Nächtliches Schwitzen in der Schwangerschaft

Einleitung

Egal ob eine Familiengründung bereits lange geplant war oder ob sich der Nachwuchs ganz überraschend und ungeplant ankündigt - gerade zu Beginn einer so weitreichenden persönlichen Veränderung sind sich viele Frauen unsicher, ob sie wirklich schwanger sind und Mutter werden oder nicht. Einige körperliche Zeichen – wie beispielsweise ein starkes Wärmegefühl oder vermehrtes Schwitzen - können neben anderen körperlichen Veränderungen während einer Schwangerschaft auftreten. Diese machen sich häufig sogar früher bemerkbar als eine Bestätigung durch einen Arzt. Viele Frauen berichten zu Beginn ihrer Schwangerschaft über ein angenehmes Wärmegefühl, das sich vor allem an Körperstellen die sonst eher frieren (bspw. Hände, Füße) bemerkbar macht. Im weiteren Verlauf kommt es dann aber vermehrt zu Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen. Als Schwangere nachts zu schwitzen ist also zunächst nichts Ungewöhnliches. Das vermehrte Schwitzen nachts ist Ausdruck der hormonellen Umstellung während der Schwangerschaft. Aus diesem Grund ist in der Regel keine Therapie nötig, da dieser Zustand meist durch die neuen hormonellen Schwankungen bedingt ist.

Ursache

Die Ursache des Schwitzens in der Nacht liegt in der enormen hormonellen Umstellung, die Frauen, wenn sie schwanger sind, erfahren. Die Plazenta sorgt über Hormone, die sie produziert, für eine dauerhaft leicht erhöhte Körpertemperatur und eine verstärkte Durchblutung des gesamten mütterlichen Körpers, um auch das ungeborene Kind gut versorgen zu können. Mit einer erhöhten Durchblutung des gesamten Körpers und somit natürlich auch der Haut kommt es zu einem subjektiv empfundenen Wärmegefühl, auf das der Körper der Schwangeren mit Schweißproduktion reagiert. Besonders stark machen sich diese Umstellungen im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft bemerkbar, weswegen zu diesem Zeitpunkt das Schwitzen unter Umständen stärker werden kann.


Therapie

Im Normalfall ist vermehrtes Schwitzen in der Nacht während einer Schwangerschaft lediglich Ausdruck der stattfindenden Veränderungen und bedürfen keiner Behandlung oder Therapie. In einigen Fällen können manche Schwangerschaftsanzeichen allerdings für die werdende Mutter unangenehm bis störend erscheinen. In diesen Fällen hilft häufig bereits das Wissen über die „Normalität“ dieser Vorgänge und die Versicherung, dass nächtliches Schwitzen und Hitzewallungen nach der Geburt des Kindes oder spätestens nach abgeschlossener Stillphase wieder verschwinden werden. Häufig werden vorherrschende Symptome dann nicht mehr als ganz so unangenehm wahrgenommen. Zudem bietet sich ein Beratungsgespräch über verstärkende Faktoren des Schwitzens an, die dann nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Eine tatsächliche und ursächliche Therapie bei Schwitzen in der Schwangerschaft kann den Patientinnen leider nicht angeboten werden.

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Prognose

Nächtliches Schwitzen während der Schwangerschaft ist auf Grund der Ursache lediglich ein vorübergehendes Problem. Einige junge Mütter beobachten verschieden starke Hitzewallungen auch noch während ihrer Stillphase. Häufig verschwinden aber sämtliche Symptome mit der Geburt des Kindes. Frauen, die in vorangegangenen Schwangerschaften nachts unter starkem Schwitzen gelitten haben, müssen dieses Problem in weiteren Schwangerschaften nicht zwingend erneut erfahren. Auch eine Verbindung zu späteren Wechseljahrsbeschwerden dieser Frau besteht nicht.

Prophylaxe

Um sich selbst und das Ungeborene vor eventuell drohender Dehydrierung zu schützen, sollten Frauen, die schwanger sind und nachts sehr viel schwitzen, ausreichende Mengen trinken. Am besten eignen sich dabei lauwarme Getränke, da diese die Hitzewallungen nicht noch zusätzlich verstärken. Scharfe Speisen und Koffein sollten Betroffene meiden, um keine Verstärkung der Symptome herbeizuführen. Leistungsstarke Antitranspirantien (beispielsweise aus der Apotheke) können ebenso beim Eindämmen des Problems helfen wie eine Rasur der Körperhaare, da diese den Schweiß über einen längeren Zeitraum daran hindert, zu verdunsten. Ein kühles Schlafzimmer, welches generell immer empfehlenswert ist, kann zudem ein wenig Erleichterung verschaffen.

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Schwangerschaftsdiagnostik

Die zuverlässigste Methode eine bestehende Schwangerschaft zu diagnostizieren, ist eine frühe Ultraschalluntersuchung durch einen erfahrenen Frauenarzt. Ab der 4. SSW kann man den Embryo in der Schleimhaut der Gebärmutter sehen. Kurz danach ist mittels einer speziellen Ultraschalltechnik (Sog. Doppler-Sonographie) auch schon die kindliche Herzaktion nachweisbar. Selbst handelsübliche Schwangerschaftsteststreifen, die im allgemeinen relativ sicher sind, können unter Umständen ein falsches Ergebnis anzeigen. Dieser Fall ist selten und ungewöhnlich, aber dennoch nicht unmöglich. Ist die vorliegende Schwangerschaft gesichert, ist keine weitere Diagnostik zum Erkennen des vermehrten Schwitzens nötig; der behandelnde und beratende Arzt verlässt sich hierbei auf das subjektive Empfinden der Schwangeren und ihre Schilderungen.

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Weitere Schwangerschaftsanzeichen

Als klassische (und häufige) Schwangerschaftsanzeichen sind ein starkes Wärmegefühl, unangenehmes Brustspannen und (meist morgendliche) Übelkeit schon seit Generationen von Frauen bekannt. Diese Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft können genau wie die weiteren im folgenden genannten Zeichen auftreten, müssen aber natürlich nicht. Jede Frau wird die Veränderungen ihres Körpers unterschiedlich stark wahrnehmen und verschiedenartig sensibel darauf reagieren.

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Sichere Schwangerschaftsanzeichen

Als sichere Schwangerschaftsanzeichen bezeichnet man all diejenigen Zeichen, die vom ungeborenen Kind direkt ausgehen und somit keine andere Erklärung als eine Schwangerschaft zu lassen. Sie sind in der Regel später nachweisbar als die unsicheren Hinweise, aber dafür über jedem Zweifel erhaben. Ein sicheres Zeichen für eine vorliegende Schwangerschaft ist also beispielsweise das Erkennen des eingenisteten Embryos mittels Ultraschall (etwa ab der 4.SSW) durch den Frauenarzt. Auch das Hören der kindlichen Herztöne, das Fühlen von Bewegungen des Ungeborenen oder das Ertasten von Körperteilen (alles etwa ab der 18. SSW) sind als untrügliche Zeichen zu werten.

Unsichere Schwangerschaftsanzeichen

Weniger eindeutig, aber dafür zumeist um einiges rascher, machen sich unsichere Schwangerschaftsanzeichen bemerkbar. Zu diesen zählen beispielsweise Übelkeit und Appetitveränderungen mit Heißhungerattacken der werdenden Mutter. Auch über Schwindel und ein starkes Spannungsgefühl in der Brust, das mit zum Teil erheblichen Schmerzen einhergehen kann, klagen viele Schwangere zu Beginn.
Bei einigen Frauen kommt es schon weit vor dem eigentlichen Geburtstermin zum Austritt von Vormilch aus der Brust, was ebenfalls als unsicheres Schwangerschaftszeichen gewertet werden kann. Schwangere Frauen müssen zudem häufiger die Toilette aufsuchen. Einige fühlen sich schneller müde oder erschöpft und zeigen ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
Auch Stimmungs-Schwankungen und Kopfschmerzen sind im Verlauf einer Schwangerschaft nicht selten. Im weiteren Verlauf kommt es zusätzlich zu spezifischen Hautveränderungen (beispielsweise an den Brustwarzen oder auf dem Bauch), die ebenfalls Hinweise für eine vorliegende Schwangerschaft sein können. Zusammengenommen sind diese Hinweise bei möglicher Empfängnis bereits ziemlich verdächtig.
Kommt es im Weiteren zum Ausbleiben der Menstruationsblutung und zu einer dauerhaft erhöhten Körpertemperatur (Anstieg der Basaltemperatur), ist zu einem Schwangerschaftstest und einer Vorstellung bei einem Frauenarzt zu raten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema nächtliches Schwitzen in der Schwangerschaft finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen aus den Bereich der Gynäkologie finden Sie unter: Gynäkologie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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