Magenblutung

Synonym

gastrointestinale Blutung

Definition

Unter einer Magenblutung versteht man eine, durch unterschiedliche Grunderkrankungen hervorgerufene Blutungsquelle im Bereich des Magensmit entsprechender Symptomatik und teilweise lebensgefährlichen Folgen, die schnellstmögliche Handlung und Diagnostik notwendig macht.

Ursachen/ Formen

In über der Hälfte der Fälle liegt die Ursache einer Magenblutung in einem Magengeschwür(Ulcus duodeni, ventrikuli), das sich seit längerer Zeit unbemerkt in der Magenwand entwickelt hat und schließlich zu einer Blutung führt.

In ca. 50% der Fälle haben Patienten mit einer Magenblutung ein oder mehrere solcher Geschwüre.
Etwas seltener (15%) kommt eine Magenblutung von Magenwanderosionen. Diese Form der Wandveränderungen kommt in den meisten Fällen davon, dass zu wenig Magenschleimhautaufgebaut wurde, die Magensäure aber ungehindert mit der ungeschützten Magenwand in Kontakt kommt. Dies greift die Magenwand an, und es kann zu Blutungen kommen. In den meisten Fällen kommt eine verminderte Schleimhautproduktion von der chronischen Einnahme entzündungshemmender Medikamente (NSAID).
In ca. 1-5 % der Fälle einer Magenblutung liegt die Ursache in einer bösartigen Tumorentwicklung im Magen (Magenkarzinom). Auch gutartige Tumoren können in seltenen Fällen eine Magenblutung hervorrufen.


Des Weiteren kann es bei schweren Verläufen von Magenschleimhautentzündungen (chronische Gastritis) zu Magenblutungen kommen. Chronischer und intensiver Alkoholkonsum mit starken Alkoholika können solch eine chronische Gastritis hervorrufen.
Relativ selten kommt eine Magenblutung durch Gefäßfehlbildungen im Bereich der Magenwand (sogenannte Angiodysplasien) zustande. Diese sind bei Geburt schon angelegt und machen keine Beschwerden.
Sie sind charakterisiert durch

  • stark geschlängelte Gefäßanatomien mit
  • prall gefülltem Gefäßlumen und entsprechend
  • hohem Blutdruck in den Gefäßen.

Entweder die Angiodysplasien öffnen sich von alleine aufgrund des starken Druckes oder kantige, schlecht gekaute Nahrungsreste führen zu einer mechanischen Verletzung des Gefäßes.
In ca. 5 % der Fälle findet man keine Ursache der Magenblutung, die dann in den meisten Fällen davon auch wieder zum Stillstand kommt.

Magenblutung durch Stress

Stress per se löst in der Regel keine Magenblutung aus. Es ist jedoch bekannt, dass Stress zu einem vermehrten Auftreten von Erkrankungen des Magens, wie beispielsweise Magengeschwüren (Ulcera ventriculi oder duodeni) und Entzündungen der Speiseröhre führen kann. Bei beiden Erkrankungen ist das Risiko für das Auftreten einer Blutung im Bereich des Magens erhöht. Insbesondere Magengeschwüre können stark bluten und somit einen gefährlichen Blutverlust mit sich bringen. Symptome die auf ein Magengeschwür hinweisen sind beispielsweise Druck oder Schmerz im Oberbauch sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit. Bei Patienten, die an einem Magengeschwür oder einer Entzündung der Speiseröhre leiden, wird in der Regel eine Medikation mit einem Säurehemmer (zum Beispiel Protonenpumpenhemmer wie Pantozol) begonnen, hierdurch wird das Magensekret weniger sauer und das Geschwür / die Entzündung kann besser ausheilen.

Magenblutung durch Alkohol

Auch Alkohol führt nicht direkt zu einer Magenblutung. Es scheint jedoch bewiesen zu sein, dass bei häufigem Konsum von (hochprozentigem) Alkohol häufiger Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut und oberflächliche Schädigungen der Magenschleimhaut auftreten. Infolge dieser Schleimhautschäden, ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Magengeschwüren erhöht. Ein solches Magengeschwür wiederum kann nicht selten bluten, dies kann in einigen Fällen zu einem ausgeprägten Blutverlust mit dringender Notwendigkeit einer klinischen Behandlung führen.

Magenblutung durch Medikamente

Nicht wenige Medikamente sind dafür bekannt, das Risiko für das Auftreten von Geschwüren im Bereich des Magens deutlich zu erhöhen. Liegt ein solches Geschwür vor, so besteht die Gefahr, dass es beginnt zu bluten. Teilweise führt dies zu einem lebensgefährlichen Blutverlust. Insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), welche als schmerz- und entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden, erhöhen das Risiko für das Auftreten eines Magengeschwürs bei längerfristiger Einnahme deutlich. Zu diesen Schmerzmitteln zählen unter anderem Ibuprofen und Diclofenac. Werden diese Medikamente zusätzlich mit einem Cortison-Präparat kombiniert, so steigt das Risiko für die Entwicklung eines Magengeschwürs um das 16-fache im Vergleich zur Normalbevölkerung.
Deshalb ist es wichtig, bei Patienten die regelmäßige Medikamente aus diesen Gruppen einnehmen müssen eine prophylaktische Therapie zum Schutz des Magens einzuleiten. Hierfür eignen sich Medikamente, die auch zur Behandlung bereits vorhandener Magengeschwüre oder Schleimhautentzündungen zum Einsatz kommen (z.B.: Protonenpumpenhemmer). Sie senken die Säureproduktion im Magen und hemmen daher ein Fortschreiten der Entzündungsreaktion. Zu diesen Medikamenten zählen beispielsweise Pantozol und Omeprazol. Bei Patienten, die regelmäßige Medikamente wie Ibuprofen einnehmen, sollte 1 Mal täglich die Einnahme einer solchen säurehemmenden Tablette erfolgen. Hierdurch sinkt das Risiko der Entstehung eines Magengeschwürs – und damit das Risiko einer Magenblutung – deutlich.
Die lokale Anwendung von Diclofenac (zum Beispiel als Voltaren-Salbe) oder Ibuprofen erhöht das Risiko für die Entstehung eines Magengeschwürs nicht.

1. Ibuprofen

Ibuprofen ist ein Medikament, das schmerz- und entzündungshemmend wirkt und zur Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika zählt. Es ist – wie auch andere Vertreter aus dieser Wirkstoffgruppe – ein beliebtes Schmerzmedikament. Es besteht bei regelmäßiger Einnahme jedoch ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Magengeschwürs oder Geschwürs des Zwölfingerdarms. Insofern sollte – sofern Ibuoprofen regelmäßig eingenommen werden muss – zusätzlich eine Tablette zum Magenschutz eingenommen werden. Hier bietet sich ein Medikament aus der Grupper der Säurehemmer an, beispielsweise Pantozol. Bei täglicher Einnahme sinkt das Risiko für die Entwicklung eines Geschwürs unter dauerhafter Ibuprofentherapie deutlich.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:Ibuprofen Nebenwirkung Magen-Darm-Trakt

2. Diclofenac

Auch Diclofenac ist ein Medikament aus der Gruppe der Nichts-steroidalen Antirheumatika und wird als Schmerz- und Entzündungshemmer eingesetzt. Wie auch Ibuprofen erhöht Diclofenac bei regelmäßiger Einnahme das Risiko für die Entwicklung eines Geschwürs im Bereich von Magen und Zwölffingerdarm. Es sollte daher bei regelmäßiger Einnahme dieses Schmerzmittels die Komedikation mit Pantozol, einem Säurehemmer erfolgen, hierdurch wird die Magenschleimhaut geschützt und der Entwicklung eines Magengeschwürs bestmöglich entgegengewirkt.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:Auswirkungen von Diclofenac auf den Magen- Darm- Trakt

3. Aspirin

Auch Aspirin, ein beliebtes Schmerzmittel, das auch entzündungshemmend wirkt, erhöht, ebenso wie Ibuprofen und Diclofenac, bei regelmäßiger Einnahme die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Magengeschwürs und somit das Risiko für die Entwicklung einer Magenblutung. Insofern sollte bei regelmäßiger Einnahme von Aspirin die tägliche Einnahme einer Magenschutztablette, beispielsweise Pantozol, erfolgen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:Nebenwirkungen von Aspirin

Symptome

In den meisten Fällen treten die ersten Symptome einer Magenblutung erst mit einiger Verzögerung zum Blutungsgeschehen auf.
Es hängt des Weiteren davon ab, ob das Blut erbrochen wird (bei massiver Magenblutung) oder ob es über den Darm langsam nach unten sickert und dann mit dem Stuhlgang ausgeschieden wird. In diesem Fall spricht man vom sogenannten Teerstuhl, da der mit Blut vermengte Stuhlgang schwarz, silbrig schimmert und einem Teerbelag auf der Straße ähnelt.

Handelt es sich um eine massive Blutung des Magens, erbricht der Patient meistens blutig. Die Vermengung von Blut und Magensaft führt zu einem kaffeesatzähnlichen Aussehen (Kaffeesatzerbrechen, Bluterbrechen). In wenigen Fällen ist eine Magenblutung begleitet von starken Schmerzen. Je nach Stärke des Blutverlustes zeigt das Blutbild mehr oder weniger schnell charakteristische Zeichen.

So sinkt der sogenannte Hb-Wert im Blutmit steigendem Blutverlust. Bei sehr starkem Blutverlust kann es vorkommen, dass der Patient in eine lebensbedrohliche Situation und sogar in einen Schock gerät. In diesem Fall würde sich der

  • Allgemeinzustand des Patienten sehr stark verschlechtern, der
  • Puls ansteigen und der
  • Blutdruck absinken.

Bei weniger starkem Blutverlust im Sinne einer wochenlangen sickernden Blutung würde der Patient zwar von seinem Allgemeinzustand stabil bleiben, die Blutarmut würde allerdings recht schnell zu einem chronischen Ermüdungszustand führen. Außerdem käme es zu einem Leistungsabfall.

Anzeichen

Die Magenblutung an sich hat keine spezifischen Anzeichen. Häufiger Auslöser für eine Magenblutung sind Geschwüre im Bereich von Magen und Zwölffingerdarm und Entzündungen der Speiseröhre. Geschwüre äußern sich häufig durch Schmerzen im Oberbauch und Appetitlosigkeit, Entzündungen der Speiseröhre durch Sodbrennen, Brennen hinter dem Brustbein und ähnliche Beschwerden. Treten derartige Beschwerden gehäuft auf, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann – falls nötig – eine Überweisung zum Spezialisten für Erkrankungen des Verdauungstrakts (Gastroenterologe) veranlassen zur weiteren Diagnostik. Wird ein Geschwür rechtzeitig entdeckt, so kann eine entsprechende Therapie eingeleitet und das Risiko für eine Magenblutung somit deutlich gesenkt werden.

Bei Erbrechen von kaffeesatzartigem oder frisch-blutigen Erbrechen sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden, dies sind Hinweiszeichen für das Vorliegen einer Blutung im Bereich des Magens.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:Bluterbrechen

Diagnose einer Magenblutung

In vielen Fällen werden Magenblutungen erst im Krankenhaus diagnostiziert.
Das liegt daran, dass der Patient in der Regel die Symptome wie Teerstuhl nicht deuten kann.

Oftmals führt ihn entweder der Leistungsabfall (bei sickernden Magenblutungen) oder im Akutfall das Bluterbrechen (bei starker Blutung) zum Arzt. Mit Hilfe eines Stuhltestes (Hämoccult) kann der Arzt sehen, ob sich kleinste Blutteilchen im Stuhlgang des Patienten befinden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Blut im Stuhl

Des Weiteren müsste erfragt werden, ob es bereits in der Vorgeschichte zu einer Magenblutung oder einem Magengeschwürgekommen ist. Des Weiteren sollte der Patient befragt werden, ob er seit längerer Zeit entzündungshemmende Medikamente, wie Diclofenacoder Ibuprofeneingenommen hat.

Stellt sich der Verdacht auf eine Magenblutung, muss zum einen ein Blutbild angefertigt werden, indem ersichtlich wird, ob und wenn ja wie hoch der Blutverlust ist (Hb-Abfall). Des Weiteren sollte schnellstens eine Magenspiegelungvorgenommen werden. Dabei wird dem Patienten eine kurze Schlafspritze verabreicht und ein Schlauch mit einer Kamera über die Speiseröhrein den Magenvorgeschoben. Dabei wird der Magen inspiziert und entsprechende Blutungsquellen dargestellt.

In unklaren Fallen kann eine MRT nach Sellink ggf. durchgeführt werden. Hierbei wird vor der MRT-Untersuchung orales Kontrastmittel verabreicht, um besonders die Dünndarmschleimhaut darzustellen.

Einteilung

Bei den Magenblutungen unterteilt man mehrere Formen, die nach Forest benannt werden. Bei

  • Forest 1a handelt es sich um eine akute, spritzende Blutung, bei
  • Forest 1b um eine akute sickernde Blutung. Bei
  • Forest 2a ist ein Gefäßstumpf sichtbar, bei
  • Forest 2b ein Magengeschwür mit geronnenem Blut und bei
  • Forest 2c ältere Blutauflagerungen. Bei
  • Forest 3 liegt keine Blutung vor, allerdings eine oder mehrere verdächtige Erosion an der Magenwand.

Therapie

Eine akute und vor allem spritzende Blutung muss umgehend behandelt werden, um einem hohen Blutverlust des Patienten entgegenzutreten und eine lebensbedrohliche Situation zu verhindern.

Um eine spritzende Blutung zu stoppen, könnte man während der Magenspiegelungeinen Clip auf das spritzende Gefäß anbringen, um dieses zu verschließen. Des Weiteren könnte eine Substanz in die Nähe der Blutungsquelle gespritzt werden, die das Gefäß zusammenziehen und damit sich verschließen lässt. Die Magenspiegelung ist eine nebenwirkunsarme Methode, nur selten treten schwere Komplikationen auf.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:Bauchschmerzen nach Magenspiegelung

Sowohl nach Behandlung einer akuten Blutung, als auch nach Diagnose einer nicht akuten Blutung (in diesem Fall würde man während der Magenspiegelung keine weiteren Maßnahmen durchführen), sollte man einen Magenschutzmedikation beginnen, um die ätzende Magensäure des Magenszu reduzieren. Des Weiteren sollten entzündungshemmende Medikamente pausiert werden, um zu erreichen, dass sich die schützende Magenschleimhaut wieder erneut bilden kann.
Regelmäßige Nachkontrollen des Stuhls und Wiederholungen der Magenspiegelung sollten durchgeführt werden.

Zusammenfassung

Die häufigsten Ursachen für Magenblutungen sind Magengeschwüre, die sich zunächst unbemerkt über Jahre in die Magenschleimhauthineingraben und schließlich eine Blutung auslösen können.
Weniger häufig sind bösartige Tumoren und Gefäßfehlbildungen.
Erosionen der Magenwand, die durch langen Medikamentengebrauch der Gruppe NSAID zustande kommen, können ebenfalls zu einer Magenblutung führen.

Symptome einer Magenblutung sind

  • Leistungsabfall und
  • Müdigkeit (bei langsamen sickernden Blutungen) sowie sogenannter
  • Teerstuhl (bei sickernden chronischen Blutungen) oder
  • Bluterbrechen (Kaffeesatzerbrechen) bei akuten spritzenden Blutungen.

Ein auffallendes Blutbild mit Hb-Abfall deutet ebenfalls auf einen Blutverlust unter Umständen durch eine Blutung im Magenhin.
Als Diagnostik würde man neben dem

  • Blutbild und der
    Stuhldiagnostik (Hämoccult) auch eine
  • Magenspiegelungdurchführen.

Während der Untersuchung können gezielt gesichtete Blutungen mittels eines eingebrachten Clips gestoppt werden. Des Weiteren können an der Blutungsquelle auch Medikamente unterspritzt werden, die die Gefäße zusammenziehen lassen. Nach der Diagnose einer Magenblutung sollten entzündungshemmende Medikamente pausiert und mit einer säurehemmenden Behandlung (z.B. Protonenpumpenhemmer) begonnen werden.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.10.2017
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