (z.B. durch ein Spielzeug oder ähnliches). Das Ziel sollte sein das Baby so zu entspannen und abzulenken, dass es von alleine wieder in einen normalen Atemrhythmus zurückfällt.

Letztendlich kann auch versucht werden, dem Baby leicht ins Gesicht zu pusten, dies führt zu einem leichten Erschrecken, also zu Überraschung, wodurch sich der Atemrhythmus verändert und wieder normal werden kann.

Auch bei Schluckauf bei Erwachsenen gibt es viele verschiedene Methoden, die jedoch für Babys sehr ungeeignet und zum Teil sogar gefährlich sein können (z.B. Nase zuhalten), weshalb diese auf gar keinen Fall bei Babys durchgeführt werden sollten!

Dauer des Schluckaufs

Eine genaue Dauer eines Schluckaufs beim Baby vorherzusagen ist unmöglich. Meistens dauert ein Schluckauf bei Babys von wenigen Minuten, bis zu einer halben Stunde an. Auch ein länger anhaltender Schluckauf sollte keine Besorgnis erregen. Dauert der Schluckauf den ganzen Tag, oder scheint er das Baby offensichtlich stark zu stören können Versuche unternommen werden den Schluckauf zu durchbrechen. Hat das Baby durch den Schluckauf Atemnot und wird eventuell blau, so handelt es sich um einen Notfall und das Baby sollte umgehend einem Kinderarzt vorgestellt werden!

Schluckauf im Mutterleib

Schon ab der neunten Schwangerschaftswoche kann ein Schluckauf beim Ungeborenen vorkommen, von der Mutter wird der Schluckauf des Kindes jedoch frühestens ab der 28. Schwangerschaftswoche wahrgenommen. Die Mutter kann den Schluckauf eventuell als kleine, rhythmische Bewegungen wahrnehmen, die durch die Bewegung der Bauchdecke des Ungeborenen beim Schluckauf auftreten. Ein Schluckauf beim ungeborenen Baby ist normal und in keiner Weise gefährlich. Der Schluckauf entsteht, weil das Kind schon früh anfängt die Atemmuskulatur, insbesondere das Zwerchfell, durch das Ein- und Ausatmen von Fruchtwasser zu trainieren. Dabei kann einerseits das noch nicht entwickelte Atemsystem des Babys durcheinander kommen, wodurch ein Schluckauf ausgelöst wird, oder überschüssige Gase werden aktiv durch das „Hicksen“ aus dem Körper ausgestoßen. Insgesamt kann der Schluckauf als Training für die Atemmuskulatur angesehen werden.

Schluckauf beim Baby vorbeugen

Ein Schluckauf beim Baby kann nicht zu 100% verhindert werden und sollte auch gar nicht versucht werden. Der Schluckauf tritt als normales (physiologisches) Zeichen eines noch wachsenden Atmungssystems oder als Schutzreflex beim Trinken auf. Je älter das Kind wird, desto seltener tritt der Schluckauf auf.

Generell kann man darauf achten, dass das Baby entspannt ist und sich wohlfühlt, soweit man dies dauerhaft sicherstellen kann. Auch kann versucht werden starke und plötzliche Temperaturschwankungen zu verhindern. Insbesondere sollte man darauf achten das Baby nicht zu erschrecken.

Gefährlichkeit des Schluckaufs beim Baby

Ein Schluckauf beim Säugling oder Baby ist vollkommen normal und tritt häufig auf. Der Schluckauf ist ein normales (physiologisches) Zeichen eines noch wachsenden Atmungssystems, beziehungsweise ein Schutzreflex beim Trinken. Eltern sollten sich keine Sorgen machen, wenn ihr Kind Schluckauf hat.

Hält ein und derselbe Schluckauf für mehr als einen Tag an, so sollte ein Kinderarzt hinzugezogen werden. Hat das Baby durch den Schluckauf offensichtliche Atemprobleme und wird blau, so handelt es sich um einen Notfall! Das Kind muss sofort zum Arzt! Beides tritt aber nur extrem selten auf.

Weiterführende Informationen

Weitere Themen die Sie interessieren könnten:

Eine Übersicht zu allen Themen die in der Kinderheilkunde veröffentlicht wurden finden Sie hier: Kinderheilkunde A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Seiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: