Kiefergelenk

med.: Articulatio temperomandibularis

Einleitung

Für die Beweglichkeit des menschlichen Körpers sorgen die Gelenke. Sie verbinden einen oder mehrere Knochen miteinander. Je nach ihren Aufgaben  unterscheiden wir zwischen:

  • Kugelgelenke
  • Scharniergelenke
  • Pfannengelenke
  • Gleitgelenke
  • Drehgelenke

Das Kiefergelenk (Articulatio temperomandibularis) ist ein Dreh- und Gleitgelenk. Die Gelenke haben einen komplizierten Aufbau und stellen an die Diagnostik und Therapie hohe Anforderungen.




Aufbau und Funktion

Die Pfanne des Kiefergelenkes befindet sich dicht vor dem Gehörgang und ist mit dem Schläfenbein fest verbunden. Das Gegenstück bildet das Kieferköpfchen, einem Knochenfortsatz des Unterkiefers. Die Gelenkflächen sind, wie bei den anderen Gelenken auch, mit Knorpel überzogen. Das gesamte Gelenk ist von einer Gelenkkapsel umschlossen. Für die bessere Gleitfähigkeit sorgt eine dickflüssige Gelenkflüssigkeit. Zwischen den beiden Gelenkflächen befindet sich eine Knorpelscheibe, die das Gelenk in eine obere und eine untere Hälfte teilt. Beim Bewegen des Kiefers kann man das Gelenk vor dem Ohr gut ertasten.

Die beiden Kiefergelenke verbinden Ober- und Unterkiefer miteinander. Bei aufeinander liegenden Zahnreihen bei geschlossenem Mund sollen die Gelenkköpfe zentral in der Gelenkpfanne liegen. Jede Abweichung von dieser Stellung wird vom Gelenk registriert und versucht auszugleichen. Das führt zu einer  einseitigen Belastung mit Kiefergelenkschmerzen. Die Ursachen müssen beseitigt werden. Die Kiefergelenke gewährleisten das Öffnen und Schließen der Mundhöhle. Durch ihre Drehbeweglichkeit ermöglichen sie das Zermahlen der Speisen. Außerdem sind sie beim Sprechen und Schlucken beteiligt.

Kiefergelenkschmerzen

Bei ungleichmäßigen Zahnstellungen oder Überhöhungen einzelner Zähne/ Zahn kommt es zu einseitiger Überlastung und zu Schmerzen im Gelenk. Arthritische  Entzündungen oder Arthrose können auch, wie bei anderen Gelenken, das Kiefergelenk erfassen. Nicht selten kommen die Patienten und berichten, dass das Kiefergelenk beim Öffnen und Schließen knackt. Die Ursache liegt meistens in einem Deckbiss, bei dem die oberen Frontzähne zu steil und tief über den unteren Zähnen stehen. Dadurch hat der Unterkiefer wenig Bewegungsfreiheit, und es kommt zum Kiefergelenkknacken. Das Kiefergelenkknacken kommt durch eine Verlagerung der Zwischenknorpelscheibe zustande. Rutscht das Kieferköpfchen aus der Pfanne, kommt es zur Kiefersperre, d.h. der Patient kann den Mund nicht mehr schließen. Dies ist meist Folge einer übermäßigen Öffnung des Mundes beim Gähnen. Das Gegenteil tritt ein, wenn zum Beispiel durch Entzündungen oder Schwellungen im hinteren Zahnbereich der Mund sich nicht mehr öffnen lässt. Hierbei handelt es sich um eine Kieferklemme. Diese kann Folge eines erschwerten Durchbruchs des Weisheitszahnes sein, oder von entzündlichen Schwellungen nach einer operativen Entfernung des Weisheitszahnes.

Symptome

Als Beschwerden bei Kiefergelenkserkrankungen dominieren drei Symptome:

  1. Schmerzen
  2. Kiefergelenkknacken und
  3. Bewegungseinschränkungen.

Bei Arthritis und Arthrose bestimmen die Schmerzen das Bild. Die Schmerzen können sich nicht nur auf das Kiefergelenk beschränken, sondern auch ausstrahlen. Kieferklemme und Kiefersperre machen sich durch die Unmöglichkeit den Mund zu öffnen oder zu schließen bemerkbar. Am häufigsten macht sich ein Kiefergelenkknacken bemerkbar, das, wenn kein Deckbiss vorhanden ist, weitere diagnostische Maßnahmen erfordert.

Diagnose

Da Kiefergelenkschmerzen vielerlei Ursachen haben können, ist eine umfassende Untersuchung notwendig. Dabei geben die Aussagen des Patienten über Art, Dauer und Intensität der Beschwerden  erste Hinweise auf die Ursache. Es folgt eine Inspektion der Mundhöhle, um eventuelle Unregelmäßigkeiten der Zahnstellung festzustellen. Eine Röntgenaufnahme kann Schäden innerhalb des Gelenks aufdecken.




Therapie bei Kiefergelenkschmerzen

Die einfachste Therapie ist eine Wärmebehandlung. Sie reicht aber oftmals nicht aus. Bei ungleichmäßiger Belastung infolge Höhenunterschiede einzelner Zähne müssen die Zähne eingeschliffen werden. Bei stressbedingtem Knirschen, das zu einer Überbelastung des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur geführt hat, kann eine Aufbissschiene  Abhilfe schaffen. Handelt es sich um Knorpelschäden , ist eine Operation notwendig. In den meisten Fällen genügt die Beseitigung der störenden Knorpelpartikel oder der Glättung des ausgefransten Knorpels mittels Arthroskopie, einem minimal invasiven Eingriff. Die Kieferklemme verschwindet mit dem Abklingen der Entzündung. Die Kiefersperre wird durch Reposition des herausgesprungenen Kieferköpfchens beseitigt.

Prognose

Obwohl die Therapie von Kiefergelenkschmerzen aufgrund der vielen möglichen Ursachen oft langwierig ist, kann den meisten Patienten gut geholfen werden. Die Prognose ist deshalb gut.

Zusammenfassung

Das Kiefergelenk ist ein Gleit- und Drehgelenk, das den Ober- mit dem Unterkiefer verbindet. Kiefergelenkserkrankungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb ist die Diagnose oft erschwert. Die Therapie richtet sich nach den Ursachen und kann deshalb auch sehr unterschiedlich sein. Sie reicht von der Wärmetherapie bis zu operativen Eingriffen.


Wie gut ist Ihre Zahnpflegekenntnis?

Beantworten Sie 14 Fragen aus allen Bereichen der Zahnpflege und erlernen Sie dabei wichtige Informationen zum Thema Zahnpflege.
Wir wünschen viel Erfolg.
zum Zahnpflege Quiz



Das könnten Sie jetzt auf Dr-Gumpert.de machen!

Unser Buch bestellen

Ins Forum gehen

Selbsttest

Zum Quiz

Dr-Gumpert.de auf Facebook

Dr-Gumpert.de auf Facebook

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Das ganze Dr-Gumpert.de Team, das diese Seite mit viel Engagement in knapper Freizeit betreut, bedankt sich bei allen Unterstützern.

Wenn Ihnen dieses Seite gefallen hat, drücken Sie:

Und zuletzt unterstützen Sie uns, wenn Sie uns mit dem "Google Plus One Button" positiv bewerten:





Autor: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 19.05.2011