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Harnröhrenstriktur

Synonyme

Harnröhrenenge, Urethralstriktur

Definition

Bei der Harnröhrenstriktur handelt es sich um eine krankhafte Verengung der Harnröhre. Dabei wird grundsätzlich zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Verengung unterschieden. Aufgrund von anatomischen Gegebenheiten sind Männer weitaus häufiger von einer Harnröhrenstriktur betroffen als Frauen

Angeborene Ursachen

Fehlbildungen an den äußeren Genitalien sind oft der Grund für eine angeborene Harnröhrenstriktur. So kann es zum Beispiel bei der Harnröhre selbst zu einer Entwicklungsstörung kommen. Dies wird in der Medizin als Hypospadie bezeichnet. Dabei liegt die Harnröhrenmündung weiter vorne und näher am Körper. Oftmals tritt gleichzeitig eine Peniskrümmung auf und eine Spaltung der Vorhaut. Durch die verlagerte Mündung der Harnröhre, ist die Miktion (Wasserlassen) erschwert, da der Urinstrahl eher nach hinten unten verläuft.

Erworbene Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Harnröhrenstriktur sind solche, die nach einer Verletzung auftreten. Dabei spielen schone kleinste Mikrotraumata eine große Rolle. Diese Minimalverletzungen können zum Beispiel im Rahmen einer Katheterisierung entstehen. Das Legen eines Blasenkatheters kann kleine Verletzungen in der Harnröhre verursachen. Diese kleinen Einrisse können narbig verheilen, sodass das Narbengewebe in das Lumen der Harnröhre vorwächst. Ähnliche Verletzungen entstehen auch bei endoskopischen Eingriffen wie der Blasenspiegelung. Das sogenannte Straddle Trauma stellt eine weitere Möglichkeit dar eine Harnröhrenverengung zu erhalten. Dabei handelt es sich um stumpfe und direkte Traumata im Bereich des Dammes. Sie können unter anderem beim Fahrradfahren entstehen. Auch im Rahmen eines Verkehrsunfalls können Verletzungen an Harnröhre und Blase entstehen. Bei Beckenknochenbrüchen kann je nach Schweregrad der Verletzung ein kompletter Abriss der Harnröhre oder auch Blase sowie Prostata entstehen. Je schwerer die Verletzung, desto größer ist die anschließende Narbe. In manchen Fällen kann sogar dann ein kompletter Verschluss der Harnröhre auftreten.

Bei Verdacht auf eine Harnröhrenverengung sollten im Rahmen der Diagnostik verschiedene Erkrankungen in Betracht gezogen werden und deshalb genauer untersucht werden. Dazu zählen eine gutartige Vergrößerung der Prostata, Tumoren in der Nähe der Harnröhre und Harnblase und Prostatakrebs. Je nach Lage und Größe von umliegenden Tumoren können diese zu einer Einengung der Harnröhre führen und die Miktion stören. Weiterhin können auch Infektionen wie eine Urethritis oder Infektionskrankheiten, wie Gonorrhoe, die Funktion der Harnröhre beeinträchtigen, indem sie Entzündungen und Schädigungen an der Schleimhaut verursachen.

Symptome

Die ersten Beschwerden treten häufig erst nach Jahren nach der erworbenen Verletzung der Harnröhre auf. Das erste Anzeichen und auch das Hauptsymptom ist eine deutliche Abschwächung des Harnstrahls. Dies kann unterschiedlich stark ausfallen. Der Harnstrahl selbst kann verdreht oder sogar gespalten sein, was auf ein Hindernis im Verlauf der Harnröhre hinweist.

Im Laufe der Zeit kann die Abschwächung an Schweregrad zunehmen bis es schließlich zu einem Harnverhalt kommt. Der Patient ist dann nicht mehr in der Lage seine meist komplett gefüllte Harnblase zu entleeren. In vielen Fällen treten dann starke Schmerzen im Unterbauch auf. Der Urin staut sich dann nicht nur in der Harnblase an, sondern kann sich in extremen Fällen zu einem Rückstau bis ins Nierenbecken entwickeln. Die Funktion der Nieren wird dadurch erheblich beeinträchtigt und es kann zu einem Nierenversagen kommen. Dies stellt eine lebensbedrohliche Situation dar und sollte unbedingt sofort medizinisch behandelt werden.

Durch das dauerhafte Wasserlassen gegen einen Widerstand kommt es mit der Zeit zu einer Verdickung und Vergrößerung des Blasenmuskels (Blasenhypertrophie). Dadurch nimmt die Elastizität der Harnblase ab und es tritt eine Verschlechterung der Entleerungsfunktion ein. Die meisten Patienten berichten zudem über ein erschwertes Wasserlassen, welches mehr Anstrengung erfordert. Gleichzeitig entleeren sie nur wenig Urin und müssen dadurch häufiger als normal zur Toilette. Sie haben oft das Gefühl von Harndrang, weil sie immer einen Restharn in der Blase behalten.

Liegen Infektionen oder Entzündungen vor, kann dies im Urin Blut nachgewiesen werden. Man bezeichnet dies als Mikrohämaturie und kann mittels eines Schnelltest nachgewiesen werden. Bleibt eine Harnröhrenstriktur unbeachtet und unbehandelt, kann dies schließlich zu einem unkontrollierten Harnverlust führen, der sogenannten Harninkontinenz.

Diagnostik

Die Diagnostik einer Harnröhrenstriktur beinhaltet die Harnstrahlmessung. Dies wird auch als Uroflowmetrie bezeichnet. Der Harnstrahl des Patienten wird auf einer speziellen Toilette gemessen. Es wird automatisch eine Kurve erstellt. Anschließend wird mittels eines Ultraschallgerätes die Blase dargestellt und der Arzt kann sehen, ob sich noch Restharn in der Blase befindet. Anhand der Messungen und der Menge des Restharns, kann der Urologe feststellen, ob eine erhebliche Verengung der Harnröhre vorliegt. Anschließend wird die Lage und das Ausmaß der Engstelle in der Harnröhre bestimmt. Dies erfolgt mit Hilfe eines Röntgen oder durch eine Blasenspiegelung.

Therapie

Die Behandlung einer Harnröhrenstriktur kann sehr unterschiedlich erfolgen, da es verschiedene Methoden gibt, die in unterschiedlichen Fällen zur Anwendung kommen. Welche Behandlungsmöglichkeit die Beste darstellt, ist von einigen Faktoren wie Lage und Länge der Engstelle sowie Alter und Nebenerkrankungen des Patienten abhängig. Auch die Wünsche des Patienten sollten nach Möglichkeit berücksichtigt werden.

Harnröhrenaufdehnung

Die als Bougierung bezeichnete Methode ist eine einfache Methode zur Erweiterung des Lumens der Harnröhre. Mit speziellen Harnröhrenkathetern, die es in verschiedenen Größen gibt, wird die Erweiterung der Harnröhre (Dilatation) durchgeführt. Die Behandlung kann durch einen Urologen vorgenommen werden, oder aber auch nach Anweisung vom Patienten selbst. Durch die Anwendung können die Beschwerden für eine bestimmte Zeit reduziert werden, aber nach einiger Zeit muss die Methode regelmäßig wiederholt werden und sie verliert im Laufe die Zeit zudem an Effektivität. Zusätzlich birgt das Bougieren das Risiko, dass die Harnröhre weiter verletzt werden, wodurch die Verengung verschlimmert werden kann. Je nach Zustand und Schweregrad der Engstelle kann die Maßnahme jedoch sehr hilfreich sein.

Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie)

Bei dieser Behandlungsmethode wird die Harnröhrenverengung unter Sicht gezielt angeschlitzt, sodass die Narbe kontrolliert gespalten wird. Die Vorgehensweise ist besonders für kurze Engstellen geeignet und verspricht eine Besserung. Sie wird in der Regel in einer kurzen Narkose durchgeführt. Die Spaltung kann je nachdem auch mit Hilfe eines Lasers statt eines Messers durchgeführt werden. Das Lasern ist eine schonende und erfolgversprechende Vorgehensweise. Bei der Schlitzung nach Sachse wird die Engstelle unter Sicht bis ins gesunde Gewebe eingeschnitten um eine erneute Narbenkontraktur zu verhindern. Bei der Schlitzung nach Otis wird die Harnröhre zunächst auf die entsprechende und gewünschte Weite mit Hilfe eines Urethrotoms gedehnt. Anschließend wird eine Klinge durch das Urethrotom gezogen, wodurch die Harnröhre bei 12 Uhr eingeschnitten wird. Die Methode nach Otis wird bei langen Strukturen angewandt und eher im Rahmen einer palliativen Behandlung einer Harnröhrenstriktur eingesetzt.

Harnröhrenstent

Eine weitere Möglichkeit bietet das Einsetzen eines Stents. Dabei handelt sich es um ein dehnbares, kleines Röhrchen aus Metall oder Kunststoff, dass in die Harnröhre eingesetzt wird um die verengte Stelle offen zu halten. Auch diese Methode hat einen Nachteil. Die Narbe und die Schleimhaut der Harnröhre können wiederholt mit einem überschießenden Wachstum des Narbengewebes oder mit einer Entzündung auf den Stent reagieren. In vielen Fällen muss der Stent wieder entfernt werden. Daher wird die Einlage eines Röhrchens nur noch unter bestimmten Umständen bei der Harnröhrenstriktur vorgenommen.

Operation

In den meisten Fällen verspricht eine Harnröhrenplastik oder Harnröhrenrekonstruktion im Rahmen einer Operation die besten Erfolge und Langzeitergebnisse bei einer Harnröhrenstriktur. In der OP wird die Harnröhre eröffnet und die Engstelle wird entfernt. Dann können die Enden der restlichen Harnröhre in einer End- zu- End- Anastomose wieder aneinandergenäht werden. Ist die Engstelle sehr lang gewesen und muss somit auch eine längere Strecke überbrückt werden, wird ein Harnröhrenersatz eingesetzt. Dabei handelt es sich im besten Falle um körpereigenes Gewebe des Patienten. Dadurch wird die Entstehung von wiederholten Entzündungsreaktionen deutlich verhindert. Zum Einsatz des Transplantates wird die Vorhaut oder auch freie Mundschleimhaut verwendet. Die Operation ist komplex und technisch anspruchsvoll weshalb sie bis zu vier Stunden dauern kann. Anschließend verbleibt in der neuen Harnröhre circa für ein bis drei Wochen ein Blasenkatheter damit die Nähte ausheilen können und keine Infektion entsteht.

Eine Harnröhrenstriktur bei Frauen

Frauen leiden sehr viel seltener an einer Harnröhrenstriktur, da die Harnröhre anatomisch deutlich kürzer ist als bei Männern. Allein aus diesem Grund kommen echte Strikturen bei der Frau nicht häufig vor. Dennoch können sowohl angeborene als auch erworbene Verengungen auftreten. Die Missbildung Hypospadie zeigt sich bei der Frau als eine Verlagerung der Harnröhre in die Vaginalwand. Dadurch fließt der Urin durch die Vagina ab. Durch die anatomischen Bedingungen ist die Harnröhre der Frau deutlich anfälliger für Infektion aufgrund eingedrungener Bakterien. Infektionen und Katheterisierungen können auch bei der Frau zu Verletzungen und Narben in der Schleimhaut der Harnröhre führen. Dann kann es auch zu Engstellen kommen, die das Wasserlassen beeinträchtigen.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu diesem Themengebiet finden Sie unter:

Eine Übersicht aller urologischer Themen finden Sie hier: Urologie Online.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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