Osteomyelitis

Anatomie Knochen

Lesen Sie auch:

Synonyme

endogene, Osteomyelitis, Knocheneiterung, Knochenmarkentzündung, Osteitis, Brodie-Abszess

Englisch: osteomyelitis

Definition

Die Osteomyelitis (Mehrzahl Osteomyelitiden) stellt eine infektiöse Erkrankung des Knochens dar.
Sie wird häufig auch als chronische Knocheneiterung bezeichnet.

Die Osteomyelitis (Knocheneiterung) kann durch spezifische Infektionen, wie beispielsweise Tuberkulose uvm. hervorgerufen werden. Allerdings beruht die Osteomyelitis in der Regel auf unspezifischen Infektionen, die bakteriell durch offene Knochenbrüche und Operationen hervorgerufen werden können. Dass Erreger über den Blutweg eingeschwemmt werden, ist in der Regel genauso selten der Fall wie die Fortleitung benachbarter Infektionsherde. Außer diesen bakteriellen Osteomyelitiden kann die Osteomyelitis in seltenen Fällen auch durch Viren und Pilze hervorgerufen werden.

Im Bereich der Osteomyeltits, die durch unspezifische Infektionen hervorgerufen wird, unterscheidet man zwischen akuter Osteomyelitis und chronischer Osteomyelitis (chronische Knocheneiterung).

Die akute Osteomyelitis tritt in zwei verschiedenen Formen auf. Man unterscheidet zwischen:

  • der endogen – hämatogenen Form (= primär im Markraum lokalisiert; Allgemeinerkrankung mit Manifestation im Organ)
  • der exogenen Form (= posttraumatisch, postoperativ; Osteitis),

auf die weiter unten expliziter eingegangen werden kann.

Auch die chronische Osteomyelitis tritt in zwei verschiedenen Formen auf. Man unterscheidet hier zwischen:

  • der sekundär chronischen Form
  • der primär chronischen Form.

Die akute Osteomyelitis kann, unabhängig davon ob eine endogen – hämatogene oder eine exogene Form vorliegt, bei nicht angemessener Therapie chronisch werden (= sekundär chronische Form).

Ursachen

Generell ist zu sagen, dass fast alle entzündlichen Erkrankungen des Knochens auf Infektionen mit verschiedenartigen Erregern zurückzuführen sind. In der Regel handelt es sich bei diesen Erregern um Bakterien.

Dabei ist das Erregerspektrum stets von der Infektionsart abhängig. In den meisten Fällen gilt Staphylococcus aureus als Erregerspektrum. daneben können auch Pseudomonas aeroginosa, Klebsiella, Staphylococcus albus, Streptokokken, Meningokokken, Pneumokokken und Escherichia coli eine entscheidende Rolle spielen.
Streptokokken sind als Erregersprektrum eigentlich nur bei der hämatogenen Osteomyelitis im Säuglings- und Kindesalter von Relevanz.

Wie bereits erwähnt gibt es zwei Wege, die für die Entstehung einer akuten Osteomyelitis verantwortlich gemacht werden können.

Entweder handelt es sich um eine endogene – hämatogene Osteomyelitis, dann werden die Erreger über das Blut von einem Infektionsherd außerhalb des Knochens weitergeleitet oder aber es handelt sich um eine so genannte exogene Osteomyelitis, dann werden Infektionen über offene Wunden in den Körper geleitet (Unfälle, Operationen).

Infektionsherde einer endogen – hämatogen Osteomyelits können beispielsweise Nebenhöhlenentzündungen (= Sinusitis), Mandelentzündungen (= Tonsilitis), Zahnwurzelentzündungen, Furunkeln, etc. sein.

Endogene Osteomyelitis

Osteomyelitis des Fersenbeins

Wie bereits unter URSACHEN beschrieben, entsteht eine endogen – hämatogene Osteomyelitis aufgrund von Erregern, die über das Blut von einem bestimmten Infektionsherd innerhalb des Körpers in den Markraum eines Knochens verschleppt wird. Dort siedeln sie sich dann an, wodurch es zur Abszessbildung kommt. Abszesse sind Eiterherde, die der Körper bei sehr guter bis guter Immunabwehr abfangen kann. Dann bleiben sie lokal begrenzt, während sie sich bei einem schlechteren Immunstatus häufig ausbreiten.

Wie man daraus entnehmen kann, ist der Verlauf der Erkrankung von individuellen Faktoren, wie beispielsweise der Immunabwehr, aber auch dem Lebensalter des Patienten abhängig. Bei Kindern bis zum zweiten Lebensjahr verlaufen Blutgefäße des Markraums direkt von der Metaphyse (= Wachstumszone des Knochens) durch die knorpelige Epiphysenfuge in die Epiphyse (= Endstück des Knochens; Übergang zum Gelenk). Dies hat zur Folge, dass die Erreger auch in die Gelenke eindringen können und dort eitrige Gelenkergüsse hervorrufen können, wodurch wiederum schwere Gelenksschädigungen, evtl. sogar Wachstumsstörungen auftreten können. Mit ansteigendem Alter nimmt im Kindes- und Jugendalter die Durchblutung der Epiphysenfuge ab bis sie später gar nicht mehr durchblutet ist. Somit bleibt dann in der Regel die Infektion des Knochenmarks stets auf die Metaphyse beschränkt, sodass die Gelenke dann in der Regel nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ausnahme von der Regel bildet allerdings das Hüftgelenk, da dort die die Metaphyse in der Gelennkapsel mit einbezogen ist. Somit kann hier auch das Gelenk in Mitleidenschaft gezogen werden.

Sobald allerdings das Ende der Wachstumsphase erreicht wurde, tritt eine Verknöcherung der knorpeligen Bestandteile ein. Dadurch wird die schützende Grenze zur Epiphysenfuge wieder aufgehoben. Dies hat zur Folge, dass bei Erwachsenen – ähnlich wie bei den Kindern bis zu zwei Jahren – Infektionen der Gelenke wieder auftreten können.

Zum individuell unterschiedlichen Verlauf kommt hinzu, dass sich die Virulenz (= Aggressivität) eines Erregers auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Dies hat zur Folge, dass unter Umständen ein und derselbe Erregertyp verschiedene Schwertypen der Erkrankung hervorrufen kann. Das Spektrum fächert sich dann von einer leichten Erkrankung mit leichten Beschwerden bis hin zu akuten mitunter lebensbedrohlichen Beschwerden, bzw. chronischem Verlauf.

Es gibt Formen der endogen – hämatogenen Osteomyelitis, die häufig chronisch verlaufen. Dies sind beispielsweise der so genannte Brodie – Abszess, der Morbus Paget oder die tuberkulöse Osteomyelitis (vgl.: Definition). Jede dieser Erkrankungen tritt im Vergleich zu den anderen Formen sehr selten auf, alle weisen allerdings ein individuelles Krankheitsbild mit jeweils sehr typischen, individuellen Erkankungsmustern und Verläufen auf.

Häufigkeit

Vorkommen einer Osteomyelitis

Wissenschaftlichen Erhebungen zufolge tritt die endogene Osteomyelitis überwiegend im Kindes- und Jugendlichenalter auf, wobei eine spezifische Häufung im achten Lebensjahr, meist nach einer Allgemeininfektion konstatiert wurde. Meist war der Oberschenkel- oder Schienenbeinknochen (Femur und Tibia) von der Erkrankung betroffen. Durchschnittlich scheinen Jungen von der Erkrankung häufiger betroffen zu sein als Mädchen.

Im Hinblick auf die endogene Osteomyelitis im Erwachsenenalter kann festgehalten werden, dass diese Erkrankung eher selten aufzuweisen ist. Ähnlich wie im Kindes- und Jugendlichenalter sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Die endogen – hämatogene Osteomyelitis umfasst im Erwachsenenalter neben den langen Röhrenknochen (z.B. Schinenebeinknochen = Tibia) auch die Wirbelsäule.

Symptome

Die endogen – hämatogene Osteomyelitis erweist sich im Säuglings- und Kleinkindalter in der Regel als Erkrankung des gesamten Körpers und äußert sich meist mit Fieber bis ca. 40° C. Darüber hinaus machen sich Niedergeschlagenheit und Schüttelfrost bemerkbar. Bereiche, die von der Knochenentzündung betroffen sind, werden durch starke Rötung, Schwellung und Druckschmerzen bemerkbar.

Die genannten Symptome machen sich beim Erwachsenen in der Regel in abgeschwächter Form bemerkbar. Als typische Symptome gelten hier ebenfalls Niedergeschlagenheit, Schmerzen sowie Funktionseinschränkungen in den betroffenen Bereichen. Die Entzündung des entsprechenden Bereiches kann sich durch eine leichte Überwärmung (evtl. auch Röte) bemerkbar machen, allerdings sind diese Art der Symptome im Verhältnis zum Säuglings und Kleinkindalter deutlich weniger ausgeprägt.

Wie bereits mehrfach erwähnt, kann eine solche Erkrankung unter Umständen chronisch werden. Dann stehen die Schmerzen in den betroffenen Bereichen, inklusive der Funktionseinschränkungen im Vordergrund.

Prognose:

Bei einer akut hämatogenen Säuglingsosteomyelitis sind die Heilungschancen bei frühzeitiger Therapie gut. In Fällen, in denen die Krankheit bereits fortgeschritten ist, und Destruktionen an der Wachstumsfuge bewirkt hat, können teilweise erhebliche Wachstumsstörungen eintreten.

Auch bei einer akut hämatogenen Osteomyelitis im Kindesalter ist die Prognose erheblich von den Schädigungen der Wachstumsfuge abhängig. Auch hier können teilweise erhebliche Knochenschädigungen auftreten, die unter Umständen zu verkürzten Extremitäten führen können.

--> Weiter zum Thema Osteomyelitis Diagnostik

Ebenso gilt bei einer akut endogen – hämatogenen Osteomyelitis im Erwachsenenalter: Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und in der Folge auch konsequent behandelt, so ist in der Regel eine Ausheilung ohne bleibende Schäden möglich. Die Gefahr besteht allerdings, dass die Krankheit – sofern sie nicht frühzeitig erkannt und passend behandelt wird – in die chronische Form übergeht. Die chronische Osteomyelitis ist im Vergleich zur akuten Form nur schwer zu behandeln und neigt selbst bei Heilungserfolgen zu Rezidiven. aufzuflackern.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.12.2011