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Cholesteatom
Synonyme im weiteren Sinne
Perlgeschwulst, Mittelohr, Entzündung
Englisch: cholesteatom
Definition
Als Cholesteatom, auch Perlgeschwulst genannt, bezeichnet man eine chronisch-eitrige Entzündung des Mittelohrs mit Knochenzerstörung.
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Ursache / Entstehung
Hierbei wächst Plattenepithel (oberflächliche Hautschicht), das den äußeren Gehörgang auskleidet, in das Mittelohr ein und ist von einer entzündlichen Hülle umgeben.
Der Flüssigkeitsabfluss aus dem Mittelohr ist durch die Massen vomn Hautresten gestört und somit ist die Gefahr für eine bakterielle Superinfektion (bakterielle Infektion die sich „auf“ eine bestehende Infektion setzt), häufig mit dem Erreger Pseudomonas aeruginosa, groß.
Die Entzündung wird durch die dauerhafte Abschilferung von Trommelfellzellen aufrecht erhalten und führt zu Ohrenlaufen mit stinkendem (fötiden) Geruch.
Die Hautwucherung zerstört darüber hinaus vorhandene Strukturen (z.B. Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss, Steigbügel) und kann bis ins Innenohr vordringen.
Der aus einem Cholesteatom entstehenden Knochenabbau (Knochenarrosion) / Knocheninfektion (Osteomyelitis) kann zu einem otogenen, d.h. vom Ohr ausgehenden, Hirnhautentzündung / Meningitis oder Hirnentzündung führen oder den benachbarten Fazialiskanal (der Nervus facialis ist für die Gesichtsmimik zuständig) angreifen.
Einteilung Cholesteatom
Man unterscheidet zwischen einem primären Cholesteatom, welches bei anfänglich geschlossenem Trommelfell auftritt und einer sekundären Knocheneiterung (Osteomyelitis), bei der ein Trommelfelldefekt vorliegt.
Das sekundäre Cholesteatom entwickelt sich durch das Übergreifen von verhornenden Hautschichten aus dem äußeren Gehörgang durch ein randständiges Trommelfellloch auf die Mittelohrschleimhaut.
Die primäre Form der Erkrankung hat verschiedene Ursachen:
- Retraktionscholesteatom:
Liegen Belüftungsstörungen der Tuben (Verbindung von Mittelohr und Rachen) vor, entsteht ein Unterdruck im Mittelohr und das Trommelfell weist eine Zurückziehung (Retraktion) mit Taschenbildung auf. Dieses Phänomen kennen wir vom Landeanflug im Flugzeug, wenn es zu einer vorübergehenden Störung des Druckausgleichs im Mittelohr kommt.
Zellen, die sich aus diesen Trommelfelltaschen ablösen, sammeln sich an und bewirken eine Auskleidung der Paukenhöhle mit Plattenepithel (verhornender Haut), welches physiologischerweise, d.h. im gesunden Zustand, hier nicht vorkommt. - Immigrationscholesteatom:
Im Rahmen eines aktiv fortschreitenden Prozesses wachsen Zellen der oberen Gehörgangswand und Trommelfellzellen zapfenartig in die Paukenhöhle ein. - Cholesteatom im Kindesalter:
Verbliebene embryonale (vorgeburtliche) Schleimhaut kann als Nährgewebe für die Entstehung einer Knocheneiterung (Osteomyelitis) vorliegen und verhindert zudem eine Belüftung der Paukenhöhle sowie des Warzenfortsatzes (Mastoid).
Diagnose
Beim Verdacht auf Cholesteatom sollte eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden, um das Ausmaß der Knochenzerstörung, die meistens scharf begrenzt ist, durch das wuchernde Plattenepithel (verhornende Hautschicht) darzustellen.
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Komplikationen
Aufgrund der Knochenzerstörung ist es möglich, dass auch die Gehörknöchelchen zerstört werden und die Schallleitungs- und Schallverstärkungsfunktion des Mittelohr erheblich eingeschränkt ist:
Es kann sich heraus eine Schwerhörigkeit entwickeln.
Der Angriff / Entzündung des knöchernen Warzenfortsatzes (Mastoiditis) kann zu einer Gangbildung zum Bogengangsystem (Gleichgewichtsorgan) führen, was zu Drehschwindelattacken (Schwindel) führen kann.
Die Entzündung kann bis in das Innenohr sowie den Fazialiskanal oder sogar in die Schädelhöhle (Meninigitis) vordringen.
Therapie Cholesteatom
Da das Cholesteatom zu den oben genannten schweren Komplikationen mit Hirnbeteiligung (z.B. Meningitis) führen kann, ist eine chirurgische Versorgung notwendig.
Zunächst wird als Operationsvorbereitung eine konservative Behandlung mit antibiotischen Ohrentropfen (z.B. Ciprofloxacin) durchgeführt, die gegen Pseudomonas aeruginosa, den häufigen, für die Entzündung verantwortlichen Erreger, wirken.
Ziele der operativen Behandlung sind die vollständige Entfernung des Cholesteatoms, die Ausheilung der Knochenheilung, die Verhinderung von otogenen (das Ohr betreffenden) Komplikationen, die Wiederherstellung einer funktionsfähigen Gehörknöchelchenkette und der Verschluss des Trommelfelldefektes zum Abschluss der Paukenhöhle in Richtung des äußeren Gehörgangs.
Es existieren sowohl eine geschlossene als auch eine offene Operationstechnik.
Bei der offenen Technik wird eine Knochenhöhle geschaffen, die die Paukenhöhle, die Warzenfortsatzhöhle und die von der Entzündung betroffenen Warzenfortsatzellen umfasst. Das Cholesteatom wird ausgeräumt, das heißt die hornbildenden Hautzellen entfernt und außerdem eine breite Verbindung zum äußeren Gehörgang hergestellt.
Bei der geschlossenen Technik erfolgt eine sogenannte Mastoidektomie, d.h. der Warzenfortsatz, dessen Zellen lufthaltig und mit Schleimhaut ausgekleidet sind, wird vollständig ausgeräumt, so dass nur noch seine knöchernen Wände bestehen bleiben.
Sind auch die Gehörknöchelchen vom Perlgeschwulst angegriffen, kann eine Tympanoplastik, die Rekonstruktion des Schallleitungsapparates, erforderlich sein. Dieser Eingriff wird nach der Entfernung des Cholesteatoms vorgenommen.
Man unterscheidet die fünf Grundtechniken nach Wullstein der Tympanoplastik (Wiederherstllung der Gehörknochelchenkette):
- Typ I - Myringoplastik (Trommelfellplastik)
Liegt ein Trommelfelldefekt und eine intakte, schwingungsfähige Gehörknöchelchenkette vor, wird der Trommelfelldefekt gedeckt / verschlossen und eine Verbindung mit den Knöchelchen hergestellt. - Typ II - Ossikuloplastik
Bei defekter Gehörknöchelchenkette werden fehlende Teile ersetzt oder eine Überbrückung der nicht vorhandenen Teile vorgenommen. - Typ III
Ist die Übertragungskette defekt und nicht mehr funktionsfähig, wird durch die Operation für eine direkte Schallübertragung vom Trommelfell bzw. einem eingesetzten Transplantat aufs Innenohr gesorgt. - Typ IV
Die Schalldruckübertragung erfolgt ohne die Gehörknöchelchenkette. - Typ V
Fensterungsoperation: Trommelfell und Steigbügel werden bei dieser Methode miteinander verbunden.
Eine Gehörverbesserung kann durch diese Operation erreicht werden, wenn die Ohrtrompete (Tube) durchgängig und das Innenohr funktionsfähig ist.
Weitere Informationen
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