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Strangulation bei Babys und Kindern

Einleitung

Eine Strangulation bezeichnet im Grunde das Abschnüren der Luftröhre. Besonders bei Babys oder Kindern kann es schnell zu einer Strangulation kommen. Durch die Experimentierfreunde und die mangelnde Erfahrung werden viele Gegenstände zu einer potentiellen Gefahrenquelle. Auch Unfälle und die darauf folgende Strangulation mit der Kleidung oder anderen Gegenständen kann vorkommen. Die Folgen der Strangulation hängen stark davon ab, wie fest und lange der Hals des Kleinkindes zugeschnürt wurde. Im Fall einer Strangulation besteht jedoch akute Lebensgefahr, weswegen immer schnell gehandelt werden sollte. Je nach Zustand des Kindes muss der Rettungsdienst alarmiert werden.

Womit kann sich ein Kind strangulieren?

Die Liste der potentiell gefährlichen Gegenstände ist lang. Viele Schmuckstücke, Ketten oder Gebrauchsgegenstände bergen eine Gefahr. Zum Beispiel können auch Kordeln in Jacken zu einer Strangulation führen. Ab 2001 haben viele Kleidungshersteller auf die Verwendung von Kordeln in Kinderkleidung verzichtet, da man sich der Gefahr bewusst wurde. Jedoch können besonders in vererbten oder gebrauchten Kleidungsstücken Kordeln vorkommen, welche sich um den Hals der Kinder wickeln können. Schals können bei Kleinkindern ebenfalls zu einer Strangulation führen. Bleibt ein Ende des Schals an einem Gegenstand hängen, wickelt sich der Schal im schlechtesten Fall fest um den Hals und schnürt die Luftröhre zu. Auch Fahrradhelme können gefährlich werden, wenn sie nach dem Fahrradfahren nicht abgesetzt werden. Beispielsweise beim Klettern auf einer Kletterspinne o.ä. kann das Kind sich am Helm aufhängen, wenn sich dieser in den Seilen verfängt.

Auch im Haushalt gibt es einige potentiell gefährliche Gegenstände: Elektrokabel, Gardinenschnüre oder Schlüsselanhänger. Im Prinzip birgt jeder Gegenstand, welcher lang und fest ist, ein gewisses Risiko. Die Form der Strangulation lässt sich in zwei Arten unterteilen. Entweder der Gegenstand wird zu stark um den Hals gewickelt oder das Kind rutscht ab und hängt sich selbst an dem Gegenstand auf. Der zweite Fall ist gravierender, da das gesamte Körpergewicht am Hals zieht.

Wie mache ich die Wohnung sicher?

Es ist ratsam ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um die Gefahr einer Strangulation zu verringern. Prinzipiell sollten Kabel oder Stromleitungen so platziert werden, dass sie für Kinder nicht erreichbar sind. Auch Kordeln von Jalousien oder Gardinen sollten so hoch aufgehangen werden, dass die Kinder sie nicht zu fassen kriegen. Bei Babys und Kleinkindern ist es außerdem ratsam, das Kinderbett genauer unter die Lupe zu nehmen. Schnüre oder Bänder sollten auch aus dem Kinderbett entfernt werden. Zusätzlich ist es ratsam die Kette des Schnullers nicht zu verlängern. Als Richtwert für die maximale Länge der Schnullerkette werden 22 Zentimeter genannt.

Falls das gefährdete Kind größere Geschwister hat, ist es auch notwendig, das Spielzeug der größeren Geschwister zu kontrollieren. Teilweise kann das Spielzeug der älteren Geschwister (z.B. Springseile o.ä.) für die jüngeren Geschwisterkinder gefährlich werden. Überprüfen Sie, ob sich Schmuckketten bei geringem Zug an ebendiesen öffnen lassen. Falls das Kind an der Kette hängen bleibt, ist es notwenig, dass die Kette sich öffnet und das Kind nicht würgt. Das selbe gilt für Schlüsselanhänger, die man sich auch um den Hals hängen kann. Schlussendlich sollte man darauf achten, dass gewisse Räume, wie beispielsweise ein Gartenhaus mit gefährlichen Gegenständen, von dem Kind nur unter Aufsicht betreten werden können.

Was ist eine Nabelschnurstrangulation?

Eine Nabelschnurstrangulation bezeichnet den Vorgang, wenn sich das ungeborene Baby in der Gebärmutter die Nabelschnur um den Hals wickelt. Babys bewegen sich teilweise recht viel im Bauch der Mutter. Dadurch kann es dazu kommen, dass sich ungewollt die Nabelschnur um den Hals des Babys legt. Teilweise wickelt sich die Nabelschnur sogar mehrfach um den Hals des Babys. In der Regel stellt das jedoch kein Problem dar, da die Nabelschnur aus einem besonderen Bindegewebe besteht. Dieses sogenannte „gallertige“ Bindegewebe ist besonders Flexibel und schützt vor Abschnürung der Gefäße der Nabelschnur. Außerdem atmet das Baby noch nicht selbst durch Mund und Nase. Im Leib der Mutter wird das Baby über die Nabelschnur mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Aus diesem Grund ist es nicht so schlimm wie bei einem geborenen Baby, wenn der Hals umwickelt ist. In seltenen Fällen ist die Strangulation jedoch so gravierend, dass das Kind während der Schwangerschaft stirbt. Um Zweifel auszuschließen, kann von Ultraschallspezialisten ein sogenannter Farbdopplerultraschall durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren kann die Nabelschnur im Ultraschall besonders gut dargestellt werden. Dadurch lässt sich auch erkennen, ob und wie oft die Nabelschnur um den Hals des Babys gewickelt wurde.

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Was können die Folgen der Strangulation sein?

Die Folgen einer Strangulation hängen stark von der Dauer und Stärke der Strangulation ab. Der Bruch des Genicks tritt nur auf, wenn eine sehr starke Zugkraft besteht. Dieser Fall ist bei der Strangulation von Kindern untypisch. Bei Babys besteht eher die Gefahr eines Genickbruchs, da die Nackenmuskulatur noch schwach ausgeprägt ist. Die größte Gefahr bei der Strangulation besteht vor allem im Abdrücken der Halsarterien. Bereits wenige Kilogramm Zugkraft reichen aus, um die Halsarterien (Arteria carotis) abzudrücken. Schon nach etwa 8-12 Sekunden verliert das Kind das Bewusstsein. Das liegt daran, dass das Hirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Nach wenigen Minuten setzen Hirnschäden ein.

Ebenfalls gefährlich ist das Abschnüren der Atemwege. Das bedeutet nämlich, dass durch das Abschnüren der Luftröhre der Sauerstoffgehalt in der Lunge sinkt. Dadurch wird über die Lunge weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen. Nach circa 60 Sekunden steigt die Herzfrequenz an, die Konzentration an CO2 im Blut erhöht sich und es besteht das Gefühl von starker Luftnot. Nach circa 90 Sekunden kommt es zur Bewusstlosigkeit. Der Sauerstoffgehalt im Blut ist so gering, dass das Gehirn stark unterversorgt ist. Es kann dadurch auch zu unkontrolliertem Urinabgang kommen. Nach circa 150 Sekunden treten Herzrhythmusstörungen ein und die sogenannte „terminale Schnappatmung“ setzt ein.

Der Sauerstoffmangel ist für das Gehirn extrem schädlich. Nach 2-3 Minuten kommt es durch den Sauerstoffmangel im Gehirn zu irreversiblen Schäden. Das bedeutet, dass man die Schädigung nicht rückgängig machen kann. Nach etwa 8-10 Minuten setzt der Hirntod ein. Dies beschreibt jedoch den schlimmsten Fall, nämlich wenn die Luftröhre komplett zugedrückt wird. Bei leichteren Strangulationen kommt es eventuell nur zu sogenannten Strangmarken. Das sind Würgemale am Hals, welche vom Seil oder der Kordel hervorgerufen wurden. Auch Schürfungen oder Einschnitte in die Haut können je nach Material vorkommen.

Wie verhalte ich mich im Fall einer Strangulation richtig?

Kommt es zum Fall der Strangulation, ist es wichtig schnell zu reagieren. Man sollte umgehend den Gegenstand, welcher sich um den Hals des Kindes gewickelt hat, lösen. Möglichst parallel sollte der Rettungsdienst gerufen werden, wenn es sich um eine längere oder stärkere Strangulation handelt. Falls man den Gegenstand nicht mit den Händen lösen kann, sollte man versuchen, ihn vorsichtig mit einer Schere zu durchtrennen. Außerdem ist es ratsam, den Nacken so wenig wie möglich zu bewegen. Besteht der Fall eines Genickbruchs, so richtet man hier möglichst wenig Schaden an. Anschließend sollte das Baby oder Kind auf den Rücken auf eine flache Fläche gelegt werden. Nun kann man das Kinn leicht anheben, um die Atemwege zu erweitern. Anschließend sollte man das Ohr über den Mund und die Nase des Kindes halten und auf Atemgeräusche achten. Falls das Kind nicht atmet, sollte mit einer Wiederbelebung begonnen werden. Handelte es sich nur um ein kurzes Umwickeln des Halses ohne eingeschränkte Luftzufuhr, muss man sich nur um eventuelle Wunden am Hals kümmern.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.12.2018
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