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Bauchschmerzen im Unterbauch

Einleitung

Bauchschmerzen im Unterbauch können verschiedene Ursachen haben. Generell kann der Schmerz noch in linksseitige und rechtsseitige Unterbauchschmerzen unterschieden werden, die jeweils bestimmte Ursachen haben können. Auch die Qualität der Schmerzen (krampfartig, drückend oder stechend) kann einen Hinweis auf die zugrunde liegende Ursache geben.

Linksseitige Unterbauchschmerzen

Linksseitige Unterbauchschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Im Folgenden sind einige mögliche Gründe aufgelistet:

Divertikulitis: Die Divertikulitis ist eine Entzündung kleiner Aussackungen der Darmwand. Diese Aussackungen (Divertikel) finden sich vor allem bei älteren Leuten (ca. 65% der über 85-Jährigen) und entstehen durch geschwächtes Bindegewebe in der Darmwand. Fast immer ist das Colon sigmoideum (Sigmoid) betroffen, d.h. der Dickdarmabschnitt, der im linken Unterbauch liegt. In die Divertikel kann sich Stuhl einlagern. Dieser kann auf die Schleimhaut drücken und sekundär zu einer Entzündung führen, die sich typischerweise durch Schmerz und Druck im Unterbauch, manchmal auch Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsbeschwerden äußern kann. Der Arzt kann häufig eine harte Walze im linken Unterbauch tasten. Durch die Divertikulitis kann es auch zu Problemen beim Wasserlassen oder einer Verlegung des Darmes (Ileus/Subileus) kommen.

Diagnostiziert wird die Divertikulitis mittels Ultraschall oder Computertomographie. Zur Therapie werden in der Regel verschiedene Antibiotika eingesetzt. Tritt die Divertikulitis immer wieder im selben Darmabschnitt auf, empfiehlt es sich, diesen Teil des Darmes zu resezieren, wenn gerade keine Entzündung vorliegt. Allein dadurch kann dann die rezidivierende Erkrankung geheilt und verhindert werden.

Colitis ulcerosa: Die Colitis ulcerosa gehört zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Sie befällt vor allem Mastdarm und Dickdarm. Die Colitis ulcerosa betrifft häufig junge Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, wobei die genaue Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist. Ein genetischer Einfluss wird diskutiert, da mehrere Gene identifiziert werden konnten, die gehäuft bei erkrankten Personen vorkommen. Stress und bestimmte Umwelteinflüsse fördern Schübe und einen aggressiveren Verlauf der Colitis ulcerosa. Die typischen Symptome der Erkrankung bei einem akuten Schub sind blutige Durchfälle in Verbindung mit starken, oft krampfartigen Schmerzen im Unterbauch (häufig linksbetont). Die Patienten leiden unter sehr häufigem Stuhldrang, der bis zu 40 Mal in 24 Stunden auftreten kann.

Die Erkrankung wird durch eine Darmspiegelung mit Probeentnahme diagnostiziert. Zur Therapie werden vorwiegend entzündungshemmende Medikamente und Immunsuppressiva eingesetzt, die die Beschwerden deutlich bessern und erneute Krankheitsschübe unterdrücken können. In sehr schweren Fällen kann eine Resektion des kompletten Dickdarms nötig werden, wobei der Dünndarm dann direkt an den Anus angeschlossen wird, sodass die Patienten weiterhin einen normalen Stuhlgang haben können. Generell ist nach längerer Krankheitsdauer bei Colitis ulcerosa das Darmkrebsrisiko erhöht, sodass diesbezüglich regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden müssen.

Rechtsseitige Unterbauchschmerzen

Rechtsseitige Unterbauchschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Im Folgenden sind einige mögliche Ursachen aufgelistet:

Blinddarmentzündung (Appendizitis): Die im Volksmund sogenannte Blinddarmentzündung geht typischerweise mit stechenden, rechtsseitigen Unterbauchschmerzen einher. Eigentlich ist dabei jedoch nicht der Blinddarm selber (Caecum), sondern nur dessen Anhängsel, der Wurmfortsatz (Appendix), entzündet. Typischerweise beginnen die Schmerzen im Oberbauch und wandern mit der Zeit in den rechten Unterbauch. Zusätzlich können Fieber, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Die Diagnose kann unter anderem durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt werden. Nicht immer ist die Entzündung jedoch eindeutig zu erkennen.

Bei der klinischen Untersuchung können verschiedene Tests die Diagnose der Appendizitis unterstützen. So gibt es z.B. zwei Punkte im rechten Unterbauch (McBurney- und Lanz-Punkt), die bei Druckausübung sehr schmerzhaft sein können. Auch der kontralaterale Loslassschmerz (Blumberg-Zeichen) kann bei Appendizitis positiv ausfallen. Dazu drückt der Arzt in den linken Unterbauch und lässt dann plötzlich los, wodurch es bei Appendizitis zu Schmerzen im rechten Unterbauch kommt.Des Weiteren kann der Dickdarm von Ende zu Anfang ausgestrichen werden, was ebenfalls Schmerzen hervorrufen kann (Rovsing-Zeichen). Die Beugung und Innendrehung des rechten Beins, sowie das Anheben des rechten Beins gegen Widerstand können schmerzhaft sein (Obturatorius- und Psoastest).

Bei einer akuten Appendizitis muss die Appendix frühzeitig chirurgisch entfernt werden. Andernfalls kann es zu einem Durchbruch (Perforation) der Appendix mit Entleerung von Darminhalt in die freie Bauchhöhle kommen, wodurch eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) und ggf. eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen können. Die Operation gehört mittlerweile zu den Routineeingriffen und gilt insgesamt als risikoarm.

Morbus Crohn: Der Morbus Crohn gehört wie die Colitis ulcerosa zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Beim Morbus Crohn sind jedoch vor allem der untere Dünndarm, sowie der Dickdarm befallen. Die Entzündung schreitet außerdem diskontinuierlich fort, d.h. zwischen entzündeten Darmabschnitten können gesunde Darmabschnitte liegen. Im Gegensatz dazu schreitet die Colitis ulcerosa kontinuierlich fort. Der Morbus Crohn entwickelt sich vor allem bei jungen Menschen zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, sowie bei älteren Menschen über 60 Jahren. Die Erkrankung wird durch eine genetische Veranlagung bedingt, da sie oft familiär gehäuft auftritt. Weitere Einflüsse, die die Erkrankung begünstigen, werden diskutiert. Insgesamt gilt der Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung. Typische Symptome der Erkrankung sind Schmerzen im rechten Unterbauch, besonders nach dem Essen oder vor dem Stuhlgang, sowie Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen. Manchmal kommt es auch zu blutigen Durchfällen. Häufig entwickeln die Patienten Fissuren und Fisteln, auch im Analbereich, sowie Abszesse, die nicht selten chirurgisch ausgeräumt werden müssen. Die Therapie erfolgt unter anderem mit entzündungshemmenden Medikamenten, sowie Immunsuppressiva, die die zerstörerische Aktivität des Immunsystems gegen den Darm unterdrücken sollen.

Beidseitige Unterbauchschmerzen

Manche Erkrankungen können sowohl links- als auch rechtsseitige Unterbauchschmerzen hervorrufen, da die entsprechenden Organe, die als Ursache in Frage kommen, paarig angelegt sind und entweder nur ein- oder aber beidseitig betroffen sein können.

Gynäkologische Erkrankungen: Bei Frauen, die über linksseitige oder rechtsseitige Unterbauchschmerzen klagen, muss prinzipiell auch immer eine gynäkologische Ursache der Beschwerden in Betracht gezogen werden. Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis), bzw. deren Anhängsel (Eierstock-oder Eileiterentzündung (Adnexitis)) kann ebensolche Beschwerden hervorrufen. Die Schmerzen setzen meist akut und einseitig ein, können aber auch beidseitig auftreten. Häufig beginnen sie nach der Menstruation oder zur Zeit des Eisprungs. Hervorgerufen werden die Endometritis und Adnexitis meist durch Erreger, die durch die Vagina in die Gebärmutter aufsteigen (z.B. Chlamydien) und dort eine Entzündungsreaktion auslösen. Von der Gebärmutter aus können sie dann weiter die Eileiter hinaufsteigen.

Außerdem können Unterbauchschmerzen sowohl rechts- als auch linksseitig im Rahmen der normalen Regelblutung auftreten. Dabei werden die Beschwerden durch die Kontraktion der Gebärmutter ausgelöst und klingen spätestens mit Ende der Regelblutung wieder ab. Manche Frauen verspüren auch ein Ziehen im aktiven Eierstock während des Eisprungs.

Urologische Erkrankungen: Linksseitige und rechtsseitige Unterbauchschmerzen können auch durch urologische Krankheitsbilder hervorgerufen werden. So können z.B. Nieren- oder Harnleitersteine diese Beschwerden auslösen. Nierensteine können verschiedene Ursachen haben. Es kommt zur Ausfällung unlöslicher Salze oder Kristalle, bspw. bedingt durch Stoffwechselstörungen oder zu salzhaltige Ernährung. Die Steine können bei geringer Größe symptomlos bleiben. Sind sie jedoch größer oder wandern in den Harnleiter (Harnleiterstein), können sich starke Schmerzen hervorrufen. Kleine Steine bis 6mm Größe können ohne Beschwerden abgehen. Größere Steine führen unter Umständen zu einer Verlegung des Harnleiters. Dieser beginnt krampfartig zu kontrahieren, was kolikartige Schmerzen im Unterbauch (je nach Position des Steins) auslöst. Häufig kommt es zusätzlich zu Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen oder auch Fieber. Im Urin findet sich oft Blut. Bei nicht zu großen Steinen kann zunächst versucht werden, den Stein durch erhöhte Flüssigkeitszufuhr auszutreiben. Gelingt dies nicht, kann ein medikamentöser Abgang versucht werden. Manchmal genügt schon eine entkrampfende Schmerzmedikation, die durch die Entspannung des Harnleiters einen Abgang des Steins ermöglicht. Steine von bis zu 2,5cm Größe können durch eine Ultraschallwellenbestrahlung zertrümmert werden, sodass die kleineren Fragmente dann spontan durch den Urin ausgeschwemmt werden. Sind all diese Maßnahmen nicht erfolgreich, so ist eine operative Entfernung der Steine indiziert. Andernfalls kann es durch die Stauung des harnableitenden Systems zu einer Harnstauung in die Niere mit Folge einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) und ggf. Blutvergiftung (Urosepsis) kommen.

Reizdarmsyndrom: Bei Patienten, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, kann keine andere Ursache für ihre Beschwerden gefunden werden. Die Betroffenen klagen über wiederkehrende Bauchschmerzen, Überleeit, Durchfall oder Verstopfung und Blähungen. Häufig wird das Reizdarmsyndrom durch Stress getriggert; viele Betroffene leiden unter psychischen Problemen. Generell geht die Erkrankung nicht mit einer verringerten Lebenserwartung einher, da ihr keine ernsthafte Ursache zugrunde liegt, allerdings ist die Lebensqualität der Betroffenen häufig stark eingeschränkt. Die Therapie wird auf verschiedene Art und Weise probiert, man bedient sich bspw. krampflösender Medikamente, Pfefferminzöl und ballaststoffreicher Ernährung.

Invaginationen und Hernien: Invaginationen und Hernien können ebenfalls zu Unterbauchschmerzen führen. Bei einer Invagination stülpt sich ein Teil des Darms in einen anderen ein. Dadurch kann es zur teilweisen oder kompletten Verlegung dieses Darmabschnittes kommen (mechanischer Ileus). Der Darm reagiert mit krampfartigen Kontraktionen, die sich durch starke Schmerzen im Betroffenen Bereich äußern können. Invaginationen treten vor allem bei bisher völlig gesunden Kleinkindern auf und können sich auch nach Behebung erneut entwickeln. Hernien treten im Gegensatz dazu auch häufiger bei Erwachsenen auf. Dabei treten Darmschlingen durch eine Schwachstelle in der Bauchwand hervor und werden als Bruchsack sicht- und tastbar. Es gibt verschiedene Arten von Hernien, die je nach Lokalisation verschiedene Beschwerden hervorrufen können, bspw. Leistenhernien, Zwerchfellhernien, Nabelbruch.

Bösartige Erkrankungen: Tumoren des Dünn- und Dickdarms können prinzipiell ebenfalls zu Schmerzen im Unterbauch führen. Je nach Lage des Tumors treten die Beschwerden links- oder rechtsseitig auf. Im Anfangsstadium verursacht Darmkrebs jedoch meist keine spezifischen Symptome. Zunächst kommt es zu unspezifischen Beschwerden, wie z.B. Schwäche, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und die später durch Symptome, wie Blut im Stuhl, Durchfall und Verstopfung, sowie Bauchschmerzen abgelöst werden. Bei wechselndem Stuhlverhalten mit Blutbeimengungen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Außerdem wird eine Koloskopie (Darmspiegelung) ab dem 55. Lebensjahr zur Darmkrebsvorsorge empfohlen, die bei unauffälligem Darm alle zehn Jahre wiederholt werden sollte.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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