Akute Mandelentzündung

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Synonyme im weiteren Sinne

Mandelentzündung

Medizinisch: Angina tonsillaris

Akute Tonsillitis, eitrige Mandelentzündung

Definition Mandelentzündung

Die akute Mandelentzündung ist eine Infektion der Rachenmandeln. Sie kann in jedem Lebensalter und zu jeder Jahreszeit auftreten. Bei Kindern können Viren, bei Erwachsenen eher Bakterien eine Entzündung auslösen.
Meist handelt es sich um Streptokokken, bei älteren Patienten auch um Pneumokokken oder um den Keim Hämophilus influenza (HiB). Akute Mandelentzündungen lassen sich gut medikamentös behandeln und heilen in der Regel folgenlos ab.
In einigen Fällen hält die Entzündung aber auch länger als drei Monate an. In diesen Fällen sind die Mandeln chronisch entzündet (chronische Tonsillitis) und bedürfen einer aufwendigeren Therapie. Selten können die Keime, die für die Infektion der Mandeln ursächlich sind, auch andere Organe in unserem Körper befallen und Komplikationen hervorrufen.

Ursachen

Was löst eine Mandelentzündung (Tonsillitis) aus?

Die akute Mandelentzündung wird meist durch krankmachende Keime (pathogene Bakterien) ausgelöst. Diese Keime kommen in unserer Mundflora entweder in geringen Mengen vor und konnten sich vermehren oder sie sind von außen eingeschleppt worden (Tröpfcheninfektion).
Die bereits vorhandenen Bakterien haben große Chancen, sich zu vermehren, wenn der Allgemeinzustand unseres Körpers geschwächt ist.

begünstigen eine Infektion der Mandeln.

Vor allem in den ersten Lebensjahren („immunologische Lernphase“) haben die Mandeln besonders viel zu tun, da jeder Fremdstoff in der Mundhöhle zunächst als „Feind“ betrachtet wird. Erkrankungen der Mandeln sind daher in der frühen Kindheit sehr häufig.


Beschwerden / Symptome

Welche Symptome hat eine Mandelentzündung?

Die akute Mandelentzündung bereitet zunehmende Schluckbeschwerden. Gerade die Schluckbeschwerden belasten uns bei der akuten Mandelentzündung am meisten, da ein erhöhter Speichelfluss dazu zwingt, viel und oft zu schlucken. In besonders schweren Fällen kann sogar schon der Versuch einer Mundöffnung heftige Schmerzen bereiten. Beim Schlucken kann es zu unangenehmen Stichen ins Ohr kommen. Auch kleinere Halsbewegungen können schmerzhaft sein, da die Halslymphknoten angeschwollen sind. Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Kopfschmerz und Abgeschlagenheit kommt es auch zu Fieber. Bei Kindern fällt das Fieber meist höher aus als bei Erwachsenen.

Eigendiagnose

Was erkennen wir an unseren Mandeln bei Verdacht auf eine Mandelentzündung?

Wenn wir selbst in den Spiegel schauen, die Zunge weit herausstrecken und lange „A“ sagen, können wir bei einer Mandelentzündung einen geröteten Rachen und evtl. verdickte Mandeln hinter dem Gaumenbogen erkennen. Selbst die Zunge könnte einen weißlichen Belag besonders im hinteren Bereich zeigen, der uns eher ungewohnt erscheint.
Wenn die Mandeln neben einer Rötung und Schwellung auch weißlich belegt sind oder kleine weiße Stippchen auf den Mandeln sitzen muss in jedem Fall der Hausarzt aufgesucht werden. Jetzt ist nämlich eine Behandlung mit einem Antibiotikum erforderlich!

Ärztliche Untersuchung

Was untersucht der Hausarzt oder der HNO-Arzt?

Der Hausarzt ist mit der Behandlung einer Mandelentzündung vertraut. Es muss daher zunächst kein Facharzt für HNO aufgesucht werden.

Der Hausarzt wird erst einmal wissen wollen, wie lange die Beschwerden schon bestehen. Er wird sich dann den Rachen und die Mandeln genau ansehen, die Ohren spiegeln und ihre Lymphknoten im Halsbereich abtasten.
Um eine Abgrenzung zu einer sehr ähnlichen Erkrankung (Pfeiffer Drüsenfieber, Epstein-Barr-Virus-Infektion, Mononukleose), die allerdings einer anderen Therapie bedarf, zu finden, wird er auch Milz und Leber abtasten. Falls die Mandeln den Verdacht auf eine eher seltene Bakterienbesiedelung nahe legen, wird der Arzt einen Abstrich von der Rachen- und Mandelschleimhaut vornehmen. Hierbei wird für einen kurzen Moment ein Wattestäbchen an Ihren Rachen gehalten. Das Stäbchen wird anschließend in einem Röhrchen an ein Labor gesendet.
Eine Blutuntersuchung wird in der Regel nicht durchgeführt.

Eigentherapie

Was können Sie selbst tun, um die Symptome zu lindern?

Gegen die Schmerzen und das Fieber hilft das Antibiotikum selbst nicht. Hier können zusätzlich fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente (z.B. Paracetamol) eingenommen werden, die Ihnen der Arzt ggf. mit verschreibt. Gegen hohes Fieber können alte Maßnahmen wie Wadenwickel eingesetzt werden, die übrigens bei Kindern große Erfolge zeigen.

Der Hals sollte stets warm gehalten werden. Halstücher zu Hause und Schals draußen sollten für mindestens fünf Tage getragen werden.

Die Schluckbeschwerden lassen sich lindern, in dem die Nahrung püriert wird und generell auf säurehaltige Speisen und Säfte verzichtet wird. Kalte Getränke und Eis wirken wohltuend und lindern die Schluckbeschwerden.

Generell sollte viel Flüssigkeit (mindestens zwei Liter) in Form von Tee zu sich genommen werden. Desinfizierende Tees (z.B. Salbei Tee, mehr Informationen auch unter unserem Thema Salbei) haben eine zusätzliche Wirkung gegen die Bakterien in unserer Mundhöhle. Kamillen Tee (mehr Informationen auch unter unserem Thema Kamille) hingegen hat eine entzündungshemmende Wirkung.

Die Apotheke hat eine ganze Palette frei verkäuflicher Lutschtabletten und Gurgelarzneien gegen die Schluckbeschwerden zur Verfügung. Eine zusätzliche Anwendung hält den Rachen feucht, desinfiziert und lindert die Halsschmerzen.

Zigarettenrauch behindert eine Heilung und verstärkt zudem die Schluckbeschwerden! Als Raucher sollten Sie daher für die Zeit der Erkrankung unbedingt auf das Rauchen verzichten.

Mandelentzündung und Homöopathie

Es gibt viele verschiedene Ansätze eine akute Mandelentzündung (Angina) homöopathisch zu behandeln. Diesem Thema haben wir eine vollständig eigenständige Seite gewidmet.
Mehr erfahren Sie unter unserem Thema: Homöopathie und Angina

Therapie Mandelentzündung

Wie wird die akute Mandelentzündung behandelt (Therapie)?

Wenn die typischen Befunde einer Mandelentzündung vorliegen, wird ihnen der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Es ist unbedingt notwendig, das Medikament nach Angaben des Arztes einzunehmen! Bei den heute verschriebenen Antibiotika handelt es sich um sehr gut verträgliche Medikamente (Penicillin, Amoxycillin), die eine schnelle Besserung herbeiführen. Auch wegen der Folgeschäden an

sollte bei einer eitrigen Mandelentzündung nicht auf ein Antibiotikum verzichtet werden. Wenn bei Ihnen eine Allergie gegen Penicillin bekannt ist, lassen Sie dies den Arzt unbedingt wissen. Er wird Ihnen ein ebenso wirksames Ersatzpräparat (Makrolid, Clarithromycin) verschreiben.

Dauer

Wie lange dauert eine akute Mandelentzündung an?

Mit einer antibiotischen Therapie dauert eine akute Mandelentzündung in der Regel nicht länger als zwei Wochen. Auf keinen Fall darf das Antibiotikum abgesetzt werden, auch wenn sich schon nach wenigen Tagen eine Besserung ergeben hat. Die Bakterien sind immer noch reichlich in der Mundhöhle und in den Mandeln vorhanden und müssen -länger als die Beschwerden vorhanden sind- mit dem Antibiotikum bekämpft werden.
Ein frühzeitiges und eigenmächtiges Absetzen des Antibiotikums gibt den Keimen die erneute Chance, Sie wieder krank werden zu lassen!

Komplikationen

Welche Komplikationen können auftreten?

  • Peritonsillarabzess; Paratonsillarabzess; Retropharyngealabzess
    Wenn die Mandelentzündung nicht ganz ausheilt und die Entzündung erneut beginnt, könnte eine bakterielle Absiedelung in das umliegende Gewebe stattgefunden haben (Abzessbildung).
    In diesem Fall sind die Symptome wie Schluckbeschwerden und erschwerte Mundöffnung (Kieferklemme) besonders heftig. Die Schluckbeschwerden sind beim Peritonsillarabzess meist einseitig und ziehen nur zu einem Ohr. Außerdem hört sich die Stimme kloßig an.
     
  • Rheumatisches Fieber
    Wenn die eitrige Mandelentzündung nicht zügig abheilt, kann der Infektionsherd an den Mandeln auch andere Organe erreichen. Herz, Nieren und Gelenke sind besonders gefährdet und können durch eine nicht ausgeheilt Mandelentzündung schwer beschädigt werden (Endokarditis (Herzklappenentzündung) -> mehr informationen auch unter unserem Thema Endokarditis, Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung), Herzklappenfehler, Nephritis, Glumerulonephritis, Nierenentzündung, Arthritis, Gelenkrheumatismus).
    Wenn nach einer stattgehabten Mandelentzündung Beschwerden am Herzen (z.B. Belastungsunfähigkeit, Belastungsluftnot), an den Nieren (Blut beim Wasserlassen, Nierenbeckenschmerzen) oder an den Gelenken (Schmerzen, Schwellung, Rötung) auftreten, sollte möglichst bald ein Arzt aufgesucht werden! Um die Diagnostik zu erleichtern, erinnern Sie sich an die Mandelentzündung und berichten Ihrem Arzt davon.
    Mehr Informationen finden Sie unter: Rheumatisches Fieber

--> Weiter zum Thema Mandelentzündung Symptome

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.01.2012