Ohrenschmerzen

Synonym

Otalgie, Ohrenschmerz
englisch: earache

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Definition

Unter Ohrenschmerzen versteht man schmerzhafte, oft entzündliche Beschwerden im Bereich des Ohres.

Formen

Prinzipiell werden primäre Ohrenschmerzen von sekundären Ohrenschmerzen unterschieden.

Der primäre Ohrenschmerz ist durch eine Erkrankung des Ohres bedingt. Zum sekundären Ohrenschmerz kann es kommen, wenn nicht das Ohr sondern benachbarte Organe und Strukturen betroffen sind, und der Schmerz über entsprechende Nervenfasern ins Ohr geleitet wird. Folgende Nerven können so eine Weiterleitung bewirken:

  • Nervus trigeminus
  • Nervus facialis
  • Nervus glossopharengeus
  • Nervus vagus

So können Erkrankungen der Zähne, der Ohrspeicheldrüse und des Kiefergelenkes zum Beispiel sekundäre Ohrenschmerzen auslösen.

In vielen Fällen hat der primäre Ohrenschmerz eine Mittelohrentzündung (Otitis media) als grundlegende Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung der Schleimhaut des Mittelohres, die oft einer Entzündung der oberen Atemwege folgt. Bei bestehendem Trommelfelleinriss können des Weiteren auch von außen Krankheitserreger in das Mittelohr eindringen und ebenfalls eine Mittelohrentzündung auslösen.



Ursachen

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen , die Ohrenschmerzen auslösen können.

Bei einer akuten Mittelohrentzündung setzen Ohrenschmerzen plötzlich und unerwartet ein. Die Patienten klagen meistens auch über Erschöpfung, Fieber und Gereiztheit. Besonders Kinder sind sehr häufig von akuten Mittelohrentzündungen betroffen. Oft durchleben sie auch mehrere Episoden von immer wieder kehrenden Mittelohrentzündungen. Auch hier liegt meistens ein vorangegangener oder noch bestehender Infekt der oberen Atemwege zugrunde. Durch Anschwellung der Gänge (Tuben) kommt es zu Hörstörungen und nach außen gewölbtem und gerötetem Trommelfell. Ist nur ein Ohr betroffen könnte eine bakterielle Ursache zugrunde liegen. Die häufigsten Erreger einer Mittelohrentzündung sind die Bakterien Streptococcus pneumoniae, Haemophilus Influenzae  und Moraxella catarrhalis. Auch virale Erreger werden als Ursache diskutiert. Besonders die Viren respiratory syncytial virus, Parainfluenzavirus, Influenzavirus und Enteroviren scheinen auslösende Erreger zu sein. Kommt es zu drei  Mittelohrentzündungen in einem halben Jahr, spricht man von einer rezidivierenden Mittelohrentzündung. Geht die Dauer einer Mittelohrentzündung über Wochen und sogar Monate hinaus, spricht man von einer chronischen Mittelohrentzündung.

 

Weitere Ursachen

Eine weitere Ursache von Ohrenschmerzen kann ein sogenanntes Seromukotympanon sein. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von seröser oder muköser Flüssigkeit in den Mittelohrräumen, ohne dass Anzeichen einer eitrigen Entzündung zu erkennen sind. Meistens tritt ein oft beidseitiges Druckgefühl mit Hörminderung auf. Bei Kindern besteht dabei die Gefahr der sprachlichen Entwicklungsstörung. Als Ursache wird eine mechanische Einengung durch die Rachenmandeln angenommen. Aber auch Infektionen der oberen Atemwege werden als auslösenden Faktor diskutiert. Der sogenannte Tubenkatarrh entsteht entweder durch Infektionen des oberen Atemtraktes oder durch schnellen Aufstieg in große Höhen (Flugzeug) oder Abstieg in Tiefen (Tauchen). Dabei kommt es zu einem Verschluss der Gehörgänge, dadurch zu einer Minderbelüftung, zur Einziehung des Trommelfells und zu einem Einströmen von Flüssigkeit ins Mittelohr. Eine Entzündung des äußeren Gehörganges und des äußeren Ohres können ebenfalls Ohrenschmerzen verursachen. Sie entstehen meistens durch Bakterien, Pilze oder Allergien.  Auch durch giftig wirkende Substanzen kann es zu einer Entzündung des äußeren Ohres (Otitis externa) kommen. Patienten, die häufig ins Schwimmbad gehen klagen des öfteren über diese Erkrankung. Durch bestimmte Kosmetika, Haarwaschmittel oder Nickel kann es zu einer toxischen Otits externa kommen, durch den unsachgemäßen Gebrauch von Wattestäbchen kann es zu kleinen Traumata und dadurch zu Ohrenschmerzen kommen.

Gehörgangsfurunkel (verursacht durch bakterielle staphylococcus aureus-Infektionen) können ebenso zu Ohrenschmerzen führen, wie das durch Streptokokken ausgelöste Erysipel der Haut im Bereich des Ohres. Während der Patient dabei meist auch über ein schlechtes Allgemeinbefinden und Fieber klagt, äußert sich die Perichondritis (Entzündung des Ohrknorpels) lediglich durch eine schmerzhafte Rötung und Schwellung.

Ebenfalls schwere Allgemeinbefindungsstörungen sowie Fieber und Rötung des Ohres werden durch eine Mastoiditis ausgelöst. Hier kommt es zu einer bakteriellen Infektion des Mastoids hinter dem Ohr. In extremen Fällen wird durch die Schwellung  das Ohr verschoben. Es kommt zum Befund des abstehenden Ohres, was einen absoluten Notfall darstellt.

Ohrenschmerzen können außerdem durch Entzündungen der Mandeln, Ohrspeicheldrüsen, Schilddrüsen, durch eine Arteriitis temporalis oder das Pfeiffersche Drüsenfieber ausgelöst werden.

Bei nicht therapierbaren Ohrenschmerzen muss auch das Vorliegen einer Ohrtuberkulose oder einer sogenannten Wegener Granulomatose in Betracht gezogen werden.

Durch fortleitende Schmerzweiterleitung können Erkrankungen der Bandscheiben und muskuläre Verspannungen am hinteren Halsbereich ebenfalls Ohrenschmerzen auslösen.

Der sogenannte Zoster oticus wird durch oft mehrere Jahre zuvor eingefangene Varizella Zoster Viren verursacht. Erst lange Zeit nach der ersten Infektion kommt es zu Bläschen am und um das Ohr herum, Ohrenschmerzen können resultieren.

Plötzlich einschießende und blitzartige Ohrenschmerzen könnten als Ursache eine Trigeminusneuralgie haben. Dabei handelt es sich um eine Nervenreizung des Nervus trigeminus mit oft sehr starken Schmerzen in diesem Bereich. Fremdkörper, wie Reste von Wattestäbchen oder eine übermäßige Ohrschmalzproduktion (Cerumen) kann neben Hörstörungen auch zu Ohrenschmerzen führen. Des Weiteren stellen Trommelfellverletzungen nach unsachgemäßem Wattestäbchengebrauch häufige Ursachen von Ohrenschmerzen dar. Nach entsprechenden Unfällen mit anschließenden starken Ohrenschmerzen muss auch immer der Verdacht auf einen Bruch eines Knochens in diesem Bereich gestellt werden. Ein Bruch des Felsenbeines würde neben Hörstörungen und Ohrenschmerzen auch zu Blutungen aus dem Ohr führen.

Die Sialolithiasis ist eine Speichelfunktionsstörung, die ebenfalls Ohrenschmerzen zur Folge haben kann.

Bei nicht behandelbaren und lang anhaltenden Ohrenschmerzen muss auch immer der Verdacht auf eine bösartige Tumorveränderung im Bereich des Ohres gestellt werden. Die häufigsten Tumoren in diesem Bereich sind:

  • Nasopharynxkarzinom
  • Basaliom
  • Plattenepithelkarzinom
  • Spinaliom
  • Akustikusneurinom

Häufigkeit

Während Erwachsene meistens wegen sekundärer Ohrenschmerzen zum Arzt gehen, deren Ursachen nicht direkt im Ohr liegen, klagen Kinder in den allermeisten Fällen über eine Mittelohrentzündung als verursachenden Faktor. 3-6% aller Besuche in einer Hausarztpraxis werden durch Ohrenschmerzen verursacht. Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich Mittelohrentzündungen an Häufigkeit fast verdreifacht. Bis zum dritten Lebensmonat hat jedes zehnte Kind eine Episode an Mittelohrentzündungen durchgemacht. Der Krankheitsgipfel liegt zwischen dem 6. und 15. Lebensmonat. Bis zum 10. Lebensjahr haben ca. 40% der Kinder eine Mittelohrentzündung durchgemacht.

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Autor: Gerret Hochholz      |     Letzte Änderung: 06.05.2012