Erkältung

Synonyme

Rhinitis, Cold, Verkühlung, Schnupfen, grippaler Infekt

Weiterführende Informationen

Definition

Der Begriff Erkältung ist eher umgangssprachlich und medizinisch nicht streng abgegrenzt. Meistens beinhaltet das Krankheitsbild einer Erkältung eine Entzündung der oberen Atemwege und oder des Rachens mit entzündlicher Anschwellung der Nasenschleimhäute und vermehrter Schleim- und Flüssigkeitsproduktion. Es können auch hustenähnliche Symptome (Bronchitis) sowie Kopfschmerzen, Glieder und Halsschmerzen sowie Fieber auftreten.

Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung

Die Erkältung  zählt zu den häufigsten Erkrankungen beim Menschen. Im Durchschnitt erkrankt ein Mensch 3-4 Mal im Jahr an einer Erkältung. Dabei können sich die Symptome und das Ausmaß der Erkrankung an Schwere und Dauer unterscheiden. Kinder erkranken bis zu 15 Mal im Jahr an einer Erkältung. Ein geschlechtsspezifischer Unterschied bei der Erkrankungshäufigkeit ist nicht feststellbar.

Übertragung/ Krankheitsmechanismus

Die Erkältung auslösende Viren können sowohl durch die sogenannte Tröpfcheninfektion als auch durch eine Schmierinfektion übertragen werden. Über Tröpfchen, in Form von Atem über die Luft können sich die Viren recht schnell von einer auf die andere Person übertragen und so über das Einatmen in den Körper gelangen. Über  eine Schmierinfektion würde man sich durch kontaminierte Materialien (z.B. benutzte Taschentücher etc.) infizieren. Wie schnell so eine Infektion von statten geht, und ob ein Erreger lange in Kontakt mit dem Menschen sein muss oder nicht bis eine Infektion ausgelöst wird, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird aber vermutet, dass die benötigte Zeit zur Infektion vom Krankheitserreger und vom Subtypen bestimmt wird.

Ist das Virus in den Körper gelangt, heftet es sich an körpereigene Zellen. Da das Virus selbst keine Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) besitzt, die Proteine herstellen können, ist es auf Fremdzellen angewiesen, die dem Virus bei der Vermehrung helfen. Nach der Anheftung an die menschliche Zelle, injiziert das Virus sein Erbmaterial (Nukleinsäure) in das Zellinnere. Das Erbmaterial wird daraufhin von der menschlichen Zelle vervielfältigt. Es kommt zur Virusvermehrung in der Zelle und dann entweder zur Auflösung der menschlichen Zelle mit Freisetzung der vielen neuen Viren oder zum Ausschleusen bei intakter Zellwand. In jedem Fall wird aber die menschliche  Zelle durch den Reproduktionsvorgang so gestört, dass entsprechende Krankheitssymptome auftreten. Die neu entstandenen Viren befallen sogleich weitere Körperzellen, was zu einem sehr schnell fortschreitenden Schneeballsystem im menschlichen Körper führt.


Symptome und Verlauf

Die Erkältung äußert sich meistens durch ein Kratzen im Hals, das aber in der Regel nicht länger als zwei bis drei Tage anhält. Auch kann es sein, dass sich zusätzlich ein Kältegefühl und ein Frösteln einstellt. Danach folgt die Ausprägung der Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis) mit Naselaufen und Niesreiz. Die als Schnupfen bezeichneten Symptome erreichen dann am zweiten Krankheitstag ihren Höhepunkt. Nach 4-5 Tagen kann es dann zu Kopf- und Gliederschmerzen kommen, in einigen Fällen tritt noch Fieber bis etwa 38,5 Grad Celsius hinzu. Die meisten Patienten klagen beim Vollbild der Erkältung nach einigen Tagen über Abgeschlagenheit und Mattigkeit. Bedingt durch die entzündliche  Anschwellung der Nasenschleimhaut, kommt es, je nach Ausprägung der Entzündung, zum Verschwinden der Schmeckfähigkeit, die aber nach Abklingen der Erkältung wieder zurückkehrt. Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt ca. eine Woche. In einigen Fällen kommt es zu einem komplizierten Verlauf. Dieser beinhaltet ein Ausbreitung auf die Nasennebenhöhlen mit entstehender Nasennebenhöhlenentzündung, eine Ausbreitung auf die Bronchien mit Bronchitis oder eine Ausbreitung auf das Mittelohr mit resultierender Mittelohrentzündung (Otitis media). In extremen Fällen kann bei unbehandelter Nasennebenhöhlenentzündung auch eine Nasennebenhöhlenvereiterung entstehen, die dann mit antibiotikahaltiken Medikamenten oder sogar bei einem chronischen Verlauf operativ behandelt werden muss. Des Weiteren stellen Lungenentzündungen (Pneumonien) und eine Entzündung des Kehlkopfes (Laryngitis) weitere komplizierte aber seltene Verläufe einer Erkältungserkrankung dar.

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Die körpereigene Virusbekämpfung

Im Gegensatz zu bakteriellen Infektionen, bei denen antibiotikahaltige Medikamente zum Einsatz kommen, ist eine medikamentöse Behandlung des Virus nur in sehr schweren Verläufen sinnvoll. In den allermeisten Fällen ist lediglich eine symptomatische Therapie in Betracht zu ziehen (siehe Therapie Erkältung). Die Tatsache, dass Erkältungserkrankungen meistens nach einer Woche wieder abklingen ist einzig und alleine dem körpereigenen Immunsystem zu verdanken, das nach Eindringen des Virus in den menschlichen Körper beginnt zu arbeiten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Patient über ein intaktes, voll funktionierendes und nicht geschwächtes Immunsystem verfügt. Je geschwächter ein  Immunsystem ist, desto schwerer und länger ist der Krankheitsverlauf. Nach Erstkontakt mit dem Virus beginnt der Körper Fresszellen und dendritische Zellen herzustellen. Diese Zellen können körperfremde Stoffe, zu denen auch Viren gehören, erkennen und identifizieren. Nach Aufnahme und Zerlegung der Viren in den Fresszellen, werden Bruchstücke der Viren an der Oberfläche der Fresszellen den B- und T -Lymphozyten präsentiert. Dadurch werden diese Zellen, die zum spezifischen Immunsystem gehören, aktiviert. Einige Zellen können sofort die Viren abtöten, andere beginnen Antikörper zu bilden, die sich dann an die Viren anbinden und dann gefressen werden. Nach einer Infektion bleiben die Antikörper und die sogenannten Gedächtniszellen im Körper erhalten, um eine erneute Infektion zu vermeiden. Da Viren aber häufig ihre äußere Hülle verändern können, überlisten sie so das Immunsystem. Eine Immunität tritt bei Viren somit selten ein. Ist das Immunsystem entweder durch immunsystemdrosselnde Medikamente, wie Cortison oder z.B. durch Stress geschwächt, kann es nicht mehr so effizient arbeiten.
Die Erkältung bricht dann in den meisten Fällen aus, der Krankheitsverlauf ist schwerwiegender und länger.

Diagnose

Häufig kann die Diagnose einer Erkältungserkrankung vom Arzt schon durch die Patientenbefragung (Anamneseerhebung) gestellt werden. So klagt der Patient über Schnupfen, ständiges Naselaufen, eventuell über Husten, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Der Beginn wird eher schleichend und vermutlich vom Patienten drei bis vier Tage zuvor angegeben werden. Der Arzt wird dann die Lunge des Patienten abhören (Auskultation), eine Entzündung der Lunge oder Bronchien dadurch ausschließen, in die Ohren mit einem Otoskop schauen, um eine Mittelohrentzündung festzustellen, in den Hals mit einer Taschenlampe leuchten, um eine  Entzündung der Mandeln zu erkennen und die Nasennebenhöhlen beklopfen, um eine Entzündung oder Vereiterung in diesem Bereich auszuschließen. In vielen Fällen wird der Arzt einen positiven Befund ermitteln. Dies bestätigt dann die Diagnose einer Erkältung. Hinzuziehen sollte der Arzt auch die Zeit des Auftretens einer Erkältung. Kommt ein Patient unter vielen in die Praxis und das zudem noch zu einer kühlen und feuchten Jahreszeit, lässt sich die Diagnose einer Erkältung schneller stellen, als wenn ein Patient im Hochsommer das Vierte mal in Folge mit erkältungsähnlichen Symptomen in die Praxis kommt. In diesem Fall muss man auch immer den Verdacht auf einen Immundefekt oder einer Immunsystemeinschränkung durch eine bösartige Erkrankung (z.B. Plasmozytom) in Betracht ziehen. Bei unkompliziertem Verlauf oder klarer Diagnose einer Erkältung sind keine weiteren Diagnosemaßnahmen notwendig und lediglich dem Patienten eine Wiedervorstellung bei Anhalten der Symptome nach 1-2 Wochen vorzuschlagen.

Prognose

In den allermeisten Fällen heilen Erkältungserkrankungen mit oder ohne Behandlung nach einigen Tagen (maximal 1-2 Wochen) folgenlos aus. Festzuhalten ist, dass eine Medikation lediglich die Symptome, wie Kopfschmerzen oder Fieber lindern, nicht aber den Genesungsprozeß beschleunigen. In einigen Fällen muss mit einer Superinfektion gerechnet werden, die sich als bakterieller Infekt auf die virale Infektion draufsetzt und den Genesungsprozeß entsprechend verlängert. Auch muss in diesem Fall der Einsatz einer antibiotischen Therapie  in Erwägung gezogen werden. Hat der Patient keine immunschwächenden Vorerkrankungen ist die Prognose einer Erkältungserkrankung auch mit bakterieller Superinfektion sehr gut.

Zusammenfassung

Erkältungserkrankungen, oder auch grippaler Infekt genannt, gehören zu den häufigsten Erkrankungen. 11% aller in die Hausarztpraxis kommende Patienten klagen über erkältungsähnliche Symptome. Im Laufe eines Jahres erkrankt jeder Mensch im Durchschnitt an 3-4 Erkältungen. Kinder sind weit aus häufiger betroffen und erkranken 11-13 Mal an einer Erkältung. Der grippale Infekt wird fast ausschließlich durch Viren verursacht. Die Viren sind verschiedenen Virusfamilien zugeordnet, die wiederum über zahlreiche Subtypen verfügen. Zu nennen wären: Rhinoviren, Coxsackieviren, Coronaviren, Parainfluenzavirus und Adenoviren. Vor allem in feuchten Milieu können Viren besonders lange überleben. Die Infektion erfolgt durch Tröpfcheninfektion über die Luft und über Schmierinfektionen durch kontaminiertes Material (z.B. Taschentücher etc.). Nach der Aufnahme heftet sich das Virus  an die körpereigenen Zellen, injiziert sein Erbgut und regt die Zelle zur Reproduktion des Virusgenoms an. Dieses wird dann entweder durch entsprechende Zellauflösung in den Körper ausgeschüttet oder durch die intakte Zellwand nach außen transportiert. Die durch diesen Vorgang entstehenden, viele neuen Viren befallen sofort weiter Körperzellen. Dadurch entsteht ein Schneeballsystem. Die Erstsymptome eines grippalen Infektes äußern sich meistens in Halskratzen, Nasenlaufen, Hitzewallungen und leicht erhöhter Temperatur. Auch kann es zu Kopf- und Gliederschmerzen und Husten mit Auswurf kommen. Ein grippaler Infekt ist meist eine Diagnose, die der Arzt durch die Patientenbefragung (Anamnese) stellt. Der Vollständigkeit wird er die Lunge des Patienten mit einem Stethoskop abhören (um eine Bronchitis auszuschließen), in den Hals schauen (um eine Beteiligung des Rachens und der Mandeln auszuschließen), in die Ohren schauen (Ausschluss einer Mittelohrentzündung) sowie die Nasennebenhöhlen abklopfen (um eine Nasennebenhöhlenentzündung auszuschließen). Auf weitere diagnostische Maßnahmen kann in der Regel bei Erkältungserkrankungen verzichtet werden. In einigen Fällen setzt sich auf den viralen Infekt eine sogenannte bakterielle Superinfektion mit drauf, die dann als komplizierter Verlauf mit antibiotikahaltigen Medikamenten behandelt werden sollte. Weitere Komplikationen eines grippalen Infektes stellen die Bronchitis (bei Befall der Lunge), die Mittelohrentzündung (bei Mittelohrbefall), die Nasennebenhöhlenentzündung oder in schweren Fällen die Nasennebenhöhlenvereiterung oder die Kehlkopfentzündung dar. In diesen Fällen sollte immer eine antibiotische Therapie erfolgen. Handelt es sich um einen unkomplizierten Verlauf einer Erkältungserkrankung, beinhaltet die Therapie meistens lediglich symptomatiche Maßnahmen, die aus der Linderung der Kopfschmerzen und Senkung des Fiebers besteht. Hier sollten Präparate, wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS zum Einsatz kommen. Des Weiteren ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsmenge am Tag zu achten, die aus 2-3 Litern Wasser und Tee bestehen sollte. Der Patient sollte auf einen ruhigen Tagesablauf achten, und mehrmals am Tag inhalative Dampfbäder aus Kamille oder Salz sowie Rotlichtbestrahlungen der Nasennebenhöhlen durchführen. Auch zahlreiche Substanzen aus der Naturheilkunde, wie z.B. die südafrikanische Kapland Pelargonie, der Sonnenhut, Kamille oder Salbei, der Thymian, das Efeu, die Schlüsselblume oder die Malve finden in der Behandlung von Erkältungserkrankungen in Form von Tees oder Tropfen Verwendung.  Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass viele Heilpflanzen in Ihrer Reinform ungenießbar und sogar für den Menschen giftig sind. Aus diesem Grund sollten Präparate aus der Apotheke verwendet werden. Auch sollten entsprechende Interaktionen zwischen Heilpflanzen und zusätzlich eingenommenen schulmedizinischen Medikamenten nicht unterschätzt und beachtet werden. Sich schon sehr lange etablierte Hausmittel, wie das Trinken von Hühnersuppe oder das Essen von Vitamin C reichen Obst- und Gemüsesorten, finden auch immer wieder in der Erkältungsbehandlung Anwendung. Häufig ist der Wirkungsmechanismus nicht bekannt, die Wirkung aber von den Nutzern bestätigt.

Die häufige landläufige Meinung, Erkältungen würden durch Feuchtigkeit oder Kälte (nasse Füsse, nasser Kopf) entstehen, konnte von vielen Studien nicht bestätigt werden. Lediglich eine starke Unterkühlung und damit Drosselung des Immunsystems konnte als begünstigender Faktor aufgezeigt werden. Der grippale Infekt muss gesondert von der Grippe betrachtet werden, die durch den Influenzavirus verursacht wird. Dieser ändert in jeder Saison sein aüßeres Erscheinungsbild und muss so immer wieder neu identifiziert werden, damit ein entsprechender Impfstoff (siehe auch: Impfung) gefunden werden kann. Gegen einen grippalen Infekt gibt es aufgrund der vielen möglichen Krankheitserreger und der entsprechenden Variabilität keine Impfmöglichkeit. Im allgemeinen kann man sagen, dass der grippale Infekt harmloser und schneller verläuft als die (Influenza)Grippe, die durch plötzlichen Beginn, starke Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, heftigen trockenen Husten und schlechten Allgemeinzustand charakterisiert ist. In der Regel heilt der grippale Infekt ohne Folgen innerhalb von wenigen Tage bis maximal 2 Wochen wieder aus. Bei Patienten, die eine immunsystemdrosselnde Begleiterkrankung haben, muss frühzeitig eine antibiotische Therapie begonnen werden, um eine bakterielle Superinfektion zu vermeiden. Zu diesen Patienten gehören HIV-Patienten, Menschen mit Diabetes Mellitus und Patienten, die unter Chemotherapeutika stehen.

Neben einer allgemein gesunden Ernährungs- und Lebensweise mit ausreichend Bewegung und Sport, vitaminreicher, ballaststoffreicher Ernährung und alltäglicher Stressreduzierung wären bei der Vorbeugung einer Erkältungserkrankung lediglich die Kontaktvermeidung einer bereits infizierten Person zu nennen. Auch sollte nach Kontakt auf hygienische Maßnahmen, wie das Händewaschen, geachtet werden. Ansonsten muss festgehalten werden, dass das Aufkommen von Erkältungskrankheiten trotz entsprechenden vorbeugenden Maßnahmen nicht ausgeschlossen und bis zu einem bestimmten Ausmaß in Kauf genommen werden muss. Lediglich unnatürlich häufig auftretende Erkältungskrankheiten sollten aufmerksam beobachtet werden und den Verdacht auf eine begleitende Erkrankung (evtl. bösartige Tumorerkrankung oder andere immunsystemdrosselnde Erkrankungen) aufkommen lassen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.05.2012