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Invagination

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Intussuszeption, Darmeinstülpung

English: intussusception

Definition

Die Invagination ist eine teleskopartige Einstülpung eines Darmabschnitts in einen Anderen. Sie tritt vor allem bei Kleinkindern auf und kann im schlimmsten Falle lebensbedrohlich werden.

Zusammenfassung

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es in Folge von erhöhter Darmbeweglichkeit oder im Zusammenhang mit Infektionen zu einer Invagination kommen. Dabei stülpt sich in der Regel ein Darmanteil in vom Mund wegführender (aboraler) Richtung in den folgenden Anteil ein. Durch die Eigenbewegung der Darmwand (Peristaltik) kann diese Einstülpung weiter fortschreiten.

Da während der Invagination die Wand des Darms gefaltet wird, wird der Blutabfluss über die Venen behindert und es kommt zum Blutstau, wodurch Wasser aus den Gefäßen in das Wandgewebe eintritt (Oedeme) und dieses aufschwemmt. Dadurch wird die Blutversorgung weiter vermindert und es können Symptome eines Darmverschlusses (Ileus) auftreten. Dies kann zu einer für das Kind lebensbedrohlichen Situation führen, weshalb eine schnelle Behandlung der Invagination im Krankenhaus notwendig ist.


Formen der Invagination

Je nach anatomischer Lage der Invagination unterscheidet man verschiedene Formen:

Am häufigsten tritt die ileo-zäkale Invagination auf, wobei sich der Endteil des Dünndarms (Ileum) in den Blinddarmanteil des Dickdarms (Zäkum) einstülpt. Hierbei muss bei der Diagnosestellung auch an eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) gedacht werden.

Weitere Formen der Invagination sind die ileo-kolikale (Dünndarm in Dickdarm), ileo-ileale (Dünndarm in Dünndarm), kolikale (Dickdarm in Dickdarm) oder ileo-ileo-kolikale (Dünndarm in Dünndarm und zusätzlich in Dickdarm).

Selten kann es auch zur Einstülpung eines Magenanteils in die Speiseröhre (Ösophagus) kommen, was jedoch eher bei Erwachsenen vorkommt.

Epidemiologie

In 90% der Fälle tritt eine Invagination bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter zwischen 4 Monaten und 3 Jahren auf. Obwohl eher unbekannt, ist die Invagination eine relativ häufige Erkrankung: pro Jahr erkrankt etwa 1 von 1000 Kindern.

Ursachen

In den meisten Fällen entsteht eine Invagination ohne erkennbare Ursache (idiopathisch).

  • Eine hohe Eigenbeweglichkeit des Darms in den ersten Lebensjahren
  • ein Darminfekt (Enteritis), meist verursacht durch Viren (Rotaviren, Adenoviren)
  • oder eine spezielle Gefäßentzündung (Purpura Schoenlein-Henoch)

können als Ursache in Betracht kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Purpura Schönlein Henoch

Symptome einer Invagination

Charakteristisch für eine Invagination ist der phasenartige Verlauf der Symptome. Das Kind hat zu Beginn oft unvermittelt starke krampfartige Bauchschmerzen, weint und wirkt kränklich. Darauf folgt meist ein beschwerdefreier Zeitraum, der im typischen Fall durch plötzliches schrilles Schreien des Kindes in Verbindung mit dem Anziehen der Beine oder der Einnahme einer Hockstellung unterbrochen wird. Es kann zu schwallartigem Erbrechen mit Schweißausbrüchen kommen, das Kind wird zunehmend lethargisch und kann im schlimmsten Falle ohnmächtig werden. Diese Symptome weisen auf einen Darmverschluss (Ileus) hin und das Kind muss sofort in ein Krankenhaus gebracht werden.

Diagnose

Durch das charakteristische Beschwerdebild ist der Verdacht auf Invagination schnell erhoben. Nach der Aufnahme im Krankenhaus muss dieser Verdacht erhärtete und andere Erkrankungen, wie z.B. eine Blinddarmerntzündung (Appendizitis) oder eine schwere Verstopfung (Obstipation) ausgeschlossen werden.

Bei der körperlichen Untersuchung ist eine walzenförmige Erhebung tastbar, oft im Bereich des rechten Unterbauchs. In 10-20% der Fälle findet sich nach der Untersuchung des Enddarms mit dem Finger Blut am Handschuh.

Im Ultraschallbild kann man eine Doppelringstruktur (Kokarde, Schießscheibenphänomen) erkennen, die dem Querschnittbild der beiden ineinanderliegenden Darmröhren entspricht. Somit ist die Diagnose Invagination schon eindeutig.

Im Zweifelsfall kann eine Röntgenaufnahme des Bauches (Abdomenübersicht) mit Kontrastmitteleinlauf gemacht werden. Dies hat den Vorteil, dass man neben der eindeutigen Bilddiagnose direkt mit der Therapie beginnen kann.

Therapie der Invagination

Um die Darmeinstülpung rückgängig zu machen, versucht man mit Hilfe von

  • Luft (pneumatische Desinvagination)
  • Kochsalzlösung (NaCl-Lösung) oder
  • wasserlöslichem Kontrastmittel (hydrostatische Reposition)

den Darm wieder zu entfalten (Devagination).Dazu wird die Luft oder Flüssigkeit über ein Darmrohr in den Dickdarm eingeführt und der eingestülpte Darmanteil (Invaginat) durch den ihm entgegenkommenden Druck in seine ursprüngliche Position zurückgeschoben. Zur Kontrolle wird ein Ultraschall- oder Röntgenbild gemacht. Diese Therapie ist innerhalb der ersten 14 Stunden am aussichtsreichsten, weshalb es wichtig ist, das Kind schnell ins Krankenhaus zu bringen.

Falls diese Methode nicht funktioniert, bleibt nur noch die Möglichkeit der Operation (Laparotomie). Hierbei wird der Bauch geöffnet und die Darmanteile manuell wieder in die richtige Position gebracht.

Falls der Darm in Folge der Minderdurchblutung durch die Invagination schon zu stark geschädigt ist, muss der betroffene Abschnitt entfernt werden (Resektion).

Wegen der Gefahr einer erneuten Invagination muss das Kind zur Beobachtung mindestens 24 Stunden stationär im Krankenhaus bleiben, nach einer operativen Behandlung entsprechend länger.

Prognose

Eine Invagination verläuft bei rascher Behandlung meist ohne Probleme und dem Kind geht es nach kurzer Zeit wieder gut.

Entscheidend für den Ausgang ist beim Vorliegen einer Invagination die Länge der Zeit, in der der betroffene Darmabschnitt nicht ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Je länger diese Zeit ist, desto höher wird das Risiko, dass der Organteil zugrunde geht und sich eine lebensbedrohliche Situation für das Kind ergibt.

Es ist also wichtig, eine Invagination schnell zu erkennen und zügig zu behandeln.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter folgenden Seiten:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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