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Infektiöse Durchfallerkrankungen

Definition- Was ist eine infektiöse Durchfallerkrankung?

Unter einer infektiösen Durchfallerkrankung versteht man das Auftreten von Durchfall, das durch einen Erreger ausgelöst wird. Von Durchfall spricht man, wenn mehr als dreimal pro Tag zu flüssiger Stuhl abgesetzt wird. Die Infektion kann durch Bakterien, Viren, Würmer oder Parasiten ausgelöst werden.
Diese werden meist durch verunreinigte Nahrungsmittel übertragen und verlaufen häufig selbstlimitierend, was bedeutet, dass sie nach einigen wenigen Tagen vorbei gehen. Daher werden die Erreger häufig nicht identifiziert, weil keine spezifische Therapie erforderlich ist.
In dem Zeitraum der Durchfallerkrankung ist es besonders wichtig, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da der Körper durch den Durchfall sehr viel Wasser und Elektrolyte verliert.

Diese bakteriellen Erreger gibt es

Es gibt viele bakterielle Erreger, die zu einer infektiösen Durchfallerkrankung führen können. Einer der häufigsten Erreger ist das Bakterium Campylobacter, dass durch den Kontakt mit infiziertem Stuhlgang von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Auch Salmonellen, die sich oft in verunreinigten Fleisch- oder Eierprodukten finden, können Durchfall verursachen.
Shigellen, Yersinien und Cholera kommen heutzutage eher selten vor. In den letzten Jahren wurden die EHEC Bakterien als Auslöser infektiöser Durchfallerkrankungen immer bekannter. Clostridium difficile, eine bestimmte Art der Clostridien, können nach einer längeren Einnahme von Antibiotika ebenfalls durch Durchfällen führen.

Viele bakterielle Erreger führen zu einem Durchfall. Es gibt allerdings weitere mögliche Faktoren, die eine Durchfallerkrankung verursachen können. Mehr hierzu lesen Sie unter: Ursachen von Durchfall

Diese viralen Erreger gibt es

Die beiden wichtigsten viralen Erreger, die infektiöse Durchfallerkrankungen auslösen können, sind Noroviren und Rotaviren. Noroviren kommen aufgrund ihrer Resistenz gegen viele Desinfektionsmittel gehäuft in Krankenhäusern vor. Sie führen typischerweise zu Durchfall und Erbrechen, welches innerhalb von maximal 48 Stunden vorbei ist. Dies wird auch als selbstlimitierende Infektion bezeichnet. Rotaviren sind hochansteckend und führen bevorzugt bei Kleinkindern und Säuglingen zu Durchfällen. Sie können von Mensch zu Mensch oder durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen werden.

Diese parasitären Erreger gibt es

Auch Parasiten können infektiöse Durchfallerkrankungen verursachen. Die vermutlich bekanntesten Erreger unter den Parasiten sind die Amöben, die zur Amöbenruhr führen. Dabei kommt es zu typischen himbeergeleeartigen Durchfällen, die diese Farbe durch eine leichte Blutbeimengung des Stuhls bekommen. Die Amöben kommen vor allem in tropischen Gebieten vor. Auch die Parasiten Lamblien kommen gehäuft in warmen Regionen der Erde vor und führen zu wiederkehrenden Durchfällen, die besonders wässrig sind.

Diese Wurmerkrankungen führen zu Durchfall

Das Auftreten von Durchfällen ist ein häufiges Symptom bei verschiedenen Wurmerkrankungen. Hierzu gehören beispielsweise verschiedene Hakenwürmer, die im sich bevorzugt im Dünndarm aufhalten und zu Blutbeimengungen im Stuhl führen. Diese Würmer gelangen über die Haut in den menschlichen Körper. Auch bestimmte Arten der Fadenwärmer, die vor allem durch ungegartes Fleisch übertragen werden, können zu Durchfall, Erbrechen und Muskelschmerzen führen. Der Zwergfadenwurm führt nach dem Eindringen in den Körper über die Haut zunächst zu einer Entzündung der Atemwege und später zu Durchfall und Übelkeit.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Würmer im Darm

Salmonellen

Eine der bekanntesten bakteriellen Erreger infektiöser Durchfallerkrankungen sind die Salmonellen. Sie werden über kontaminierte Nahrungsmittel übertragen und finden sich gehäuft in Fleisch- oder Eierspeisen. Da sie durch Kälte nicht abgetötet werden können, ist es daher immer ratsam die Lebensmittel ausreichend zu erhitzen. Dafür sollte eine Erhitzung bei mind. 70°C für ca. 10 Minuten stattfinden.

Die ersten Symptome können, abhängig von der Menge der übertragenen Erreger, bereits ein paar Stunden später auftreten. Es kommt zu ausgeprägten Durchfällen, die meist sehr wässrig sind und auch teilweise Blut enthalten können. Diese treten oft zusammen mit starkem Erbrechen auf. Des Weiteren kommt es manchmal auch zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und leichtem Fieber.
Bei Menschen, die zeitgleich immunsuppressive Medikamente einnehmen oder an einer immunsuppressiven Erkrankung leiden, können die Salmonellen auch zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen führen. Eine medikamentöse Therapie ist nur bei schweren Verläufen oder einer Immunsuppression empfohlen, da durch die Antibiotika sonst die Ausscheidung der Salmonellen aus dem Körper verzögert werden kann.

Weitere Informationen finden Sie unter: Salmonellen

Campylobacter

Der Campylobacter ist der häufigste Erreger von infektiösen Durchfallerkrankungen in Deutschland. Er wird vor allem durch kontaminierte Nahrungsmittel, wie Geflügel- oder Milchprodukte, übertragen und ist hoch ansteckend. Ca. 2-5 Tage nach der Übertragung treten zunächst unspezifische Symptome auf, die einer Grippe ähnlich sind. Später kommt zu starken, wässrigen und oft auch blutigen Durchfällen. Sie treten oft gemeinsam mit Fieber und starken Schmerzen im unteren Bauch auf.
Da die Symptome meist von selbst nach einigen Tagen zurück gehen, ist vor allem auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten zu achten. In besonders schweren Fällen sollte gegebenenfalls eine antibiotische Behandlung in Betracht gezogen werden.

Shigellen

Die Shigellen werden meist durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen. Bei letzterem ist nicht ausreichend gesäubertes Gemüse typisch. Nach der Übertragung kommt es meist innerhalb von 3 Tagen zu dem Auftreten von Durchfällen. Diese sind häufig sehr wässrig und treten zusammen mit einer starken Abgeschlagenheit auf. Gelegentlich kommt es auch zu einer stärkeren Ausprägung, die mit Blut im Stuhl, Fieber und Schmerzen beim Stuhlablassen einhergeht. Die Shigellenruhr sollte aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr stets mit Antibiotika, wie beispielsweise Azithromycin oder Ceftriaxon, behandelt werden.

Cholera

Das in Europa kaum vorkommende Cholera-Bakterium wird meist über kontaminierte Nahrungsmittel oder verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Nach Ablauf einer Infektion kann es noch mehrere Wochen über den Stuhlgang ausgeschieden werden, was wiederum ein hohes Ansteckungsrisiko birgt. Die verursachten Durchfälle können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und werden gelegentlich von Erbrechen begleitet.
Typischerweise kommt es bei einer Cholera-Infektion jedoch nicht zum Auftreten von Fieber. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist extrem wichtig, bei schwereren Verläufen sollte beispielsweise Ciprofloxacin gegeben werden. Da ca. 1% aller Cholera-Infektionen tödlich verläuft, ist eine Impfung bei einer Reise in Risikogebiete empfohlen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Cholera

pathogener E. Coli (EHEC / EPEC)

E. coli ist ein im Darm natürlich vorkommendes Bakterium. Es gibt jedoch krankheitserregende, sogenannte pathogene Subtypen, wie beispielsweise EHEC oder EPEC​​​​​, die zu Durchfällen führen können. EHEC tritt gehäuft in Industrieländern auf und führt spätestens nach 10 Tagen zu wässrigen Durchfällen, die teilweise blutig sind. EPEC kommt hingegen vor allem in Entwicklungsländern vor und infiziert vor allem Kinder. Es kommt zu eher breiigen Durchfällen, die durch viele Resistenzen der Bakterien nur schwer behandelbar sind.

Weitere Informationen fnden Sie unter: E.coli

Yersinien

Die Yersinien-Bakterien können indirekt durch tierische Nahrungsmittel, wie Milch- oder Fleischprodukte, übertragen werden. Nach ca. 3-10 Tagen führen sie zu Durchfällen, die über Wochen andauern können und mit Bauchschmerzen einhergehen.
Des Weiteren kommt es zu einer sogenannten Pseudoappendizitis, bei der es Anzeichen auf die Entzündung des Blinddarms gibt, die tatsächliche Entzündung jedoch nicht vorhanden ist. Bei ausgeprägten Krankheitsverläufen sollte diese infektiöse Durchfallerkrankung mit Antibiotika, beispielsweise Ciprofloxacin, behandelt werden.

Morbus Whipple

Morbus Whipple ist eine Erkrankung, die durch ein Bakterium ausgelöst wird. Sie kommt eher selten vor und betrifft vor allem Männer mittleren Alters. Durch den Darmbefall der Bakterien kommt es zu Durchfällen, Bauchschmerzen und einer gestörten Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung.
Des Weiteren können Gelenkentzündungen, Fieber und vergrößerte Lymphknoten auftreten. Gelegentlich befallen die Bakterien auch das Herz oder verschiedene Nervenbahnen. Morbus Whipple muss mit Antibiotika (zunächst Ceftriaxon und später Cotrimoxazol) behandelt werden, da diese Erkrankung sonst tödlich verläuft.

Lesen Sie mehr zum Thema: Morbus Whipple

Clostridium difficile

Das Bakterium Clostridium difficile ist vor allem in Krankenhäusern und bei Kindern weit verbreitet. Zu Durchfällen kommt es in der Regel nur, wenn der Darm durch eine längere Antibiotikaeinnahme gereizt ist. Dies ist beispielsweise nach einer Lungenentzündung der Fall. Die Clostridien difficile nutzen die geschädigte Darmwand und führen zu starken Bauchschmerzen und übelriechenden Durchfällen.
Häufig kommt es auch zu hohem Fieber. Da diese infektiöse Durchfallerkrankung zu verschiedenen Komplikationen, wie einem Darmverschluss (Ileus) oder einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann, ist eine schnelle Behandlung wichtig. Hierbei stehen Antibiotika und die konsequente Einhaltung der Hygiene im Vordergrund.

Norovirus

Die Noroviren treten gehäuft in Krankenhäusern auf und werden von Mensch zu Mensch übertragen. Sie sind hoch ansteckend und führen innerhalb von wenigen Stunden zum Auftreten von Symptomen. Hierzu gehören schwallartiges Erbrechen und starke Durchfälle, die besonders wässrig sind. Typischerweise klingen die Symptome innerhalb von 12 bis maximal 48 Stunden nach dem Auftreten wieder ab.
Daher erfolgt die Behandlung nur symptomatisch und besteht in einer ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Da es derzeit keine Impfung gibt, besteht die effektivste Vorbeugung gegen diese Infektion in der Einhaltung von Hygienevorschriften.

Lesen Sie mehr zum Thema: Norovirus- Wie gefährlich ist er?

Rotavirus

Das Rotavirus tritt vor allem in Entwicklungsländern auf und befällt vor allem Kleinkinder und ältere Menschen. Da das Virus sehr ansteckend ist und bereits nach wenigen Stunden zu Symptomen führt, kommt es dadurch häufig zu einer schnellen Ausbreitung der Erkrankung. Diese beinhaltet plötzlich einsetzende wässrige Durchfälle, die mit Erbrechen, Fieber und Schmerzen am Bauch einhergehen.
Des Weiteren kommt es bei der Hälfte aller Infizierten zu einem Befall des Rachens und der Luftröhre. Zur Behandlung gehören eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Da vor allem Säuglinge noch kein ausreichend ausgebildetes Immunsystem haben, ist für sie eine Schluckimpfung gegen das Rotavirus empfohlen.

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Amöben

Die parasitären Erreger Amöben führen zu der Erkrankung Amöbenruhr. Sie werden vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen und führen bei fast 90% der Infektionen zu keinen Symptomen. Kommt es zu Symptomen, können diese in zwei Formen unterteilt werden. Befallen die Amöben den Darm, kommt es zu typischen himbeergeleeartigen Durchfällen, die oft mit Schmerzen beim Stuhlgang einhergehen. Alternativ können die Amöben bei einem Befall der Leber zu Abszessen, einer Ansammlung von Eiter, führen. Die Behandlung der Amöbenruhr besteht aus den Antibiotika Metronidazol und Paromomycin.

Weitere Informationen finden Sie unter: Amöben

Lamblien

Die Parasiten Lamblien kommen vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vor und werden über verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Sie führen zu starken Bauchschmerzen und schaumigen, großen Durchfallmengen, die viel Fett beinhalten. Des Weiteren können Übelkeit, Blähungen, Abgeschlagenheit und Erbrechen auftreten. Meist gehen die Symptome nach 2-3 Wochen zurück und es kommt nur selten zu länger anhaltenden Beschwerden. Die Therapie besteht in der Gabe von Metronidazol.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.06.2019
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