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Anterograde Amnesie

Definiton

Bei einer anterograden Amnesie leidet der Patient an einer Gedächtnisstörung, bei der die Merkfähigkeit für neue Inhalte massiv eingeschränkt ist.

Erinnerungen, die nach Beginn des auslösenden Ereignisses liegen, können nicht gespeichert werden und gehen nach kurzer Zeit wieder verloren. Anterograd bedeutet nach vorne gerichtet; hier im Bezug auf die zeitliche Dimension. Eine anterograde Amnesie ist häufiger als die retrograde Form und hat schwerwiegende Alltagseinschränkungen für den Betroffenen zur Folge.

Ursachen

Die Ursachen für eine anterograde Amnesie sind zahlreich. Art und Ausmaß der Amnesie können je nach Auslöser stark variieren. Bei einer Gehirnerschütterung oder einem epileptischen Anfall kann es zu einer anterograden Amnesie kommen, diese ist jedoch meist vorübergehend. Auch Vergiftungen mit einer neurotoxischen (=giftig für Nervenzellen) Substanz haben diesen Effekt. Eine Amnesie, die sich im Verlauf verschlimmert, wird als progressive Amnesie bezeichnet. Klassisches Beispiel dafür ist eine Amnesie bei Demenz, z.B. bei der Alzheimer- Krankheit, Chorea Huntington oder Morbus Pick. Auch Kopfverletzungen, Schlaganfälle oder Hirnblutungen können zur Amnesie führen. Dasselbe gilt auch für Tumore im Gehirn.

Seltenerer Auslöser für eine Amnesie ist eine Hirnhautentzündung. Stoffwechselerkrankungen und Mangelernährung können ebenfalls eine Amnesie bewirken. Dies gilt auch für Medikamente und Alkohol. Hier ist der Gedächtnisverlust meist erwünscht und nur zeitweise. Der regelmäßige Konsum von Alkohol kann jedoch auch zum sogenannten Korsakow-Syndrom führen. Neben organischen Ursachen gibt es auch psychogene Faktoren, die zu einer Amnesie führen.

Lesen Sie mehr dazu unter:

Symptome einer Epilepsie

 

Anterograde Amnesie durch Dormicum®/Midazolam

Midazolam ist ein Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine. Es wird unter dem Namen Dormicum® verkauft. Nach Medikamenteneinnahme kommt es kurzzeitig zu einer anterograden Amnesie. Die Merkfähigkeit für neue Ereignisse ist deutlich reduziert. Zudem wirkt das Medikament angstlösend. Diese Effekte macht man sich vor Operationen zu Nutze. Auch in der Notfall- u. Intensivmedizin findet das Medikament Einsatz. Hier wird es über eine dauerhafte Infusion zur Sedierung (Beruhigung) benutzt, z.B. im Rahmen einer Kurznarkose.

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Diagnose eine anterograden Amnesie

Die Diagnose einer anterograden Amnesie kann bereits während des Patientengesprächs (Anamnese) gestellt werden. Zur genaueren Differenzierung können klinische Tests zur Evaluation des Langzeitgedächtnisses durchgeführt werden.

Als nächster Schritt muss mittels umfangreicher Diagnostik nach der Ursache für die Amnesie geforscht werden. Dafür ist eine Schnittbildgebung vom Gehirn unerlässlich. Dies kann mittels CT oder MRT-Untersuchung gemacht werden. Auch ein EEG zur Beurteilung der Hirnströme kann aussagekräftig sein. Besteht der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung als Ursache für die Amnesie müssen Blut und Nervenwasser (Liquor) untersucht werden.

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Begleitende Symptome

Das Leitsymptom der anterograden Amnesie ist der Verlust der Merkfähigkeit für neue Inhalte. Ereignisse, die erlebt werden, können nicht im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden und gehen nach kurzer Zeit wieder verloren.

Neben diesem Gedächtnisverlust kann es zu Orientierungsstörungen kommen. Auch eine Verwirrtheit mit Wahrnehmungsstörungen, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen tritt als Begleiterscheinung auf. Darüber hinaus ist die Ursache für die Amnesie entscheidend, wenn es um die Frage nach begleitenden Symptomen geht.

Bei einem Schädelhirntrauma werden die Nervenzellen im Gehirn durch die Gewalteinwirkung reversibel oder irreversibel geschädigt. Dann sind starke Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen typische Begleitsymptome. Bei einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung können ergänzend neurologische Ausfälle hinzukommen. Hierunter versteht man Funktionsstörungen wie Muskellähmungen, Gefühls-, Sprach- und Sehstörungen. Dies ist abhängig davon welche Bereiche des Gehirns von der Schädigung betroffen sind.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Gedächtnisverlust., Korsakow-Syndrom

Retrograde Amnesie

Bei einer retrograden Amnesie kommt es zu einem Gedächtnisverlust im Bezug auf ein zurückliegendes Ereignis. Die betroffene Person hat keine Erinnerung mehr an Dinge, die vor dem auslösenden Ereignis passiert sind. Die Gedächtnislücke ist allerdings meist relativ klein, d.h. es handelt sich nur um den kurzen Zeitraum unmittelbar vor dem auslösenden Ereignis. Weiter zurückliegende Ereignisse werden oft gut erinnert. Es besteht auch kein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Hirnschädigung und der Dauer des Gedächtnisverlusts.

Als Auslöser für eine retrograde Amnesie sind verschiedene Faktoren bekannt. Häufig ist dies nach einem Schädelhirntrauma der Fall. Der Betroffene erinnert sich nicht an den Unfallhergang. Auch psychogene Auslöser kommen in Frage. Nach einem traumatischen Lebensereignis kommt es zum Gedächtnisverlust. Das Erlebte ist nicht erinnerlich. Im Rahmen von neurochirurgischen Eingriffen sind ebenfalls retrograde Amnesien aufgetreten. Dies kann auch nach einer Elektrokrampftherapie der Fall sein. Meistens handelt es sich bei einer retrograden Amnesie um einen kurzfristigen Zustand, das Langzeitgedächtnis im Bezug auf zukünftige Erinnerung ist meistens nicht betroffen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Retrograde Amnesie

Transiente globale Amnesie

Bei der transienten globalen Amnesie handelt es sich um eine retro und anterograde Gedächtnisstörung, die meist weniger als 24 Stunden anhält. 

Lesen Sie mehr zum Thema:  Transiente globale Amnesie

Therapie und Behandlung

Um eine anterograde Amnesie zu behandeln muss man zunächst feststellen, welche Ursache der Amnesie zugrunde liegt. Oberstes Behandlungsziel sollte es daher sein die Grunderkrankung zu behandeln.

Besteht eine Meningitis (Hirnhautentzündung) werden die Erreger mittels Medikamente bekämpft. Sind Tumore oder Hirnblutungen für die Amnesie verantwortlich, muss zunächst eine Entlastung für das komprimierte Nervengewebe geschaffen werden, indem der Tumor oder die Blutansammlung entfernt werden.

Ist eine Demenz ursächlich für die Amnesie sind die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Es gibt Medikamente mit denen man versucht das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Der Erfolg ist allerdings oft mäßig. Eine Heilung ist nicht möglich.

Nach einem Schlaganfall können sich bestimmte Funktionen wieder verbessern durch Gedächtnistraining. Damit wird versucht andere Areale im Gehirn zu aktivieren um so den Funktionsausfall besser kompensieren zu können. Ist es jedoch zu einem großflächigen Absterben von Nervenzellen gekommen, so ist die Amnesie oft von Dauer. Eine Heilung gibt es dann nicht.

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Prognose

Wie lange eine Amnesie besteht ist von der Ursache des Gedächtnisverlusts abhängig. Nach einem leichtgradigen Schädelhirntrauma besteht die Amnesie mit etwas Glück nur vorübergehend.

Liegt eine Demenz als Ursache für den Gedächtnisverlust zugrunde, wird sich die Symptomatik im Verlauf eher verschlimmern. Bei einer Meningitis (Hirnhautentzündung) werden die Erreger meist medikamentös behandelt, dadurch ist die Amnesie oft rückläufig. Auch nach Schlaganfällen können nicht irreversibel geschädigte Hirnareale im Gehirn wieder aktiviert werden. Dies führt teilweise zu einer deutlichen Funktionsverbesserung.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.05.2019
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