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Leistenbruch beim Baby

Definition

Unter einem Leistenbruch versteht man einen Eingeweidebruch, der sich im Bereich der Leiste manifestiert. Es handelt sich dabei aber nicht um einen Bruch im eigentlichen Sinne, da keine Knochen beteiligt sind.

Vielmehr führen erhöhte Druckverhältnisse im Bauchraum (wie zum Beispiel Husten) dazu, dass Eingeweide durch körpereigene nicht verschlossene Öffnungen oder Schwachstellen im Gewebe vorfallen können.

Optisch lässt sich der Leistenbruch dann durch eine tastbare Vorwölbung erkennen, die von wegdrückbar bis äußerst schmerzhaft nahezu alle Symptome hervorrufen kann.

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Ursachen für einen Leistenbruch

Die häufigste Ursache für einen Leistenbruch beim Baby ist eine entwicklungsbedingt offen gebliebene Lücke im Bauchfell.

Diese lässt sich gut durch die Entwicklung der Hoden beim Jungen erklären.

Die Hoden entwickeln sich nämlich zuerst in der Bauchhöhle, um dann anschließend mit dem Wachstum des Babys in den Hodensack hinabzuwandern. Das Bauchfell wandert somit als seine schützende Hülle mit hinab. Normalerweise verschließt sich die Öffnung des Bauchfells oberhalb des Leistenkanals vor der Geburt bis kurze Zeit danach von selbst. Bleibt der Verschluss aus, ist es Organen und vor allem Darmanteilen möglich ebenfalls aus der Bauchhöhle heraus über die Leiste bis in den Hodensack zu gelangen.

Somit erklärt sich auch die Bezeichnung Eingeweidebruch bzw. Leistenbruch. Begünstigt wird das Hinabwandern von Darmanteilen dabei vor allem durch erhöhte Druckverhältnisse im Bauchraum. Beispiele dafür wären Husten, Niesen oder starkes Pressen beim Stuhlgang.

Je früher das Baby dabei zur Welt kommt, desto höher ist sein Risiko für einen Leistenbruch. Bleibt ihm nämlich nicht die normale Entwicklungszeit im Mutterleib, können nicht alle Reifungsprozesse und damit auch der Verschluss des Bauchfells oberhalb der Leiste abgeschlossen werden. Sehr ungewöhnlich bei Babys ist der Riss von Gewebe an körpereigenen Schwachstellen, wie sie beim Erwachsenen im Bereich der Leiste des Öfteren zu finden sind. Babys belasten sich aber nicht körperlich wie Erwachsene und heben auch nicht starke Lasten, sodass diese Ursache eine Seltenheit ist.

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Wie gefährlich kann ein Leistenbruch beim Baby werden?

Prinzipiell stellt ein Leistenbruch keine lebensbedrohliche Erkrankung eines Babys dar. Erst wenn der Leistenbruch zu einer Beeinträchtigung des Babys führt, ist er als unmittelbar gefährlich anzusehen. Er sollte allerdings operativ behandelt werden, um Komplikationen zuvermeiden.

Das größte Risiko eines Leistenbruches ist dabei die irreversible Einklemmung von Eingeweiden, die im schlimmsten Fall zu einem Absterben des betroffenen Darmes führt.

Wird eine irreversible Einklemmung nicht behandelt, führt die reaktive Entzündungsreaktion irgendwann zu einer Auflösung der Darmschleimhaut. Im äußersten Fall kann der Darm sogar an dieser Stelle reißen.

Als Folge tritt dann Stuhl in die Bauchhöhle aus und führt zu einer generalisierten Entzündung. Diese ist sehr belastend für ein Baby und birgt die Gefahr einer lebensbedrohlichen Kreislaufstörung. In solchen Fällen ist ein schnelles Handeln indiziert. Die einzige Heilung verspricht dann eine notfallmäßige OP mit der Entfernung der betroffenen Darmanteile.

 

Diagnose eines Leistenbruchs

Die Diagnose eines Leistenbruches wird vor allem durch die körperliche Untersuchung gestellt. Meist zeigt sich eine typische Beule im Bereich der Leiste, die als weiche Vorwölbung getastet werden kann.

Je nach Ausprägung des Leistenbruches kann die Beule dabei vollständig oder gar nicht weggedrückt werden. Sollte die Vorwölbung nicht sichtbar sein, berichten oft die Eltern während der Anamnese davon. Charakteristischerweise tritt sie den Schilderungen nach beim starken Weinen, Schreien oder Pressen auf. Meist kann eine Vorwölbung in diesen Fällen auch vom Untersucher provoziert werden. Sollte die Diagnose trotz der körperlichen Untersuchung unsicher sein, kann ein Ultraschall helfen Darmanteile im Leistenbereich oder Hodensack darzustellen.

Wie kann man einen Leistenbruch beim Baby selbst erkennen?

Es ist am besten, sich sein Baby genau bei der Körperpflege anzugucken. Ist eine Beule im Bereich der Leiste sichtbar, liegt der Verdacht auf einen Leistenbruch nahe.

Es ist dabei egal, wie groß diese Beule ist. Sie kann in ihrer Ausprägung von der Größe einer Murmel bis zu einem Ei schwanken. Ist die Beule einmal beobachtet, ist es wichtig auch darauf zu achten, wann diese Beule auftritt und ob sie dauerhaft vorliegt.

Eltern sollten nicht versuchen, die Beule beim ersten Bemerken selbstständig wegzudrücken. Gerade wenn noch zusätzliche Symptome vorliegen, ist die Gefahr einer zusätzlichen Verletzung höher als dem Baby zu helfen. Ein leichtes Auflegen der Finger ermöglicht lediglich die Konsistenz der Beule und die Hauttemperatur zu ertasten.

Was sind begleitende Symptome eines Leistenbruchs?

Begleitende Symptome sind von der Ausprägung des Leistenbruches abhängig. Je mehr Eingeweide nämlich in einer Gewebehülle wie dem Leistenkanal eingeengt sind, desto eher werden körpereigene Strukturen verletzt.

Im besten Fall tritt der Vorfall der Eingeweide nur phasenhaft auf und die Eingeweide ziehen sich selbst zurück in den Bauchraum. In diesen Fällen hat das Baby wenn überhaupt nur Schmerzen, wenn die Beule auftritt.

Sind Darmanteile dauerhaft eingezwängt, kann dies eine gestörte Verdauung bedeuten. Das Lumen des betroffenen Darmes wird dann nämlich so stark eingeengt, dass Nahrungsbrei diesen Abschnitt nicht oder nur noch schlecht passieren kann.

Als Folge staut sich der Darminhalt vor der Engstelle und weitet den nicht betroffenen Darm schmerzhaft auf. Babys fallen infolgedessen durch ein quengeliges Verhalten und anhaltendes Schreien auf. Zudem kann es zu einer Trinkunlust kommen. Ist der Darm so stark eingequetscht, dass selbst die Blutgefäße abgebunden sind, führt dies bei einer Nichtbehandlung zum Absterben des Darmes.

Beim Baby führt dies zu stärksten Schmerzen und wird mit zunehmenden Ausmaß auch von außen optisch sichtbar. Die Beule nimmt nämlich mit der zunehmenden Unterversorgung der Darmanteile nach und nach eine rote bis leicht lila Farbe an.

Jegliche schmerzhafte Rötung in Kombination mit einer Beule in der Leiste, sollte daher als Warnsignal gesehen werden.

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Schmerzen als Begleitsymptom eines Leistenbruchs

Schmerzen werden bei einem Leistenbruch vor allem durch eingeklemmte Eingeweide hervorgerufen. Genau gesehen sind es Nervenendigungen in Darmanteilen, die gereizt werden. Nimmt nämlich der Druck an der Engstelle auf das Gewebe zu, werden Nervenfasern komprimiert.

Als Effekt verspürt der Betroffene Schmerzen. Es kann aber auch sein, dass die Schmerzen durch stark geblähte Darmanteile entstehen. Staut sich Darminhalt im Bereich vor der Engstelle, werden reaktiv auch mehr Gase von Darmbakterien dort produziert. Eine zu starke Dehnung der Schleimhaut bewirkt auch eine Reizung von sensiblen Nervenfasern. Dies führt genauso zu der Empfindung Schmerz.

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OP bei Leistenbruch des Babys

Eine OP ist immer die einzige heilende Maßnahme bei einem Leistenbruch.

Im Umkehrschluss bedeutet dies also auch, dass keine Medikamente oder Verbände einen Leistenbruch beheben können. Das Prinzip jeder OP ist dabei, die Durchtrittsstelle der Eingeweide zu verschließen. Welche Methode dabei gewählt wird, hängt von der Art und der Ausprägung des Leistenbruches ab. Da beim Baby oft eine Lücke im Bauchfell die Ursache des Leistenbruches ist, wird diese Lücke operativ mit einem Faden verschlossen.

Diese Art des Verschlusses reicht vollkommen aus. Der Einsatz eines Netzes ist bei Erwachsenen zwar in manchen Fällen erforderlich, aber bei Kindern kontraindiziert. Bei Kindern gilt nämlich der Grundsatz, wenn möglich keine Fremdkörper einzubringen, die das Wachstum eventuell später beeinträchtigen könnten.

Heutzutage ist die minimalinvasive Technik der Standard. In der Fachsprache wird diese auch als laparoskopischer Eingriff bezeichnet. Hierzu werden mittels mehrerer kleiner Hautschnitte Instrumente in die Bauchhöhle eingebracht. Eine mit eingeführte Kamera ermöglicht eine genaue Spiegelung der Bauchhöhle und lässt die Instrumente gut beobachten.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass die kleinen Schnitte schnell abheilen und nur sehr schmale Narben hinterlassen. Zudem kann hiermit der gesamte Bauchraum wenn nötig angeschaut werden und weitere Komplikationen erkannt bzw. auch direkt behandelt werden.

Sollte eine minimalinvasive OP kontraindiziert sein, kann natürlich auch ein offener Zugang gewählt werden. Er bedeutet zwar einen größeren Hautschnitt, das generelle Verfahren der OP ist aber das Gleiche. Es obliegt dabei dem Operateur abzuwägen, welche Technik die sinnvollste für den kleinen Patienten ist.

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Risiko der OP eines Leistenbruchs des Babys

Die Risiken der OP eines Leistenbruches ergeben sich durch die körperlichen Besonderheiten eines Babys. Das kleine Lungenvolumen und die Gefahr des Wärmeverlustes sind besondere Herausforderungen an die Anästhesie, die die Narkose vornimmt.

Beim chirurgischen Eingriff sind die Risiken ähnlich denen bei Erwachsenen. Somit kann es in seltenen Fällen zu einer Verletzung anderer Strukturen oder Nachblutungen kommen. Bei Jungen ist zudem ein besonderes Risiko die mögliche Durchtrennung des Samenstranges, die allerdings durch die intraoperative Darstellung des Samenstranges optimalerweise vermieden wird.

Narkose beim Baby

Die Narkose beim Baby ist im Prinzip der Narkose beim Erwachsenen ähnlich. Die verwendeten Hilfsmittel zur Überwachung und kurzfristigen Beatmung sind nahezu die gleichen und unterscheiden sich nur in ihrer Größe.

Medikamente werden ebenso größen- und gewichtsadaptiert verabreicht. Die Narkose stellt zwar generell ein Risiko dar, welches aber durch den geplanten Eingriff eines Leistenbruches minimiert werden kann.

In den meisten Fällen kann nämlich eine Hernie am nächsten Tag nach einer ausführlichen Aufklärung und Planung durchgeführt werden. Die Fütterungszeiten können somit optimal angepasst und Risiken somit so gering wie möglich gehalten werden.

Alternativ zur Narkose kann aber auch eine lokale Betäubung mittels einer Spinalanästhesie erwogen werden. Dies ist aber im Einzelfall von den Behandlern zu unterscheiden.

Dauer der Heilung

Die Heilung hängt vom ausgewählten Operationsverfahren ab. Heutzutage ist die minimalinvasive Technik der Standard in deutschen Krankenhäusern. Die kleinen Schnitte verheilen normalerweise innerhalb weniger Tage bis zu einer Woche.

Das innere Vernähen der Bruchstelle ist durch den Faden direkt stabil.

Da zudem keine weitere Verletzung des Gewebes durch Schnitte hervorgerufen wurde, muss nur eine minimale Wundheilung im Bereich der Nahtstelle erfolgen. Für Eltern bedeutet dies, dass sie im Umgang mit ihrem Baby nach der OP wie gewohnt sein können. Lediglich sollten die äußeren Wunden adäquat versorgt und abgedeckt werden.

Wie lange muss das Baby im Krankenhaus bleiben?

Es liegt generell im Ermessen des Behandlers, welche Aufenthaltsdauer er für das Baby im Krankenhaus für angemessen hält. Je nach Komplikationen und dem Verlauf der Wundheilung sollte immer im Einzelfall die Aufenthaltsdauer zusammen mit den Eltern abgewogen werden. War die OP komplikationslos und die Narkose ohne Besonderheiten, spricht in der Regel jedoch nichts dagegen ein sonst gesundes Baby nach zwei bis drei Tagen zu entlassen.

Dieser Zeitraum wird allerdings benötigt, wenn ein möglicher Überhang von Medikamenten und Komplikationen wie Nachblutungen sicher ausgeschlossen werden soll.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2018
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