Patellaspitzensyndrom

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Synonyme im weiteren Sinne

Springerknie, Kniescheibenspitzensyndrom, Patellar apicitis, Tendinitis patellae, Tendinosis patellae, Enthesiopathie der Patellarsehne

Englisch: Jumpers knee

Definition

Es handelt sich um eine chronische, schmerzhafte, degenerative Überlastungserkrankung des Kniescheibenstreckapparates am Knochen- / Sehnenübergang der Kniescheibenspitze.

Aufbau / Anatomie

Die Kniescheibe (Patella) ist als Sesambein zwischen dem Ober- und Unterschenkel auf der Vorderseite des Kniegelenkes gelegen. Sie ist Teil des Kniegelenkes. Sie hat eine dreieckige Form, wobei die Basis dieses Dreieckes zum Oberschenkel weist und die Spitze zum Unterschenkel. Die Streckmuskulatur des Oberschenkel (Musculus quadriceps, Quadrizepsmuskel) endet sehnig an der Basis der Kniescheibe. Von der Spitze der Kniescheibe aus läuft die Kniescheibensehne (Patellarsehne) zur Unterschenkelvorderseite (Tuberositas tibiae). Über diesen Weg (Quadrizepsmuskel - Quadrizepssehne - Kniescheibe - Kniescheibensehne - Schienbein), wird die Kraftentwicklung der Oberschenkelstreckmuskulatur auf den Unterschenkel übertragen.

Besonders hohen Belastungen ist die Kniescheibensehne beim Springen ausgesetzt, weil es hierbei zu einer starken und ruckartigen Zugbeanspruchung der Sehne kommt. Hierbei kann das Sehnengewebe überlastet werden.


Ursachen

Das Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee stellt ein Krankheitsbild dar, welches durch Überlastung der Kniescheibensehne durch wiederholte, ungewohnte und / oder heftige Zugbeanspruchungen hervorgerufen wird.

Es gibt sowohl äußere Einflussfaktoren, die ein Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee hervorrufen können, wie auch innere Einflußfaktoren.

Zu den äußeren Einflußfaktoren gehört die Beschwerde verursachende Tätigkeit. Da eine maximale Zugbeanspruchung der Kniescheibensehne insbesondere bei Sprungsportarten vorkommt, sind Sportarten wie Volleyball, Basketball, Weitsprung oder Hochsprung häufige Auslöser für ein Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee. Deshalb auch die Krankheitsbezeichnung Springerknie bzw. engl. Jumpers knee. Die Frequenz der Belastung, die Heftigkeit der Belastung und die Ungewohntheit der Belastung (neue Sportart, Anfänger) spielen eine gewichtige Rolle in der Ausbildung eines Patellaspitzensyndroms.

Aber auch beim Fahrradsport, Gewichtheben, Joggen auf hartem Untergrund, Tennis wird ein Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee häufiger einmal vorgefunden.

Zu den inneren Einflußfaktoren zählt:

  • das Alter (meist Patienten über 15 Jahre)
  • ein Kniescheibenhochstand (Patella alta),
  • ein Morbus Osgood-Schlatter in der Vorgeschichte
    Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Morbus Osgood-Schlatter
  • eine verminderte Dehnbarkeit der Beinmuskulatur
  • sowie eine angeborene Bandschwäche (Bandlaxität)

Pathologie

Der strukturelle Schaden bei einem Springerknie betrifft den Sehnen- / Knochenübergang der Kniescheibensehne (Patella) an der Kniescheibenspitze. Mikroskopische Untersuchungen konnten deutliche degenerative (verschleißbedingte) Veränderungen des Sehnengewebes feststellen, wohingegen Entzündungszellen fehlten. Es handelt es sich also um eine degenerative (verschleißbedingte), nicht um eine entzündliche Erkrankung.

Symptome

Patienten mit einem Patellaspitzensyndrom berichten über einen belastungsabhängigen Schmerz im Bereich der Kniescheibenspitze. Je nach Erkrankungsstadium kann der Schmerz zum Belastungsbeginn vorliegen und nach der Aufwärmphase wieder verschwinden, während er in der Phase nach der Belastung erneut auftritt. Im fortgeschrittenen Stadium verbleibt der Schmerz während der gesamten Belastung. In sehr weit fortgeschrittenen Fällen schmerzt der Kniescheibenansatz nicht nur bei der sportlichen Betätigung sondern permanent auch im Alltag, zum Beispiel beim Treppensteigen. Einige Patienten beschreiben einen stichartigen Schmerz bei bestimmten Winkelzuständen des Kniegelenkes unter Belastung.

Typisch ist der hartnäckige Charakter des Beschwerdebildes. Oft handelt es sich um ein chronisches, über viele Monate bis Jahre anhaltendes Krankheitsbild mit beschwerdearmen Phasen, aber immer wieder auftretenden Beschwerden nach Belastungsspitzen.

Zu 20-30 Prozent kommt ein Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee beidseits vor.

Diagnose

Die Krankengeschichte (Anamnese) der Patienten mit Sprungsportarten als Hobbies ist richtungsweisend. Auch häufiges Joggen auf hartem Untergrund oder Boddybuilding kommen werden häufiger genannt.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt meistens ein Druckschmerz über der Kniescheibenspitze auf. Typisch ist auch eine schmerzhafte Streckbewegung des Unterschenkels gegen Widerstand. Eine sichtbare Rötung oder Schwellung sind seltenere Anzeichen. Manchmal ist das Kniegelenk auch gänzlich unauffällig, dann kann nur über die Krankengeschichte eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Manche Patienten klagen auch über ein Gefühl der Steifigkeit und Schmerzen nach längerem Sitzen, z.B. nach längeren Autofahrten.

Bildgebende Verfahren

Die Sonographie (Ultraschall) ist ein leicht verfügbares und geeignetes Verfahren zur Diagnose eines Springerknie. Um eventuelle Veränderungen richtig einschätzen zu können, sollte immer die gesunde Gegenseite mit untersucht werden. Typische sonographische Veränderungen bei einem Jumpers knee sind eine Sehnenverdickung, ein unregelmäßig begrenztes Sehnengleitgewebe sowie eine uneinheitliche Sehnenstruktur.

Die MRT- Untersuchung gehört nicht zur Routinediagnostik bei einem Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee, auch wenn es sich um ein geeignetes Verfahren handelt. Von Bedeutung ist die MRT zur Lokalisation des Degenerationsareals, wenn die operative Entfernung des veränderten Sehnengewebes ansteht.

Die Röntgenaufnahme hilft beim Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee nicht weiter und dient der Ausschlussdiagnostik anderer Erkrankungen.

Klassifikation

Im klinischen Alltag wird gewöhnlich keine Einteilung des Kniescheibenspitzensyndroms vorgenommen.

Die am häufigsten erwähnte Einteilung ist die von Roels et al. 1978:

  1. Grad I: Schmerz nach Beendigung der Belastung
  2. Grad II: Schmerz bei Beginn der Belastung der nach der Aufwärmzeit wieder verschwindet und nach Beendigung wieder auftritt.
  3. Grad III: Permanenter Schmerz
  4. Grad IV: Patellasehnenruptur (Riß der Sehne)

Komplikationen

Zu den Komplikationen bei einem Patellaspitzensyndrom / Springerknie / Jumpers knee gehören der Riss der Kniescheibensehne bei fortgeschrittener Degeneration oder nach fehlerhafter Kortisoninfiltrationstherapie.

Für die operativer Therapie gelten die gleichen Komplikationsmöglichkeiten wie für die meisten operativen Eingriffe:

  • Infektion, Wundheilungsstörung
  • Nervenverletzungen
  • Thrombose / Lungenembolie
  • Rezidiv / Verbleibende Beschwerden
  • Sehnenverletzung (Rissgefahr)

Prognose

Eine konservative Therapie ist in den meisten Fällen erfolgsversprechend, wenn eine ausreichende Sportkarenz eingehalten wird. Durch Tapeverbände und entlastende Orthesen sowie einer weichen Schuhsohle lassen sich Rezidive, beziehungsweise Erkrankungen, mitunter vermeiden.

Die Erfolgsrate nach operativer Therapie wird in der Literatur mit 70-90% guter und sehr guter Ergebnisse angegeben. Häufig findet aber die Sportart spezifische

Rückkehr auf einem niedrigeren sportlichen Niveau statt.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.01.2012