Inhalt:
- Chronische Mittelohrentzündung
- Synonyme im weiteren Sinne
- Definition
- Ursache und Entstehung
- Abbildung Ohr
- Einteilung Mittelohrentzündung
- Chronische Schleimhauteiterung
- Definition chonische Schleimhauteiterung
- Symptome / Beschwerden
- Komplikationen
- Therapie chronische Schleimhauteiterung
- Prognose
- Die chronische Knocheneiterung
- Definition
- Symptome / Beschwerden
- Komplikationen
- Therapie
- Weitere Informationen
- Quiz Erkältung
Chronische Mittelohrentzündung
Synonyme im weiteren Sinne
Medizinisch: Otitis media chronica
akute Mittelohrentzündung, Ohr, Nase, HNO
Englisch: chronic otitis media
Definition
Bei der chronischen Mittelohrentzündung (chronische Otitis media) besteht ein dauerhafter Trommelfelldefekt, d.h. das Trommelfell (Tympanon) weist eine Öffnung auf.
Ursache und Entstehung
Eine solche chronische Entzündung entsteht nach häufigen und immer wiederkehrenden Infektionen und Belüftungsstörungen der Ohrtrompete (Tuba auditiva = Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen) im frühkindlichen Alter.
Ein andauernder Defekt des Trommelfells nach einem Unfall (Trauma), einer Scharlachentzündung des Ohres oder anderen zellzerstörenden (nekrotisierenden) Entzündungen wie der Wegener-Granulomatose (seltene, schwere Gefäßentzündung) kann die Entwicklung einer chronischen Mittelohrentzündung begünstigen, da das Mittelohr durch die fehlende Schutzfunktion des Trommelfells ständig äußeren Reizen ausgesetzt ist.
Anatomie Ohr
- Äußeres Ohr
- Trommelfell
- Gleichgewichtsorgan
- Hörnerv (Nervus acusticus)
- Tube
- Warzenfortsatz (Mastoid)
Einteilung Mittelohrentzündung
Es gibt zwei Formen der chronischen Mittelohrentzündung:
- chronische Schleimhauteiterung (chronische mesotympanale Otitis media)
- chronische Knocheneiterung (chronische epitympanale Otitis media)
Chronische Schleimhauteiterung
Definition chonische Schleimhauteiterung
Die Entzündung des Mittelohrs bleibt auf die Schleimhaut beschränkt und geht nicht auf den Knochen über. Es handelt sich somit um eine begrenzte Infektion.
Symptome / Beschwerden
Liegt eine bakterielle Entzündung (eitriger Infekt) vor, tritt aus dem Ohr eine schleimig-eitrige Flüssigkeit (Sekret) aus, das nicht riecht.
Im Intervall, der beschwerdefreien Zeit, liegt kein Ohrenlaufen vor.
Der Patient bemerkt in der Regel eine Minderung seines Hörvermögens.
Das klinische Bild (ärztliches Untersuchungsergebnis) zeigt einen zentralen Trommelfelldefekt sowie eine gerötete, feuchte und verdickte Paukenhöhlenschleimhaut.
Diese Form der chronischen Mittelohrentzündung führt kaum zu Komplikationen, da die umgebenden Knochen vom Entzündungsprozess unberührt bleiben.
Komplikationen
Es besteht bei der chronischen Schleimhauteiterung (chronische mesotympanale Otitis media) kaum Komplikationsgefahr, da die umgebenden knöchernen Strukturen von der Entzündung nicht angegriffen und zerstört werden.
Gelegentlich kommt es zu einer Erkrankung des Hammers oder des Amboss (Teile der Gehörknöchelchenkette), wobei man eine Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette bei der Leitung des Schalls durch das Mittelohr ausschließen muss.
Eine weitere mögliche Komplikation ist eine Paukenfibrose, bei der in der Paukenhöhle eine krankhafte Vermehrung von Bindegewebe stattfindet und die Höhle sogar komplett mit Bindegewebe ausgefüllt sein kann.
Außerdem kann eine Trommelfellsklerose auftreten, bei der eine Einlagerung von zellarmen Bindegewebe ins Trommelfell stattfindet und weißlich, kalkige Herde aufgelagert werden. Das Trommelfell ist somit steifer und weniger schwingungsfähig, weshalb eine Hörminderung (Schallleitungsschwerhörigkeit) auftreten kann.
Therapie chronische Schleimhauteiterung
Es sollte mittels Abstrich eine Erregerbestimmung erfolgen, so dass eine optimale medikamentöse Therapie mit antibiotischen Ohrentropfen eingeleitet werden kann.
Durch den Trommelfelldefekt erreichen die Tropfen ihren Wirkungsort, das Mittelohr. Bei der Wahl des Antibiotikums muss darauf geachtet werden, dass es keine innenohrschädlichen (ototoxische) Substanzen enthält, da das Innenohr hiervon Schaden nimmt und sich die Hörleistung des Patienten verschlechtern kann.
Der Gehörgang sollte darüber hinaus mit 1%iger Wasserstoffsuperoxidlösung gereinigt und anschließend mit Wattetupfern getrocknet werden.
Nasentropfen führen zu einer besseren Belüftung des Mittelohrs, was die Beschwerden vermindert.
Eventuell ist eine orale Antibiotikatherapie (Antibiotikum in Tablettenform) zum Abtöten (Elimination) der Erreger notwendig.
Prognose
Nach Möglichkeit sollte kein Wasser ins Ohr gelangen, weshalb anzuraten ist, den Gehörgang beim Schwimmen mit Watte zu verschließen.
Ist zusätzlich die Nasenatmung behindert (z.B. durch Polypen), sollte die Ursache hierfür ggf. operativ behoben werden.
Ebenso kann zur Besserung der Beschwerden ein operativer Verschluss des Trommelfells erfolgen.
Die chronische Knocheneiterung
Definition
Die Entzündung bleibt im Gegensatz zur chronischen Schleimhauteiterung nicht auf die Mittelohrschleimhaut begrenzt, sondern greift auf den Knochen (Osteomyelitis) über und führt ohne Behandlung zu schwerwiegenden Komplikationen wie der Zerstörung der Gehörknöchelchenkette.
Häufiger Erreger dieser chronischen Entzündung ist das Bakterium Pseudomonas aeruginosa.
Symptome / Beschwerden
Der Patient bemerkt eine Minderung des Hörvermögens und empfindet Druck auf dem betroffenen Ohr.
Jahrelang liegt, aufgrund der chronischen Entzündung der Mittelohrschleimhaut, eine stinkende (fötide) Eiterung vor, die der Arzt bei der Untersuchung des Ohres riechen kann.
Treten Komplikationen auf, äußern sich diese in Form von Schwindel, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost, Ertaubung und einer Lähmung des Fazialisnervs (Nervus facialis), der für die Funktion der Gesichtsmuskulatur verantwortlich ist (Fazialisparese) - die genannten Symptome begründen sich durch die mögliche Mitbeteiligung der an das Mittelohr grenzenden Strukturen.
Der klinisch sichtbare Befund einer Knocheneiterung (Osteomyelitis) zeigt sich bei der Betrachtung (Inspektion) des Gehörgangs und des Trommelfells:
- Es liegt eine randständige Trommelfellöffnung vor, was bedeutet, dass der Defekt direkt an die Gehörknöchelchenkette angrenzt.
- Oft sind Granulationen oder Polypen (Auflagerungen) auffindbar und meist auch weiße Schuppen, die Hinweis auf ein gleichzeitig vorhandenes Cholesteatom geben.
Weiter Informationen zum Cholesteatom finden Sie unter unserem Thema: Cholesteatom
Komplikationen
Die Knochenzerstörung, die bei der chronischen epitympanalen Mittelohrentzündung auftritt, kann sich folgendermaßen äußern:
- Bei der Zerstörung der Gehörknöchelchen ist es möglich, dass die Weiterleitung des Schalls gestört ist und der Patient eine Hörverschlechterung wahrnimmt (Schallleitungsschwerhörigkeit).
- Der Warzenfortsatz (Mastoid) kann auf Grund seiner räumlichen Beziehung zum Mittel- und Innenohr bei Komplikationen betroffen sein:
Durch die Knochenzerstörung (Arrosion des Knochens) kann es zu einer Kurzschlussverbindung zwischen dem Gleichgewichtsorgan (Bogengängen) des Innenohrs und den Warzenfortsatzzellen kommen, so dass kurzdandauernde Schwindel und Schwindelattacken auftreten.
Mehr zum Thema Schwindel erfahren Sie auch unter unserem Thema: Schwindel - Die Knocheneiterung (Osteomyelitis) kann in den Fazialiskanal einbrechen und eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur verursachen (Fazialislähmung).
- Das venöse Blutsystem in der Schädelgrube liegt dem Mittelohr nur durch eine dünne Knochenplatte getrennt an, so dass beim Angriff des Knochens der Übertritt von Erregern in die Schädelhöhle möglich ist und eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Venenentzündung mit Thrombose (Thrombophlebitis) Folge sein können.
- Ebenso können das Gehirn und die Hirnhäute (Meningen) angegriffen werden, indem sich Eiterherde im Schläfenlappen oder im Kleinhirn bilden.
- Sind die Hirnhäute vom Entzündungsprozess betroffen, spricht man von einer Hirnhautentzündung (eitrige Meningitis); ist Hirngewebe entzündet, liegt eine Enzephalitis vor.
Therapie
Die konservative Therapie, d.h. die Behandlung der Erkrankung mit Medikamenten, besteht in der lokalen Anwendung von antibiotisch wirksamen Ohrentropfen (z.B. Ciprofloxacin) und der systemischen Antibiotikagabe (das Medikament wird geschluckt und erreicht auf dem Blutweg den Entzündungsort).
Bei der Wahl der Medikamente sollte darauf geachtet werden, dass sie gegen den häufigen Erreger Pseudomonas aeruginosa wirksam sind.
Des Weiteren sollte eine regelmäßige Reinigung des Gehörgangs vorgenommen werden (s.o. unter Therapie).
Diese Maßnahmen werden zur Vorbereitung auf eine erforderliche Operation durchgeführt. Diese ist notwendig, da der Entzündungsprozess ohne operativen Eingriff fortschreiten und weitere Strukturschäden und Komplikationen verursachen würde.
Ziele der operativen Versorgung sind folgende:
- Das entzündete Gewebe wird ausgeräumt / entfernt, um den Herd der Erkrankung auszuschalten.
- Die Ausheilung der Entzündung wird gefördert und weiteren entzündlichen Zerstörungsprozessen wird vorgebeugt.
- Die durch die Knocheneiterung (Osteomyelitis) entstandenen Schäden z.B. an der Gehörknöchelchenkette, werden behoben, z.B. in dem die Schallleitungskette wieder hergestellt wird das Hörvermögen des Patienten bessert sich zusehends.
- Der bestehende Trommelfelldefekt, der für ein Cholesteatom sowie das ständige Wiederaufflammen der Entzündung, also für eine chronischen Entzündung verantwortlich sein kann, wird verschlossen, um erneuten Entzündungsgeschehen (Rezidive) vorzubeugen.
Weitere Informationen
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