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Was passiert wenn man zuviel Wasser trinkt?

Einleitung

Grundsätzlich ist es wichtig, täglich ausreichend zu trinken. 1,5 Liter über Tag den verteilt werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Bei sportlicher Betätigung sollten es bis zu drei Liter sein.

Trinkt man mehr als benötigt wird, scheidet der Körper das überschüssige Wasser aus. Trinkt man aber extrem große Mengen Wasser, die die Kapazitäten des Körpers übersteigen, kann es zu gefährlichen gesundheitlichen Problemen kommen. Eine sogenannte Wasservergiftung kann letztlich zum Tode führen. Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Herz- oder Nierenschwäche erreichen schneller eine kritische Grenze und dürfen je nach Ausprägung nur eine begrenzte Menge am Tag trinken.

Folgen

Der Körper kann bis zu einer gewissen Menge seinen Wasserhaushalt regulieren und überschüssiges Wasser hauptsächlich über die Nieren ausscheiden. Sind diese Regulationsmechanismen überlastet, verbleibt zu viel Wasser im Blut. Getränke wie Fruchtsaftschorlen und Sportgetränke ähneln in der Zahl der gelösten Teilchen in Form von Mineralstoffen der des Blutes und werden dann als isoton bezeichnet. Wasser dagegen enthält weniger gelöste Teilchen als das Blut.

Man bezeichnet es daher als hypoton. Trinkt man also große Mengen hypotonen Wassers, so kommt es zu einer Verwässerung des Blutes, sodass die Konzentration von Mineralstoffen wie zum Beispiel Natrium sinkt. Für eine normale Körperfunktion sind jedoch konstante Mineralstoffkonzentrationen wichtig. Werden diese unterschritten, kommt es zunächst zu Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen und Orientierungsproblemen. Weitere mögliche Symptome sind Übelkeit und Kopfschmerzen.

Hinzukommen können Krampfanfälle und weitere Störungen des Nervensystems bis hin zum Koma und letztlich dem Tod. Auch auf das Herz hat ein gestörter Mineralhaushalt gefährliche Auswirkungen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen, die oft ebenfalls tödlich enden. Als weitere Folge der erniedrigten Konzentration gelöster Stoffe im Blut, strömt vermehrt Wasser in die Zellen, da sich dort mehr gelöste Teilchen befinden als außerhalb.

Aufgrund eines physikalischen Prinzips, das als Osmose bezeichnet wird, strebt das Wasser einen Ausgleich der Konzentration an. Folglich dringt vermehrt Wasser in die Zellen ein und lässt sie anschwellen. Diese werden dadurch in ihrer Funktion behindert oder können sogar zerstört werden. Zudem kommt es zu Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gewebe und den Organen.

Besonders folgenschwer ist ein Hirnödem. Aber auch in der Lunge kann es zu einem Ödem kommen und so die Atmung behindert werden. Bei einer zu hohen Wasseraufnahme stoppt der Körper paradoxerweise die Wasserausscheidung über die Niere. Wasser kann in Form von Urin nie alleine sondern nur im Verbund mit Salz ausgeschieden werden.

Da dem Körper durch die niedrige Mineralstoffkonzentration ein Salzmangel signalisiert wird, versucht er Salz einzusparen. Allerdings wird das Problem der Überwässerung so nur weiter verstärkt. Ein Teufelskreis kann entstehen, weil der Körper ebenfalls aufgrund des Mineralstoffmangels Durst signalisiert. Wo die kritische Grenze einer zu hohen Wasseraufnahme liegt, lässt sich nicht pauschal sagen und ist individuell sehr unterschiedlich.

Auch wenn ein gesunder Körper eine Aufnahme von bis zu 10 Liter über den Tag verteilt durch entsprechende große Urinausscheidung kompensieren kann, sollten nicht mehr als 3 Liter getrunken werden, sofern man nicht extremer körperlicher Belastung oder Hitze ausgesetzt ist. Vorsicht geboten ist bei einer verminderten Nierenfunktion. Je nach Schweregrad darf hierbei nur sehr wenig getrunken werden. Ebenfalls sollten Patienten mit einer geschwächten Pumpfunktion des Herzens (Herzinsuffizienz) nicht zu viel trinken, um den Kreislauf nicht übermäßig zu belasten.

Generell gilt die Empfehlung, auf seinen Körper zu hören und zu trinken, wenn man durstig ist. Im Gegensatz zu manchen Tieren ist der Mensch im Übrigen nicht dazu befähigt, auf Vorrat zu trinken und Wasservorräte einzulagern. Die empfohlene Trinkmenge von etwa 1,5 Liter sollte daher über den Tag verteilt erfolgen. Es handelt sich allerdings nur um einen Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Hirnödem

Ein Ödem des Hirns ist eine besonders gefährliche Folge einer zu großen Wasseraufnahme. Wie andere Zellen schwellen auch die Nervenzellen des Gehirns durch eine zu große Zufuhr von Wasser an. Dies ist hier aber besonders kritisch aufgrund der Tatsache, dass das Hirn durch den knöchernen Schädel eingegrenzt ist. Die anschwellenden Zellen haben daher keinen Platz, um sich auszubreiten.

Stattdessen wird das Hirn zusammengedrückt. Durch eine Verengung der zuführenden Blutgefäße kann der Körper der Entstehung von Hirnödemen nur bis zu einem gewissen Maße der Überwässerung entgegen wirken. Darüber hinaus kommt es aufgrund des ansteigenden Drucks zu schwerwiegenden Folgen durch das Hirnödem. Erste Warnzeichen sind Kopfschmerzen und Schwindel.

Im Verlauf können Krampfanfälle ausgelöst werden. Steigt der Druck im Kopf weiter, verfällt der Körper in ein Koma. Wenn der Druck in den für die Atemregulation zuständigen Hirnbereichen zu groß wird, droht sogar ein Ausfall der Atmung. Ein Hirnödem kann letztlich zum Tode führen und muss unbedingt intensivmedizinisch behandelt werden.

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Ödeme

Als Ödem bezeichnet man Wassereinlagerungen im Körpergewebe, meist in den Beinen oder in den Armen. Es gibt verschiedene Ursachen. Trinkt man mehr Wasser, als der Körper ausscheiden kann, dringt es aus den Blutgefäßen in das Gewebe ein. Auch in der Lunge und dem Gehirn können sich durch Einlagerung von Wasser Ödeme bilden.

Wesentlich häufiger treten Ödeme gerade bei älteren Menschen bei einer Pumpschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz) oder einer verringerten Funktion der Nieren auf. Extreme Wassereinlagerungen vor allem im Bauch entstehen oft bei Lebererkrankungen, wenn diese nicht mehr genug Proteine produziert. Weiterhin können Ödeme bei allergischen Reaktionen entstehen.

Was passiert wenn man zu viel kalkhaltiges Wasser trinkt?

Dass das Trinken von kalkhaltigem Wasser ungesund oder gefährlich sei, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die ebenfalls verbreitete Annahme, dass kalkhaltiges Wasser zu einer Verkalkung der Blutgefäße beitrage, ist ebenso falsch. Wesentlicher Bestandteil von Kalk ist das Spurenelement Calcium, welches wichtige Funktionen im menschlichen Körper, unter anderem beim Knochenaufbau, erfüllt. Den Hauptbedarf deckt der Körper hierbei allerdings über Nahrungsmittel wie Milch oder Obst und Gemüse. Daher ist auch eine Empfehlung, bei Calciummangel diesen allein durch eher kalkhaltigeres Wasser auszugleichen, keine gute Empfehlung.

Kalkhaltiges Wasser unterscheidet sich von weniger kalkhaltigen Mineralwassern vor allem durch den Geschmack. Wer diesen mag oder nicht als störend empfindet, kann bedenkenlos auch kalkhaltiges Wasser aus der Leitung trinken. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass gerade in älteren Häusern eine Belastung des Wassers durch Schwermetalle wie zum Beispiel durch Bleirohre ausgeschlossen werden sollte.

Was passiert wenn man zu viel destilliertes Wasser trinkt?

Destilliertes Wasser unterscheidet sich von normalem Mineral- oder Leitungswasser dadurch, dass es keine Mineralien enthält. Es enthält daher keine giftigen Bestandteile und es ist zunächst ungefährlich, wenn man es trinkt. Einmal aufgenommen wird es im Magen ohnehin mit Mineralstoffen vermengt. Trinkt man aber ausschließlich oder zumindest große Mengen destilliertes Wasser gehen dem Körper auf Dauer wichtige Mineralstoffe wie Natrium oder Kalium verloren.

Das lässt sich dadurch erklären, dass der Körper Wasser immer nur im Verbund mit Mineralstoffen ausscheiden kann. In der Folge kann es daher zu Mangelsymptomen kommen. Diese Gefahr besteht besonders bei einer zusätzlich einseitigen Ernährung sowie bei Belastung, durch die man viel Schwitzen muss. Der Mythos, dass es bereits durch die Aufnahme kleiner Mengen destillierten Wassers zu Magenbluten und dem Platzen von Zellen käme, ist zum Teil noch verbreitet. Dies ist aber nicht möglich, sofern man nicht in kurzer Zeit extreme Mengen zu sich nimmt. Auf der anderen Seite sehen einige Menschen destilliertes Wasser als Gesundheitsmittel an, da es frei von Schadstoffen wie Schwermetallen oder Pestiziden ist. Die angeblich entschlackende Wirkung ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Es spricht nichts gegen die gelegentliche Verwendung destillierten Wassers zum Beispiel zum Aufbrühen eines Tees. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt allerdings vor der ausschließlichen Verwendung von destilliertem Wasser.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Destilliertes Wasser

Was passiert wenn man zu schnell zu viel Wasser trinkt?

Wenn man in wenigen Stunden etwa fünf Liter trinkt, kann dies ausreichen, um den Salzhaushalt des Körpers durcheinander zu bringen. Insbesondere der Natriumspiegel sinkt durch einen Verdünnungseffekt ab. Die Nieren sind nicht mehr in der Lage, das überschüssige Wasser auszuscheiden. Stattdessen strömt es in die Körperzellen, sodass diese anschwellen.

Besonders folgenschwer ist das beim Gehirn, da es sich aufgrund der Begrenzung durch den knöchernen Schädel nicht ausdehnen kann und stattdessen der Druck steigt, was im schlimmsten Fall tödlich endet. Zudem ist der Körper ab einem gewissen Punkt nicht mehr in der Lage, über seine Regulationsmechanismen den Salzhaushalt zu normalisieren, sodass es zu lebensbedrohlichen Herzrhytmusstörungen kommen kann.

Besonders groß ist die Gefahr in kurzer Zeit zu viel Wasser zu trinken bei oder nach einer großer sportlichen Belastung. Aufgrund des Salzverluststes durch Schwitzen treten die beschrieben Effekte aufgrund einer bereits bestehenden verringerten Natriumkonzentration noch drastischer auf. So kam Beispielsweise eine Frau beim Boston-Marathon aufgrund eines Hirnödems ums Leben, nachdem sie an einem Wasserstand 16 Becher Wasser getrunken hat.

Ein anderes Beispiel stammt von Collegestudenten aus den USA. Bei einem Wetttrinken mit Wasser kam hier ebenfalls ein Student aufgrund der zu großen Wasseraufnahme in kurzer Zeit ums Leben. Hätten sie stattdessen Bier getrunken, wäre aufgrund dessen eher isotonen Eigenschaften zumindest ein tödlich verlaufendes Hirnödem nicht aufgetreten.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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