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Hormontherapie bei Brustkrebs

Definition

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten eine Tumorerkrankung zu bekämpfen, eine davon ist die Hormontherapie.
Es gibt verschiedene Formen der Hormontherapie:

  • Die additive Hormontherapie: Hierbei werden dem Körper Hormone mit dem Ziel zugeführt, das Tumorwachstum zu bremsen oder gar zu stoppen. Meistens benutzt man hierfür ein Gegenspieler zum Hormon des ursprünglichen befallenen Organs (Bsp: Östrogengabe beim Prostatakarzinom).
     
  • Die ablative Hormontherapie: Die Therapie besteht darin, dem Körper Hormone zu entziehen. Dies geschieht am ehesten durch eine operative Entfernung des hormonproduzierenden Organs oder mithilfe von Medikamenten. Ziel dieser Therapie ist ebenso, das Wachstum des Tumors zu stoppen, indem man den hormonellen Wachstumsreiz unterbindet.
     
  • Die Therapie mit Hormonantagonisten: Hier werden keine Hormone zugegeben oder Organe entfernt, sondern wird der Effekt der Hormone blockiert. Dies geschieht entweder durch Hemmung der Hormonproduktion oder durch Hemmung des Zielorgans oder Hormonrezeptors.

Wann ist eine Hormontherapie bei Brustkrebs sinnvoll?

Die hormonelle Behandlung eines Brustkrebses ist empfohlen, wenn der Tumor Hormonrezeptoren besitzt.

Ca. 75-80% der Patientinnen weisen Brusttumore auf, die empfindlich für Hormone sind. Durch verschiedene Studien konnte belegt werden, dass diese Patientinnen von einer Hormontherapie sehr profitieren und zwar in allen Stadien. Je nach Stadium müssen allerdings Zusatzmaßnahmen getroffen werden, beispielsweise die Ausschaltung der Eierstockfunktion, um eine erfolgreiche Therapie zu gewährleisten.
Bei Patientinnen vor den Wechseljahren mit einem Brustkrebs im Stadium I oder IIA kann eine alleinige antihormonelle Therapie in Betracht gezogen werden, wenn eine Chemotherapie nicht durchgeführt werden kann.
Bei Betroffenen metastasiertem Brustkrebs ist eine Behandlung mittels antihormonell wirksamen Arzneimitteln ebenfalls empfohlen. Diese Therapie führt zu einer Verlängerung der Überlebenszeit und in 20% bis 30% der Fälle zu einer Remission. Gegenüber der klassischen Chemotherapie ist die tumorfreie Zeit ebenfalls länger. Hormontherapien haben meist auch weniger unerwünschte Nebenwirkungen als die klassische Chemotherapie.

Welche Hormontherapie eingesetzt werden soll, hängt unter anderem von dem Stadium der Erkrankung und der Verträglichkeit der Arzneimittel ab. In der Regel dauert eine antihormonelle Therapie mehrere Jahre. Vor den Wechseljahren sollte die Therapie mindestens 5 Jahre eingehalten werden; nach den Wechseljahren (Menopause) dauert die Therapie 4 bis 10 Jahren.

Patientinnen, deren Tumore keine Hormonrezeptoren besitzen, profitieren kaum bis gar nicht von einer solchen Behandlung und sollten dementsprechend keine Hormontherapie erhalten. 

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Die verschiedenen Therapien bei Brustkrebs

Warum ist eine Hormontherapie auch nach dem Brustkrebs sinnvoll?

Bei Tumoren, die Hormonrezeptoren besitzen, führt das vom Körper produzierte Östrogen zu einem schnelleren Wachstum des Tumors. Um das Wachstum zu verhindern oder zu verlangsamen, muss dementsprechend entweder die Hormonbildung unterbunden werden (durch Bestrahlung oder Entfernung der Eierstöcke) oder die Wirkung dieser Hormone verhindert werden.

Durch eine Hormontherapie können, je nach Wirkstoff, sowohl die Bildung der Hormone als auch ihre Wirkung vermindert werden. Eine Hormontherapie kann also zur Verlangsamung des Tumorwachstums eingesetzt werden oder beispielsweise nach Entfernung des Tumors das Wiederauftreten von Tumore verhindern.
Wurde das Tumor erfolgreich entfernt, empfiehlt es sich eine antihormonelle Therapie durchzuführen, um den Risiko einer Rezidive (Wiederauftreten des Tumors) zu vermindern. In der Regel dauert eine solche Behandlung 5 Jahre, wobei Studien zeigen konnten, dass eine Behandlung von 10 Jahren das Rezidivrisiko noch mehr senken sollte und somit die Überlebenszeit verlängert.

Patientinnen, die nach Eintreten der Wechseljahre erkranken, haben zum Teil ein erhöhtes Risiko für das Wiederauftreten von Tumoren und sind somit besonders gefährdet. Es empfiehlt sich hierbei, eine Hormontherapie durchzuführen, um eine Rezidive zu verhindern.

Die Hormontherapie nach Heilung des Brustkrebs ist also ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und soll die Überlebenszeit der Patientinnen verlängern. 

Welche Hormontherapien gibt es?

Hormontherapien können an verschiedenen Stellen des Hormonregelkreises wirksam sein. Man unterscheidet aus diesem Grund drei große Gruppen von Wirkstoffen:

  • Antiöstrogene
  • Aromatasehemmer
  • GnRH-Analoga

Antiöstrogene wie Tamoxifen werden auch Selektive Estrogen Rezeptor Modulatoren (kurz SERMs) genannt. Diese Wirkstoffe hemmen nicht die Hormonbildung, blockieren aber die Rezeptoren an den Zielorganen. Durch diese Blockade können Östrogene nicht mehr am Rezeptor binden, wodurch die Zellen ihren Wachstumsreiz verlieren. Die Tumorzelle kann sich dadurch nicht mehr teilen und das Wachstum ist gestoppt.
Als Alternative zu Tamoxifen kann man bei einem fortgeschrittenen Stadium auch Fulvestrant einsetzen. Fulvestrant ist in seiner Wirkung stärker als Tamoxifen. Es lässt die Hormonaktivität nicht nur auf ein Minimum sinken, sondern schaltet diese komplett aus und führt zum Abbau der Rezeptoren.

Eine zweite Wirkstoffklasse stellen Aromatasehemmer dar. Diese Medikamentengruppe binden an  das sogenannte Aromatase-Enzyme und stören dadurch die Umwandlung von Östrogenvorstufen in Östrogen. Dadurch sinkt der Östrogenspiegel und die Tumore verlieren den hormonellen Wachstumsreiz. Aromatasehemmer werden allerdings nur bei Frauen nach der Menopause eingesetzt, da die Aromatase erst ab diesem Zeitpunkt eine entscheidende Wirkung bei der Östrogenproduktion zeigt.

Neben Antiöstrogenen und Aromatasehemmern werden GnRH-Analoga eingesetzt. GnRH (Gonadotrophin-Releasing-Hormon) ist ein Hormon, welches seine Wirkung im Gehirn entfaltet. Es bindet an Rezeptoren an der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und bewirkt die Freisetzung von Hormonen (Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Luteinisierendes Hormon (LH)), welche wiederrum die Östrogenproduktion und -ausschüttung anregen. GnRH-Analoga ähneln in ihrem Aufbau dem körpereigenen GnRH, binden somit an den selben Rezeptoren, bewirken jedoch keine Hormonfreisetzung. Auf dieser Weise wird die Hormonzufuhr des Tumors unterbunden und sein Wachstum wird gestoppt.

Was sind die Nebenwirkungen einer Hormontherapie?

Je nach Wirkstoff können verschiedene Nebenwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen der Antiöstrogene

Antiöstrogene wie Tamoxifen oder Fulvestrant verursachen typischerweise Wechseljahrbeschwerden, da sie die Wirkung des Östrogens unterbinden.
Hierzu zählen:

  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Scheidentrockenheit
  • Konzentrationsprobleme
  • Schweißausbrüche 
  • depressive Verstimmungen
  • Libidoverlust
  • Juckreiz und Blutung im Bereich der Scheide
  • Thrombose  

Außerdem kann die ausbleibende Wirkung des Östrogens zu einem verstärkten Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und in seltenen Fällen zu Gebärmutterschleimhautkrebs führen.
Die Nebenwirkungen von Fulvestrant sind in der Regel weniger stark als die von Tamoxifen.

Nebenwirkungen der Aromatasehemmer

Zu den Nebenwirkungen zählen hierbei:

  • Wechseljahrbeschwerden (jedoch seltener  Thrombosen oder Gebärmutterschleimhautentartungen)
  • Beschwerden im Bewegungsapparat, z.B. Muskel-und Gelenkschmerzen (Myalgien und Arthralgien)
  • Verringerung der Knochendichte, erhöhte Brüchigkeit (Osteoporose)

Um das Risiko von Knochenbrüchen zu verringern, sollte die Knochendichte regelmäßig kontrolliert werden und gegebenenfalls Vitamin D und Calcium zur Stärkung des Knochenaufbaus eingenommen werden. 

Nebenwirkungen der GnRH-Analoga

GnRH-Analoga greifen in den Hormonregelkreis ein und haben ebesno einige Nebenwirkungen zur Folge:

  • Wechseljahrbeschwerden 
  • verringerte Knochendichte, erhöhte Brüchigkeit (Osteoporose

 

Gewichtszunahme

Eine Nebenwirkung von Hormontherapien ist die Gewichtszunahme. Dies gehört zu den typischen Wechseljahrbeschwerden und kann eine Belastung für Patientinnen darstellen.
Die Gewichtszunahme kann aufgrund eines verstärkten Appetits entstehen oder durch Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme). Die Gewichtsänderungen können ebenso auf der Beeinflussung des Fettstoffwechsels durch die antihormonelle Behandlung beruhen. Insbesondere die Aromatasehemmer führen zu einer Gewichtszunahme.

Aus diesem Grund wird eine regelmäßige sportliche Betätigung empfohlen, um das Gewicht zu stabilisieren.

Vorteile der Hormontherapie

Die Hormontherapie bringt viele Vorteile mit sich:

  • Sie greift im Gegensatz zur Chemotherapie keine gesunden Zellen an. Die antihormonelle Therapie entzieht zwar sowohl kranken als auch gesunden Zellen ihre Hormonzufuhr, führt ihnen jedoch keinen direkten Schaden hinzu. Nach Absetzen der Therapie und Entfernung kranker Zellen können die gesunden Zellen wieder normal funktionieren.
     
  • Kein längerer Krankenhausaufenthalt, da die meisten Wirkstoffe in Form von Tabletten eingenommen werden können.
     
  • Im Allgemeinen hat die antihormonellen Therapie wenige Nebenwirkungen und ist dementsprechend besser verträglich als eine klassische Chemotherapie.
     
  • Zu beachten ist ebenfalls, dass nach Absetzen einer Hormontherapie die Fruchtbarkeit erhalten bleiben kann.

Nachteile der Hormontherapie

Eine Hormontherapie hat einige Nachteile. Hierzu zählen beispielsweise die sehr lange Behandlungsdauer. In der Regel müssen antihormonelle Therapien 5 bis 10 Jahre eingehalten werden. Dies beruht auf der geringen Aggressivität dieser Behandlungsform. 
Ein weiterer Nachteil der Hormontherapie können vorübergehende Wechseljahrbeschwerden sein.

Dauer der Therapie

Eine Hormontherapie dauert im Gegensatz zu einer klassischen Chemotherapie in der Regel mehrere Jahre. Grund der langen Behandlungsdauer ist die nicht-aggressive und indirekte Wirkung der Hormontherapie. 
In der Regel beträgt die Behandlungsdauer 5 Jahre, in einigen Fällen bis zu 10 Jahre. Auch nach erfolgreicher Behandlung wird zum Teil die Fortführung der Therapie empfohlen, da dadurch das Risiko eines Tumorwiederauftrittes signifikant gesenkt werden kann. Diese Vorbeugung wird in der Regel auch für 5 bis 10 Jahre durchgeführt.
Insgesamt dauert eine Hormontherapie sehr lang und fordert eine Lebensanpassung beziehungsweise eine gewisse Disziplin, was die Medikamenteneinnahme (zumindest für Präparate in Tablettenform) angeht.

 

Wie geht man mit einem Kinderwunsch während der Hormontherapie um?

Hormontherapien führen zu einem vorübergehenden Wechseljahr-Zustand und verhindern eine Schwangerschaft. Dieser Zustand kann aber nach erfolgreicher Behandlung wieder rückgängig gemacht werden, da eine Hormontherapie keine Schäden an den Eierstöcken herbeiruft.
Frauen die sich zu Beginn der Behandlung kurz vor der Menopause befinden haben jedoch ein erhöhtes Risiko, die Funktion ihrer Eierstöcke durch die Behandlung zu verlieren. Besteht ein unerfüllter Kinderwunsch, sollte dies zu Beginn mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Je nach Grad der Erkrankung kann die Therapie dem Kinderwunsch angepasst werden. Zusätzlich können Maßnahmen getroffen werden, um die Fruchtbarkeit der Patientin zu erhalten.
Ist eine Therapie bereits begonnen, ist das selbstständige Absetzen der Medikamente nicht sinnvoll und sollte erst mit einem Arzt besprochen werden.
Nach Abschluss der Behandlung muss in der Regel keine Pause bis zum Zeitpunkt der Schwangerschaft eingehalten werden. Jedoch kann es eine gewisse Zeit dauern, bis die Eierstöcke wieder vollständig funktionell sind.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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