Therapie Brustkrebs

Alle hier gegebenen Informationen sind nur allgemeiner Natur, eine Tumortherapie gehört immer in die Hand eines erfahrenen Onkologen!!!

Synonyme im weiteren Sinne

Mammakarzinom, Mamma-Ca, Invasives duktales Mamma-Ca, Invasives lobuläres Mamma-Ca, inflammatorisches Mamma-Ca,

Englisch: breast cancer

Definition Brustkrebs

Bei dem Brustkrebs (Mammakarzinom) handelt es sich um eine bösartige Geschwulst (maligner Tumor) der weiblichen oder männlichen Brust.
Der Krebs kann entweder von den Ausführungsgängen der Drüsen (Milchgänge = duktales Karzinom) oder aber von dem Gewebe der Drüsenläppchen (lobuläres Karzinom) ausgehen.

Therapie Brustkrebs

Die Therapie des Brustkrebses ist abhängig von der Größe des Tumors, von seiner Lage (Lokalisation) und von seinem Typ (Siehe Brustkrebsarten). Auch ist es wichtig, ob die Krebszellen sich schon in andere Organe abgesiedelt (metastasiert) haben.

Grundsätzlich kommen die operative Therapie, die Chemotherapie (Siehe Brustkrebs Chemotherapie) und Strahlentherapie (siehe auch Brustkrebs Bestrahlung / Strahlentherapie) und die Hormon- und Immuntherapie zum Einsatz.


Operative Therapie

Grundsätzlich versucht man soweit es möglich ist brusterhaltend zu operieren (BET = Brusterhaltende Therapie). Dabei wird der Tumor mit einem Sicherabstand (möglichst 1 cm) zu allen Seiten hin abgetragen. Zur Festlegung des genauen Tumorstadiums werden zusätzlich die Lymphknoten der Achselhöhle der gleichen Seite entfernt. Liegt nur ein Tumorknoten vor, ist es heute mit speziellen diagnostischen Verfahren möglich, den ersten Lymphknoten im Lymphabflussgebiet zu identifizieren. Dieser wird als Wächterlymphknoten bezeichnet (Sentinel Node) und kann gezielt entfernt werden. Aktuelle Studienergbenisse belegen, dass bei einem metastasenfreien Wächterlymphknoten auf die Entfernung weiterer Lymphknoten verzichtet werden kann. Dadurch kann die Rate operationsbedingter Nebenwirkungen, insbesondere ein Stau der Lymphflüssigkeit (Lymphödem) im betroffenen Arm, deutlich reduziert werden. Ist der Wächterlymphknoten jedoch mit mit Tumorzellen befallen, werden die weiteren Lymphknoten der Achselhöhle (mindesten 10 Stück werden hier gefordert) entfernt. Die Entfernung der Lymphknoten ist einerseits für die Therapie wichtig, andereseits für die Vorhersage (Prognose) des Verlaufes der Krankheit nach der Operation.
Nach einer brusterhaltenden Operation wird die Brust immer nachbestahlt. Im Vergleich mit einer Abtragung der gesamten Brust (Mastektomie) bestehen nach einer brusterhaltenden Therapie mit anschließender Bestrahlung die gleichen Gesamtüberlebensraten.

Ausschlusskriterien (Kontraindikationen) für eine brusterhaltende Therapie sind:

  • Mehrere Tumorherde in der Brust
  • Vollständige Entfernung gelingt auch nach mehreren Versuchen nicht
  • Inflammatorisches Mammakarzinom
  • Restbrustbestrahlung ist nicht möglich

Ist eine brusterhaltende Therapie nicht möglich, so sollte die komplette Brust samt befallenen Lymphknoten entfernt werden (Mastektomie). Dabei gibt es drei unterschiedliche Methoden. Bei der Brustentfernung nach

  1. Rotter / Halsted (radikale (klassische) Mastektomie) wird zusätzlich zum Brustdrüsenkörper und dem Fettgewebe der Brustmuskel (M. pectoralis) entfernt.
  2. Bei der Methode nach Patey (modifizierte radikale Mastektomie) wird der Brustmuskel dagegen belassen.
  3. Die dritte Methode der Brustentfernung (subkutane Mastektomie) beinhaltet nur die Entfernung des Brustdrüsenkörpers und des Fettgewebes, belässt aber den unter der Brust liegenden Brustmuskel und vor allem die über dem Drüsenkörper gelegene Haut.

Eine Operation ist nur sinnvoll, wenn die vollständige Entfernung des Tumors erreicht werden kann. Ist im Vorfeld absehbar, dass dies nicht gelingt, sollten andere Therapieverfahren (Chemotherapie, Strahlentherapie) der Operation vorausgehen.

Alle Angaben sind allgemeiner Natur, die Entscheidung über die individuelle Therapieform kann nur der behandelnde Facharzt für Gynäkologie entscheiden, da nur er alle notwendigen Fakten der erfolgversprechendsten Therapieform kennt.

Weitere Informationen finden Sie unter: Brustkrebsoperation

Bestrahlung / Strahlentherapie

Eine Bestrahlung (Strahlentherapie) wird mit hochenergetischen Röntgenstrahlen (Photonenstrahlung) und/oder Elektronenstrahlen (Teilchenstrahlung) durchgeführt. Der Standard in der Strahlentherapie ist hier die Bestrahlung der ganzen Brust für die Dauer von ca. fünf Wochen (25 bis 28 Bestrahlungen an fünf Tagen pro Woche). Je nach Risikosituation ist darüberhinaus die Bestrahlung der Tumorregion für weitere fünf bis zehn Behandlungstage erforderlich.
In Studien wird die mögliche Beschränkung des Bestrahlungsfeldes auf die Tumorregion mit einem Sicherheitssaum untersucht (sog. Teilbrustbestrahlung).
Nach einer brusterhaltenden Therapie wird immer bestrahlt. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens des Brustkrebses an der selben Stelle (lokales Rezidiv) vermindert und die Gesamtüberlebensrate verlängert.
Sind mehrere Lymphknoten der Achselhöhle befallen oder überschreiten die Tumorzellen die Lymphknotenkapsel, ist zusätzlich die Bestrahlung der Lymphabflussbahnen erforderlich.

Bestrahlt werden auch Patienten, bei denen der Tumor schon soweit vorgeschritten ist, dass sie nicht mehr operiert werden kann (primär inoperable Patienten). Erreicht wird dadurch eine Verkleinerung des Tumors und eine Linderung der Symptome (palliative Bestrahlung).

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:

Chemotherapie

Die Chemotherapie kann sowohl vor, als auch nach der operativen Therapie eingesetzt (neoadjuvante bzw. adjuvante Therapie) eingesetzt. Abhängig von der Situation des Patienten werden mehrere Chemotherapeutika in einer bestimmten Kombination (Polychemotherapie) benutzt. Lesen Sie auch unser Thema Nebenwirkungen der Chemotherapie

Standardschemata sind das CMF-Schema (Cyclophosphamid + Methotrexat + 5-Fluoruracil vierwöchentlich à 6 Zyklen), das EC-Schema (Epirubicin + Cyclophosphamid dreiwöchentlich à 4 Zyklen) und das AC-Schema (Adriamycin + Cyclophosphamid dreiwöchentlich à 4 Zyklen). Neuere Schemata beinhalten Taxane und scheinen etwas effektiver, jedoch auch nebenwirkungsreicher zu sein

Die Therapieschemata können kurzfristig veralten, sodass die gegebenen Informationen nicht mehr auf dem neuesten Stand sind.
Bei Änderung bitte Hinweis per Mail an gynaekologie@dr-gumpert.de.

Weitere Informationen finden Sie unter: Brustkrebs Chemotherapie

Hormontherapie

Manche bösartige Tumoren der Brust haben Hormonrezeptoren und sprechen auf den hormonellen Reiz an. Das heißt, die Krebszellen reagieren auf Sexualhormone (Östrogene, Gestagene) und werden von diesen zum Wachsen angeregt (stimuliert). Bei Frauen vor den Wechseljahren (Klimakterium) sind dies 50-60% aller Brustkrebse, bei Frauen nach den Wechseljahren 70-80%. Diesen Umstand kann man therapeutisch nutzen, indem man dem Körper und damit auch den Krebszellen diese Sexualhormone entzieht.

Früher wurde dies durch die operative Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie), dem Ort der Hormonbildung, oder deren Bestrahlung erreicht (ablative Hormontherapie).
Diese Verfahren wurden heute durch Medikamente abgelöst, die in den Regelkreis der Hormonbildung oder -wirkung eingreifen.
Darunter fallen verschiedene Medikamentengruppen:

  • Antiöstrogene (z.B. Tamoxifen oder Faslodex): Besetzen die Östrogenrezeptoren an den Tumorzellen und verhindern dadurch die Wirkung des Hormons
  • GnRH-Analoga (z.B. Zoladex): Führen indirekt zu einer Verminderung der Östrogenbildung
  • Aromatasehemmer (z.B. Aromasin oder Arimidex): Hemmen Enzyme, die an der Bildung des Östrogens beteiligt sind und verhindern so direkt die Bildung des Östrogens.

Regelhaft wird eine solche Hormontherapie nach erfolgter Tumorentfernung und Bestrahlung für ca. fünf Jahre durchgeführt.

Immuntherapie

In 25-30% aller bösartigen Brusttumoren wird ein bestimmter Wachstumsfaktoren (c-erb2) und ein Rezeptor des Wachstumsfaktors (HER-2 = humaner epidermaler Wachstumsfaktor – Rezeptor 2), die die Krebszellen zum schnelleren Wachsen anregen (stimulieren), vermehrt gebildet (überexprimiert). Das hat zur Folge, dass die Krebszellen ständig Signale von den gebildeten Wachstumsfaktoren bekommen, dass sie sich teilen und vermehren sollen. Der Tumor wächst (proliferiert) somit schneller als unter einer normalen Menge an Wachstumsfaktoren.

Die Immuntherapie bedient sich einem Antikörper (Trastuzumab, Herzeptin®), der gegen diese Wachstumsfaktoren und –rezeptoren gerichtet ist. Resultat dessen ist, dass der Wachstumsfaktor und -rezeptor nicht mehr so stark gebildet (überexprimiert) wird, die Krebszellen nicht mehr so häufig Wachstumssignale bekommen, langsamer wachsen und absterben (Apoptose). Auch wird die Gefäßneubildung (Angiogenese) in dem Tumorzellhaufen gehemmt.

Die Immuntherapie wird bei Patienten, welche diese Wachstumsfaktoren und –rezeptoren bilden in Kombination mit der Chemotherapie eingesetzt.

Wiederherstellung (Rekonstruktion) der Brust

Nach einer Abtragung der Brust ist eine Wiederherstellung dieser in einem weiteren operativen Verfahren (onkoplastisches rekonstruktives Verfahren) möglich. Dabei gibt es mehrere Methoden die Brust wiederherzustellen (zu rekonstruieren). Zum einen kann man körpereigenes (autologes) zum anderen körperfremdes (heterologes) Material dazu verwenden. Körpereigene Materialien wären beispielsweise Muskeln. Entweder kann man aus einem großen Rückenmuskel (M. latissimus dorsi) ohne größere Einschränkungen der Rückenbeweglichkeit eine Brust aufbauen oder aus einem Brustmuskel (transversaler Rektuslappen, TRAM - Flap).

Körperfremde Materialien wären Expander- oder Silikonprothesen. Bei diesen Prothesen kommt es entgegen vieler Meinungen in der Bevölkerung nicht zur Bildung von Abwehrzellen (Antikörpern) durch den Organismus, die sich gegen die Prothese richten. Es entstehen durch die Prothese also keine Autoimmunerkrankungen!
Ein Nachteil dieser Prothesen wäre jedoch die Tatsache, dass sich um das Implantat eine dicke Bindegewebsschicht bilden kann. Diese kann schrumpfen und sich zusammenziehen und das Implantat eindrücken. In der Brust ist das Implantat als dicke, harte Kugel zu sehen und zu tasten und muss operativ entfernt werden.

Ist die Brustwarze entfernt worden, so stehen zusätzlich mehrere Methoden zur Verfügung diese wieder Aufzubauen. Eines wäre beispielsweise die Tätowierung.

Prophylaxe

Um den Brustkrebs vorzubeugen bzw. in einem frühen Stadium zu erkennen, sollte jede Frau ab dem 20. Lebensjahr einmal im Monat ihre Brust selbst abtasten (Siehe Brustkrebserkennung). Dies sollte ungefähr drei bis fünf Tage nach der Regelblutung erfolgen. Welcher Technik man sich zur Selbstuntersuchung bedienen sollte, sollte der Frauenarzt (Facharzt für Gynäkologie) jeder Patientin erklären.

Da vor allem Frauen um das 40. Lebensjahr an Brustkrebs erkranken, sollte um das 30. bis 35. Lebensjahr eine einmalige Mammographie durchgeführt werden. Ab dem 50. bis zum 70. Lebensjahr sollten jedes zweite Jahr die Brüste mittels Mammographie untersucht werden. Diese Untersuchungen werden auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.09.2016
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