Die Addison-Krise

Einleitung

Die Addison-Krise ist eine gefürchtete Komplikation der Nebennierenrindeninsuffizienz. Im Allgemeinen betrachtet handelt es sich eher um ein seltenes, wenn jedoch akutes Erkrankungsbild, welches durch einen starken Mangel an Cortisol geprägt ist.

Die Addison-Krise, beziehungsweise der starke Cortisolmangel, ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der umgehender medizinischer Behandlung bedarf.

Informieren Sie sich umfassend über das Thema hier: Morbus Addison - Alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Ursachen

Die Ursache für die Addison-Krise ist der Mangel des Hormons Cortisol. Dieses wird in der Nebennierenrinde gebildet.

Bei einigen Menschen funktioniert die Produktion des Hormons nicht regelrecht. Dabei kann der Funktionsverlust durch eine Störung in der Nebenniere selbst oder in der Hirnanhangsdrüse bedingt sein. Die Hirnanhangsdrüse ist Teil des menschlichen Gehirns und beeinflusst mittels der Ausschüttung des Hormons ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) die Produktion von Cortisol in der Nebennierenrinde. Bleibt die Produktion von ACTH aus, fehlt der Nebennierenrinde das Signal zur Cortisolproduktion. Eine Addison-Krise entsteht vor allem bei Menschen, bei denen eine solche Störung vorliegt. Sie besitzen also zu wenig Cortisol, welches durch die Gabe von Cortisol in medikamentöser Form ausgeglichen werden muss.

Bei Cortisol wird auch häufig vom Stresshormon gesprochen. In Zuständen, in denen der Körper einen höheren Bedarf an Cortisol hat, reicht die vorhandene Menge dann nicht mehr aus.

Situationen, die eine Addison-Krise hervorrufen können, sind zum Beispiel

  • ein fieberhafter Infekt,
  • psychischer Stress,
  • starke körperliche Belastung,
  • Erbrechen und Durchfall,
  • starke Verletzungen
  • und Operationen.

Besonders Menschen, bei denen die Nebenniereninsuffizienz noch nicht diagnostiziert wurde, sind besonders anfällig für eine Addison-Krise. Aber auch die Patienten, bei denen bereits eine Behandlung erfolgt, können eine Addison-Krise erleiden. Dies passiert dann, wenn die zugeführte Cortisolmenge den Bedarf in Stresssituationen nicht regelrecht abdeckt.

Um die Aufgaben und die Wichtigkeit der Nebenniere zu verstehen, lesen Sie auch unseren Artikel: Die Funktion der Nebenniere.

Nach Cortisolgabe

Die Addison-Krise entsteht durch einen akuten Mangel an Cortisol, insbesondere bei Menschen, deren Nebenniere nicht mehr regelrecht Cortisol produzieren kann. Nach einer Cortisolgabe kommt es also in der Regel nicht zur Addisonkrise.

Die inkonsequente Einnahme von Cortison bei Nebennierenrindeninsuffizienz oder eine Stresssituation, die eine höhere Menge an Cortisol erfordert, kann eine Krise verursachen. Die Gabe von Cortisol gehört dann zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen, um den lebensbedrohlichen Zustand der Betroffenen abzuwenden.

Diagnose

Bereits beim Verdacht auf eine Addison-Krise ist eine sofortige Vorstellung beim Arzt oder sogar die direkte Einweisung ins Krankenhaus notwendig.

Anhaltspunkte für den Arzt liefern die typischen Symptome wie

  • Fieber,
  • Bewusstseinstrübung und
  • Blutdruckabfall im Zusammenhang mit einer bekannten Erkrankung der Nebennierenrinde oder der Hirnanhangsdrüse.

Auch können Unterzuckerung und Schock eine Addison-Krise auszeichnen.

Die regelmäßige Einnahme von Cortisol oder das plötzliche Absetzen einer Therapie können im Zusammenspiel mit der oben genannten Symptomatik ebenfalls einen Hinweis auf eine Addison Krise geben.

Sollte noch keine Insuffizienz der Nebenniere bekannt sein, kann sich die Diagnose schwieriger gestalten. Insbesondere die Bestimmung von Cortisol- und ACTH-Werte kann entscheidend zur Diagnosestellung beitragen. Weiterhin kann mit einem speziellen Test, dem ACTH-Test, die Funktion der Nebenniere gemessen werden. Dabei handelt es sich aber um eine spezielle Maßnahme, die lediglich bei dringendem Verdacht auf das Vorliegen eine Addison-Krise durchgeführt wird. Auch der Einsatz von Ultraschall und gegebenenfalls CT oder MRT können als diagnostisches Mittel zum Einsatz kommen. Dabei wird vor allem geschaut, ob die Nebenniere vergrößert ist oder vlt. ein Tumor als Ursache der Unterfunktion verantwortlich ist.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz

An folgenden Symptomen erkenne ich eine Addison-Krise

Die Addison-Krise ist durch eine Vielzahl an Symptomen gekennzeichnet. Dazu gehören unter anderem:

  • Bewusstseinstrübung,
  • erhöhte Temperatur oder Fieber,
  • Übelkeit oder Erbrechen und
  • Durchfall.

Weiterhin tritt häufig ein Blutdruckabfall auf, der bis hin zum Schockzustand des Betroffenen führen kann.

Eine Unterzuckerung bzw. in der medizinischen Fachsprache sogenannte Hypoglykämie und eine Dehydration (zu wenig Wasser im Körper) können ebenfalls im Rahmen einer Addison-Krise auftreten.

Lesen Sie auch: Die Symptome einer Unterzuckerung.

Auch kann sich eine sogenannte Pseudoperitonitis zeigen. Dabei handelt es sich um starke Schmerzen im Bauch, die normalerweise durch eine Entzündung des Bauchfells hervorgerufen werden. Bei der Addison Krise kann eine ähnliche Schmerzsymptomatik ohne das Vorhandensein einer entsprechenden Entzündung auftreten - deshalb wird auch von einer sogenannten “nicht-echten” Peritonitis oder eben Pseudoperitionits gesprochen.

Besonders die Patienten, die bereits eine Insuffizienz der Nebenniere diagnostiziert bekommen haben, sollten auf die oben genannten Symptome aufmerksam werden. Eine sofortige Vorstellung beim Arzt ist dann dringend anzuraten.

Oftmals entwickelt sich eine Addison-Krise mit ihren typischen Symptomen aber vor allem bei Menschen, die über die Unterfunktion ihrer Nebennierenrinde noch nicht in Kenntnis gesetzt sind. Die Symptome können dann schlecht von den Betroffenen in den Zusammenhang gebracht werden oder werden gegebenenfalls falsch gedeutet. Vor allem beim Auftreten der Addison-Krise bei noch nicht diagnostizierter Erkrankung kann dann eine starke Gefährdung der Betroffenen vorliegen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema unter: Die Symptome des Morbus Addison.

Therapie

Eine Addison Krise erfordert eine Notfallbehandlung des Betroffenen. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen

  • die Verabreichung von Cortisol,
  • eine Flüssigkeitssubstitution,
  • Medikamente, um den Kreislauf zu stabilisieren
  • und in manchen Fällen auch die Gabe von Sauerstoff.

Weiterhin müssen die Gründe für eine Addison-Krise abgeklärt werden. Demnach wird also eine Untersuchung der Funktion von Nebenniere und Hirnanhangsdrüse durchgeführt. Die Ursachenfindung ist wichtiger Bestandteil der Behandlung, um zukünftigen Krisensituationen wirkungsvoll entgegen steuern zu können.

Die Aufklärung über die richtige Medikamenteneinnahme und die Dosierung in Stresssituationen gehört auch zum Behandlungsablauf. Gegebenenfalls wird den Betroffenen für zukünftige Stresssituationen ein Notfall-Pen ausgehändigt. Dabei handelt es sich um eine Cortisonspritze, die in Akutsituationen von den Betroffenen selbst angewandt werden kann. Die Vorgehensweise bei der Verabreichung der Notfallmedikation wird den Betroffenen vom behandelnden Arzt genaustens erläutert.

Dauer und Prognose

Die Dauer und Prognose einer Addison-Krise kann nicht pauschal vorhergesagt werden.

Die Betroffenen werden häufig intensivmedizinisch überwacht und es kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bis der Körper sich erholt.

Die Addison-Krise kann aber, vor allem wenn sie unbehandelt bleibt oder zu spät therapiert wird, auch zum Tod der Betroffenen führen. Aus diesem Grund ist eine unmittelbare Therapieeinleitung mit spezieller intensivmedizinsicher Behandlung so enorm wichtig.

Wie gefährlich kann eine Addison-Krise werden?

Eine Addison-Krise ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Ohne Therapie würde es in der Mehrzahl der Fälle zum Versterben der Betroffenen kommen. Eine sofortige Behandlung ist deshalb enorm wichtig.

Durch die Gabe von Cortison, kreislaufstabilisierenden Medikamenten und Flüssigkeit wird versucht, den Cortisolmangel im Körper zu beheben. Die Patienten werden in der Regel in der Behandlungsphase intensivmedizinisch überwacht.

Trotz Therapiemaßnahmen, vor allem, wenn diese viel zu spät einsetzen, kann es in einigen wenigen Fällen trotzdem zum Versterben der Betroffenen kommen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 26.11.2018 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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