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Schmerzen bei einem Leistenbruch

Einleitung

Als Leistenbruch (auch Leistenhernie oder Hernia inguinalis) bezeichnet man die Verlagerung von Bestandteilen des sogenannten Leistenkanals durch die Bauchwand nach außen. Es bildet sich ein sogenannter Bruchsack, der mit dem Bruchinhalt ausgefüllt ist und dessen Wand mit Bauchfell bedeckt ist.
Der Leistenbruch stellt sowohl beim weiblichen, als auch beim männlichen Geschlecht die häufigste Form des Bruches dar. Die überwiegende Zahl der Leistenbrüche kommt allerdings bei Männern vor.
Schwellung und Schmerzen im Bereich der Leistengegend können ein wichtiges Symptom für einen Leistenbruch sein, jedoch können sie auch andere Ursachen haben. Oftmals geht ein bestehender Leistenbruch auch mit keinen, oder nur sehr geringen Schmerzen in der Leistenregion einher. Bei heftigen, anhaltenden, oder wiederkehrenden Schmerzen in der Leistenregion sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um einen Leistenbruch, oder andere wichtige Ursachen der Schmerzen auszuschließen.

Symptome

Für den Laien ist ein Leistenbruch nicht immer als solcher erkennbar. Häufig tritt eine Schwellung im Bereich der Leiste auf. Diese kann beim Mann auch im Hodensack, bei der Frau in den Schamlippen, hervortreten. Eine Schwellung kann allerdings auch gänzlich fehlen, beziehungsweise im Ruhezustand nicht erkennbar sein. Schmerzen in der Leiste können auftreten, sind allerdings nicht immer vorhanden, sodass ein Leistenbruch bei Abwesenheit von Schmerzen nicht ausgeschlossen werden kann.

Wiederkehrende, ziehende Schmerzen in der Leistengegend können jedoch auf einen Leistenbruch hinweisen, auch wenn eine Schwellung fehlt, oder vom Laien nicht erkannt wird.
Die Schmerzen beim Leistenbruch müssen nicht unbedingt im Bereich der Leiste selbst liegen. So ist auch eine Ausstrahlung der Schmerzen in die Umgebung der Leiste möglich. Schmerzen können sich somit auch im Bereich des Oberschenkels, des Unterbauches, des Hodens, oder der weiblichen Geschlechtsorgane bemerkbar machen. Teilweise ist die örtliche Zuordnung der Schmerzen auch nicht ohne Weiteres möglich. Bestehen Schmerzen, werden diese in der Regel als ziehend empfunden.

Bereits ein kleiner Leistenbruch kann zu starken Schmerzen führen, jedoch können diese selbst bei einem großen Leistenbruch gänzlich fehlen. Bestehen Schmerzen, sind diese besonders im Stehen und bei Tätigkeiten, die den Druck im Bauchraum erhöhen, spürbar. Somit können Schmerzen in der Leistengegend beispielsweise beim Stuhlgang, beim Husten, oder beim Heben von Lasten einen Hinweis auf einen Leistenbruch darstellen.

Wichtig ist es, Schmerzen ernst zu nehmen und deren Ursache durch einen Arzt ausfindig machen zu lassen. Auch eine schmerzlose Schwellung in der Leistenregion, im Bereich des Hodensackes oder der Schamlippen, sollte zeitnah durch einen Arzt begutachtet werden.
Besondere Beachtung sollte starken und plötzlichen Schmerzen im Bereich der Leiste, oder deren Umgebung (auch Bauch) geschenkt werden, da diese Hinweis auf eine Einklemmung (Inkarzeration) des Bruchinhalts sein können. Ist dies der Fall, so ist höchste Eile geboten, da es sich um einen Notfall handelt, der eine sofortige Operation erfordert. Ansonsten kann es zum Absterben von Gewebe kommen.

Leistenbruch und Schmerzen beim Laufen

Bei einem Leistenbruch stülpt sich ein Teil der Bauchorgane in einem Bruchsack durch eine muskuläre Schwachstelle im Bereich der Leiste (Übergang von Bauch zu Oberschenkel) nach außen.
Dies kann aber muss nicht mit Schmerzen einhergehen. Bei vielen der hauptsächlich männlichen Patienten bleibt ein Leistenbruch sogar über einen längeren Zeitraum unbemerkt, denn der Bruchsack kann sich oftmals selbst in den Bauchraum zurückverlagern.

Wenn es im Bauch jedoch zu einem Druckanstieg kommt (z.B. durch Pressen beim Stuhlgang, Husten, Niesen oder beim Heben schwerer Gegenstände), ist es möglich, dass sich eine kleine, pflaumengroße Vorwölbung im Bereich der Leiste darstellt. Einige Patienten beschreiben dann einen ziehenden Schmerz bis in den Hodensack bzw. in die großen Schamlippen.
Das Laufen wird durch einen Leistenbruch meistens nicht eingeschränkt. Bei dieser Art von Bewegung entsteht in der Regel kein besonders starker Druck im Bauchraum und somit auch nicht auf den Bruchsack. Sollte jedoch bereits entspanntes Spazierengehen starke Schmerzen bereiten, empfiehlt es sich einen Arzt aufzusuchen, da die Gefahr besteht, dass sich ein Teil des Bruchsacks eingeklemmt hat. Dies stellt eine der schlimmsten Komplikationen eines Leistenbruchs dar, denn eine anhaltende Blutminderversorgung kann zum Absterben des eingeklemmten Darmabschnittes führen und muss umgehend operiert (siehe auch: Leistenbruch Operation) werden. Oftmals geht der Schmerz einer Einklemmung mit Übelkeit und Erbrechen sowie mit Fieber einher.

Schmerzen beim Sitzen

Auch im Sitzen muss ein Leistenbruch nicht zwingend Schmerzen hervorrufen.
Viele Patienten beschreiben einen völlig normalen, unbeeinträchtigten Alltag trotz eines diagnostizierten Leistenbruchs. Dennoch kann es auch anders sein. Beim Sitzen beugt man die Hüfte und führt die Oberschenkel etwas näher an den Bauch heran. Durch diese Verkleinerung des Winkels zwischen Bauch und Oberschenkel kommt es zu einer Art Faltung des Leistenbereiches.

Bei Leistenbrüchen, die sich unproblematisch in den Bauchraum zurückschieben lassen, verursacht auch das Sitzen eher keine Probleme. In diesem Fall wandert der Bruchsack beim Sitzen meist zurück in den Bauch. Sollte der Bruchsack jedoch dauerhaft außerhalb des Bauchraumes sein, kann es durch die Faltung der Leistengegend beim Sitzen zu einer Art Einklemmung kommen. Diese kann sich wie ein Fremdkörpergefühl anfühlen, aber auch ischämische Schmerzen verursachen. Eine Streckung der Hüfte (z.B. durch Aufstehen oder Hinlegen) sollte in jedem Fall eine Linderung der Beschwerden mit sich führen.

Schmerzen nach der OP

In den meisten Fällen wird ein Leistenbruch mittel einer operativen Netzeinlage zur Verstärkung der Bauchdecke erfolgreich therapiert. Diese kann sowohl durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) als auch durch eine offene Operation erfolgen.
Je nach Operationsverfahren variieren die Größe der Operationsnarbe und somit auch die möglicherweise damit verbundenen Schmerzen. Im Bereich der Bauchdecke herrscht dauerhaft Bewegung. Bei nahezu jeder Bewegung kommt es zu einer Anspannung oder Dehnung der Bauchhaut und somit zu einer Reizung der Operationsnarben, wodurch einige Patienten nach einer Leistenbruch-OP über Schmerzen klagen.
Um diese Schmerzen zu lindern, gilt es möglichst viel Bettruhe zu halten und dem Gewebe so die Möglichkeit zu geben, optimal verheilen zu können. Eine weitere mögliche Ursache für Schmerzen nach einer Leistenbruchoperation kann die Verletzung von Gefäß- oder Nervensträngen sein.

Bei den meisten Leistenbrüchen wandert der Bruchsack mit Darmteilen durch den Leistenkanal und wölbt sich erst dahinter durch die Bauchdecke hervor. Hierbei spricht man von einem indirekten Leistenbruch. Der Leistenkanal enthält beim Mann den Samenstrang, bei der Frau das Mutterband der Gebärmutter und mehrere Blutgefäße und Nervenstränge. Wenn es bei der operativen Rückverlagerung des Bruchsackes zu einer Verletzung dieser Strukturen kommt, können sich nach der Operation starke Schmerzen entwickeln. Auch eine Verletzung des Bauchfells durch den Operateur könnte ähnliche Symptome hervorrufen. Hierbei handelt sich jedoch um eher seltene Komplikationen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Leistenbruch Operation

Diagnose

Bei Schmerzen in der Leistenregion, die den Arzt an einen Leistenbruch denken lassen, wird dieser zunächst im ärztlichen Gespräch nach möglichen Auslösefaktoren fragen. Als solche sind beispielsweise heftiges Husten oder das Heben schwerer Lasten zu nennen. An solche konkreten Ereignisse können sich Patienten jedoch nicht immer erinnern.

Weiterhin wird der Patient bezüglich seiner Schmerzen befragt. Ziehende Schmerzen im Bereich der Leiste und deren Umgebung, können dem Arzt einen Hinweis auf einen möglicherweise bestehenden Leistenbruch geben. Allerdings kann die Information, ob Schmerzen bestehen, nur ergänzend zur Diagnosefindung beitragen.

Hierzu muss vor allem eine eingehende körperliche Untersuchung durchgeführt werden. Diese umfasst die Begutachtung einer möglicherweise sichtbaren Schwellung, genauso wie das Abtasten der Leistenregion, sowie beim Mann des Hodensackes und bei der Frau der Schamlippen. Die Untersuchung wird in der Regel im Stehen durchgeführt, da hierbei das Tasten eines vorhandenen Leistenbruches leichter möglich ist. Zusätzlich kann auch eine Untersuchung im Liegen weiteren Aufschluss geben.
Möglicherweise wird der Arzt den Patienten auch zum Husten oder Pressen auffordern, da durch die Druckerhöhung im Bauchraum ein zunächst nicht tastbarer Leistenbruch häufig hervortritt und erkannt werden kann. Besteht eine sicht- oder tastbare Schwellung, wird der Arzt versuchen, den Bruchinhalt zurückzuschieben (sogenannte Reposition). Diese Maßnahme dient der Rückverlagerung und Beurteilung des Bruches und sollte nur vom Arzt durchgeführt werden, um eine Einklemmung des Bruches durch den Laien zu vermeiden.

In aller Regel ist die Diagnose, beziehungsweise der Ausschluss eines Leistenbruches, durch die körperliche Untersuchung alleine möglich. Zusätzlich kann bei unklaren Fällen, oder zur genaueren Bestimmung des Bruchinhaltes, weiterhin die Ultraschalluntersuchung der Leistenregion erfolgen.

Wo treten die Schmerzen auf

Wenn ein Leistenbruch Schmerzen verursacht, handelt es sich bei denen meist um ziehende Schmerzen.

Die Schmerzausstrahlung kann von der betroffenen Leistenseite bis in die großen Schamlippen bei der Frau bzw. bis in den Hodensack beim Mann erfolgen. Eine Schmerzweiterleitung in andere Körperteile wurde bisher nicht beschrieben. Im Falle einer Einklemmung kann es zu sogenannten Ischämieschmerzen kommen. Ein ischämisch werdendes Organ bedeutet eine Unterbrechung der versorgenden Blutzufuhr und somit einen Mangel an Sauerstoff, welcher letztendlich zum Absterben des Gewebes führen kann. Ischämieschmerzen sind sehr unangenehm und können sich großflächig um den unterversorgten Bereich ausbreiten.

Ursachen eines Leistenbruchs

Ein Leistenbruch kann grundsätzlich angeboren sein, oder erst im Laufe des Lebens entstehen (sogenannter erworbener Leistenbruch). Der erworbene Leistenbruch entsteht durch eine Bindegewebsschwäche der Bauchwand im Bereich der Leiste. Begünstigend auf die Entstehung wirkt sich ein erhöhter Druck im Bauchraum aus. Eine zum Leistenbruch führende Druckerhöhung kann beispielsweise durch Husten, Heben schwerer Lasten, oder beim Stuhlgang (besonders bei Verstopfung mit starkem Pressen) entstehen. Die Leistenregion ist eine sehr sensible Region. Diese Tatsache ist durch eine Vielzahl von Nerven in diesem Bereich begründet. Wenn beim Leistenbruch Schmerzen auftreten, sind diese auf eine örtliche Reizung dieser Nerven zurückzuführen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Leistenbruch Ursachen

Therapie

Wird ein Leistenbruch festgestellt, besteht die einzige Möglichkeit der Heilung in der Operation. Ziel dieser ist es, die entsprechende Schwachstelle der Bauchwand entweder durch Nähte, oder durch Einbringen eines körperfremden Netzes, zu stabilisieren. Bruchbänder werden heute nicht mehr verwendet, da sie die Gefahr der Einklemmung des Bruches bergen.

Die Operation kann beim nicht eingeklemmten Leistenbruch geplant mittels Termin erfolgen. Sollte allerdings eine Einklemmung erfolgt sein, die nicht durch den Arzt behoben werden kann, ist eine notfallmäßige Operation notwendig, um das Absterben von Gewebe zu verhindern.

Je nach Ausmaß der Schmerzen können diese gegebenenfalls mit leichten Schmerzmitteln behandelt werden. Starke und plötzlich auftretende Schmerzen müssen unbedingt zum Arztbesuch führen, da diese auf eine Einklemmung des Leistenbruchs hindeuten können.
Je nachdem, wie lange die Einklemmung bereits bestanden hat, wird der Arzt entweder versuchen, sie mit seinen Händen zu beheben, oder sich für eine schnellstmögliche Operation entscheiden. Bestehen in dieser Situation starke Schmerzen, können diese mit Schmerzmitteln therapiert werden.

Prognose

Die Prognose des Leistenbruches ist im Allgemeinen gut.
Natürlich ist hierbei zu unterscheiden, ob es sich um einen unkomplizierten Leistenbruch handelt, der geplant operiert wird, oder um eine Notfalloperation bei Einklemmung des Bruches. Umso wichtiger erscheint es, bei Verdacht auf eine Einklemmung unverzüglich ärztlichen Rat heranzuziehen, da dies die Prognose entscheidend verbessern kann.
Auch nach erfolgreicher Operation besteht allerdings ein Risiko des Wiederauftretens eines Leistenbruchs. Dieses wird, je nach Operationsmethode, mit einem bis zehn Prozent angegeben. Bestanden Schmerzen, bilden sich diese in aller Regel nach erfolgreicher Operation zurück. Bei einem geringen Anteil von Patienten bleiben Schmerzen jedoch leider weiterhin bestehen. Dann muss mit dem Arzt das weitere Vorgehen und gegebenenfalls der sinnvolle Einsatz von Schmerzmitteln besprochen werden.

Prophylaxe

Die Vermeidung der Schmerzen, die beim Leistenbruch auftreten können, ist grundsätzlich nur durch die Vermeidung des Leistenbruchs selbst möglich. Es sollte darauf geachtet werden, keine Maßnahmen durchzuführen, die einen erhöhten Druck im Bauchraum hervorrufen. Dadurch kann die Entstehung eines Leistenbruchs eventuell vermieden werden. Es sollten keine zu schweren Lasten gehoben werden.
Zusätzlich kann es sinnvoll sein, bei Verstopfung mit dem Arzt über geeignete Abführmaßnahmen zu sprechen, um starkes Pressen zu verhindern. Nichtsdestotrotz lässt sich leider auch durch diese Maßnahmen ein Leistenbruch nicht sicher verhindern, da daran auch maßgeblich die Beschaffenheit des Bindegewebes der einzelnen Person verantwortlich ist. Dennoch sollten die genannten Maßnahmen als wichtige Unterstützung Beachtung finden.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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