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Ernährung bei Niereninsuffizienz

Hinweis

Bitte beachten Sie, dass es sich bei diesem Thema um die Fortsetzung unseres Themas: Ernährung bei Nierenerkrankungen handelt.

Die verschiedenen Diäten

Im weiteren werden zwei verschiedene Diätformen vorgstellt, die bei Niereninsuffizienz (Nirenversagen) durchgeführt werden kann.

Die Kartoffel-Ei-Diät (KED)

nach Kluthe und Quirin (proteinselektive Diät)

Sie ist eine eiweißarme und proteinselektive (nur bestimmtes Eiweiß aus bestimmten Lebensmitteln ist erlaubt) Diät, bei der die Vollwertigkeit des Eiweißes durch Eiweißgemische erreicht wird. Eiweiß oder Eiweißgemische sind dann als vollwertig zu bezeichnen, wenn sie alle lebensnotwendigen Aminosäuren in ausreichender Menge enthalten. Je geringer die Menge eines Eiweißes die zugeführt werden muss um dieses Ziel zu erreichen um so höher die Wertigkeit.
Ein Gemisch aus Kartoffeln und Ei im Verhältnis 3:2 besitzt die höchste biologische Wertigkeit. Weitere günstige Eiweißgemische sind Milch und Weizen (3:1) oder Bohnen und Ei (1:1). Diese Eiweißgemische sind als Hauptträger der lebensnotwendigen Aminosäuren anzusehen und müssen die Hälfte des täglich zugeführten Nahrungseiweißes ausmachen.

Je nach Stadium der chronischen Niereninsuffizenz kann die Kartoffel-Ei-Diät mit 25 bis 30 g Eiweiß täglich oder 40 bis 45 g täglich verordnet werden.
Die Diätverordnung ist abhängig von Kreatinin- und Harnstoffwerten im Serum.
Bei Kreatinin 3-6 mg/dl und Harnstoff 100 bis 150 mg/dl wird die Kartoffel-Ei-Diät mit 40 bis 45 g Eiweiß täglich verordnet. Bei Kreatinin von > 6 mg und Harnstoff >150 mg/dl dürfen nicht mehr als 25 bis 30 g Eiweiß täglich zugeführt werden.
Das entspricht einer Eiweißzufuhr von 0,4 bzw. 0,6 g pro Kg Körpergewicht.

Prinzip der Diät:

Eiweißzufuhr reduzieren und 50 % in Form von Proteingemischen, vorwiegend Kartoffel-Ei-Gemisch zuführen.

  • Ausreichend Kalorien zuführen. 35 bis 37 kcal pro kg Körpergewicht.
  • Verwendung hochwertiger Pflanzenöle
  • Einnahme von wasserlöslichen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen nach ärztlicher Verordnung.
  • 5 bis 6 Mahlzeiten pro Tag
  • Je nach Ausprägung der Symptomatik kann diese Diät verordnet werden:
    Natriumarm (1200 mg Natrium täglich das entspricht 3 g Kochsalz)
    Kaliumarm ( 1600 – 2000 mg Kalium täglich) oder streng kaliumarm ( < 800 mg Kalium täglich)
  • Flüssigkeitsbilanziert nach der Grundregel: Menge der Urinausscheidung des Vortages plus 500 ml.
  • Auch für Diabetiker lässt sich eine Kartoffel-Ei-Diät nach ärztlicher Verordnung zubereiten.

Die Kartoffel-Ei-Diät bietet wegen der Festlegung auf bestimmte Lebensmittelgemische (vorwiegend Kartoffel und Ei als Eiweißlieferanten) wenig Abwechslung in der Speiseplangestaltung.

Rezepte und Tagespläne für die Kartoffel-Ei-Diät findet man in dem Buch von Kluthe und Quirin, Anleitung zur Kartoffel-Ei-Diät, Diätbuch für Nierenkranke.

Hier sehen Sie ein Tagesbeispiel der Kartoffel- Ei- Diät.

Die Schwedendiät nach Bergström (nicht- proteinselektiv)

Die Schwedendiät ist eine eiweißarme, nicht-proteinselektive Diät, das bedeutet, das Nahrungseiweiß kann im Rahmen der verordneten Menge frei gewählt werden.
Die erforderlichen lebensnotwendigen Aminosäuren sind in dieser streng eiweißarmen Ernährung nicht in ausreichendem Maße enthalten und müssen ersetzt werden. Dies geschieht durch die Gabe von Aminosäuregemischen (10 g/ Tag) oder Ketoanaloga (Vorstufen) in Form von Tabletten, Perlen oder Granulat.
Diese Präparate sind essentieller Aminosäuren (EAS) sind somit Bestandteil der Diät und müssen unbedingt verordnet und täglich eingenommen werden.Bei der Schwedendiät können möglichst weitgehend die Ernährungsgewohnheiten der Patienten berücksichtigt werden und diese Diät wird meistens gut akzeptiert.

Prinzip der Diät:

Reduzierung der Zufuhr des Nahrungseiweißes je nach Ausprägung der Symptomatik auf 0,4 g Eiweiß/kg Körpergewicht ( 20 bis 25 g Eiweiß täglich) oder 0,6 g Eiweiß/kg Körpergewicht (40 bis 45 g Eiweiß täglich).

  • Freie Eiweißwahl im Rahmen der verordneten Menge.
  • Bei einer Gesamteiweißmenge unter 40 g pro Tag müssen die lebensnotwendigen Aminosäuren in Medikamentenform zugeführt werden.
  • Hochenergetisch ( 35 bis 37 kcal pro kg/ Körpergewicht )
  • Verwendung hochwertiger pflanzlicher Fette.
  • Gabe von wasserlöslichen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen nach ärztlicher Verordnung.
  • 5 bis 6 Mahlzeiten pro Tag

Je nach klinischer Symptomatik kann diese Diät natriumarm, kaliumarm, flüssigkeitsbilanziert oder als Diabetesdiät verordnet werden. Rezepte und Tagespläne findet man im Buch „ Eiweißbilanzierte Diät für chronisch Nierenkranke“ von Kotthoff, Haydous, Beiersmann, Riedel.

Hier erhalten Sie ein Tagesbeispiel der Schwedendiät,

Zusammenfassung

Empfehlungen für die Ernährung bei chronischer Niereninsuffizienz

Eiweiß:

Eiweißarme Diät mit biologisch hochwertigem Eiweiß. Bei Serumkreatinin < 6 mg/ dl eine Lacto-vegetabile Kost (Fleisch und Eier weglassen, Milchprodukte als Eiweißträger einsetzen. Bei Serumkreatinin > 6mg/dl streng eiweißarme Diät (0,35 – 0,45 g Eiweiß pro kg Körpergewicht. Zum Beispiel Kartoffel-Ei-Diät (KED) als energiereiche Basisdiät. Verhältnis von Kartoffel- zu Eiereiweiß 3:2 oder der Schwedendiät mit 15 bis 20 g Eiweiß aus normaler Kost ergänzt durch lebenswichtige Aminosäuren in Medikamentenform.

Energie:

Energiereich mit 35 kcal pro kg Körpergewicht.

Trinkmenge:

Solange eine normale Harnausscheidung möglich ist wird eine Trinkmenge von 2-3 l täglich empfohlen um die harnpflichtigen Substanzen auszuscheiden. Bei verringerter Harnausscheidung errechnet sich die Trinkmenge aus dem Urinvolumen des Vortages plus 500 ml.

Natrium:

Einschränkung auf 3 – 5 g Kochsalz pro Tag. Zum Kochen kein oder nur sehr wenig Salz verwenden und bei Tisch nicht nachsalzen. Bei Natriumverarmung wird eine Salzzufuhr mit der Nahrung (zum Beispiel Bouillon) oder durch die Infusion einer isotonen Kochsalzlösung in die Vene nötig.

Kalium:

Bei erhöhten Kaliumwerten im Serum wird eine kaliumarme Diät nötig.

Bei einer Kaliumverarmung (sehr selten) muss Kalium eventuell in Form von Brausetabletten gegeben werden.

Phosphat:

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizenz muss die Zufuhr auf maximal 1 g pro Tag beschränkt werden und phoshatreiche Lebensmittel sind zu meiden. Bei einem Serumphosphat von > 6,5 mg / dl müssen zusätzlich Phosphatbinder in Medikamentenform gegeben werden.

Vitamine, Spurenelemente:

Sobald sich trotz phosphatarmer Ernährung und Phosphatbindern eine unkontrollierbare Überfunktion der Nebenschilddrüse zeigt muss Vitamin D gegeben werden. Bei starker Eiweißeinschränkung und bei Verordnung einer kaliumarmen Diät ist die Zufuhr von wasserlöslichen Vitaminen wie der B-Komplex und Vitamin in Tablettenform zu empfehlen. Bei vorliegenden Beschwerden kann auch die Zufuhr von Eisen und Zink in Tablettenform nötig werden. Der Vitamin- A-Spiegel ist bei Urämie meist erhöht und darf nicht zusätzlich aufgenommen werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.12.2018
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