So kann man übermäßiges Schwitzen vermeiden

Einleitung

Jeder Mensch schwitzt. Schwitzen ist eine notwendige Reaktion auf den Temperaturhaushalt des Körpers. Übermäßige Wärme muss bei dem Menschen über die Haut nach außen abgegeben werden. Diese Wärme entsteht beim Sport, an heißen Tagen aber auch bei Krankheit, wenn man Fieber hat zum Beispiel. Doch nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch psychische Befindlichkeiten, wie Stress, Angst oder Panik treiben den Schweiß aus den Poren.


Entstehung von Schweiß

Schweißdrüsen befinden sich überall am Körper in der Haut, vor allem in den Achseln, Handinnenflächen, Fußsohlen und an der Stirn. Der Schweiß ist eine salzhaltige Flüssigkeit, in der sich Calcium und Magnesium, sowie Abwehrstoffe des Körpers finden. Geruchslos ist frischer Schweiß wohingegen der typische Schweißgeruch erst nach einiger Zeit, ausgelöst durch Hautbakterien, auftritt. Die Aktivität der Schweißdrüsen wird von dem vegetativen Nervensystem beeinflusst. Der sympathische Teil des vegetativen Nervensystems ist sonst für Stress- und Fluchtreaktionen verantwortlich und regelt das Schwitzen.

Hyperhidrose

Hyperhidrose ist der medizinische Fachbegriff für eine ungewöhnlich starke Schweißbildung. Man unterscheidet eine Hyperhidrose nach Lokalisation der vermehrt auftretenden Schweißbildung und nach der Ursache. Die Einteilung nach der Lokalisation unterscheidet lokale Hyperhidrosen, die nur an bestimmten Körperregionen gesteigerte Schweißproduktion vorweisen und generalisierte Hyperhidrosen, bei denen der ganze Körper betroffen ist.

Ursächlich unterscheidet man eine primäre von einer sekundären Hyperhidrose. Die primäre Hyperhidrose tritt ohne erkennbaren Grund bereits ab Kindes- oder Jugendalter auf. Betroffen von der verstärkten Schweißbildung sind vor allem die Handinnenflächen, Fußsohlen, die Achsen und der Kopf. Die Schweißproduktion geschieht völlig unvermittelt und nicht als Folge besonderer körperlicher Anstrengung. Der Leidensdruck dieses Krankheitsbildes ist sehr hoch. Die sekundäre Hyperhidrose ist die Begleiterscheinung anderer Erkrankungen (Schilddrüse, Infektionen, Nervenleiden, Krebs), Medikamente oder hormoneller Umstellungen, wie beispielsweise den Wechseljahren (siehe dazu: Schwitzen in den Wechseljahren)

Lebensstilveränderung gegen Schwitzen

Sowohl bei primäre als auch bei sekundärer Hyperhidrose kann es hilfreich sein den Lebensstil anzupassen, um mögliche verstärkende Ursachen des Schwitzens zu vermindern. Ein ideales Körpergewicht ist wichtig, wenn nötig sollte ein Übergewicht reduziert werden, um das Schwitzen zu verringern. Abnehmen dient nicht nur dazu übermäßiges Schwitzen zu vermeiden, sondern wirkt sich auch in vielen anderen Punkten sehr positiv auf den Körper und dessen Gesundheit aus. Auch die Ernährung sollte angepasst werden, um das Schwitzen zu vermeiden. Scharfe Gewürze, Kaffeekonsum oder Alkoholkonsum fördern je aus unterschiedlichen Gründen das Schwitzen. Durch das Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit, die in Form von Wasser oder Tee wieder zu geführt werden muss.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Behandlung von übermäßigen Schwitzen

Tipps zum Vermeiden von Schwitzen

Der Lebenswandel kann auch durch erlernte Entspannungstechniken erheblich beeinflusst werden und das Schwitzen in Stresssituationen vermieden werden. Progressive Muskelrelaxation, entspannende Atemübungen oder Meditation können helfen in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren oder Angstzustände zu bekämpfen. In manchen Fällen lässt sich das Schwitzen jedoch nicht vollständig vermeiden. Dann können Antitranspiratien zum Einsatz kommen. Deodoranten, wie sie in der Drogerie zu erhalten sind richten sich gegen die für den Geruch verantwortlichen Hautbakterien und überdecken den Schweißgeruch durch zusätzliche Geruchsstoffe.

Die Schweißproduktion vermeiden diese Produkte allerdings nicht. Hierfür gibt es spezielle Wirkstoffe, welche die Schweißdrüsengänge verengen. Meist werden hierfür Aluminiumsalze eingesetzt. Diese Stoffe sollten allerdings schonend angewendet werden, da die Aluminiumsalze schädlich für die Haut sein können. Naturprodukte, die helfen sollen Schwitzen zu vermeiden, sind Gerbstoffe. In Bäder oder Salben verarbeitet sollen sie die Schweißabgabe vermindern. Doch Bäder sind nicht nur in Zusammenhang mit Gerbstoffen effektiv. Wechselbäder in kaltem und warmem Wasser scheinen hilfreich gegen Schwitzen zu sein.

Auch die Leitungswasserionotophorese kann zur Therapie von übermäßigem Schwitzen an Händen, Füßen, den Achsen und im Gesicht eingesetzt werden. Der genaue Wirkmechanismus der Anwendung ist nicht vollständig geklärt. Eine Anwendung dauert zwischen zehn bis 15 Minuten und wird in einer Wanne gefüllt mit Leitungswasser und Gleichstrom vollzogen. Die Anwendungen werden mindestens drei Mal pro Woche durchgeführt bis sich ein Erfolg einstellt und danach der Erfolg durch eine Sitzung pro Woche aufrechterhalten. Die Therapie kann durch Heimgeräte auch einfach von zu Hause durchgeführt werden. Durch die schonenden Methoden und Freiheit von Nebenwirkungen ist das Verfahren für fast alle Patienten geeignet. Nur Patienten mit implantierten elektronischen Geräten, wie einem Defibrillator oder Herzschrittmacher oder bei Patienten mit Metallimplantaten oder großen Hautdefekten ist die Iontophorese nicht empfohlen.

Schwitzen am Kopf vermeiden

Besonders am Kopf ist das Schwitzen durch die Sichtbarkeit sehr lästig und der Leidensdruck enorm. Alle genannten Hausmittel und Tipps sind natürlich auch auf die Problematik des Schwitzens am Kopf anwendbar. Bezüglich der Antitranspirantien gibt es jedoch einiges zu beachten: Gegen Schwitzen am Kopf sind Antitranspirante wirksam, auch zur Anwendung am Kopf eignen sich Präparate mit bis zu 20% Aluminiumchlorid. Am besten sind Präparate in Tropfflaschen, die sich über die Finger oder einen Wattebausch auf die betroffene Region auftragen lassen. Wichtig ist generell natürlich die Ursache für das übermäßige Schwitzen zu ermitteln und im Ansatz zu therapieren. Natürlich können auch Medikamente eingesetzt werden, um das Schwitzen am Kopf zu vermeiden.

Lesen Sie hierzu mehr unter: Schwitzen am Kopf

Medikamente zum Vermeiden von Schwitzen

Wenn das Schwitzen völlig unerträglich ist und soziale Folgen mit sich zieht, kann versucht werden das Schwitzen durch eine medikamentöse Behandlung zu vermeiden. Es gibt Medikamente, die die Übertragung der Signale auf die Schweißdrüsen verhindert. Aber auch die blutdrucksenkenden Mittel, Betablocker wie Propranolol, vermindern das Schwitzen. Etwas invasiver geht man vor, wenn man die Stellen, an denen das Schwitzen besonders lästig ist, mit dem Nervengift Botulinumtoxin betäubt. Durch das Botox wird die Nervenleitung zu den Schweißdrüsen dauerhaft betäubt. Die Wirkung des Botox hält für etwa 6 – 9 Monate an. Das Botulinumtoxin kann auch am Kopf angewendet werden. Im Rahmen von Schönheitsbehandlungen wird es häufig in die Stirn injiziert, diese Erfahrungswerte kann man sich in der Therapie von übermäßigem Schwitzen zu Nutze machen. Wenn das Schwitzen im Zusammenhang mit Stress oder Angstzuständen steht kann der Einsatz von Beruhigungsmitteln helfen das Schwitzen zu vermeiden.

Chirurgische Behandlung - Nervendurchtrennung / Schweißdrüsenentfernen

Nur in ganz extremen Fällen und vor allem bei Patienten mit einer primären Hyperhidrose und hohem Leidensdruck wird eine chirurgische Behandlung angewandt, um das Schwitzen wirklich dauerhaft zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist die Entfernung einiger Schweißdrüsen, was zur Folge hat, dass weniger Drüsen zur Verfügung stehen, die Schweiß produzieren könnten und letztendlich also die Menge an produziertem Schweiß abnimmt.

Darüber hinaus ist es auch möglich die Nervenleitungen zu den Schweißdrüsen zu unterbinden, in dem man sie operativ durchtrennt. Dieses Verfahren kommt besonders an den Achseln, den Händen und im Gesicht zum Einsatz. In Anbetracht der möglichen Nebenwirkungen, die durch Schädigung der angrenzenden Strukturen entstehen können, wird dieses Verfahren nur als letzter Ausweg empfohlen. Außerdem ist es möglich das Unterhautfettgewebe über einen kleinen Hautschnitt abzusagen und dabei kleine Nervenäste, die die Schweißdrüsen versorgen zu durchtrennen.

Zusätzlich dazu können die Schweißdrüsen ausgeschabt / entfernt werden. Dieses Verfahren gilt als relativ sicher und verspricht das Schwitzen weitestgehend zu vermeiden.
Umfangreichere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Schweißdrüsen entfernen

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.11.2017
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