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Blutschwamm beim Baby

Definition

Bei einem Blutschwamm handelt es sich um eine gutartige Geschwulst, die durch eine Wucherung von kleinen Blutgefäßen der Haut zustande gekommen ist. Blutschwämme neigen nicht zur einer bösartigen Entartung. Da sie aus kleinsten Blutgefäßen bestehen, schimmern sie rötlich oder bläulich und sind leicht erhaben. Blutschwämme, fachsprachlich Hämangiome genannt, sind etwa zu einem Drittel schon von Geburt an vorhanden. Die restlichen Blutschwämme treten um die dritte bis vierte Lebenswoche auf. Etwa ein bis drei Prozent aller Babys sind von einem Blutschwamm betroffen. Bei Mädchen treten Blutschwämme etwa fünfmal häufiger auf als bei Jungen.

Wichtige Sonderform des Hämangioms ist auch das kavernöse Hämangiom. Lesen Sie, um mehr darüber zu erfahren: Kavernöses Hämangiom - Wie gefährlich ist das?

Ursachen

Warum Blutschwämme entstehen ist bisher noch nicht wirklich geklärt. Man geht davon aus, dass in vielen Fällen eine erbliche Komponente vorhanden ist. Maßnahmen zur Vorbeugung eines Blutschwammes bei einem Neugeborenen gibt es nicht. Eine Theorie zur Ursachenerklärung eines Blutschwammes besagt, dass Blutschwämme durch eine Fehlregulation der Gefäßbildung in der Frühschwangerschaft entstehen.

Diagnose

Meistens kann die Diagnose Blutschwamm als Blickdiagnose gestellt werden. Dies bedeutet, dass das Aussehen eines Blutschwammes meist relativ charakteristisch ist, sodass der Arzt ohne Hinzuziehung weiterer Diagnostik die Diagnose anhand des Aussehens treffen kann. Teilweise schließt sich allerdings noch eine Ultraschalluntersuchung und in ganz seltenen Fällen eine Computertomographie an, um die Ausdehnung des Blutschwammes nach Innen einschätzen zu können. Zusätzlich sollte das Hämangiom ausgemessen werden, damit bei weiteren Kontrollen die Größe verglichen werden kann. Im Optimalfall findet zusätzlich noch eine Fotodokumentation seitens des Arztes statt, so kann der Blutschwamm bei weiteren Kontrollen am besten verglichen werden.

Begleitende Symptome

In der Regel werden Blutschwämme nicht von weiteren Symptomen begleitet. Sie jucken nicht und sind auch nicht schmerzhaft. Teilweise können sie ein wenig druckempfindlich sein. Blutschwämme sind gutartige Tumore, die im Prinzip harmlos sind. Neben den von außen sichtbaren Blutschwämmen gibt es aber auch innerliche Blutschwämme, die nicht auf der Haut wachsen und somit von außen nicht sichtbar sind. Diese inneren Hämangiome können durch ihr Wachstum innere Organe beeinträchtigen, indem sie Strukturen komprimieren. So kann es durch innere Blutschwämme abhängig von ihrer Lokalisation zum Beispiel zu Atembeschwerden, Beschwerden mit der Nahrungsaufnahme oder zu Gelbsucht kommen. Auch das Hören und Sehen kann möglicherweise durch innere Blutschwämme beeinträchtigt werden. Besitzt ein Kind mehrere äußere Blutschwämme sollte ein Arzt mittels Ultraschall auch nach inneren Blutschwämmchen schauen.

Behandlung

In der Regel muss ein Blutschwamm nicht therapiert werden. Häufig schrumpft er sogar über die Zeit bis er schließlich ganz verschwindet. Dieser Prozess zieht sich allerdings über mehrere Jahre. Da es sich um eine gutartige Geschwulst, einen gutartigen Tumor handelt, wird ein Hämangiom meist nur aus kosmetischen Gründen entfernt, etwa wenn er sich prominent im Gesicht befindet. Das Gesicht und der Hals sind mit Abstand die häufigsten Lokalisationen eines Blutschwammes, was teilweise von Betroffenen als entstellend wahrgenommen, sodass sie sich für eine Entfernung entscheiden. Da sich über die Hälfte der Blutschwämme im Verlaufe der ersten Lebensjahres des Kindes zurückbilden, sollte von einer Entfernung im Kindesalter abgesehen werden, denn auch eine Entfernung kann unter Umständen entstellende Narben zurück lassen.

Soll ein Blutschwamm entfernt werden, wird dies meistens mithilfe einer Kältetherapie (Kryotherapie) oder Lasertherapie in mehreren Sitzungen durchgeführt. Sowohl Vereisung als auch die Anwendung von Laser bewirken einen Wachstumsstopp und führen zu einem langsamen Verblassen der Geschwulst, bis sie irgendwann ganz verschwunden ist. Die Vereisung wird von Kindern häufig schlecht toleriert, da sie schmerzhaft ist. Früher kamen auch Bestrahlungen zur Entfernung zum Einsatz, da die Nebenwirkungen allerdings zu groß waren, hat man von dieser Behandlungsmethode Abstand genommen.
Teilweise wird ein Blutschwamm auch operativ entfernt. Dies kommt besonders dann in Betracht, wenn ein Blutschwamm nah an wichtigen Strukturen wie dem Auge oder dem Ohr wächst. In manchen Fällen wird ein Blutschwämmchen auch mit Kortisonpräparaten versucht zu behandeln, diese Methode wurde aber zunehmend durch den Einsatz von Propanolol, einem Betablocker, ersetzt.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wie kann man ein Hämangiom entfernen?

Betablocker bei Blutschwämmen beim Baby

Neben den herkömmlichen Methoden zur Entfernung eines Blutschwammes, Vereisen und Lasern, haben auch Betablocker eine Wirkung auf Blutschwämme. Betablocker kommen normalerweise zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz zum Einsatz. Zufällig hat man aber heraus gefunden, dass sie auch auf Blutschwämme bei Neugeborenen wirken. Betablocker können beim Hämangiom aufgrund verschiedener Wirkungen eingesetzt werden: Zum einen führen sie zu einer Verengung von Blutgefäßen, hemmen die Gefäßproliferation (das Gefäßwachstum) und können den programmierten Zelltod von Zellen bewirken. All diese drei Effekte begünstigen eine Rückbildung eines Blutschwammes. Betablocker können in der Behandlung des Blutschwammes ab der fünften Woche eingesetzt werden und werden in Form einer Trinklösung verabreicht. In der Regel wird der Betablocker Propranolol verwendet. Seit 2014 sind Betablocker auch offiziell zur Behandlung von Blutschwämmen zugelassen, sodass sie nicht mehr als sogenannter off-labe-use eingesetzt werden müssen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Behandlung mit Propanolol beim Baby

Was tun, wenn es wächst?

Gerade in den ersten Lebensmonaten ist eine Größenzunahme des Blutschwammes nichts ungewöhnliches, sollte aber ärztlich beobachtet werden. Wächst ein Hämangiom zu einem späteren Zeitpunkt, sollte dies auch auf jedem Fall einem Arzt gezeigt werden. Meist stellt ein Wachstum eines Blutschwammes aber trotzdem keine Therapieindikation dar, es sei denn es wird vom Patienten oder seinen Eltern gewünscht. Da sich Blutschwämme am häufigsten im Gesicht befinden, ist ein Wachstum in der Nähe von Augen, Ohren, Mund oder Nase nicht ungewöhnlich.

Befindet sich ein Blutschwämmchen am Auge kann es durch sein Wachstum Druck auf den Augapfel ausüben, was zu einer Fehlsichtigkeit oder zum Schielen führen kann. Auch kann die Nahrungsaufnahme durch ein Hämangiom am Mund beeinträchtigt werden. Ein Hämangiom an der Nase kann die Atmung behindern. Daher sollten Kinder mit Blutschwämmen in kritischer Position regelmäßig ärztlich betreut werden. Befindet sich ein Blutschwämmchen an Auge, Ohr, Nase oder Mund entscheidet man sich meist schon frühzeitig für eine Entfernung.

Was tun, wenn es blutet?

Blutungen aus Blutschwämmen sind sehr selten, sind aber prinzipiell möglich, da es sich bei einem Blutschwamm um eine Geschwulst aus kleinen Blutgefäßen handelt. Blutet ein Blutschwamm, so handelt es sich dabei meist nur um eine schwache Blutung, die durch Druck gestillt werden kann, sodass es meist keiner zusätzlichen Maßnahme bedarf.

Prognose

Die Prognose eines Blutschwämmchens ist grundsätzlich gut, da es sich um einen gutartigen Tumor handelt. In der Anfangsphase, in den ersten Lebensmonaten, nimmt der Blutschwamm häufig an Größe zu, was keinen Anlass zur Sorge gibt. Trotzdem schaden Kontrollen beim Kinderarzt nicht. In den meisten Fällen schrumpfen Blutschwämme im Verlauf bis sie irgendwann ganz verschwunden sind. In der Regel durchlaufen Blutschwämme eine Wachstumsphase, eine Stillstandsphase und eine Rückbildungsphase. Ist ein Blutschwamm noch nach dem zehnten Lebensjahr vorhanden, ist mit einer Rückbildung eher weniger zu rechnen.

Neben diesen harmlosen Blutschwämmen gibt es aber auch Blutschwämme, die nach innen wachsen und Organe blockieren können. Hier kann die Prognose anders aussehen.
Lesen Sie hierzu auch: Hämangiom

Blutschwamm beim Baby am Kopf

Etwa 60 Prozent aller Blutschwämme treten am Kopf oder am Hals auf. Diese Lokalisationen werden oft als entstellend wahrgenommen, sodass sie deswegen entfernt werden. Blutschwämme im Gesicht sollten regelmäßig kontrolliert werden, damit es nicht zur Beeinträchtigung von Augen, Mund oder ähnlichem kommt.

Blutschwamm beim Baby am Finger

Ein Blutschwamm kommt zwar meistens im Gesicht oder am Hals vor, aber prinzipiell kann ein Hämangiom überall am Körper vorkommen, so auch am Finger. Befindet sich das Blutschwämmchen an der Fingerspitze, kann dadurch der Tatsinn beeinträchtigt sein.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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