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Bauchspeicheldrüsenschwäche - Das sollten Sie wissen!

Was ist eine Bauchspeicheldrüsenschwäche?

Der Begriff Bauchspeicheldrüsenschwäche beschreibt eine Unterfunktion desjenigen Teils der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), der für die Produktion von Verdauungsenzymen und Bikarbonat zuständig ist. Die Enzyme zur Aufspaltung der Nährstoffe und das Bikarbonat, welches die im Nahrungsbrei enthaltene Magensäure neutralisieren soll, werden über einen Ausführungsgang in den Dünndarm abgegeben und gehen dort ihren Aufgaben nach. Bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche führt der Mangel an Enzymen und Bikarbonat zu verschiedenen körperlichen Symptomen, die gemeinsam mit ärztlichen Untersuchungen zur korrekten Diagnose führen und eine angemessene Therapie nach sich ziehen sollten.

Übrigens: Weist der andere Teil der Bauchspeicheldrüse, der für die Produktion von Insulin und dessen Gegenspieler Glukagon zuständig ist, eine Unterfunktion auf, so spricht man von einer„endokrine Bauchspeicheldrüsenschwäche“. Dieser Begriff wird jedoch eher selten verwendet, da es sich hierbei schlicht und ergreifend um einen Diabetes Mellitus handelt. Daher wird in diesem Artikel auch nur die exokrine Bauchspeicheldrüsenschwäche behandelt.

Falls Sie sich jedoch weitere Informationen zur endokrinen Pankreasunterfunktion wünschen, empfehlen wir Ihnen unsere Seite zu:  Diabetes Mellitus.

Symptome einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Die maßgeblichen Symptome einer Bauchspeicheldrüsenschwäche ergeben sich aus der Funktion des Organs und somit der Sekretion von Verdauungsenzymen. Werden bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche nicht mehr ausreichend Enzyme gebildet, kommt es zu einer verstärkten Ausscheidung unverdauter Nahrungsbestandteile. Wird beispielsweise unverdautes Fett über den Stuhl ausgeschieden, färbt es diesen ungewöhnlich hell und lässt ihn besonders übel riechen. Der eindrückliche Charakter dieser Art von Stuhl hat ihm sogar eine eigene Bezeichnung eingebracht, den „Fettstuhl“. Der Fettstuhl mag zwar eine durchaus unangenehme Krankheitserscheinung sein, doch die meisten Betroffenen leiden noch deutlich stärker unter den zusätzlich auftretenden Durchfällen, Bauchschmerzen und Blähungen. Aber nicht nur Fett, sondern auch die anderen Nährstoffe werden bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche nicht richtig verdaut und so entwickelt sich bei vielen Betroffenen mit der Zeit ein Gewichtsverlust bzw. bei Kindern eine Gedeihstörung. Manche Betroffene beobachten darüber hinaus im Verlauf eine verstärkte Blutungsneigung, die auf die eingeschränkte Vitamin-K-Aufnahme zurückzuführen ist.

Das könnte Sie auch interessieren: Symptome der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz       

Aufgrund des Umstands, dass eine Bauchspeicheldrüsenschwäche häufig von einer Entzündung des Organs (Pankreatitis) verursacht wird, sind die Symptome der Entzündung für manche Betroffene auch die ersten Anzeichen der Bauchspeicheldrüsenschwäche: Als typisch für die Pankreatitis ist ein gürtelförmiger, manchmal bis in den Rücken ausstrahlender, Oberbauchschmerz.

Weitere Informationen zum Thema "Pankreatitis" finden Sie unter: Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Wenn eine Bauchspeicheldrüsenschwäche schon im Kindesalter auftritt, ist sie meist auf eine Mukoviszidose zurückzuführen: Aus der bei dieser Erkrankung vorliegenden Fehlfunktion eines Gens resultiert die Produktion eines deutlich zu zähflüssigen Sekrets (nicht nur in der Bauchspeicheldrüse, sondern vor allem auch in den Atemwegen). Dadurch kommt es zu einem „Verkleben“ der Ausführungsgänge der Bauchspeicheldrüse und zu einem Rückstau des Sekrets. Das führt dazu, dass die im Sekret enthaltenen Verdauungsenzyme gewissermaßen anfangen, das Organ selbst zu verdauen.

Weitere Informationen zur Mukovidzidose als eine mögliche Ursache der Bauchspeicheldrüsenschwäche finden Sie unter: Mukoviszidose

Bei Erwachsenen gilt eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) als mit Abstand häufigste Ursache. Eine akute Entzündung ist dabei meist auf eine Blockierung des gemeinsamen Ausführungsgangs von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse durch einen Gallenstein zurückzuführen. Diese begünstigt nach dem gleichen Prinzip wie oben für die Mukoviszidose beschrieben einen „Selbstverdau“ des Organs. Chronische Entzündungen hingegen resultieren am häufigsten aus chronischem Alkoholkonsum.

Vertiefende Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Bauchspeicheldrüsenentzündung - Wie gefährlich ist das?

Behandlung einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Zentral für die Behandlung einer Bauchspeicheldrüsenschwäche ist in erster Linie die weitestmögliche Beseitigung ihrer Ursache. Folglich sollte zunächst der Alkoholkonsum auf ein absolutes Minimum beschränkt oder am besten komplett aufgegeben werden. Ist ein Gallenstein die Ursache, muss dieser beseitigt werden, was je nach Zusammensetzung und Größe des Steins auf unterschiedliche Weise erfolgen kann. Im Anschluss muss man dem Körper Ersatz für die Verdauungsenzyme, die aufgrund der Bauchspeicheldrüsenschwäche  in zu geringem Maße gebildet werden, liefern. Die Patienten erhalten dazu ein aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen hergestelltes Enzymgemisch, das als Pankreatin bezeichnet wird. Dazu existieren auch pflanzliche Alternativen, über deren Wirksamkeit jedoch noch diskutiert wird. Schwerer betroffene Patienten benötigen darüber hinaus Präparate, die die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K enthalten.

Die richtige Ernährung bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Da unverdautes Fett der wesentliche Faktor für die Symptome einer Bauchspeicheldrüsenschwäche (Bauchschmerzen, Blähungen, übelriechender Durchfall) ist, hilft es vielen Betroffenen, wenn sie den Anteil an Fett in ihrer Ernährung vermindern. Probieren Sie also einmal den fettreduzierten Joghurt oder die fettarme Milch, verwenden Sie Margarine anstelle von Butter und braten Sie Nahrungsmittel in weniger Öl als gewohnt an oder gar in Wasser – funktioniert erstaunlich gut! Alkohol sollte weitestgehend tabu sein und nur in sehr geringen Mengen konsumiert werden, am besten jedoch gar nicht. Darüber hinaus ist seit längerem bekannt, dass Bitterstoffe die Tätigkeit des Magens und der Bauchspeicheldrüse anregen können. Sie sind etwa in Curry, Zimt, Rucola und Artischocken enthalten. Auch der Espresso nach dem Essen ist dank seiner Bitterstoffe ein probates Mittel. Um Darm und Bauchspeicheldrüse zu entlasten, sollten Sie zudem darauf achten, langsam zu essen und die Nahrung vor dem Herunterschlucken ausgiebig zu kauen. Entscheidend für das Wohlbefinden der Patienten ist aber in allererster Linie die regelmäßige Zufuhr der Ersatzpräparate vor den Mahlzeiten, da diese den aufgrund der Bauchspeicheldrüsenschwäche reduzierten Enzymgehalt im Darm ausgleicht und auf diese Weise dazu beiträgt, das Ausmaß der notwendigen Ernährungsumstellung in einem erträglichen Ausmaß zu halten.

Homöopathie bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Die Homöopathiker sprechen vor allem der Dickstieligen Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) einen positiven Einfluss auf die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse zu. Andere raten zur Einnahme von Pancreatinum oder Phosphorus. An dieser Stelle sollte jedoch betont werden, dass keine wissenschaftlichen Belege für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen existiert und das vermeintliche Wirkprinzip der Homöopathie sämtlichen wissenschaftlichen und logischen Überlegungen widerspricht. Die Homöopathie sollte daher bei der Bauchspeicheldrüsenschwäche, wenn überhaupt, nur als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung und keinesfalls als Entweder-oder-Alternative herangezogen werden.

Krankheitsverlauf bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Eine Bauchspeicheldrüsenschwäche ist in der Regel nicht mehr rückgängig zu machen. Die Prognose ist dabei stark von der Ursache, dem Ausmaß der Unterfunktion und dem Zeitpunkt der Diagnose und Therapieeinleitung abhängig: So ist es beispielsweise nicht unwahrscheinlich, dass eine umgehend erkannte und behandelte akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse aufgrund eines Gallensteins nur relativ geringfügige Funktionseinschränkungen des Organs nach sich zieht oder sich die Funktionsfähigkeit sogar nach einigen Wochen bis Monaten vollständig erholt. Andererseits zeigt sich aber gerade bei chronischen Ursachen (z.B. Alkoholkonsum) häufig eine immer weiter abnehmende Funktion der Bauchspeicheldrüse, die immer stärkere Beschwerden verursacht und eine stetige Intensivierung der Therapiemaßnahmen erfordert.

Ist eine Bauchspeicheldrüsenschwäche heilbar?

Eine bestehende Bauchspeicheldrüsenschwäche ist in der Regel nicht komplett heilbar. Doch auch wenn sich die Betroffenen folglich ihr Leben lang mit der Erkrankung auseinandergesetzt sehen, können die meisten Krankheitsverläufe mit den heute verfügbaren Mitteln sehr positiv beeinflusst werden. Nichtsdestotrotz kommt es im Lauf der Zeit zumeist zu einer schleichenden Verschlechterung der Funktionsfähigkeit des Organs. Um diese und ihre möglichen Folgen überwachen zu können, ist ein konsequentes Einhalten der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen dringend zu empfehlen.

Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenschwäche

Die vom Patienten beschriebenen Symptome und die körperliche Untersuchung liefern dem Fachmann meist schon gute Hinweise für die Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenschwäche. Um den Verdacht zu bestätigen, wird jedoch ein klares Testergebnis benötigt. Die Stuhlprobe liefert dieses mit relativ hoher Zuverlässigkeit und relativ geringem Aufwand. In dieser wird nämlich die Konzentration zweier wichtiger Verdauungsenzyme gemessen, die im Normalfall von der Bauchspeicheldrüse produziert und in den Darm abgegeben werden. Liegt die gemessene Konzentration unterhalb des Normbereichs, kann dies als Zeichen einer verminderten Funktionsfähigkeit des Organs, also einer Bauchspeicheldrüsenschwäche interpretiert werden. Im Einzelfall kann zur Bestätigung des Testergebnisses noch ein Sekretin-Pankreozym-Test ergänzt werden (s.u.).

Welcher Test kann eine Bauchspeicheldrüsenschwäche nachweisen?

Der Standardtest zum Nachweis einer Bauchspeicheldrüsenschwäche besteht in der Bestimmung der Konzentration an Chymotrypsin und Elastase-1 in einer Stuhlprobe des Patienten. Dabei handelt es sich um Verdauungsenzyme, die in der Bauchspeicheldrüse hergestellt und anschließend in den Darm abgegeben werden, um dort die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe aufzuspalten. Eine verminderte Konzentration dieser Enzyme im Stuhl spricht folglich für eine Bauchspeicheldrüsenschwäche. Im Normalfall liefert dieser Test ausreichend zuverlässige Ergebnisse, gelegentlich kann aber zusätzlich ein Sekretin-Pankreozym-Test notwendig werden. Diese Enzyme sind Stimulatoren der Produktionsvorgänge in der Bauchspeicheldrüse. Sie werden dem Patienten vor dem Test verabreicht und anschließend wird eine Sonde in den Darm vorgeschoben, die so die maximale Sekretionsrate des Organs messen kann.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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