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EPEC - Was ist das?

Was ist ein EPEC?

EPEC steht für enteropathogene Escherichia coli. Escherichia coli ist eine Gruppe von Bakterien, die in verschiedene Subgruppen unterteilt wird, unter anderem in die Gruppen EPEC und EHEC (enterohämorrhagische E. coli).
EPEC ist ein besonderer Stamm des Bakteriums Escherichia Coli. Escherichia Coli Bakterien sind auch beim Gesunden im Darm anzutreffen. Dort sind sie Teil der gesunden Darmflora und nicht weiter bedenklich. EPEC dagegen sind Bakterien, welche in der Lage sind, beim Menschen Krankheiten auszulösen.

EPEC-Bakterien verursachen dabei infektiöse Magen-Darm-Infekte, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern, seltener bei Erwachsenen. EPEC-Infektionen kommen heutzutage vor allem in Entwicklungsländern mit niedrigen Hygienestandards vor, in Europa sind sie seltener geworden.

Ursachen für eine Infektion

Der menschliche Darm enthält zahlreiche E. coli Bakterien, sie sind Teil der normalen Darmflora und nicht krankheitserregend. Bestimmte Subtypen von E. coli, wie beispielsweise EPEC, können jedoch Darminfekte auslösen.

Eine Infektion mit EPEC-Erregern kann über verschiedene Wege erfolgen. So beispielsweise von Mensch zu Mensch durch eine fäkal-orale Übertragung bei mangelnden Hygienemaßnahmen.

  • Ein Mensch, der mit EPEC-Erregern infiziert ist, scheidet diese über den Stuhl aus. Bei mangelnder Hygiene können die Erreger dann an andere Menschen übertragen werden.
  • Andere Infektionswege sind durch den Menschen kontaminierte Lebensmittel wie beispielsweise Obst und Gemüse, aber auch kontaminiertes Trinkwasser.
  • Auch Tiere können mit EPEC befallen sein, sodass auch Fleisch, Fisch und Milchprodukte von infizierten Tieren als Infektionsquelle gelten.

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Diagnose von EPEC

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Infektion mit EPEC-Erregern nachzuweisen. Entweder über einen Nachweis der Erreger oder deren Bestandteile in einer Stuhlprobe oder durch einen Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen die EPEC-Erreger in einer Blutuntersuchung.

Escherichia Coli – Bakterien können auf speziellen Nährböden angezüchtet und so klassifiziert werden. Auch ein genauer Nachweis bestimmter Proteine, die nur von EPEC gebildet werden, ist durch ein Labor möglich. Diese Proteine sind auch gleichzeitig für die krankmachenden Eigenschaften der EPEC – Bakterien verantwortlich. 

Eine Diagnostik die, speziell auf den Nachweis von EPEC-Erregern abzielt, erfolgt in der Regel nur bei begründetem Verdacht auf eine infektiöse Magen-Darm-Erkrankung beispielsweise aufgrund von über mehrere Tage anhaltenden starken Durchfällen.

Symptome einer EPEC-Infektion

Eine Infektion mit EPEC – Bakterien ähnelt einer typischen Durchfallerkrankung. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche. Aber auch bereits nach wenigen Tagen ist eine Symptomatik möglich.

  • Das wichtigste Symptom einer Infektion mit EPEC – Bakterien ist ein wässriger Durchfall. Diese Durchfälle können sehr schwerwiegend sein.
  • Außerdem kann es zur Blutbeimengung kommen. Diese tritt meist erst im Verlauf der Krankheit auf, nachdem die Darmwand geschädigt wurde.
  • Außerdem sind weitere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Krämpfe oder Erbrechen möglich.
  • Mischinfektionen mit anderen Erregern von Durchfallerkrankungen sind ebenfalls möglich. Dies kann die genaue Diagnose erschweren.

Auch asymptomatische Verläufe sind möglich. In diesem Fall werden keine Beschwerden bemerkt. Trotzdem werden Erreger möglicherweise ausgeschieden, so dass asymptomatisch infizierte Personen weiterhin andere Personen anstecken können.

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Behandlung/Therapie

Einer der wichtigsten Therapieschritte bei Durchfallerkrankungen ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Aufgrund des Durchfalls geht dem Körper eine große Menge an Wasser verloren. Um diese auszugleichen, sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Dies gilt vor allem für Kinder.

  • Bei Erwachsenen wird eine Richtgröße von etwa drei Litern am Tag als Richtgröße angegeben. Besonders gut eignen sich spezielle Elektrolyt- und Zuckerlösungen, welche man in vielen Apotheken kaufen kann. Sie dienen nicht nur der Wasserzufuhr, sondern gleichen auch Salzverluste aus.
  • Bei schwerem Durchfall sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt vor allem für Erkrankungen im Kindesalter.

Möglicherweise reicht die Aufnahme von Wasser und Elektrolyten über den Darm nicht mehr aus, um die Verluste zu decken. In diesem Fall kann der Flüssigkeits- und Salzhaushalt über Infusionen ausgeglichen werden. Möglicherweise ist hierfür eine stationäre Überwachung in einem Krankenhaus nötig.

Bei sehr schweren Verläufen können die Nieren beeinträchtigt werden. In diesem Fall kann eine Dialyse Schäden minimieren.

  • Möglicherweise werden auch Medikamente verabreicht. Hierzu zählen Medikamente, die den Durchfall lindern sollen und Antibiotika. 
    Lesen Sie hierzu auch: Medikamente gegen Durchfall​​​​​​​
     

Erfahren Sie hier mehr über die Ursachen von Durchfall: Ursachen von Durchfall

Dauer einer EPEC-Infektion

  • Eine Infektion mit EPEC – Bakterien dauert in der Regel einige Tage (ca. 2-10 Tage).
     
  • Vor Beginn der Symptome liegt eine Inkubationszeit. Diese kann mehrere Stunden bis Tage betragen. Ihre Dauer hängt neben individuellen Faktoren auch von der Menge an aufgenommenen Bakterien ab.

Meist beginnt die Krankheit mit wässrigem Durchfall. Die Erkrankung limitiert sich von selbst. Das bedeutet, dass die Erreger über einige Tage mit dem Stuhl über den Darm ausgeschieden werden und dann nach einer gewissen Zeitspanne meist aus dem Darm eliminiert sind. Ohne Komplikationen heilt der Durchfall in der Regel nach einigen Tagen aus.

EPEC – Bakterien können allerdings auch asymptomatische Infektionen verursachen. In diesem Fall besiedeln die Bakterien den Darm, ohne dass es zu Durchfall oder anderen Beschwerden kommt.
Vor allem bei niedrigeren Hygienestandards können EPEC – Bakterien im Darm von gesunden Personen überleben. Auch wenn die betroffenen Personen selber keine Symptome zeigen, scheiden sie trotzdem EPEC – Bakterien aus und können so andere Personen anstecken. Auch nach überstandender Durchfallerkrankung kann ein Teil der EPEC – Bakterien im Darm verbleiben.

 

Krankheitsverlauf bei einer EPEC-Infektion

Der Krankheitsverlauf bei einer EPEC- Infektion ist sehr variabel. Vor Auftritt der ersten Symptome liegt eine Inkubationszeit. Diese kann wenige Stunden bis Tage andauern. Die genaue Dauer der Inkubationszeit hängt dabei von einer Reihe an Faktoren ab:

  • Die Zusammensetzung der Darmflora, das Immunsystem der infizierten Person, Nahrungsgewohnheiten und die aufgenommene Dosis an EPEC – Bakterien können eine Rolle spielen.

Die Erkrankung kann völlig asymptomatisch – also ohne dass der Betroffene es überhaupt merkt – verlaufen, es kann jedoch auch zu schweren Verläufen mit massiver Dehydratation (Austrocknung) und tödlichem Verlauf kommen. Hierbei kann es auch zu blutigen Durchfällen kommen.

Auch in den Industrienationen kommt es aufgrund der Infektiosität der Erkrankung immer wieder zu Erkrankungswellen auf Säuglingsstationen. Die Erkrankung ist in den Industrienationen jedoch verhältnismäßig selten geworden. Insbesondere in den Entwicklungsländern tragen EPEC-Infektionen zum Teil erheblich zur Säuglingssterblichkeit bei.

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So ansteckend ist der EPEC

EPEC – Bakterien kommen im Darm von infizierten Menschen vor. Aber auch in verschiedenen Tieren können sich die Bakterien vermehren. Deshalb sind landwirtschaftliche Betriebe ein wichtiges Reservoir der Bakterien.

Für eine Infektion müssen EPEC – Bakterien in der Regel über den Mund aufgenommen werden. Dies kann durch verunreinigtes Wasser oder Nahrung geschehen.

  • Das Abkochen von Wasser und Nahrung ist deshalb eine wichtige Schutzmaßnahme bei unsicherer Hygiene.

Auch infizierte Personen können die Bakterien über direkten Kontakt verbreiten. Händewaschen oder Desinfektion nach dem Toilettengang kann die Verbreitung so einschränken.
 

Besteht eine Meldepflicht bei einer EPEC-Infektion?

Ja. Der Nachweis von EPEC-Erregern im Labor (also durch Untersuchungen von eingesandten Stuhlproben) ist meldepflichtig.

Die erkrankte Person muss somit namentlich an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Weiterhin besteht für Ärzte eine Meldepflicht bei Verdacht auf eine infektiöse Magen-Darm-Erkrankung (Gastroenteritis), wenn der Betroffene im Lebensmittelbereich arbeitet oder wenn es zwei oder mehr Erkrankungsfälle gibt, bei denen vermutlich ein Zusammenhang besteht.

Erkrankte Kinder dürfen solange nicht in die Kita, wie noch Durchfallsymptome bestehen. Doch auch nach Abklingen der Symptome ist eine akribische Händehygiene entscheidend.

Denn die Erreger können auch nach Abklingen der akuten Symptome noch mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Das Risiko einer Erkrankungswelle ist gerade in Einrichtungen wie Kitas relativ hoch.
Im Übrigen sind auch Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen verpflichtet, eine namentliche Meldung an das Gesundheitsamt vorzunehmen, wenn Durchfallerkrankungen in ihrer Einrichtung auftreten.

Komplikationen einer EPEC-Infektion

Die entscheidendste Komplikation einer EPEC-Enteritis ist:

  • der Flüssigkeitsverlust mit der Gefahr der Dehydratation (Austrocknung).

Gerade Säuglinge und Kleinkinder haben wenige Ressourcen, um dem starken Flüssigkeitsverlust adäquat entgegenwirken zu können.

  • Auch blutige Durchfälle können Zeichen eines komplizierten Verlaufes sein.

Besonders gefährlich an Durchfällen ist der Wasser- und Salzverlust. Die Nieren sind zentrale Organe im Wasserhaushalt des Körpers.

  • Durch große Flüssigkeits- oder Elektrolytverluste kann es deshalb bei starken Durchfällen zu Schäden der Niere kommen. Eine sehr niedrige Menge an ausgeschiedenem Urin kann ein Hinweis auf Nierenerkrankungen sein.
     
  • Bei einer massiven Austrocknung kommt es zu Symptomen wie Bewusstseinseintrübung, stehenden Hautfalten und Hypernatriämie (erhöhter Natriumspiegel im Blut).

Um den Flüssigkeitsverlust ausgleichen und somit schwerwiegenden Komplikationen vorbeugen zu können, kann eine stationäre Aufnahme mit intravenöser Flüssigkeitstherapie und gegebenenfalls antibiotischer Therapie notwendig werden. Gerade in den Entwicklungsländern sind solche Therapiemaßnahmen oftmals jedoch nicht möglich, sodass viele Kinder an den Folgen der Dehydratation versterben.

Weitere Informationen:

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.08.2019
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