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Blutgruppen

Synonyme

Blut, Blutgruppe, Blutarten

Englisch: blood group

Definition

Die Bezeichnung „ Blutgruppen“ beschreibt verschiedene Zusammensetzungen von Glykolipiden oder Proteinen (Eiweiße) auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese Oberflächenproteine fungieren als Antigene.
Aus diesem Grund wird nichtkompatibles Fremdblut bei Transfusionen als Fremd erkannt und führt zur Bildung so genannter Antigen- Antikörperkomplexe. Diese verklumpen (agglutinieren) und können so zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen. Die Zusammensetzung dieser Oberflächenbestandteile ist erblich und kann damit zur Klärung von Verwandtschaftsverhältnissen herangezogen werden. Von der ISBT (Internationale Gesellschaft f ür Bluttransfusion) werden 29 verschiedene Blutgruppensysteme unterschieden. Die wichtigsten sind das AB0- und das Rhesus- System.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Bluttransfusion

AB0- System

Allgemeines
Das AB0- System der Blutgruppen ist das wichtigste Blutgruppensystem und umfasst vier Gruppen:

  1. A
  2. B
  3. AB und
  4. 0

Dieses System wurde 1901 von Karl Landsteiner aufgestellt. 1930 erhielt dieser für die Entdeckung des AB0- Systems den Nobelpreis.

Funktion des AB0- Systems
Die einzelnen Blutgruppentypen bilden verschiedene Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Das heißt, Personen der Blutgruppe A tragen Antigene vom Typ A , Blutgruppe B trägt Antigene des Typ B auf der Erythrozytenoberfläche. Personen der Blutgruppe 0 tragen keine Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen, während die Blutgruppe AB beide Antigentypen trägt.
Gleichzeitig bildet der Körper Antikörper gegen die anderen Oberflächenbestandteile. Somit haben Personen der Blutgruppe A Antikörper gegen Typ B, während Personen der Blutgruppe B Antikörper gegen Typ A haben. Personen der Gruppe AB tragen keine Antikörper, Blutgruppe 0 hat hingegen beide Antikörpertypen A und B.
Ursache für die Bildung der Antikörper sind Bakterien, die im Laufe des ersten Lebensjahres in unseren Körper eindringen. Diese tragen ähnliche Oberflächenstrukturen wie die Erythrozyten und führen so, wenn sie als „fremd“ erkannt werden, zur Bildung von Antikörpern. Die Blutgruppen A und B werden dominant gegenüber der Gruppe 0 vererbt. Untereinander sind die Typen A und B kodominant. Typ 0 hingegen vererbt sich rezessiv gegenüber A und B. Durch diese Art der Vererbung kann die Blutgruppenzugehörigkeit zur Bestimmung von Verwandtschaftsverhältnissen hinzugezogen werden.

Da die Blutgruppen A und B sowohl den Genotyp AA bzw. BB als auch A0 bzw. B0 tragen können, ist es wahrscheinlicher eine dieser Blutgruppen zu tragen. Hingegen können Personen der Blutgruppe 0 nur den Genotyp 00 und Personen der Blutgruppe AB nur den Genotyp AB tragen.

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Komplikationen
Durch die Bildung verschiedener Antigene in Abhängigkeit von der vorherrschenden Blutgruppe, kann es bei Bluttransfusionen zur Blutgruppeninkompatibilität kommen.
Grund hierfür sind die gebildeten Antikörper gegen die „fremden“ Oberflächenbestandteile der Erythrozyten. Somit dürfen Personen der Blutgruppe A niemals Blut von Personen der Blutgruppe B erhalten, da dies zu Agglutinationen und damit zu Verstopfungen sämtlicher Gefäße führen würde. Zudem kann es zur Zerstörung sämtlicher Erythrozyten führen, dies kann mit dem Tode enden. Da die Blutgruppe AB keine Antigene bildet, können diese Personen Bluttransfusionen aller anderen Blutgruppen erhalten. Wohingegen Personen der Blutgruppe 0 immer Spender sein kann, allerdings nur Blut der Gruppe 0 empfangen darf.

Häufigkeit
Die Blutgruppen A und 0 sind die häufigsten Blutgruppen der Population. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch weltweit. Die Blutgruppe B ist mit 11% in Deutschland und 14% in Europa eine eher seltenere Blutgruppe. Die mit Abstand seltenste Gruppe ist jedoch AB. Diese tragen in Deutschland nur ca. 5% der Bevölkerung, in Europa sind es ca. 6,5%.

Rhesus- System

Allgemeines

Ebenso wie das AB0-System der Blutgruppen ist auch das Rhesus-System eines der wichtigsten Blutgruppensysteme heutzutage. Hierbei handelt es sich um Antikörper gegen Blutbestandteile. Der Name stammt von Versuchen mit Rhesusaffen, durch die 1937 von Karl Landsteiner der Rhesusfaktor entdeckt wurde.
Aufgrund der schon bestehenden A und B der Blutgruppen Nomenklatur für das zuvor entdeckte AB0-System führte er dieses als C, D und E weiter. Dabei ist der Rhesusfaktor D besonders bedeutend. Dieser kann bei einem Menschen vorhanden, also positiv (D+), oder nicht vorhanden und damit negativ (d-) sein. Der Rhesusfaktor wird dominant vererbt, weshalb die Rhesus-negative Blutgruppe selten ist.
Funktion des Rhesus- Systems

Komplikationen

Die Antikörper gegen den Rhesusfaktor bilden sich nur nach Kontakt mit diesem, beispielsweise bei Schwangerschaften oder Bluttransfusionen. Somit kann es bei Rhesus- negativen Müttern zu Komplikationen der Blutgruppen in einer zweiten Schwangerschaft führen. Dabei sind nicht die Mütter, sondern die Feten gefährdet. Durch Kontakt zwischen dem fetalen Rhesus-positiven Blut eines Feten und dem Rhesus- negativen Blut der Mutter, bildet diese Antikörper gegen den Rhesusfaktor. Der Mutter selbst macht dies keinerlei Probleme, da sie nicht die entsprechenden Antigene besitzt. Kommt es allerdings zu einer erneuten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind, so können die mütterlich gebildeten Antikörper die Erythrozyten des Feten zerstören und damit zum Morbus hämolyticus neonatorum oder sogar zum Tod führen. Durch Blutaustausch kann dieser Komplikation entgegengewirkt werden. Dies ist heutzutage allerdings nicht mehr nötig, da schon bei der ersten Schwangerschaft eine Anti-D Prophylaxe durchgeführt wird, welche eine Antikörperbildung verhindert.

Lesen Sie mehr zum Thema: Rhesusunverträglichkeit

Kell-Cellano-System

Das Kell- System ist das drittwichtigste Blutgruppensystem. Auch dieses führt bei Inkompatibilität zwischen Spender und Empfänger zu einem hämolytischen Transfusionssyndrom und kann tödlich enden.
Aus diesem Grund werden in der Regel alle Blutspender in Deutschland und Österreich auf den Kell-Antikörper getestet. Ca. 92% der Bevölkerung sind Kell-negativ, etwa 7,2% sind mischerbig und können Kell-negatives oder – positives Blut erhalten. Nur ca. 0,2% der Bevölkerung sind Kell- positiv und benötigen bei Bluttransfusionen Kell-positives Blut. Aus diesem Grund ist Kell-negatives Blut für fast jeden Patienten bei Transfusionen zu gebrauchen. Das Kell-System basiert auf 34 bisher bekannten Antigenen, die durch Gene des Chromosom 7 kodiert werden.
Das Kell-System spielt auch in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle und kann ähnlich wie das Rhesus- System zur Antikörperbildung der Mutter und somit zu Gefahren bei einer zweiten Schwangerschaft führen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Rhesusunverträglichkeit

Die Kell-Unverträglichkeit tritt allerdings jedoch wesentlich seltener auf als die Rhesus-Inkompatibilität. Trotzdem wird es bei einer Schwangerschaft, neben den anderen Blutgruppenbestimmung, getestet. Allerdings gibt es keine Prophylaxe, wie sie bei der Rhesus-Inkompatibilität verfügbar ist. Aus diesem Grund ist eine engmaschige Überwachung der Schwangerschaft indiziert.

Duffy- System

Der Duffy- Faktor der Blutgruppen ist ein Antigen und zugleich ein Rezeptor für Plasmodium vivax. Dieses ist Erreger der Malaria- Erkrankung. Personen, welche keinen Duffy- Faktor ausbilden sind somit Malaria- resistent. Sonst hat das Duffy- System keine weitergehende wichtige Bedeutung.

Zusammenfassung

Die Bestimmung der Blutgruppeneigenschaften gehört mit zu den wichtigsten diagnostischen Mitteln, um Transfusionsprobleme zu vermeiden. Die häufigsten und bekanntesten Systeme sind das AB0- System und das Rhesus- System. Diese werden in den westlichen Ländern routinemäßig bei jeder Person im Kindesalter bestimmt und sind auch den meisten Personen bekannt. Neben diesen beiden Systemen gibt es noch ca. 28 andere Blutgruppensysteme, welche jedoch im täglichen Gebrauch weniger bedeutend und deswegen nicht bekannt sind. Einzelne Systeme, wie beispielsweise das Duffy- System können positive Auswirkungen auf andere Erkrankungen haben. So besteht eine Malaria- Resistenz bei negativem Duffy- Faktor.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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