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Symptome der Querschnittslähmung

Synonyme im weiteren Sinne

Symtome Querschnittslähmung, Querschnittssyndrom, Querschnittläsion, Transversalsyndrom

Medizinisch: Paraplegie, (spinales)

Englisch: paraplegia, transverse lesion

Symptome

Die Symptome, die im Rahmen einer Querschnittslähmung auftreten, sind in erster Linie abhängig von der Höhe der Schädigung. Das Rückenmark ist in Segmente unterteilt, von denen jedes für die Versorgung bestimmter Muskeln, Organe und Hautareale zuständig ist. Diejenigen Segmente, die oberhalb der Verletzung liegen, können weiterhin normal arbeiten. Wenn Arme und Beine von der Querschnittslähmung betroffen sind, spricht man von einer Tetraplegie, sind hingegen nur die Beine betroffen, nennt man dies Paraplegie.

Symptome einer beginnenden Querschnittslähmung

Eine beginnende komplette Querschnittslähmung äußert sich in einem sogenannten spinalen Schock.

Der spinale Schock ist eine Akutsituation, die unmittelbar nach dem Ereignis auftritt, das die Querschnittslähmung verursacht hat. Das kann beispielsweise ein Haushaltsunfall sein. Teilweise sind Schädigungen in dieser Phase, wenn sie nicht zu stark ausgeprägt sind, noch reversibel. Das bedeutet, dass sich manche Symptome nach einer Woche wieder etwas bessern können.

Dies ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und hängt von dem Ausmaß der Schädigung ab. Unterhalb der Schädigung kommt es zu einer Störung der Sensibilität. Diese Sensibilitätsstörungen umfasst sowohl das sensible Gefühl auf der Haut als auch das Fühlen von Schmerz oder Temperatur.

Weiterhin kommt es zu motorischen Ausfällen, die sich in einer Para- oder Tetraplegie äußern. Der Begriff Paraplegie bezeichnet eine vollständige Lähmung beider Beine, wohingegen bei einer Tetraplegie zusätzlich die Arme gelähmt sind.

In der Phase des spinalen Schocks fallen alle Reflexe aus und sind in der neurologischen Untersuchung nicht mehr auslösbar. Dies ändert sich im fortgeschrittenen Stadium einer Querschnittslähmung, das durch teils überschießende oder krankhafte Reflexe gekennzeichnet ist. Auch die Kontinenz, sprich die Fähigkeit willkürlich Stuhl und Urin zu entleeren, erlischt in dieser Phase komplett.

Es entsteht eine sogenannte Überlaufblase. Der Urin kann nicht mehr entleert werden und sammelt sich in der Blase an. Auch der Darm kann nicht willkürlich entleert werden, sodass eine Stuhlinkontinenz entsteht. Zusätzlich zu dieser bereits sehr belastenden Symptomatik sind Blutdruckabfälle und ein Kreislaufschock unmittelbar nach einer Querschnittslähmung gefürchtet.

Der Blutdruckabfall ist die Folge einer Weitstellung von Gefäßen. Das Resultat kann ein Nierenversagen oder Lungenversagen sein. Deshalb ist eine intensivmedizinische Betreuung notwendig. Abgesehen von den körperlichen Symptomen kann ein solch einschneidendes Ereignis auch zu psychischen Folgen, wie einer depressiven Symptomatik, führen. Der spinale Schock dauert insgesamt mehrere Wochen an und geht dann in das komplette Querschnittsyndrom über.  

Symptome einer inkompletten Querschnittslähmung

Die Symptomatik einer inkompletten Querschnittslähmung ist sehr kompliziert. Es handelt sich um eine Schädigung des Rückenmarks, die nicht den kompletten Querschnitt betrifft. Bei einer Halbseitenschädigung, die entweder die linke oder die rechte Hälfte des Rückenmarks betrifft, spricht man von einem Brown-Séquard-Syndrom.

Unterhalb der Schädigung ist auf derselben Seite die Tiefen-Sensibilität sowie das Vibrationsempfinden gestört. Außerdem kommt es zu einer Lähmung des Beins. Auf der gegenüberliegenden Seite hingegen ist das Schmerz- und Temperaturempfinden aufgehoben, welches auf der Seite der Schädigung intakt ist. Dieses Szenario entspricht jedoch eher einem medizinischen Konstrukt als der wirklichen Realität. Oft sind Schädigungen eben nicht ganz genau auf eine Seite beschränkt, sondern betreffen auch Strukturen der Gegenseite. Daher beobachtet man häufiger eine gemischte, nicht ganz klar auf eine Seite begrenzte Symptomatik.

Die akute Folge einer Durchtrennung des Rückenmarks ist der spinale Schock, der wenige Stunden bis mehrere Monate andauern kann. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch eine schlaffe Lähmung und fehlende Sensibilität der Gliedmaßen unterhalb der Schädigung, einen Ausfall aller Muskeleigenreflexe und außerdem durch Störungen des vegetativen Nervensystems, die sich vor allem durch das Weitstellen von Gefäßen bemerkbar machen, wodurch das Blut in den Beinen versackt, der Blutdruck stark abfällt und es zum Vollbild eines Schocks mit Kreislaufversagen kommen kann.

Im Regelfall geht der spinale Schock nach einigen Wochen in das chronische Krankheitsbild der Querschnittslähmung über. Die schlaffe Lähmung (schlaff herabhängende Muskeln, die nicht mehr angespannt werden können) weicht einer spastischen Lähmung, die sich dadurch auszeichnet, dass die betroffenen Muskeln eine gesteigerte Grundspannung aufweisen, sie sind also die ganze Zeit über angespannt und verkrampft.

Bei einer vollständigen Lähmung spricht man von Plegie. Wenn die Muskelkraft nur vermindert ist, die Muskeln aber abgeschwächt noch willkürlich angespannt werden können, spricht man von einer Parese. In dieser Phase sind ebenfalls die Reflexe gesteigert (Hyperreflexie). Im Bereich der Lähmung fehlen weiterhin alle Sinnesempfindungen, das heißt, der Patient kann weder Berührungen, noch die Stellung seiner Gliedmaßen, Schmerzen oder Temperatur wahrnehmen.

Meistens erholt sich das vegetative Nervensystem, nachdem die Phase des spinalen Schocks überstanden ist, vollständig oder teilweise. Ein Symptom, das relativ häufig bestehen bleibt, sind gestörte Funktionen von Blase und/oder Darm, was zu Inkontinenz führen kann. Darüber hinaus ist es möglich, dass der Patient vermehrt schwitzt oder ihm vermehrt Haare wachsen.
Da Erektion und Ejakulation beim Mann teils über das Rückenmark, teils aber auch als Reflexe gesteuert werden, ist in manchen Fällen das Sexualleben unbeeinträchtigt, in anderen Fällen ist es noch möglich, allerdings nur noch mit Einschränkungen.

Besonders schwerwiegend ist die Querschnittslähmung, wenn das Rückenmark im oberen Bereich der Halswirbelsäule geschädigt wird, da dann auch der Nerv, der für die Funktion des Zwerchfells zuständig ist, durchtrennt wird. Folglich ist es dem Patienten nicht mehr möglich, selbstständig zu atmen.

Vegetative Folgen einer Querschnittslähmung

Die vegetativen Symptome einer Querschnittslähmung entstehen durch eine Schädigung des vegetativen Nervensystems. Vereinfacht gesagt sind dadurch Funktionen betroffen, die weitestgehend nicht willkürlich angesteuert werden können, sondern ohne ein aktives Mitwirken gesteuert werden.

Zu Beginn einer Querschnittslähmung, in der Phase des spinalen Schocks, kommt es dadurch zu einem Blutdruckabfall. Im Verlauf der Querschnittslähmung steuert das Nervensystem diesem Blutdruckabfall entgegen, sodass teils sehr belastende Blutdruckspitzen entstehen. Das bezeichnet man auch als vegetative Dysregulation.

Weiterhin kann es zu einer plötzlichen Gesichtsröte oder Schweißausbrüchen kommen, die vom Betroffenen nicht kontrolliert werden können. Der immer wiederkehrende Blutdruckanstieg kann zu anfallsartigen Kopfschmerzen führen. Vor allem bei Dehnung der Blase oder des Darms entgleist der Blutdruck und schießt in die Höhe. Im Rahmen der vegetativen Symptomatik treten Blasen- und Mastdarmstörungen auf, die mit Inkontinenz und Entleerungsstörungen, sowohl des Stuhls als auch des Urins, einhergehen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.01.2019
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