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    Transferrin

    Definition

    Transferrin ist ein Protein, welches im Stoffwechsel des Eisens eine wichtige Rolle spielt. Das Eisen gelangt mit der Nahrung in den Darm, von dort wird es über bestimmte Transporter in die Darmwandzellen transportiert. Von dort aus muss das Eisen ins Blut gelangen. Da hohe Eisenkonzentrationen im Blut giftig sind, benötigt das Eisen ein Transportprotein, dabei handelt es sich um das Transferrin. Ohne Eisen bezeichnet man das Protein biochemisch gesehen als Apotransferrin. Hat das Apotransferrin sein Eisen gebunden, wird es zum Transferrin.

    Was ist die Transferrinsättigung?

    Die Transferrinsättigung bezeichnet den Anteil des Transferrins, der mit Eisen beladen ist. So schwimmt das Transferrin zum größten Teil in Form seiner Vorstufe (Apotransferrin) frei im Blut herum.

    Erst wenn es das Eisen bindet, wird es nominell zu Transferrin. Der Anteil an Transferrin, der mit Eisen beladen ist, beträgt im Normallfall etwa 20 bis 30%, ist aber bis 50% noch nicht krankhaft erhöht. Die Transferrinsättigung kann aus der Menge an Transferrin und der Konzentration an Eisen im Blut berechnet werden.

    Wann wird Transferrin im Blut bestimmt?

    Transferrin gibt einen guten Überblick über die Situation des Eisenstoffwechsels im Körper.

    Liegt das Transferrin im Normbereich, hat der Körper meist eine ausgeglichene Menge an Eisen aufgenommen. Auch über die Transferrinsättigung können Hinweise auf den Zustand des Eisenstoffwechsels gesammelt werden.

    Ist das Transferrin erhöht, ist dies dagegen oftmals ein Hinweis darauf, dass der Körper zu wenig Eisen hat. Mittels einer Transferrinerhöhung versucht der Körper mehr Eisen aus den Darmzellen aufzunehmen.

    Anzeichen für einen Eisenmangel können vermehrte Müdigkeit, Leistungsschwäche, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten sein. Im Rahmen der Abklärung des Eisenmangels und der daraus resultierenden Anämie (Blutarmut) kann auch eine Bestimmung des Transferrins sinnvoll sein.

    Vermuten Sie einen Eisenmangel als Ursache Ihrer Probleme? - Dann lesen Sie unseren Artikel: Symptome des Eisenmangels

    Im Gegensatz dazu können auch Beschwerden auftreten, die auf einen Mangel an Transferrin hindeuten. In diesem Fall liegt meist eine Überladung mit Eisen vor, wie es beispielsweise bei Eisenspeichererkrankungen (Hämochromatosen) der Fall ist.

    Vermuten Sie eine Eisenspeicherkrankheit als Ursache Ihrer Probleme? - Dann lesen Sie unseren Artikel: Symptome einer Hämochromatose

    Durch die Aufnahme von zu viel Eisen versucht der Körper weiteres Eisen zu meiden, indem er nur noch wenige Transportproteine zur Verfügung stellt. Im Falle des Verdachts auf Eisenspeichererkrankungen kann daher die Bestimmung des Transferrinwertes sinnvoll sein.

    Transferrin gilt auch als Anti-Akut-Phase-Protein, da es bei Entzündungen und Infektionen im Körper häufig erniedrigt ist. Zwar gehört Transferrin nicht zu den klassischen Laborparametern, die man beim Verdacht auf eine Entzündung bestimmt, dennoch kann eine Abnahme des Transferrins im Blut gelegentlich sinnvoll sein und wertvolle Hinweise für den Ursprung des Infektes liefern.

    Wie bestimmt man Transferrin im Blut?

    Da sich das Transferrin im Normalfall im Blut befinden, kann man den Transferrinwert durch eine normale Laborkontrolle des Blutes bestimmen.

    Dazu erfolgt eine Blutentnahme, bei der eine Vene mit einer Nadel angestochen wird, anschließend werden etwa fünf Milliliter Blut in ein Röhrchen gefüllt. Dieses kann anschließend ins Labor verschickt werden, wo verschiedene Werte bestimmt werden.

    Meist macht es Sinn, zusätzlich zum Transferrin auch andere Werte, die im Eisenstoffwechsel eine Rolle spielen, zu bestimmen. Zum einen sollte man den Anteil an Eisen im Serum bestimmen. So kann man Rückschlüsse auf die Transferrinsättigung ziehen. Auch die Bestimmung des Hämoglobinwertes, der Erythrozytenzahl und des Ferritinwertes können sinnvoll sein. Viele Krankheitsbilder ergeben sich aus dem Gesamtbild dieser Blutwerte.

    Wollen Sie mehr zu diesen Laborwerten lesen? - Dann lesen Sie unsere Artikel über:

    Auswertung von Transferrinwerten

    Die Auswertung der Bestimmung von Transferrin erfolgt anhand der Normwerte.

    So liegt bei einem Transferrinwert über 400 mg/dl ein erhöhter Transferrinwert vor. Ab einem Wert unter 200 mg/dl ist das Transferrin erniedrigt.

    Im Zusammenhang mit der Transferrinsättigung (die zwischen 20 und 50% liegen sollte), können sich Hinweise auf Eisenmangelerkrankungen oder Eisenspeicherkrankheiten mit zu viel Eisenaufnahme ergeben.

    Es gibt zudem zwei weitere Formen des Transferrins. Das Beta-2-Transferrin kann beispielsweise im Liquor (Hirnwasser) bestimmt werden und deutet auf Blutspuren hin, die beispielsweise durch einen Bruch der Schädelbasis hervorgerufen werden.

    Eine andere Version des Transferrins (Carbohydrate-Deficient Transferrin) kann ein Anhalt für chronischen Alkoholismus sein.

    Ursachen für einen zu niedrigen Transferrinwert

    Es gibt zahlreiche Ursachen für einen erniedrigten Transferrinwert. Abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung sollte bei Vorliegen eines Transferrinmangels eine ausgedehntere Diagnostik durchgeführt werden.

    Meist hängt die Konzentration an Transferrin im Blut mit dem Eisen zusammen, sodass der gesamte Eisenstoffwechselweg angeschaut werden sollte. Für den Transferrinmangel gibt es viele harmlose Ursachen.

    Als Anti-Akutphase-Protein sinkt der Transferrinwert bei Entzündungen. Ein erniedrigtes Transferrin kann daher durch Erkältungen, Infekte oder die Grippe ausgelöst werden.

    Auch Autoimmunerkrankungen gehen mit Entzündungen im Körper einher, sodass sie den Transferrinwert absenken können.

    Werden viele Erythrozyten (rote Blutkörperchen) zerstört, kommt es zu einer Ausschüttung von Eisen ins Blut. Dieses wird vom Transferrin gebunden, daher fällt in der Folge meist eine hohe Transferrinsättigung auf. Zudem senkt der Körper die Produktion von Transferrin, damit nicht noch mehr Eisen aufgenommen wird.

    Abklärungsbedürftige Ursachen von niedrigen Transferrinwerten sind Erkrankungen der Leber oder Eisenspeicherkrankheiten. Diese Werte treiben zunächst den Ferritinwert in die Höhe und führen in der Folge zu einem erniedrigen Transferrin.

    Eine Ausschüttung von Ferritin wird beispielsweise durch die Schädigung von Leberzellen hervorgerufen. Das Ferritin wird in den Leberzellen gespeichert und tritt bei Schädigungen ins Blut aus. Anschließend kommt es zu einer reaktiven Erniedrigung des Transferrins.

    Ursachen für einen zu hohen Transferrinwert

    Es gibt viele Gründe, warum der Transferrinwert steigen kann. Meist ist ein ausgeprägter Eisenmangel der Ursprung der Veränderung. Der Grund dafür liegt in der Regel in einer zu geringen Eisenzufuhr.

    Als Reaktion darauf steigert der Körper die Produktion von Transferrin, damit mehr Eisen aus dem Darm aufgenommen und im Blut gebunden werden kann. Alternativ sind ein erhöhter Eisenbedarf oder Blutverlust und damit auch der Verlust von Eisen die Gründe für die reaktiv vermehrte Produktion von Transferrin.

    Bei Schwangeren, Ausdauersportlern und Kindern oder Jugendlichen kann der Eisenmangel auch auf einen erhöhten Bedarf zurückzuführen sein. In der Schwangerschaft wird oftmals eine dreifach erhöhte Konzentration an Eisen benötigt, in der Stillzeit ist es nur noch doppelt so viel Eisen.

    Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel über: Eisenmangel in der Schwangerschaft

    Ausdauersportler trainieren ihren Körper zu einem besonders effektiven Sauerstofftransport. Da hierfür viel Eisen benötigt wird, steigt mit zunehmendem Training auch bei diesen Sportlern der Eisenbedarf.

    Kinder und Jugendliche haben meist keinen außergewöhnlich hohen Bedarf an Eisen, jedoch kann in starken Wachstumsphasen plötzlich kurzzeitig besonders viel Eisen benötigt werden.

    Der Verlust von Eisen geht meist mit Blutverlust einher. Häufig sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt die Ursache, doch auch andere chronische Blutungen oder plötzliche starke Blutverluste bei Unfällen oder großen Operationen können auslösend für den Eisenverlust sein. Dies versucht der Körper mit erhöhten Transferrinwerten auszugleichen.

    Grundsätzlich sind Frauen häufiger von hohem Transferrin betroffen. Dies liegt an der phyiologischen (natürlichen) regelmäßigen Menstruationsblutung, bei der ebenfalls nicht zu vernachlässigende Mengen an Blut und Eisen verloren gehen.

    Kosten für eine Transferrinbestimmung

    Die Kosten für eine Transferrinbestimmung lassen sich nicht exakt beziffern. Dies liegt insbesondere daran, dass das Transferrin selten alleine bestimmt wird.

    Stattdessen findet die Bestimmung des Transferrins im Rahmen der Abklärung des gesamten Eisenstoffwechselweges statt. Zeitgleich werden also in der Regel auch das Eisen, das Hämoglobin, die Erythrozytenzahl und das Ferritin bestimmt.

    Um die isolierten Kosten für die Transferrinbestimmung zu berechnen, müsste man zusätzlich die Kosten für die Blutentnahme und das Verschicken der Blutprobe berechnen. In der Regel werden die Kosten für die Transferrinbestimmung von der Krankenkasse übernommen.

    Was kann man tun, wenn die Transferrinwerte verändert sind?

    Veränderte Transferrinwerte sollten in der Regel therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen. Das Transferrin verändert sich nämlich meist erst, wenn schon über eine längere Zeit ein Ungleichgewicht im Eisenstoffwechsel herrscht.

    Damit sind veränderte Transferrinwerte ein Hinweis auf ein Eisenproblem, welches der Körper nicht von selbst wieder regulieren kann.

    Bei erhöhten Transferrinwerten geht man von einem Mangel an Eisen aus, daher ist die Zufuhr von Eisen essenziell für die Therapie des erniedrigten Transferrins. Dies kann oftmals allein über eine Steigerung der Eisenzufuhr mit der Nahrung erreicht werden, indem Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Fleisch, Haferflocken und Nüsse vermehrt verspeist werden. Reicht dies nicht aus, können Eisentabletten über mehrere Monate hinweg gegeben werden.

    Lesen Sie unter folgendem Link alles über die Ernährung bei Eisenmangel

    Oftmals ist es besonders hilfreich, zusätzlich den Vitaminhaushalt zu kontrollieren, da einige Vitamine eine wichtige Rolle bei der Eisenaufnahme spielen.

    Ein erniedrigter Transferrinwert dagegen ist oftmals ein Zeichen für eine Überladung des Körpers mit Eisen. Hier sollte zunächst eine ausführliche Diagnostik erfolgen, da die Ursachen nicht immer harmlos sind.

    Viele der zugrundeliegenden Erkrankungen wie beispielsweise die Hämochromatose sind in frühen Stadien gut behandelbar, entdeckt man sie zu spät, kann es jedoch zu bleibenden Organschäden kommen.

    Was ist der Transferrinrezeptor?

    Bei den Transferrinrezeptoren (TfR) unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Typen.

    Der TfR 1 wird von allen Körperzellen ausgebildet, der TfR 2 dagegen ist fast nur in der Leber zu finden.

    Die Transferrinrezeptoren dienen den jeweiligen Zellen zur Aufnahme von Eisen. Dabei wird das mit Eisen beladene Transferrin an den Rezeptor gebunden. Dies löst in der Zelle einen Mechanismus aus, bei dem das Eisen aus dem Transferrin gelöst und über Kanäle in die Zelle geschleust wird. Anschließend ist das Transferrin wieder geleert und kann neues Eisen aufnehmen.

    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 05.06.2019
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