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Hörsturz
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Synonym
Gehörsturz
engl.: sudden deafness
Definition
Unter einem Hörsturz versteht man einen akuten und plötzlich eintretenden partiellen Verlust der Hörfähigkeit mit begleitender Hörminderung auf einem, in seltenen Fällen auch auf beiden Ohren. Der Schweregrad des Hörverlustes reicht von kaum merkbar, bis zur völligen Taubheit.
Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung
In Deutschland sind ca. 15.000-20.000 Menschen im Jahr von einem Hörsturz betroffen. Sowohl Frauen als auch Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Kinder und Jugendliche leiden seltener unter dieser Erkrankung, während Männer und Frauen ab 40 Jahren die häufigste Erkrankungsgruppe bilden.
Diagnose
Die Diagnose des Hörsturz sollte von einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilunde gestellt werden. Dieser sollte zunächst die Untersuchung des Patienten mit der genauen Krankenbefragung (Anamnese) beginnen, in der vor allem Art der Beschwerden, Zeitpunkt des Auftretens und bekannte Vorerkrankungen, wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen und neurologische Erkrankungen erfragt werden sollten. Danach wird der Arzt die Inspektion des Ohres zunächst von außen, dann von innen durch die sogenannten Otoskopie beginnen. Hier kann er den Gang des Ohres und das Trommelfell einsehen, kann z.B. die oben erwähnte Verschmutzung durch einen Schmalzpfropf oder eine Entzündung des Trommelfells ausschließen. Stellt sich dieser Bereich unauffällig dar, wird der HNO Arzt eine Hörprüfung durchführen. Zwei Tests eignen sich sehr gut zur Unterscheidung zwischen einer Schallleitungsstörung (der Schall kann aus irgendeinem Grund vom Außenohr nicht ins Innenohr weitergegeben werden) und einer Schallempfindungsstörung (der Schall gelangt zwar ins Innenohr, wird aber nicht neurologisch umgewandelt und nicht ans Gehirn weitergegeben). Beim sogenannten Weber Test wird eine Stimmgabel angeschlagen und zum Schwingen gebracht, dann dem Patienten auf den Scheitel gesetzt. Hört er den Ton auf beiden Ohren gleich, handelt es sich weder um eine Schallleitungsstörung noch um eine Schallempfindungsstörung. Handelt es sich um eine Schallleitungsstörung, hört er den Ton auf dem kranken Ohr lauter. Bei einer Schallempfindungsstörung auf dem gesunden Ohr. Der Rinne Versuch ist ebenfalls einsetzbar, um die beiden Störungen zu diagnostizieren. Hier wird ebenfalls eine Stimmgabel zum Schwingen gebracht und dem Patienten auf den Knochen hinter der Ohrmuschel (Mastoid) gesetzt. Der Patient muss ein Zeichen geben, sobald er den Ton nicht mehr hört. Danach hält der Arzt die Stimmgabel vor das Ohr des Patienten. Hört er den Ton nicht, handelt es sich um eine Schallleitungsstörung. Heutzutage stehen dem HNO Arzt aber noch eine Vielzahl von diagnostischen, elektronischen Instrumentarien zur Hörvermögensprüfung zur Verfügung. Beim sogenannten Gellè Versuch kann die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen untersucht werden. Hierbei wird ein Ballon luftdicht auf den äußeren Gehörgang und eine Stimmgabel auf den Schädelknochen des Patienten aufgesetzt. Durch Druck auf den Ballon werden die Gehörknöchelchen entweder in Schwingung versetzt oder abgebremst. Hört der Patient die durch die Stimmgabel erzeugten Töne konstant, obwohl der Ballon betätigt wird, handelt es sich um eine krankhafte, befestige Gehörknöchelchenkette. Bei wechselnder Lautstärke liegt keine Erkrankung vor. Bei jedem Patient mit Verdacht auf einen Hörsturz wird eine Reintonschwellenaudiometrie bzw. ein Tonaudiogramm angefertigt. Über einen Kopfhörer werden in jedes Ohr getrennt reine, von einem Generator erzeugte Töne unterschiedlicher Höhen gegeben. Diese Töne werden dem Patienten zunächst leise, dann immer lauter angeboten. Der Patient drückt auf einen Knopf, sobald er den ersten Ton hört. Die Grenze wird auch als Hörschwelle bezeichnet. Dieser Wert wird in eine Kurve eingetragen und am Ende die Punkte miteinander verbunden (Hörschwellenkurve). Bei einem Innenohrschaden würde die Kurve bei höhere Frequenz absinken. Bei einem gesunden Ohr wäre die Kurve ungefähr gerade.
Wenn der Hörverlust auf einem Ohr nachzuweisen ist und mindestens 30dB über drei aufeinanderfolgende Oktaven beträgt sowie innerhalb von 24 Stunden entstanden ist, kein Schwindel und keine anderen möglichen Ursachen eines Hörverlustes erkennbar sind, muss die Diagnose eines Hörsturzes gestellt werden. Um die zahlreichen, weiteren Ursachen eines Hörsturzes auszuschließen, sollte auf jeden Fall noch eine Blutuntersuchung mit Gerinnungsparametern, Cholesterinwerten und Entzündungswerten erfolgen. Die Untersuchung auf eine Autoimmunerkrankung sowie eine radiologische Untersuchung durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) sollte erst im weiteren Verlauf der Diagnosekette erfolgen. Ein EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens kann auf einer internistischen Station zum Ausschluss einer Herzkreislauferkrankung als Ursache der Hörstörungen durchgeführt werden.
Prophylaxe
Eine wichtige vorbeugende Maßnahme des Hörsturz besteht in der Behandlung von verursachenden Grunderkrankungen. Die medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks und eine entsprechende medikamentöse Einstellung des Diabetes Mellitus, eine Blutgerinnungshemmung bei Patienten mit Gerinnungsstörungen sowie Einstellung eines erhöhten Cholesterinspiegels und Reduzierung eines regelmäßigen Stresspegels sollten hier unbedingt angestrebt werden.
Prognose
Die Prognose eines Hörsturzes ist relativ günstig. Bei 80% der Betroffenen bilden sich die Anzeichen des Hörsturzes ohne bleibende Beeinträchtigungen wieder vollständig zurück. Je jünger die Patienten sind und je leichter die Beschwerden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Rückbildung. Die Beschwerden sind in vielen Fällen auch ohne Behandlung des Hörsturz rückläufig, können jedoch auch in leichter Form bestehen bleiben. Obwohl wissenschaftliche Beweise bislang fehlen, geht man nach wie vor davon aus, dass ein Prognosekriterium auch der Zeitpunkt des Therapiebeginns ist, und günstiger ist, je früher eine Therapie begonnen wird.
Zusammenfassung
Ungefähr 15.000 bis 20.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an einem Hörsturz. Meistens sind es Patienten beider Geschlechter ab dem 40. Lebensjahr. Charakteristischerweise klagen die Patienten beim Hörsturz über eine plötzlich aufgetretene Hörminderung eines Ohres. Schwindel und Druck auf dem Ohr werden manchmal angegeben. Schmerzen existieren praktisch nie. Des Weiteren ist ein wattiges Gefühl an der Haut des Ohres sowie ein plötzliches Schwindelgefühl zeitweise vorhanden. Ein Hörsturz kann sich einige Tage vorher durch einen Tinnitus (Ohrrauschen) bemerkbar machen. Als Ursache eines Hörsturzes werden zum einen veränderte Fließgewohnheiten des Blutes, eine erhöhte Blutgerinnung, eine Verdickung des Blutes mit Bildung einer Thormbose und Embolieentstehung im Innenohr angenommen, als auch infektiöse, tumoröse, autoimmunologische und traumatische Ursachen. Durch eine Veränderung der Strömungsgeschwindigkeiten des Blutes, kommt es zur Minderversorgung der Haarzellen des Innenohres mit gleichzeitiger Hörminderung. Als Diagnosekriterium stehen dem HNO Arzt neben dem Rinne und Weber Test zahlreiche elektronische Hörtests zur Verfügung, die ihm Aufschluss über die Art der Hörstörung geben. Um eine der zahlreichen, selteneren Ursachen eines Hörsturzes auszuschließen, sollte der Arzt auch eine Blutuntersuchung gegebenenfalls auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes im weiteren Verlauf durchführen. Als gesichert gilt die Diagnose eines Hörsturzes, wenn die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden entstanden sind, keine Schmerzen vorhanden und keine anderen Ursachen der Hörstörungen gefunden werden können sowie eine Hörminderung an einem Ohr von 30dB über 8 Oktaven nachgewiesen werden kann.
Die Therapie eines Hörsturzes gilt als umstritten, da ein genauer wissenschaftlicher Beweis nicht existiert und Patienten ohne entsprechende Therapie im Verhältnis gleich häufig genesen. Eine Therapie besteht aus einer Infusionstherapie mit blutverdünnenden Medikamenten, die die Fließgeschwindigkeit wieder herstellen sollen sowie in einer blutdruckregulierenden Therapie, gegebenenfalls kann auch eine entzündungshemmende Therapie und eine inotropische Therapie mit Lokalanästhetika durchgeführt werden.
Vorbeugend sollte man begleitende und verursachende Haupterkrankungen medikamentös einstellen und behandeln (z.B. Bluthochdruck, Cholesterineinstellung, Blutverdünnung, Diabetes Mellitus Einstellung, Stressreduzierung, Bewegung).
In den meisten Fällen heilt ein Hörsturz ohne zurückbleibende Beschwerden wieder ab. Umstritten ist, ob dies auch ohne Medikamente der Fall ist. Die Prognose ist umso günstiger, je jünger die Patienten sind und umso leichter die Anzeichen des Hörsturz sind. 80% der Patienten haben nach der Behandlung keine weiteren Beschwerden.
Galt der Hörsturz früher als absoluter Notfall, haben Studien gezeigt, dass ein verhalteneres Vorgehen in der Therapie geeigneter zu sein scheint. Zwar sollte ein Hörsturz laut Leitlinie immer noch zeitnah behandelt werden, die guten prognostischen Aussichten, auch unbehandelt, lassen aber eine entsprechende Therapie eher kritisch sehen.
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