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Leistenhernie der Frau

Allgemeines

Bei Frauen sind Leistenhernien wesentlich seltener als bei Männern, auf eine Patientin mit einem Leistenbruch kommen 8 männliche Patienten mit dem gleichen Krankheitsbild. Es gibt direkte und indirekte Leistenhernien, die an unterschiedlicher Stelle in den Leistenkanal eintreten, aber beide am sogenannten äußeren Leistenring den Leistenkanal verlassen.

Bei Frauen ist die indirekte (oder auch laterale) Leistenhernie häufiger, der Bruchsack tritt dabei am inneren Leistenring, einer muskelschwachen Stelle der Bauchwand in den Leistenkanal ein und verläuft dann gemeinsam mit dem Gebärmutterband (Lig. teres uteri) zum äußeren Leistenring und tritt dann gemeinsam mit diesem Band am äußeren Leistenring aus und kann dann in der Leistenregion als Vorwölbung tastbar sein. In dem Bruchsack können sich Organe des Bauchraumes wie Darmanteile befinden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Leistenbruch bei der Frau

Ursachen

Auf die Muskelschicht der Bauchwand in der Leistenregion lastet immer ein Druck durch die Organe im Bauchraum. Beim Tragen schwerer Dinge oder beim Husten, Niesen und beim Toilettengang erhöht sich der Druck auf diese Muskelwand. Normalerweise hält die Muskelwand diese Drücke ohne Probleme aus. Wird aber entweder der Druck zu groß oder die Muskelwand zu schwach, kann eine Leistenhernie auftreten. In der Schwangerschaft ist der Druck auf die Muskelwand in der Leistenregion besonders groß, weshalb Leistenhernien in der Schwangerschaft häufiger auftreten als sonst. Leistenbrüche bei Frauen können auch durch schwaches Bindegewebe oder hormonelle Einflüsse, die zu einem Abbau des Bindegewebes führen, begünstigt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ursachen einer Leistenhernie

Symptome und Komplikationen

Ein kompletter Leistenbruch bei der Frau äußert sich meistens durch eine Vorwölbung oder Verdickung im Unterbauch, die schmerzhaft sein kann. Die Schmerzen bei einem Leistenbruch treten vor allem beim Heben oder bei Betätigung der Bauchpresse auf. Die Größe der Hernie korreliert nicht mit dem Ausmaß der Beschwerden. Ein inkompletter Leistenbruch macht ebenfalls Beschwerden in der Leiste, meistens kann man hier aber noch keine Vorwölbung tasten. Die ziehenden oder drückenden Schmerzen sind dann das einzige Symptom. Der Bruchsack kann Organe des Bauchraumes, vor allem Darm enthalten. Gefährlich kann eine Leistenhernie werden, wenn diese Darmanteile im Leistenbruch eingeklemmt bleiben, da der Darm durch diese Einklemmung anschwillt und von der Blutzufuhr abgeschnitten wird. Diese Komplikation wird als Inkarzeration bezeichnet, der betroffene Darmabschnitt kann absterben oder ein Ileus (Darmverschluss) entstehen. Eine weitere mögliche Komplikationen ist die Entzündung des Bruchinhaltes.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome eines Leistenbruchs

Diagnose

Die Untersuchung durch den Arzt erfolgt meistens im Liegen. Der Arzt oder die Ärztin legt dabei eine Hand in die Leistenregion und versuchen eine Vorwölbung, Verdickung oder auch eine Lücke in der Bauchwand zu ertasten. Um die Untersuchungsbedingungen zu verbessern, kann die Patientin husten oder die Bauchdecke anspannen. Etwaige Leistenhernien treten dann deutlicher hervor. Trotzdem kann die Diagnose eines Leistenbruchs ohne hervortretenden Bruchsack bei Frauen schwierig sein. Die Diagnose kann durch eine Ultraschalluntersuchung oder in komplizierteren Fällen auch durch eine Magnetresonanztomografie (MRT) gesichert werden.

Abbildung der Arten eines Leistenbruchs

  1. Bauchfellhöhle -
    Cavitas peritonealis
  2. Baucheingeweide
  3. Bauchfell -
    Peritoneum
  4. Verklebter Bauchfellausstülpung
  5. Samenleiter -
    Ductus deferens
  6. Nebenhoden -
    Epididymis
  7. Hoden -
    Testis
  8. Seröse Hodenhülle -
    Tunica vaginalis testis
  9. Hodensack - Scrotum
  10. Leistenband -
    Ligamentum inguinale
  11. Bruchsack

    Leistenbruch - Hernia inguinalis
    Leistenbrucharten:
    a - Epigastrische Hernie
    (in Oberbauch an der Mittellinie) -
    Hernia epigastrica
    b - Nabelbruch -
    Hernia umbilicalis et paraumbilicalis
    c - Narbenbruch
    (am Ort eines vorherigen
    chirurgischen Eingriffs) -
    Hernia cicatrica
    d - Direkter Leistenbruch
    (in der Leiste nahe der
    Öffnung des Leistenkanals)
    e - Indirekter Leistenbruch
    (in der Leiste an der Öffnung
    des Leistenkanals)
    f - Schenkelbruch
    (im Oberschenkelkanal) -
    Hernia femoralis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Therapie

Ein Leistenbruch muss aufgrund der Gefahr einer Inkarzeration operativ versorgt werden. In 90% der Fälle ist ein Eingriff in Regionalanästhesie möglich, sollte die OP aber laparoskopisch (Laparoskopie= Bauchdeckenspiegelung) durchgeführt werden, muss der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt werden. Die Operation des Leistenbruchs findet in drei Schritten statt. Im ersten Schritt wird ein Schnitt in der Leiste gemacht, die Muskelwand durchtrennt und der Bruchsack aufgesucht. Im zweiten Schritt wird der Bruchsack eröffnet, dann wird der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückverlagert und der Bruchsack durch Nähte verschlossen. Im dritten Schritt wird die Bruchpforte verschlossen. Der Bruchpfortenverschluss erfolgt nach dem Prinzip der Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals. Die Hinterwand des Leistenkanals liegt zum Abdomen hin und kann durch zwei verschiedene Methoden verstärkt werden. Die Verstärkung kann durch eine raffende Naht und die Dopplung der Muskelfaszien geschehen, diese Methodik findet sich beispielsweise in der OP nach Bassini oder in der OP nach Shouldice wieder. Bei Frauen kann der Leistenkanal fest um das Gebärmutterband verschlossen werden oder das Lig. teres uteri kann durchtrennt werden, um einen Verschluss des Leistenkanals zu ermöglichen. Eine andere OP-Technik erreicht die Verstärkung durch eine spannungsfreie Implantation eines Kunstoffnetzes, was entweder in einer offenen oder einer laparoskopischen Operation geschehen kann. Diese Technik wird beispielsweise in der OP nach Liechtenstein verwendet.

Dauer der Operation

Wie lange genau die Operation einer Leistenhernie dauert hängt von der Art des Eingriffs ab. Dabei werden offene und laparoskopische (minimal-invasive) Verfahren unterschieden. Im Durchschnitt beträgt die reine Operationsdauer etwa eine halbe Stunde. Dabei ist jedoch zu beachten, dass vor der OP eine Operationseinleitung des Patienten notwendig ist und nach der OP ein zusätzlicher Aufenthalt im Aufwachraum noch Zeit benötigt. Dadurch ist die insgesamte Dauer der Operation deutlich länger.
 

Braucht man immer eine OP?

Eine Operation ist bei einer Leistenhernie nicht immer notwendig. Stellt der Bruch beispielsweise einen Zufallsbefund dar und äußert sich in keinerlei oder nur sehr geringer Symptomatik, so kann ein sogenanntes „watchful waiting“ erfolgen. Dabei werden regelmäßige Kontrollen der Beschwerden und des Bruchsacks durchgeführt, um eine Verschlechterung auszuschließen. Symptomatische Leistenhernien werden in der Regel operiert. Eine Ausnahme stellt die Einklemmung eines Bruchsacks dar, welche in jedem Fall sofort operiert wird.

Die Wahl des OP-Verfahrens hängt dabei vor allem davon ab, ob es in der Vergangenheit bereits zu einer Hernie kam. Es werden offene von minimal-invasiven (laparoskopischen) Operationstechniken unterschieden:

  • eine offene, operative Behandlung von Hernien erfolgt meist durch eine Netzeinlage, welche die Durchbruchstelle, zusätzlich zur Naht, stützt (Liechtenstein-Verfahren).
  • laparoskopische Verfahren sind die sogenannte Tapp (Transabdominelle Präperitoneale Plastik) und die TEP (Total Extraperitoneale Plastik).

Prognose

Die Prognose ist gut, die Rezidivrate liegt je nach OP-Methode zwischen 2-10%.

Leistenhernie in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko für einen Leistenbruch. Grund ist der erhöhte Druck innerhalb der Bauchhöhle sowie eine Schwäche der Bauchwandmuskulatur. Durch den ständig vorliegenden Druck im Bauch, welcher stetig steigt, kommt es zu einem Nachlassen der Bauchdecke, durch welche der Darm hervortritt. Des Weiteren werden die typischen Schwachstellen durch eine Abnahme der Festigkeit der Muskulatur zusätzlich geschwächt. Daher kommt es bei Schwangeren häufiger zu einem Leistenbruch, welcher meist bei einer Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung oder durch eine gegebene Symptomatik auffällig wird.

Leistenhernien während der Schwangerschaft werden in der Regel nicht oder erst nach der Geburt operativ behandelt. Da ein solcher Leistenbruch fast immer durch die Schwangerschaft verursacht wird, verschwindet dieser Auslöser nach der Geburt, weshalb man oftmals abwartet. Bessert sich die Symptomatik nach der Geburt nicht, so ist eine Operation angebracht.
Kommt es während der Schwangerschaft zu Komplikationen oder zu starken Schmerzen, so wird die Hernie vorzeitig operiert.

Verschiedene Hernienformen der Frau

Indirekte Leistenhernie

Bei der indirekten oder „lateralen“ (außenliegenden) Leistenhernie gelangt der Bruchsack durch den inneren Ring des Leistenkanals in den Kanal. Dort begleitete der Bruchsack unter anderem das Gebärmutterband (Ligamentum teres uteri), welches von der Gebärmutter aus zu den Schamlippen zieht. Der Bruchsack tritt anschließend durch den äußeren Ring des Leistenkanals, oberhalb des Leistenbandes, wieder aus und wird dort meist tastbar.

Indirekte Leistenhernien können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Im Gegensatz zum Mann begleitet die Hernie hierbei das Gebärmutterband und nicht den Samenleiter. Da sich beim Mann größere Strukturen innerhalb des Leistenkanals befinden ist der innere Ring, also die Eintrittspforte, vergrößert. Deswegen ist eine Leistenhernie beim Mann deutlich häufiger vorzufinden.
 

Direkte Leistenhernie

Bei einer direkten oder „medialen“ (mittigen“) Leistenhernie kommt es zum Austreten des Bruchsackes durch eine Schwachstelle in der Bauchmuskulatur. Die Hernie tritt dabei also nicht durch den inneren Ring in den Leistenkanal ein, sondern begleitet diesen erst im Verlauf. Da der Bruchsack also nicht durch den Leistenkanal, sondern direkt durch die Bauchwand bricht wird diese Hernie auch als „direkte Leistenhernie“ bezeichnet.

Direkte Leistenbrüche sind immer, meist durch einen erhöhten Druck, erworben. Ihre klassische Durchtrittsstelle ist das sogenannte „Hesselbach-Dreieck“. So wird die typischerweise beim Menschen bestehende Schwachstelle in der Muskulatur genannt, welche sich relativ mittig auf dem Bauch projiziert.

Angeborene Leistenhernie

Angeborene Leistenhernien treten vor allem bei Neugeborenen und Kleinkindern auf. Während der Embryonalentwicklung kommt es zu einem Absenken von Strukturen, welche in den Leistenkanal ziehen und diesen durchqueren. Dabei kommt es zu einer Mitnahme des Bauchfells, wodurch eine natürliche Verbindung zwischen Bauchhöhle und Leiste entsteht. Die Verbindung verwächst normalerweise sehr früh. Bleibt sie jedoch bestehen, so kommt es schon früh zu einer Leistenhernie, welche meist durch eine gerötete Schwellung auffällig wird.

Angeborene Leistenhernien sind somit immer indirekte Hernien, da sie sich ihren Weg durch den inneren Ring des Leistenkanals bahnen.
 

Welcher Leistenbruch bei der Frau ist häufiger: rechts oder links?

Frauen machen bei der Gesamtzahl der Leistenbrüche nur circa 10-20 % aus. Dabei sind etwa zwei Drittel indirekte Leistenhernien und ein Drittel direkte Leistenhernie.

Bei den indirekten und/ oder angeborenen Leistenbrüchen ist die rechte Seite deutlich häufiger betroffen. Dies ist wahrscheinlich auf embryonalentwicklungsbedingte Ursachen zurückzuführen und hängt vermutlich mit der Weite des Leistenkanals zusammen.

Bei den direkten Leistenhernien wird bei der Wahrscheinlichkeit des Auftretens nicht in rechts und links unterschieden.

Untersuchung auf eine Leistenhernie

Die Untersuchung einer Leistenhernie erfolgt sowohl im Liegen als auch im Stehen und wird in eine Inspektion (begutachten) und eine Palpation (tasten) eingeteilt.

Zunächst wird beobachtet, ob im Stehen eine Vorwölbung oder Asymmetrie besteht. Dies wird anschließend ebenfalls unter erhöhtem Druck untersucht, indem der Patient hustet oder presst.

Anschließend wird die Hernie durch fühlen auf ihre Konsistenz, ihre Lage, eventuelle Schmerzen und auf eine mögliche Reposition (Zurückdrücken in den Bauch) untersucht. Dieselben Untersuchungen werden anschließend noch einmal im Liegen durchgeführt, wobei zusätzlich beobachtet wird, ob sich die Hernie durch das Hinlegen von selbst zurückbildet.
 

Was sind die typischen Anzeichen?

Das typische Anzeichen für einen Leistenbruch ist eine sicht- und tastbare Schwellung. Diese befindet sich meist in der Leistenregion, kann sich jedoch im späteren Stadium bei Frauen in den Schamlippen zeigen. Die Vorwölbung eines Bruchsackes, welcher sich durch die Haut tasten lässt, äußert sich in der Regel als weich, elastisch und gut verschieblich.

Neben der Schwellung kommt es häufig zu einem Ziehen in der Leistenregion, dass durch einen erhöhten Druck im Bauch (z. B. durch Husten, Nießen, Heben von schweren Lasten oder während des Stuhlgangs) verstärkt wird. Seltener werden auch stärkere Ruheschmerzen beschrieben, welche ebenfalls in der Leiste auftreten.
 

Kann ich einen Leistenbruch auch selbst erkennen?

Ob sich ein Leistenbruch auch durch einen medizinischen „Laien“ erkennen lässt hängt von dem Ausmaß des Bruchs und dem Wissenstand des Betroffenen ab. Vor allem bei jüngeren Patienten werden Leistenhernien meist selbst erkannt. Bei Kleinkindern und Babys werden sie oftmals durch die Mutter oder den Vater bemerkt.

Es ist sehr sinnvoll auf Veränderungen des eigenen Körpers zu achten, da man selbst immer die beste Übersicht hat und demnach schon kleine Veränderungen bereits früh bemerkt werden können. Um daraus auf eine Leistenhernie schließen zu können eignen sich die oben genannten Kriterien gut, um einen ersten Eindruck zu erhalten. Eine letztendliche Diagnose kann jedoch nur der Arzt stellen, weshalb ein Arztbesuch in jedem Fall innerhalb kürzerer Zeit erfolgen sollte.

Schmerzen bei einer Leistenhernie

Schmerzen bei einer Leistenhernie äußern sich in der Regel als ziehende, in die gesamte Leiste ausstrahlende und sich bei Manipulation verstärkende Schmerzen. Eine Manipulation erfolgt beispielsweise durch das Betasten der Hernie oder durch Pressversuche, welche den Druck im Bauch erhöhen.

Kommt es zu einem Anstieg der Schmerzen innerhalb kurzer Zeit mit eventuell zusätzlichem Auftreten von Übelkeit und Erbrechen, so sollte sofort ein Arzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden, da es sich um eine Einklemmung des Bruchsacks und somit einen Notfall handeln könnte.

Welcher Arzt ist für einen Leistenbruch bei der Frau zuständig?

In der Regel ist der zuständige Arzt bei Leistenhernien der Allgemein- oder Viszeralchirurg. Entdeckt werden Hernien jedoch meist durch den Hausarzt oder Gynäkologen. Diese entscheiden entweder selbst darüber, ob eine Operation notwendig ist und überweisen den Betroffenen im Falle einer Notwendigkeit zum Chirurgen oder überweisen den Patienten direkt zum Chirurgen. Dieser wählt das Verfahren aus und führt die Operation durch.

Die Nachsorge wird wiederum durch den jeweiligen Hausarzt übernommen.
 

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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