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Transiente globale Amnesie

Definition

Wie der Name schon verrät handelt es sich bei der transienten globalen Amnesie (TGA) um eine vorübergehende Störung der Gedächtnisfunktion. Von einer globalen Amnesie spricht man wenn alle Funktionen des Gedächtnisses erloschen sind. Es können keine neuen Informationen mehr abgespeichert werden; auch Erinnerungen, die vor Jahren oder Jahrzehnten im Gedächtnis abgelegt wurden, sind bei einer globalen Amnesie nicht mehr abrufbar. Diese Störung hält zwischen 1 und 24 Stunden an.

Ursachen

Die Ursache für eine transiente globale Amnesie ist letztlich nicht endgültig geklärt. Es werden zahlreiche Ursachen diskutiert. In erster Linie denkt man, dass kurzfristige Durchblutungsstörungen im Hirnstamm die vorübergehende Gedächtnisstörung auslösen können. So sieht man in MRT Aufnahmen betroffener Patienten in diesen Arealen entsprechende Auffälligkeiten. Allerdings konnte man nicht zeigen, dass eine transiente globale Amnesie ein Risikofaktor für einen Schlaganfall ist. Dies spricht eher gegen die Hypothese einer vorübergehenden Durchblutungsstörung. Daher bleibt abzuwarten welche weiteren Ergebnisse die Forschung diesbezüglich erzielt.

Welche Medikamente verursachen eine TGA?

Der Begriff transiente globale Amnesie (TGA) steht für eine vorübergehende Gedächtnisstörung, die ohne äußere Einflüsse plötzlich auftritt und auch wieder verschwindet. Natürlich können auch bestimmte Medikamente zu einem kurzfristigen Gedächtnisverlust führen. Man würde dann in der medizinischen Fachsprache aber nicht von einer TGA sprechen. Klassisches Beispiel für Medikamente, die kurzfristig eine Amnesie auslösen, sind Benzodiazepine. Diese wirken auch angstlösend. Aufgrund dieser beiden Effekte sind sie die idealen Medikamente zur Vorbereitung einer Narkose.

Transiente globale Amnesie durch Alkohol

Nach übermäßigem Alkoholkonsum kommt manchmal zu einem sogenannten Blackout. Diese Erinnerungslücke kann mehrere Stunden umfassen. Dies ist auch eine Form der transienten Amnesie, d.h. das Gedächtnis erholt sich im Verlauf wieder. Dabei ist es sehr unterschiedlich ab welcher Alkoholmenge es zu einer Amnesie kommt. Bei chronischem Alkoholkonsum kann durch Vitamin B1 Mangel ein sog. Korsakow Syndrom (Eine Form der Gedächtnisstörung) entstehen. Das Leitsymptom dieser Erkrankung ist die Amnesie. Diese besteht manchmal in einer globalen Form, d.h. sowohl erlebte Ereignisse als auch neue Inhalte können nicht mehr abgerufen werden. Oft sind alte Gedächtnisinhalte aber gut erinnerlich. Neu Erlebtes können sich die Patienten jedoch nicht merken. Unbewusst füllen die Betroffenen diese Erinnerungslücken mit Phantasieinhalten.

Folgender Artikel setzt sich ausführlich mit diesem Thema auseinander: Korsakow-Syndrom

Transiente globale Amnesie durch Müdigkeit

Müdigkeit alleine führt normalerweise nicht zu einer kompletten (= globalen) Amnesie. Einen Zusammenhang zwischen der klassischen transienten globalen Amnesie und Müdigkeit gibt es nicht. Häufig sind bei Müdigkeit jedoch Störungen des Konzentrationsvermögens und eine reduzierte Auffassungsgabe. Auch die Merkfähigkeit kann eingeschränkt sein. Neue Inhalte können nicht mehr so gut im Gedächtnis gespeichert werden. Alte Erinnerungen, zum Beispiel biografische Informationen, können aber auch bei Müdigkeit meist noch ziemlich lange problemlos abgerufen werden.

Transiente globale Amnesie durch Migräne

Ein Zusammenhang zwischen der transienten globalen Amnesie (TGA) und dem Krankheitsbild der Migräne wird immer wieder vermutet. In Studien wurde herausgefunden, dass bis zu 30% der von einer TGA betroffenen Patienten in ihrem Leben auch schon eine Migräneattacke hatten. Oft berichten die Patienten bei einer TGA auch von Kopfschmerzen. dass eine klassische Migräneattacke zu einer TGA führt, konnte jedoch bisher nicht beobachtet werden. Dass Migräne generell ein weit verbreitetes Krankheitsbild ist, und über 20% der Allgemeinbevölkerung bereits einmal in ihrem Leben unter Migräne litten, sollte man wissen.

Diagnostik

Grundlage für jede Diagnose sind Anamnese und körperliche Untersuchung. Bei einer Gedächtnisstörung muss eine gründliche neurologische Untersuchung erfolgen, diese ist bei transienter globaler Amnesie (TGA) meist unauffällig. Im zweiten Schritt sollte immer weiterführende Diagnostik durchgeführt werden. Mittel der Wahl ist die Computertomografie. Zwar finden sich bei der TGA hier keine spezifischen Auffälligkeiten im CT Bild, die Untersuchung ist aber wichtig um einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung ausschließen zu können. Die Diagnose einer TGA kann man oft erst im Nachhinein sicher stellen. Kehrt die Gedächtnisleistung nach spätestens 24 Stunden zurück, geht man von einer TGA aus.

Symptome der transienten globalen Amnesie

Leitsymptom der transienten globalen Amnesie (TGA) ist die Gedächtnisstörung. Die Merkfähigkeit des Patienten ist reduziert. Dies führt zu einer Störung der Orientierung. Der Patient kann keine genauen Angaben zu Zeit, Ort und Situation machen. Auch die jüngere und zum Teil auch die ältere Vergangenheit betreffend bestehen Erinnerungslücken. Dies macht viele Patienten unsicher und rastlos. Oft stellen sie immer wieder die gleichen Fragen, obwohl ihnen diese schon mehrfach beantwortet wurden. Typisch ist auch, dass motorische Abläufe oft noch sehr gut abgerufen werden können. Auto- oder Fahrradfahren bereitet den Patienten meist keine Probleme. Als Begleitsymptom werden zusätzlich Kopfschmerzen angegeben. Weitere neurologische Symptome wie Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen treten bei einer TGA nicht auf. Sollten also andere Begleitsymptome auftreten muss die Diagnose einer TGA kritisch hinterfragt werden. Als Differenzialdiagnosen kommen bei Gedächtnisstörungen immer Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma oder Epilepsie in Betracht. Daher sollte man sehr genau nach entsprechenden Begleitsymptomen Ausschau halten, die für eine TGA nicht typisch sind.

Transiente globale Amnesie postkoital

Der Begriff postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, er bezieht sich also auf Ereignisse, die sich unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr abspielen. In der Literatur sind einzelne Fälle von postkoitaler Amnesie bekannt. Durch die starke Erregung bei einem Orgasmus kann das Kurzzeitgedächtnis vorübergehend aussetzen. In der Anamnese und der körperlichen Untersuchung zeigen sich bei diesen Patienten meist keine Auffälligkeiten. Eine Schnittbildgebung vom Gehirn (meist Computertomografie) sollte zum Ausschluss von Schlaganfall und Hirnblutung durchgeführt werden. Der Zustand bessert sich nach bis zu 24 Stunden spontan.

Therapie

Bei einer transienten globalen Amnesie (TGA) handelt es sich um eine plötzlich einsetzende Gedächtnisstörung, die maximal für einen Zeitraum von 24 Stunden anhält. Eine spezifische Behandlung oder Therapie gibt es nicht. Man muss abwarten bis die Gedächtnisstörung wieder aufhört. Man kann diesen Prozess nicht mittels Medikamenten beschleunigen. Um eine schwerwiegende Ursache für die Gedächtnisstörung auszuschließen muss eine Computertomografie des Schädels durchgeführt werden. Da es sich bei einem Schlaganfall oder eine Hirnblutung um einen medizinischen Notfall handelt, erfolgt meist eine Einweisung ins Krankenhaus.

Dort können diese Ursachen der Gedächtnisstörung schnell ausgeschlossen werden. Bis das Gedächtnis zurückkehrt wird der Patient dann oft stationär überwacht. Symptomatisch können Medikamente verabreicht werden. Klagt der Patient beispielsweise über Kopfschmerzen können diese mittels Schmerztabletten gelindert werden. Grundsätzlich kann ein Patient mit TGA natürlich auch ambulant behandelt werden. Es ist allerdings wichtig, dass der Patient nicht alleine ist, sondern durch eine vertraute Bezugsperson gut betreut wird.

Dauer einer transienten globalen Amnesie

Bei der transienten globalen Amnesie (TGA) handelt es sich um eine vorübergehende Gedächtnisstörung, die plötzlich beginnt und spontan endet. Per Definition dauert sie zwischen 1 und 24 Stunden. Im Mittel hält die Störung zwischen 6 und 8 Stunden an. Danach kehrt das Gedächtnis wieder zurück. Für die Zeit der TGA besteht beim Patienten eine Erinnerungslücke. Auf ältere Gedächtnisinhalte kann nach der TGA wieder problemlos zugegriffen werden, auch die Merkfähigkeit für neue Ereignisse ist nicht eingeschränkt. An die Zeit der TGA hat der Patient keine Erinnerung.

Prognose

Eine transiente globale Amnesie (TGA) ist eine vorübergehende Gedächtnisstörung, die nach maximal 24 Stunden von selbst aufhört. Im Gegensatz zu einer Gedächtnisstörung die durch einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung ausgelöst wird, ist die Prognose bei einer TGA gut. Es bleiben keine Folgeschäden zurück. Die Merkfähigkeit nimmt durch eine TGA keinen Schaden. Allerdings kann bei bis zu 20% der Patienten im Verlauf eine erneute TGA Episode auftreten.

Folgen einer transienten globalen Amnesie

Eine transiente globale Amnesie (TGA) wird für den Patienten und seine Angehörigen meist als sehr belastend erlebt. Zum einen besteht durch die Orientierungsstörung eine erhebliche Unsicherheit auf Seiten des Patienten. Es werden immer wieder die gleichen Fragen gestellt. Neben der Sorge um den Patienten erleben die Angehörigen dies als extrem belastend. Nach 24 Stunden spätestens endet die TGA. Der Patient kann sich an diese Zeit nicht erinnern. Neue Inhalte können dann aber wieder problemlos abgespeichert werden. Auch auf alte Erinnerungen – vor der TGA – hat der Patient jetzt wieder uneingeschränkt Zugriff. Eine Langzeitbeeinträchtigung der Merkfähigkeit konnte bisher in keiner Studie gezeigt werden. Auch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht nicht. Schwerwiegende Folgen sind für Patienten nach einer TGA nicht zu erwarten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema transiente globale Amnesie:

Eine Übersicht aller Informationen der Neurologie finden Sie unter Neurologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.05.2019
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