Hitzewallungen

Einleitung

Plötzlich ist sie da: schnell aufsteigend und meist ebenso schnell wieder verschwunden, manchmal nur eine einzige, manchmal bis zu 40 Stück an einem Tag - so unterschiedlich Hitzewallungen scheinen und auftreten können, so unterschiedlich kann auch ihre Ursache sein. Neben den „klassischen“ wechseljahrbedingten (= klimakterischen) Hitzewallungen sind auch zahlreiche weitere Formen der aufsteigenden Hitze bekannt, die jedoch wesentlich seltener auftreten. Von den wichtigsten Formen soll das Folgende handeln.

Symptome

Hitzewallungen machen sich als schnell aufsteigende Hitze, die im Brustbereich beziehungsweise im Oberkörper beginnt, bemerkbar. Innerhalb kürzester Zeit steigt ein Schwall Wärme bis zum Kopf auf. Zuweilen kommt es zu einer Rötung des Kopfs, in anderen Fällen lediglich zum subjektiven Wärmegefühl. Bei vielen Betroffenen geht das Gefühl, alles sei plötzlich sehr warm mit Schwitzen und einer Erhöhung der Herzfrequenz (Tachykardie) einher. Nach einigen Minuten ist der Spuk meist wieder vorbei und als letztes Symptom bleibt ein Frösteln, das durch die Verdunstung des entstandenen Schweißes bedingt ist. Durch das Trocknen eben jenes entsteht Verdunstungskälte auf der Haut, die Betroffene frieren lässt.


Nächtliche Hitzewallungen

Sehr häufig treten oben beschriebene Symptome im Rahmen der Wechseljahre auch nachts auf. Als mögliche andere Ursachen müssen immer aber auch an ein überwärmtes Schlafzimmer sowie an ernsthafte Erkrankungen bis hin zu tumorösen Neubildungen, die mit nächtlichem Schwitzen einhergehen können, gedacht werden.

Hitzewallungen nach dem Essen

Der Genuss von Kaffee, schwarzem Tee, Alkohol und stark gewürzten Speisen sowie von schwer verdaulichem Essen und zu heiß servierten Nahrungsmitteln verstärken aufkommende Hitzewallungen der unterschiedlichsten Ursachen massiv. Aber auch für sich alleine genommen können oben genannte Hitzewallungen nach dem Essen auslösen.
Besonders häufig ist das der Fall, wenn man jene Speisen und Getränke nicht regelmäßig konsumiert oder plötzlich in extrem großen Mengen beziehungsweise Kombinationen verzehrt. Meist sind solche nach dem Essen ausgelöste Temperaturschwankungen nur von kurzer Dauer und wiederholen sich nicht. Setzt man sich allerdings ähnlichen Bedingungen erneut aus, können auch ähnliche Symptome wieder auftreten.

Ursache

Die Ursache für Hitzewallungen ist in den meisten Fällen ein hormonelles Ungleichgewicht, das zu einer Störung der Temperaturregulation im zuständigen Zentrum im Hypothalamus im Gehirn führt. Dieses Temperaturregelzentrum reagiert sehr sensibel auf das Abfallen der Konzentration bestimmter Hormone im Blut. Folge dieser „Verwirrung“ ist, dass die vorherrschende Körpertemperatur nicht mehr zu dem, was vom Regulationszentrum vorgegeben wird, passt.
Ähnlich wie bei körperlicher Anstrengung folgt das Signal, welches eine Kühlung des Körpers einleitet. Sämtliche kleine Gefäße werden geweitet, da über sie die effektivste Wärmekontrolle stattfindet. Diese sogenannte Vasodilatation führt zu einer verstärkten Durchblutung, welche für die Röte des Gesichts und das aufsteigende Wärmegefühl verantwortlich ist. Um die jetzt erwärmte Haut zu kühlen, beginnt der Körper zu schwitzen. Die Verdunstungskälte wiederum kühlt den Körper rasch herunter, das heißt die Körperkerntemperatur sinkt wieder und man beginnt zu frösteln.

Hitzewallungen bei der Frau

Häufigste Ursache für Hitzewallungen bei Frauen ist ein Östrogenmangel beziehungsweise eine Verschiebung des hormonellen Gleichgewichtes. Dies kann zu verschiedenen Zeitpunkten des Lebens und in ganz unterschiedlichen Lebensphasen geschehen. Dennoch liegt den Symptomen in den meisten Fällen eben jene Ursache zu Grunde. Noch in der Diskussion als mögliche weitere Ursache für Hitzewallungen bei Frauen ist ein Progesteronmangel, welcher sich laut Hypothese ebenfalls negativ auf das hormonelle System auswirken könnte.

Hitzewallungen und Schwitzen während der Wechseljahre

Die wohl bekannteste und auch häufigste Ursache für plötzliche Hitzewallungen im allgemeinen und bei Frauen im Besonderen sind die sogenannten Wechseljahre, die Menopause. Dadurch, dass die weiblichen Eierstöcke nur mit einer begrenzten Anzahl an Keimzellen ausgestattet ist und diese Anzahl irgendwann ausgeschöpft wurde, kommt es zum Erliegen der Funktion der Eierstöcke (ovarielle Insuffizienz) und damit zum Ausbleiben der monatlichen Blutung. Gleichzeitig sinken die Blutspiegel der wichtigen weiblichen Geschlechtshormone drastisch, da auch sie zu einem großen Teil im Ovar produziert werden. Dieses Absinken des Hormonspiegels führt zu oben beschriebenem Östrogenmangel.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schwitzen in den Wechseljahren

Hitzewallungen wärend der Periode

Auch während der monatlichen Blutung kann es auf Grund eines relativen Östrogenmangels zu Hitzewallungen kommen. Mit Einsetzen der Monatsblutung kommt es zu einem natürlichen Abfall des Östrogenspiegels, der zum Zeitpunkt des Eisprunges kurzzeitig ganz besonders hoch und in den Tagen vor Beginn der Blutung relativ hoch ist. Im Vergleich zu diesen hohen Spiegeln vor Einsetzen der Periode ist ein geringer Spiegel während der Periodenblutung natürlich relativ gesehen geringer. In den meisten Fällen sind diese weit vor der Menopause auftretenden (prämenopausalen) Hitzewallungen allerdings nicht besonders stark ausgeprägt.

Hitzewallungen wärend der Schwangerschaft

Während viele Frauen zu Beginn einer Schwangerschaft noch von einer angenehmen Wärme im ganzen Körper berichten, kommt es im weiteren Verlauf der Schwangerschaft nicht selten zu unangenehmen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Wie die meisten weiblichen Hitzewallungen sind auch diese einer enormen hormonellen Umstellung geschuldet. Die Plazenta sorgt über Hormone, die sie produziert, für eine dauerhaft leicht erhöhte Körpertemperatur und eine verstärkte Durchblutung des gesamten mütterlichen Körpers, um auch das ungeborene Kind gut versorgen zu können. Besonders im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft kann es dadurch zu unangenehmen Hitzewallungen kommen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Nächtliches Schwitzen in der Schwangerschaft.

Hitzewallungen beim Mann

Während bei Frauen ein Mangel an Östrogen in den meisten Fällen als Ursache von Hitzewallungen beschrieben wird, leiden Männer mit Hitzewallungen in den meisten Fällen an einem Testosteronmangel. Auch das männliche Geschlechtshormon beeinflusst vermutlich die hypothalamische Temperaturreagulation, sodass Effekte analog zur Östrogenwirkung entstehen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Männer seltener als Frauen unter Hitzewallungen leiden und dann meist unter medikamentös herbeigeführten Wärmeattacken, die als Nebenwirkung bestimmter Therapien (zum Beispiel bei der Behandlung eines Prostatakarzinoms mit Hormonrezeptorblockern) auftreten.

Neben Störungen oder Ungleichgewichten der Geschlechtshormone kommen auch Hitzewallungen im Rahmen medikamentöser Nebenwirkungen (s.o.), sowie als Zeichen einer Unterzuckerung bei Diabetikern, als Hormonüberschuss bei Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmten Tumoren vor.

Vor allem endokrine Tumore, die Hormone produzieren und damit in hoch empfindliche körpereigene Kreisläufe eingreifen und Lymphome, die sehr häufig mit starkem Nachtschweiß einhergehen, kommen in Frage. Die Kombination aus Nachtschweiß (= nächtliches Schwitzen bis der Wechsel des Pyjamas und der Bettwäsche nötig wird), Fieber und einem ungewollten Gewichtsverlust in kurzer Zeit ist hierbei charakteristisch für Lymphomerkrankungen, kann allerdings auch im Rahmen anderer Neubildungen vorkommen. Man spricht bei diesen drei Zeichen von der sogenannten B-Symptomatik.

Diagnose

Wenn das Alter, das Geschlecht und die übrigen Begleitumstände zu einer Menopause passen, müssen sich Betroffene mit Hitzewallungen in aller Regel keine Sorgen machen. Lediglich bei außergewöhnlich starken Beschwerden oder dem Bedürfnis nach weiteren Informationen und/oder medikamentöse Unterstützung ist ein Termin bei einem Frauenarzt (Facharzt für Gynäkologie) sinnvoll.
Kann die Menopause als häufigste Ursache auf Grund des Alters (zu jung / zu alt), des Geschlechtes (männlich) oder aus anderen Gründen ausgeschlossen werden, sollte in jedem Fall ein Arzttermin vereinbart werden. Der behandelnde Arzt wird zunächst eine genaue Befragung durchführen (Anamnese) sowie das Blutbild kontrollieren und die Konzentration von verschiedenen Hormonen im Blut bestimmen, um dann eventuell weitere diagnostische Schritte einleiten zu können, damit eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen werden kann.

Therapie

Die Therapie von Hitzewallungen besteht in erster Linie in einem Bewusstwerden und Umstellen des Lebenswandels: Alkohol, Nikotin, Koffein, scharfe Gewürze sowie überhitze Räume und zu warme Kleidung können Hitzewallungen sowohl verstärken als auch auslösen und sollten nach Möglichkeit gemieden werden.
Die Wirkung von Phytotherapeutika (Pflanzenextrakten) gegen Hitzewallungen ist in der Regel wissenschaftlich nicht erwiesen. Das wiederum bedeutet nicht, dass einige Patienten und vor allem Patientinnen nicht sehr gute Erfolge mit eben jenen pflanzlichen Präparaten erzielen. Rotklee, Frauenmantel oder Cimicifuga (Traubensilberkerze) sollen viele sogenannte Phytoöstrogene enthalten. Darunter versteht man natürliche Stoffe, die dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen sehr ähnlich sind und dieses unter Umständen also bei Östrogenmangel geringfügig ersetzen können.

Helfen pflanzliche Präparate oder eine Lebensstiländerung nicht oder nicht ausreichend und leidet eine Betroffene stark unter ihren Symptomen, kommt eine synthetische Östrogentherapie in Frage. Diese ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen kann. Eine intensive Besprechung und Beratung beim Gynäkologen ist vor Beginn einer solchen Therapie unabdingbar.

Homöopathie

Auch für homöopathische Medikamente lässt sich – ähnlich wie für oben erwähne Pflanzenextrakte – keine wissenschaftliche Wirksamkeit im engeren Sinne bestätigen. Zum Teil enthalten die in der Homöopathie verwendeten Medikamente aber nahezu identische Wirkstoffe wie erprobte Phytotherapeutika und erzielen ähnlich gute Behandlungserfolge.
Auch in der klassischen Homöopathie wird bei Hitzewallungen Traubensilberkerze eingesetzt. In diesem Fall als Cimifuga racemosa mit der Potenz D12. Jeweils 3 Globuli werden je nach Bedarf eingenommen. Auch Acidum Formicicum (Ameisensäure, D4-D12 , 5 Globuli/ 2x täglich), Trogoncephalus Lachesis (Buschmeisterschlangensekret , D12, 3 Globuli/ 3x täglich) oder beispielsweise Sanguinaria (kanad. Blutwurzel, D 12 , 3 Globuli bei Bedarf) lassen sich einsetzen.
Diese Aufzählung ist natürlich bei Weitem nicht vollständig. Bei Beschwerden sollte nach einer ausführlichen Beratung am besten ein Therapieversuch unternommen werden, um herauszufinden, welche Wirkstoffe individuell passen.

Prognose

Handelt es sich um klimakterische Hitzewallungen im Rahmen der Hormonumstellung im Zuge der Menopause, besteht eine sehr günstige Prognose: Sämtliche Symptome verschwinden in der Regel nach dem Einpendeln der neuen hormonellen Lage, also etwa nach 3-5 Jahren, wieder. In einigen wenigen Ausnahmefällen halten die Beschwerden noch etwas länger an und schwächen sich dann erst wieder ab.
Bei anderen Ursachen ist die Prognose immer von der entsprechenden Therapie abhängig. Entscheidend ist die richtige Diagnose und die Behandlung des vorherrschenden Problems.

Prophylaxe

Um das Auftreten von Hitzewallungen nach Möglichkeiten ganz zu vermeiden, sollten verstärkende Faktoren gemieden werden. Wie oben erwähnt sind dabei vor allem die Genussmittel Alkohol, Nikotin und Koffein zu nennen. Auch auf scharfe Gewürze sollte man verzichten. Zudem empfiehlt sich der regelmäßige Aufenthalt an der frischen Luft, gerne auch in Kombination mit Bewegung (Spazierengehen usw.), beziehungsweise moderatem Ausdauersport (Nordic Walking, Radfahren, usw.), aber auch Ruhe und Entspannung. Wer besonders nachts unter Hitzewallungen leidet, sollte auf eine angemessene Schlafzimmertemperatur achten (etwa 18 Grad Celsius) und häufig lüften.

Weitere Informationen

Eine Übersicht zu allen Themen aus dem Bereich der Inneren Medizin finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.08.2017
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