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Entzündung Blut

Synonyme

Entzündungsparameter, Entzündungswert, Akute-Phase-Protein, Blutparameter bei Entzündung, Blutwert bei Entzündung

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Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit

Die Messung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG), auch Blutsenkungsreaktion oder Erythrozytensedimentationsrate (ESR) genannt, ist eine recht alte, aber auch heutzutage noch relevante Methode zur Bestimmung des allgemeinen Entzündungszustandes eines Menschen.

Gemäß der 1921 entwickelten Methode werden 1,6 ml Patientenblut mit 0,4 ml 3,8-prozentiger Natriumcitratlösung vermischt, um eine Gerinnung des Blutes zu verhindern. Dieses Gemisch wird in einem sehr dünnen Glasröhrchen von 20cm Länge aufgezogen und senkrecht stehengelassen. Durch die Schwerkraft sinken die im Blut enthaltenen roten Blutkörperchen (Erythrozyten) langsam zu Boden, und im oberen Bereich des Röhrchens entsteht ein nahezu zellfreier, mit bloßem Auge klar abgrenzbarer Bereich. Die Höhe dieses (in mm gemessenen) Bereiches wird nach einer Stunde (bei gewissen Fragestellungen auch nach 2 oder sogar 24 Stunden) abgelesen. Bei einer Entzündung neigen durch die mit ihr einhergehenden Blutveränderungen die roten Blutkörperchen dazu, sich zusammen zu lagern und dann, wegen des nun geringeren Strömungswiderstandes, schneller zu Boden zu sinken.

Problematisch ist eine Beurteilung der BSG aus mehreren Gründen. Es gibt sehr viele Faktoren, die die BSG beeinflussen.
So führen eine verminderte Anzahl an Blutkörperchen (Hämatokrit), verschiedene Medikamente (wie etwa Steroide), Alter, Schwangerschaft, erhöhtes Fibrinogen, sowie Immunglobuline und Akute-Phase-Proteine zu einer erhöhten BSG, während viel Albumin (das häufigste Bluteiweiß), jodhaltige Kontrastmittel, viel Ausdauersport und verformte oder unterschiedlich große rote Blutkörperchen zu einer niedrigeren BSG führen.

Dass es so viele Einflussfaktoren gibt, führt zum einen dazu, dass bei einer erhöhten BSG eine Vielzahl an Erkrankungen (Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Krebserkrankungen) oder anderen Umständen als Ursache in Frage kommen, und zum anderen dazu, dass eine normale BSG diese nicht immer ausschließt.

Des weiteren variieren die angegebenen Grenzwerte je nach Quelle teils erheblich.
Auch beschreiben Forscher eine Fülle an Möglichkeiten, z.B. durch unterschiedliche Temperatur oder Fehler bei der Volumenbemessung von Blut und Natriumcitrat, mit gleichem Patientenblut unterschiedliche BSG-Werte zu erhalten. Nach einer Infektion dauert es ca. 4 Wochen, bis sich die BSG wieder normalisiert.

Zumeist gilt als oberer Grenzwert der BSG nach einer Stunde Senkzeit für unter 50-Jährige 15mm für Männer und 20mm für Frauen, für über 50-Jährige 20mm bzw. 30mm. Eine Beurteilung eines BSG-Wertes sollte immer nur im klinischen Kontext und vorzugsweise in Kombination mit anderen Entzündungsparametern erfolgen.


Einleitung

Auf zahlreiche Belastungen der Gesundheit wie Verletzungen, Operationen, Autoimmunerkrankungen, vor allem aber auf Infektionen reagiert der Körper nicht nur vor Ort, sondern auch systemisch. Wesentlicher Bestandteil dieser Reaktion - der Entzündung - ist die Veränderung der Konzentration bestimmter Zellen und Stoffe im Blut.

Manche von ihnen – die Entzündungswerte – werden routinemäßig zu Diagnose- und Therapiekontrollzwecken im Labor gemessen. Vielen lassen sich inzwischen recht genaue Aufgaben innerhalb des menschlichen Immunsystems zuordnen.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema: Entzündungswerte im Blut

Ursachen

Wird das Immunsystem des Menschen durch eine Bedrohung wie etwa einen Keim in Alarmbereitschaft versetzt, so schütten die Zellen, die diese Gefahr bemerkt haben, Botenstoffe aus. Diese Botenstoffe regen die Leber zu vermehrter Produktion von Akute-Phase-Proteinen an und hemmen dort die Bildung von Anti-Akute-Phase-Proteinen. Akute-Phase-Proteine sind Proteine, die bei einer Entzündung vermehrt im Blut anzutreffen sind, Anti-Akute-Phase-Proteine vermindert. All diese Stoffe werden von den Leberzellen in das Blut ausgeschüttet und mit diesem bis in die hinterste Ecke des Körpers transportiert.

Ebenso werden im Knochenmark vermehrt weiße Blutkörperchen (Leukozyten) – die Immun- oder Entzündungszellen - gebildet und an das Blut abgegeben. Dadurch möchte sich der Körper in die Lage versetzen, der Bedrohung besser begegnen zu können. So wird etwa mit mehr Gerinnungsfaktoren (wie Fibrinogen und Faktor VIII) die Gerinnungsfähigkeit des Blutes bei einer Entzündung erhöht, um durch Bildung von Gerinnseln (Thromben) im Entzündungsgebiet ein Ausbreiten des Erregers über den Blutweg zu unterbinden.

Andere Stoffe, wie die das C-reaktive Protein (CRP) markieren Eindringlinge und machen sie so für Immunzellen besser erkenntlich. Die Immunzellen erfüllen zahlreiche Aufgaben innerhalb des menschlichen Abwehrsystems und schütten ihrerseits bei einer Entzündung viele Botenstoffe aus, die die Immunantwort koordinieren und regulieren, aber auch für manche Krankheitssymptome wie etwa das Fieber verantwortlich sind.

C-reaktives Protein

Das C-reaktive Protein ist „das“ klassische Akute-Phase-Protein. Es wird bei Entzündung in der Leber gebildet und an das Blut abgegeben. Seine Aufgabe ist es, sich an tote Zellen und Bakterien zu heften und sie so für Fresszellen (Makrophagen) zu markieren. Auch aktiviert es mit dem Komplementsystem einen wesentlichen Bestandteil der zwar ungenauen (unspezifischen), gelösten (humoralen), aber dafür sehr schnellen Immunantwort. Dadurch ist es ein elementarer Baustein des menschlichen Abwehrmechanismus.

Ähnlich wie eine BSG-Erhöhung zeigt ein erhöhter CRP-Wert ein entzündliches Geschehen an, gibt jedoch keinen Rückschluss darauf, welches. Im Gegensatz zur BSG steigt der CRP-Wert bei einer Entzündung jedoch wesentlich rascher an, und fällt danach auch schneller (nach ca. 1 bis 2 Wochen) wieder auf ein normales Niveau. Ein weiterer Vorteil des CRP-Wertes ist, dass bakterielle Infektionen ihn eher in die Höhe treiben als virale, und er somit als Differenzierungsindiz dienen kann. Als unbedenklich gelten Werte von weniger als 5mg/l.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: CRP-Wert

Leukozyten

Die weißen Blutkörperchen – auch Entzündungszellen, Abwehrzellen oder Immunzellen genannt - werden im Knochenmark gebildet und sind Hauptbestandteil des menschlichen Abwehrsystems. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Vertretern, die mannigfaltige Aufgaben erfüllen. Ein Teil ihrer Wirkmechanismen und ihres Zusammenspiels ist heute noch Gegenstand intensiver Forschung.

In venösem Patientenblut kann man im Rahmen eines so genannten kleinen Blutbildes die Mengen an roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten), sowie Blutplättchen (Thrombozyten) bestimmen. Als normal werden dabei 4000 bis 12000 weiße Blutkörperchen pro ?l Blut angesehen. Werden mehr davon beobachtet (Leukozytose), so ist dies ein Hinweis auf einen Infekt, kann aber auch Folge anderer Erkrankungen, wie etwa eines Blutkrebses (Leukämie) sein. Auch dauerhafter Genuss von Tabakrauch oder eine längerfristige Einnahme von Steroiden kann eine dezente Vermehrung von weißen Blutkörperchen erklären.

Im Rahmen eines großen Blutbildes (kleines Blutbild plus Differenzialblutbild) werden die prozentualen Anteile der Hauptgattungen weißer Blutkörperchen an ihrer Gesamtmenge ermittelt. Dies ist vor allem zur Abklärung von auffälligen Leukozytenzahlen oder bei Blutkrebsverdacht nötig. Eine Vermehrung von jungen (stabkernigen) sogenannten neutrophilen Granulozyten (Linksverschiebung) kann als Hinweis auf ein bakterielles Geschehen angesehen werden.

Weiterführende Informationen

Mehr zum Thema Laboruntersuchungen finden Sie hier:

Weitere Informationen finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.07.2018
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