Inhalt:
Mastoiditis
Synonyme im weiteren Sinne
Mastoiditis, Warzenfortsatzentzündung, Ohr, Mittelohrentzündung
Englisch: Mastoiditis
Definiton Mastoiditis
Die Mastoiditis ist eine eitrige Entzündung der knöchernen Zellen des Warzenfortsatzes, die pneumatisiert, d.h. mit Luft gefüllt, sind.
Diese Zellen stehen in Verbindung mit der Paukenhöhle (Cavum tympani=Teil des Mittelohr), welche die Gehörknöchelchen enthält.
|
|
Ursache / Entstehung
Die Mastoiditis ist eine Komplikation einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media), die nicht vollständig ausgeheilt ist.
Gründe für die ausbleibende Heilung sind folgende:
- erschwerter Wundwasserabfluss aus dem Ohr
- Wahl des falschen Antibiotikums (falsche Therapie) der Mittelohrentzündung
- sehr aggressive (virulente) Erreger oder
- schlechte Abwehrlage des Patienten
Diese Komplikation der akuten Mittelohrentzündung ist selten geworden, da die antibiotische Therapie zur Verfügung steht und die Bestimmung eines Antibiogramms zur Identifikation des Erregers und dessen Resistenzlage (Überprüfung der Wirksamkeit verschiedener Bakterien abtötender Medikamente (Antibiotika)) die Auswahl des optimalen Medikaments ermöglicht.
Abbildung Ohr
- Äußere Ohr
- Trommelfell
- Gleichgewichtsorgan
- Hörnerv (Nervus acusticus)
- Tube
- Warzenfortsatz (Mastoid)
Symptome / Beschwerden
Die Beschwerden einer Mittelohrentzündung (Ohrenschmerzen) klingen nicht ab, sondern bestehen weiterhin oder nehmen an Intensität noch zu.
Fieber tritt erneut auf und Blutbildveränderungen / Veränderungen der Laborwerte mit Anstieg der Entzündungswerte C-reaktives Protein (CRP), Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG-Erhöhung) sowie der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) sind zu diagnostizieren.
Der Ohrenbefund zeichnet sich folgendermaßen aus:
- die hintere obere Wand des Gehörgangs, der das Antrum mastoideum (Warzenfortsatz) benachbart ist, senkt sich in Folge von Entzündung und Sekretansammlung / Eiteransammlung ab
- Druckschmerz auf dem Warzenfortsatz (von außen tastbarer Knochen hinter dem Ohr);
- Im Röntgenbild zeigen sich Verschattungen, die auf eine Entzündung mit Flüssigkeit (Sekret) hinweisen;
- Liegt ein Angriff des Knochens im belüfteten (pneumatisierten) Knochenraum vor, ist dies in einer Computertomographie - Aufnahme (CT) des Felsenbeins (Teil des Schläfenbeins) zu sehen.
Der Durchbruch des Eiters, der sich in den belüfteten Zellen des Warzenfortsatzes bildet, kann sich auf verschiedenen Wegen erfolgen:
- Subperiostalabszess
Es tritt eine teigige Schwellung auf dem Warzenfortsatz hinter dem Ohr auf, so dass die hintere Ohrmuschel verstreicht. Des Weiteren besteht eine große Druckschmerzhaftigkeit. Später kommt es zu einer starken Rötung dieses Bereichs und einer Eiterhöhlenbildung (Abszessbildung).
- Zygomaticitis
Der Eiterdurchbruch erfolgt durch den Jochbogenansatz und äußert sich in einer Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit des Bereichs vor dem Ohr. Die Lider können geschwollen sein und dam Patienten fällt oftmals das Öffnen des Kiefers auf Grund von Schmerzen (Kieferklemme) schwer.
- Bezold-Mastoiditis
Der Eiter gelangt unter den Musculus sternocleidomastoideus, dem Muskel für die Kopfneigung zur gleichen Seite. Der seitliche Teil des Halses ist geschwollen und druckschmerzhaft, die Patienten nehmen eine Schonhaltung zur Verringerung der Schmerzen ein (Kopfschiefhaltung).
|
Therapie Mastoiditis
Die entzündungsbedingte Einschmelzung des Knochens im luftgefüllten System des Mittelohrs macht eine sofortige chirurgische Behandlung notwendig und kann nicht allein mit Medikamenten behandelt werden.
Hierbei werden die entzündeten Zellen entfernt und die Durchgängigkeit der Verbindung zum Mittelohr sichergestellt.
Die sogenannte Mastoidektomie ist das Verfahren der Wahl:
Es wird ein Hautschnitt hinter dem Ohr gesetzt, um die Zellen des Warzenfortsatzes zu erreichen. Alle Zellen des Knochens werden ausgeräumt, Gehörgang und Paukenhöhle bleiben bei dieser Operation unberührt. Es ist wichtig, bei diesem chirurgischen Eingriff eine medikamentöse Begleittherapie (Antibiotikatherapie) durchzuführen, um verbliebende Bakterien zu eliminieren.
Komplikationen
Aufgrund der Knochenzerstörung ist es möglich, dass auch die Gehörknöchelchen zerstört werden und die Schallleitungs- und Schallverstärkungsfunktion des Mittelohr erheblich eingeschränkt ist:
Es kann sich heraus eine Schwerhörigkeit entwickeln.
Der Angriff / Entzündung des knöchernen Warzenfortsatzes (Mastoiditis) kann zu einer Gangbildung zum Bogengangsystem (Gleichgewichtsorgan) führen, was zu Drehschwindelattacken (Schwindel) führen kann.
Die Entzündung kann bis in das Innenohr sowie den Fazialiskanal oder sogar in die Schädelhöhle (Meninigitis) vordringen.
Prognose
Da das Cholesteatom zu den oben genannten schweren Komplikationen mit Hirnbeteiligung (z.B. Meningitis) führen kann, ist eine chirurgische Versorgung notwendig.
Zunächst wird als Operationsvorbereitung eine konservative Behandlung mit antibiotischen Ohrentropfen (z.B. Ciprofloxacin) durchgeführt, die gegen Pseudomonas aeruginosa, den häufigen, für die Entzündung verantwortlichen Erreger, wirken.
Ziele der operativen Behandlung sind die vollständige Entfernung des Cholesteatoms, die Ausheilung der Knochenheilung, die Verhinderung von otogenen (das Ohr betreffenden) Komplikationen, die Wiederherstellung einer funktionsfähigen Gehörknöchelchenkette und der Verschluss des Trommelfelldefektes zum Abschluss der Paukenhöhle in Richtung des äußeren Gehörgangs.
Es existieren sowohl eine geschlossene als auch eine offene Operationstechnik.
Bei der offenen Technik wird eine Knochenhöhle geschaffen, die die Paukenhöhle, die Warzenfortsatzhöhle und die von der Entzündung betroffenen Warzenfortsatzellen umfasst. Das Cholesteatom wird ausgeräumt, das heißt die hornbildenden Hautzellen entfernt und außerdem eine breite Verbindung zum äußeren Gehörgang hergestellt.
Bei der geschlossenen Technik erfolgt eine sogenannte Mastoidektomie, d.h. der Warzenfortsatz, dessen Zellen lufthaltig und mit Schleimhaut ausgekleidet sind, wird vollständig ausgeräumt, so dass nur noch seine knöchernen Wände bestehen bleiben.
Sind auch die Gehörknöchelchen vom Perlgeschwulst angegriffen, kann eine Tympanoplastik, die Rekonstruktion des Schallleitungsapparates, erforderlich sein. Dieser Eingriff wird nach der Entfernung des Cholesteatoms vorgenommen.
Man unterscheidet die fünf Grundtechniken nach Wullstein der Tympanoplastik (Wiederherstllung der Gehörknochelchenkette):
- Typ I - Myringoplastik (Trommelfellplastik)
Liegt ein Trommelfelldefekt und eine intakte, schwingungsfähige Gehörknöchelchenkette vor, wird der Trommelfelldefekt gedeckt / verschlossen und eine Verbindung mit den Knöchelchen hergestellt. - Typ II - Ossikuloplastik
Bei defekter Gehörknöchelchenkette werden fehlende Teile ersetzt oder eine Überbrückung der nicht vorhandenen Teile vorgenommen. - Typ III
Ist die Übertragungskette defekt und nicht mehr funktionsfähig, wird durch die Operation für eine direkte Schallübertragung vom Trommelfell bzw. einem eingesetzten Transplantat aufs Innenohr gesorgt. - Typ IV
Die Schalldruckübertragung erfolgt ohne die Gehörknöchelchenkette. - Typ V
Fensterungsoperation: Trommelfell und Steigbügel werden bei dieser Methode miteinander verbunden.
Eine Gehörverbesserung kann durch diese Operation erreicht werden, wenn die Ohrtrompete (Tube) durchgängig und das Innenohr funktionsfähig ist.
Weitere Informationen
Weiterführende Informationen erhalten Sie auch unter unseren Themen:
Alle Themen, die zum Bereich HNO veröffentlicht wurden, finden Sie unter:
![]() |
Newsletter abonnieren | ![]() |
Diese Seite als Favorit hinzufügen |
|---|---|---|---|
![]() |
Weitere Fragen zu diesem Thema? | ![]() |
Diese Seite weiterempfehlen |
![]() |
Fehler im Text gefunden? | ![]() |
Ärzte-Empfehlungsliste |






