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Asystolie

Was ist eine Asystolie?

Der Begriff Asystolie ist ein medizinischer Fachbegriff. Er beschreibt das vollständige Fehlen einer elektrischen und mechanischen Herzaktion, das Herz steht also still. Eine Asystolie ist innerhalb weniger Minuten unbehandelt tödlich und bedarf einer sofortigen medizinischen Intervention. Eine Asystolie ist im EKG zu erkennen. Klinisch zeigt sie sich durch einen fehlenden Puls.

Ursachen einer Asystolie

In den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine primäre Asystolie. Meist geht der Asystolie ein Kammerflimmern voraus. Beim Kammerflimmern handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz aufgrund einer Störung der Erregungsleitung nicht mehr koordiniert pumpt, sondern nur noch sehr schnell flimmert. Die eigentliche Funktion des Herzens, Blut durch den Körper zu pumpen, ist hierbei nicht mehr gegeben.

Mögliche Ursachen für ein solches Kammerflimmern sind Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler und Kardiomyopathien. Doch auch andere Erkrankungen wie Elektrolytstörungen (insbesondere Kalium) oder bestimmte Medikamente und Drogen können ein Kammerflimmern auslösen.

Die Ursachen für eine Asystolie zu nennen, ist so nicht möglich. Dies hat damit zu tun, dass jeder sterbende Patient zum Zeitpunkt seines Todes eine Asystolie vorweist. Die Asystolie ist also immer und bei jedem sterbenden Menschen in der letzten Phase im EKG zu sehen.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema: Herzklappenerkrankungen

Diagnose

Eine Asystolie ist eine Diagnose die anhand des EKGs gestellt wird. Sie zeigt sich hier durch eine Nulllinie. Diese kommt durch das Fehlen jeglicher elektrischer oder mechanischer Aktivität des Herzens zustande. Klinisch zeigt sich eine Asystolie durch einen fehlenden Herzschlag und somit auch einen fehlenden Puls. Das Tasten des Pulses kann am Handgelenk, in der Leiste, am Hals und an zahlreichen anderen Regionen erfolgen. In der aktuellen Reanimationsleitlinie wird jedoch das Tasten des Pulses in einer Reanimationssituation nicht empfohlen, da es bei einigen Patienten länger dauern kann, den Puls zu finden und da das Tasten des Pulses in der Akutsituation nicht ausreichend verlässlich ist.

Lesen Sie hier mehr zum dem Thema: EKG

Wie sieht eine Asystolie im EKG aus?

Eine Asystolie zeigt sich im EKG durch eine sogenannte Nulllinie. Das heißt, dass im EKG eine waagerechte Linie verläuft, wo normalerweise Zacken und Kurven zu sehen sind.

Wie sieht eine drohende Asystolie im EKG aus?

Eine drohende Asystolie gibt es nicht. Viele Patienten erleiden vor der Asystolie allerdings ein Kammerflimmern. Dies zeigt sich durch unkoordinierte, schnelle, unregelmäßige Flimmerwellen im EKG.

Begleitende Symptome

Bei einer Asystolie ist der betroffene Mensch bewusstlos. Die Atmung hat ausgesetzt und es ist kein Puls tastbar, da das Herz nicht mehr schlägt. Die Bewusstlosigkeit tritt nach wenigen Sekunden der Asystolie ein. Eventuell verspürt der Patient im Moment des Einsetzens der Asystolie noch schwindelähnliche Symptome. Es kommt dann zu einer Synkope, also einem Sturz aufgrund einer plötzlichen Bewusstlosigkeit.  

Behandlung und Reanimation

Die einzig zielführende Behandlung bei einer Asystolie ist der Versuch einer Reanimation. Gerade wenn ein Patient sich aktuell in stationärer Behandlung befindet, älter ist und andere schwere Grunderkrankungen hat, sollte möglichst immer zu Beginn mit dem Patienten und den Angehörigen über die Möglichkeit des Eintretens einer solchen Situation gesprochen werden. Hierbei müssen Wünsche von Angehörigen und Patienten betrachtet werden. Nicht alle Patienten wünschen eine Reanimation. Spricht sich ein Patient im Vorhinein gegen eine Reanimation aus, so darf diese – im Falle der Fälle – nicht durchgeführt werden.

Das Vorgehen bei einer Reanimation unterscheidet sich je nachdem, ob ein Kammerflimmern oder eine Asystolie vorliegt. Vor Beginn der Reanimation muss geprüft werden, ob der Patient ansprechbar ist oder atmet, dann ist eine Reanimation nicht notwendig. Bei einer Laienreanimation ist es essentiell, dass vor Beginn der Reanimation ein Hilferuf über die 112 abgesetzt wird. Im Idealfall sind mehrere Menschen vor Ort, sodass einer mit der Reanimation beginnen kann, während der Andere den Notruf absetzt.

Bei einer Reanimation unterscheidet man die Herzdruckmassage mit Beatmung und die Defibrillation. Die Herzdruckmassage wird 30 Mal mit einer Frequenz von etwa 100/min durchgeführt, dann wird 2 Mal beatmet. Die Herzdruckmassage ist dabei wichtiger als die Beatmung, diese kann durch Laien auch weggelassen werden. Die Defibrillation erfolgt mit einem entsprechenden Gerät (AED = automatischer externer Defibrillator für Laien oder Fachequipment). Eine Defibrillation, also Schockabgabe, erfolgt jedoch nur dann, wenn das angelegte EKG Kammerflimmern zeigt, nicht bei einer Asystolie. Bei einer Asystolie besteht die Reanimation aus Herzdruckmassage- und Beatmungszyklen von jeweils 30:2. In regelmäßigen Abständen erfolgt über das EKG eine Rhythmuskontrolle. Liegt weiterhin eine Asystolie vor, wird diese Art der Reanimation fortgeführt. Springt die Asystolie in ein Kammerflimmern um, erfolgt eine Defibrillation. Kehrt der Normalrhythmus zurück, sollte nach einem vorhandenen Puls getastet und der Patient angesprochen werden.

Generell wird bei einer Reanimation durch Fachpersonal sofort ein venöser Zugang gelegt, die Reanimation darf hierdurch jedoch nicht wesentlich verzögert werden. Bei einer Asystolie wird sofort Adrenalin gespritzt. Dies wird alle 3-5 Minuten wiederholt. Bei einer Reanimation durch Fachpersonal erfolgt außerdem eine Sicherung der Atemwege. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Intubation ist nach wie vor Goldstandard, jedoch heutzutage nicht mehr zwangsläufig nötig, da es weitere Möglichkeiten für eine suffiziente Atemwegssicherung gibt (Larynxtubus, Combitubus, Larynxmaske).

Die Reanimation ist erfolgreich, wenn man eine Wiedererlangung des Kreislaufs erreicht.

Hier finden Sie nähere Informationen zu den Themen: Reanimation und Defibrillator 

Wer braucht einen Defibrillator?

Während der Reanimation brauchen nur Patienten mit einem Kammerflimmern eine Defibrillation. Patienten mit einer Asystolie profitieren von einer Defibrillation nicht. Nach einem überlebten Herzstillstand ist es eine wichtige Frage, ob ein Defibrillator implantiert werden sollte. Dies ist insofern wichtig, als dass die Wahrscheinlichkeit, einen erneuten Herzstillstand zu erleiden, bei Patienten die bereits einen solchen erlitten haben, deutlich erhöht ist.

Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) kann lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) erkennen und eingreifen. Entwickelt ein Patient, der einen ICD hat, plötzlich eine Asystolie, so kann der implantierte Schrittmacher jedoch nicht helfen, da eine Schockabgabe bei vollständig fehlender Herzaktivität keinen Nutzen bringt. Dass primär eine Asystolie auftritt, ist jedoch eher selten. Häufiger entsteht erst ein Kammerflimmern. Dieses kann durch einen Defibrillator beendet werden. Die Indikation zur Implantation eines implantierbaren Defibrillators kann bei folgenden Erkrankungen gegeben sein:

- Zustand nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand

- Zustand nach einer tachykarden ventrikulären Herzrhythmusstörung (Herzrhythmusstörung mit zu schneller Herzkammeraktion)

- verschiedene Formen der Kardiomyopathie

- koronare Herzkrankheit / Zustand nach Herzinfarkt

- Herzinsuffizienz mit einer Auswurfleistung des Herzens (EF) unter 35%

- verschiedene Herzrhythmusstörungen (Long-QT-Syndrom, Brugada-Syndrom)

Finden Sie hier weiter Informationen zum Thema: Herzrhythmusstörungen

Dauer und Prognose einer Asystolie

Die Prognose einer Asystolie ist schlecht. Eine über länger als einige Sekunden andauernde Asystolie führt zur Bewusstlosigkeit. Hält sie weiter an, so werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Eine länger andauernde Asystolie führt immer zum Tod. Eine Asystolie die über Minuten angedauert hat, aber durch eine erfolgreiche Reanimation beendet werden konnte, birgt das große Risiko von bleibenden Hirnschäden aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns. Es gibt jedoch auch Patienten, die bei einer Asystolie erfolgreich reanimiert werden können und keine bleibenden Schäden zurückbehalten.

Die Prognose ist unter anderem maßgeblich davon abhängig, wie schnell Reanimationsmaßnahmen eingeleitet werden. Daher kommt der Laienreanimation eine ausgesprochen wichtige Bedeutung zu. Wird erst mit Eintreffen des Notarztes begonnen zu reanimieren, sind die Chancen, dass die Reanimation erfolgreich verläuft, schon deutlich kleiner als wenn zuvor eine suffiziente Laienreanimation vorgenommen wurde.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist fulminant. Eine Asystolie führt innerhalb von Minuten zu einer schwerwiegenden Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Eine unbehandelte Asystolie ist binnen weniger Minuten tödlich.

Was ist der Unterschied zu Kammerflimmern?

Bei Kammerflimmern handelt es sich um eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Hierbei schlägt das Herz aufgrund einer unkontrollierten Erregungsausbreitung im Herzen derart schnell, dass es nicht mehr adäquat pumpen kann, sondern nur noch flimmert. Unbehandelt führt ein Kammerflimmern, das sich nicht selbst limitiert, zum Tod. Ein Kammerflimmern geht nicht selten in eine Asystolie über.

Bei einer Asystolie arbeitet das Herz – im Gegensatz zum Kammerflimmern – gar nicht mehr. Eine Asystolie ist also ein Herzstillstand. Die beiden Störungen sind klinisch kaum zu unterscheiden. In beiden Fällen ist der Patient bewusstlos und nicht ansprechbar. Ein Puls ist nicht tastbar. Im EKG zeigt sich ein Kammerflimmern durch unkoordinierte und unregelmäßige Flimmerwellen. Bei der Asystolie zeigt das EKG eine Nulllinie. Beide Störungen des Herzens bedürfen einer umgehenden Therapie (Reanimation) da sie sonst meist tödlich enden.

Während die Asystolie mittels Adrenalingabe und Herzdruckmassage sowie Beatmung behandelt werden muss, bedarf es bei Kammerflimmern neben der Herzdruckmassage und Beatmung einer Defibrillation, um das Herz wieder in den richtigen Rhythmus zu bringen. Beim Kammerflimmern kommt neben Adrenalin auch Amiodaron zum Einsatz.

 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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