Inhalt:
Mittelohrentzündung
Synonyme im weiteren Sinne
Medizinisch: Otitis media
akute , chronische Mittelohrentzündung, hämorrhagische Otitis media, Myringitis bullosa
Englisch: otitis media
Definition Mittelohrentzündung
Bei der Mittelohrentzündung (Otitis media) handelt es sich um eine durch Bakterien oder Viren verursachte Erkrankung der innerhalb des Ohres zum Mittelohr zählenden Räume.
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Häufigkeit (Epidemiologie)
Vorkommen in der Bevölkerung
Meistens sind kleine Kinder bis zum Alter von zwei Jahren betroffen. In diesem Alter ist die Mittelohrentzündung außerordentlich häufig, so dass 80-90% aller Kinder einmal, etwa ein Drittel auch mehrmals erkranken.
Symptome
Die häufigsten Beschwerden sind pulsierende Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit. Letztere kommt durch einen Erguss eitriger Flüssigkeit in die Paukenhöhle zustande, also jenen Raum, der sich zwischen Trommelfell und Innenohr befindet und somit die wichtigste Struktur des Mittelohrs darstellt.
Die Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle führt zur Dämpfung des über den äußeren Gehörgang zum Innenohr gelangenden Schalls, so dass eine ausreichende Signalverarbeitung durch das Innenohr zur Erzeugung des Höreindrucks nicht mehr gewährleistet ist.
Infolge des Paukenhöhlenergusses kommt es des weiteren oft zu einem Druckgefühl oder Rauschen im Ohr.
Dies erklärt das oft zu beobachtende Phänomen erkrankter Kinder, die sich gehäuft ans Ohr fassen (daher auch der Name „Ohrzwang“). In etwa einem Drittel der Fälle resorbiert sich der Paukenhöhlenerguss von selbst, so dass keine medizinische Intervention notwendig wird. Charakteristisch für die Mittelohrentzündung ist auch der sog. Tragusschmerz (siehe Abbildung 3.), der zustande kommt bei Druck auf den kleinen Ohrknorpel unterhalb der äußeren Gehörgangs.
Abbildung Ohr
- Helix
- Antihelix
- Tragus
- Antitragus
Beschwerden
Insbesondere bei jüngeren Kindern stehen allerdings nicht Ohrbeschwerden im Vordergrund; vielmehr dominieren unspezifischere Allgemeinsymptome wie Unwohlsein, Appetitlosigkeit und Übelkeit (gastrointestinale Beschwerden).
Oft tritt dann auch Fieber auf (i.d.R. < 38°C). Der Verlauf der Erkrankung ist variabel: Kommt es zur Perforation (Riss) des Trommelfells, lindern sich die Ohrenschmerzen spontan, eventuell fließt Sekret (eitrige Flüssigkeit) aus dem äußeren Gehörgang (dies wird als Otorrhoe, griechisch für „laufendes Ohr“ bezeichnet).
Die Mehrzahl der Mittelohrentzündungen heilt dann unter entsprechender Behandlung (siehe unten), folgenlos aus.
Bei mehrmaliger Erkrankung, d.h. mehr als sechsmal in einem Jahr, bezeichnet der HNO-Arzt (Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) die Mittelohrentzündung als rezidivierende Otitis media und es sollte eine Abklärung der Ursache erfolgen (z. B., ob vergrößerte Rachenmandeln, medizinisch als Adenoide = Polypen bezeichnet, vorliegen, die für eine Belüftungsstörung des Mittelohrs sorgen und so das Wachstum von Bakterien begünstigen).
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Polypen
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Diagnose

- Ohrspiegelung
Hinweisend für den Hals-Nasen-Ohren - Arzt sind neben den für die Mittelohrentzündung typischen Beschwerden (Hörverlust, Druckschmerz, evtl. Fieber und Unwohlsein) charakteristische Veränderungen des Trommelfells.
Mittels der sog. Otoskopie, einer beobachtenden Untersuchung von äußerem Gehörgang, Trommelfell und z.T. auch der Paukenhöhle, wird die Diagnose bestätigt.
Das beim Gesunden perlmuttähnlich glänzende, transparente und glatte Trommelfell erscheint gerötet, schollig belegt und aufgelockert.
Anhand der Lage des Lichtreflexes, der von einer Lampe durch das normalerweise spiegelnde Trommelfell zurückgeworfen wird, können auch Lageveränderungen dieser dünnen Membran festgestellt werden: Während der Lichtreflex sich normalerweise im vorderen unteren Bereich befindet, verlagert sich der Reflex bei der Mittelohrentzündung in Richtung des zentralständigen Hammergriffs oder der Reflex fehlt ganz.
(Anmerkung zum besseren Verständnis: Der Hammergriff ist ein Teil des ersten der drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, die den Schall vom Trommelfell zum Innenohr übertragen).
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Ohr
Bei komplizierten oder schlecht auf Medikamente ansprechenden Verläufen kann auch ein Abstich des Trommelfells vorgenommen werden, um die verursachenden Erreger zu identifizieren und gezielt die am besten wirksamen Antibiotika auszuwählen.
Ursachen
Die Mittelohrentzündung wird meistens durch Bakterien verursacht.
Diese gelangen über die sog. Eustachische Röhre ins Mittelohr (benannt nach Bartolomeo Eustachius, 1520-1574). Bei der Eustachischen Röhre handelt es sich um eine etwa 3-4 cm lange und im Durchmesser 3-4 mm breite Verbindung zwischen Nasen-Rachenraum und dem Mittelohr.
Die Aufgabe dieses auch als „Tuba auditiva“ bezeichneten Verbindungskanals besteht in der Belüftung des Mittelohrs.
Der normalerweise verschlossene Gang wird durch eigene Muskeln versorgt, deren Kontraktion beim Kauen, Gähnen oder Schlucken für die Öffnung der Tube sorgen.
Die häufigsten Bakterien, die eine Mittelohrentzündung verursachen, sind bei Kindern Pneumokokken (diese sind auch gefürchtete Erreger der Lungenentzündung - medizinisch: Pneumonie- und der eitrigen Gehirnhautentzündung - medizinisch: Meningitis) und Hämophilus influenzae (dieser Keim kommt auch bei Gesunden in der Rachenschleimhaut vor, daher erkranken meistens nur Kinder, deren Immunsystem noch nicht ausreichend körpereigene, schützende Eiweiße, sog. Antikörper, gegen das stäbchenförmige Bakterium gebildet haben).
Bei Erwachsenen sind andere Erreger häufiger, z.B. die zu den in der Gram-Färbung anfärbbaren (d.h. grampositiven), runden und daher zur Gruppe der als Kokken bezeichneten Erregergruppe zugehörigen Streptokokken. Meistens tritt die Mittelohrentzündung einseitig auf.
Allerdings können auch verschiedene Viren Auslöser für eine Mittelohrentzündung sein; dann sind in der Regel beide Ohren betroffen. Zu diesen Viren gehören die typischen Verursacher von Erkältungskrankheiten (die sog. Respiratory Syncytial Viren und die Adeno-Viren) sowie Grippe-Viren (medizinisch: Influenza und Parainfluenza- Viren).
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Schnupfen
Therapie / Behandlung
Meistens ist die Verabreichung von abschwellenden Nasentropfen und schmerzstillenden Medikamenten (Analgetika) ausreichend.
Erfolgt keine Besserung innerhalb von 2-3 Tagen, werden Breitspektrum - Antibiotika (also Antibiotika, die gegen sehr viele verschiedene Bakterien wirksam sind) verordnet.
Führt auch diese Maßnahme nicht zum Erfolg, so muss ein Erregerabstrich angefertigt werden, um die verursachenden Erreger zu identifizieren und gezielt Antibiotika auswählen zu können (siehe oben).
Komplikationen
Zu den Komplikationen der Mittelohrentzündung zählen das Übergreifen auf dem Mittelohr benachbarten Strukturen, beispielsweise die Mastoidzellen.
Die Mastoidzellen sind luftgefüllte, mit Schleimhaut überzogene Knochenräume hinter dem Ohr.
Die entsprechend als „Mastoiditis“ bezeichnete Entzündung macht sich dann durch Druckschmerz hinter dem Ohr bemerkbar (Diese Region wird umgangssprachlich auch als Warzenfortsatz bezeichnet; in der Medizin wird sie „Mastoid“ genannt).
Im Rahmen einer unkomplizierten Mittelohrentzündung tritt dieses Beschwerdebild zwar häufig auch auf, bildet sich dann aber unter Behandlung schnell zurück. Das Wiederauftreten von Schmerzen nach beschwerdefreiem Intervall, einhergehend mit starkem Krankheitsgefühl und Fieber, weist dann auf die auch heute noch potentiell bedrohliche Entzündung des Warzenfortsatzes hin. Es kann zu Einschmelzungen des Knochens kommen (medizinisch: Osteolysen) und zum Durchbruch der Eiterung durch die Knochenwand. Die Folge sind eine hinter dem Ohr befindliche Schwellung und eine abstehende Ohrmuschel.
Dann sind bildgebende Verfahren wie ein Computertomogramm (kurz CT, ein aus vielen Schichtbildern rekonstruiertes Röntgenbild) angezeigt, um das Ausmaß der Entzündung festzustellen und operativ zu sanieren (medizinisch: „Mastoidektomie“).
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Mastoiditis
Heilt eine Mittelohrentzündung nicht vollständig aus, sondern besteht dauerhaft, kommt es zur sog. chronischen Otitis media (chronische Mittelohrentzündung).
Diese kann auf verschiedene Arten verlaufen: Bei der mesotympanalen Form (bezeichnet nach griechisch mesos = Mitte, also einer auf das Mittelohr begrenzten Verlaufsform) steht die Entzündung der Schleimhaut der Paukenhöhle im Vordergrund. Erkrankte leiden unter der anhaltenden Schwerhörigkeit und Ausfluss aus dem Ohr. Der definitionsgemäß eine chronische Mittelentzündung begleitende Defekt des Trommelfells (eine Perforation) befindet sich typischerweise zentral.
Die Behandlung besteht hier in einem operativen Verschluss des Trommelfells (einer sog. Tympanoplastik).
Wie bei allen chronischen Verläufen ist eine Abklärung der zugrunde liegenden Ursache für den schlechten Heilungsprozess bzw. das ständige Wiederkehren der Mittelohrentzündung wichtig (siehe oben). Seltenere Verlaufsformen der chronischen Otitis media (chronische Mittelohrentzündung) stellen die Paukenfibrose dar, bei der es zur Anhäufung von Bindegewebe in der Paukenhöhle hinter einem scheinbar intakten, weißlich verdickten Trommelfell kommt, sowie die Tympanosklerose, bei der es, bedingt durch den langandauernden Entzündungsprozess, zu Degeneration und Verkalkung des Bindegewebes des Trommelfells kommt.
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: chronische Mittelohrentzündung.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zu den Formen der Mittelohrentzündung finden Sie unter:
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