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Goodpasture- Syndrom

Einleitung

Das Goodpasture-Syndrom, auf Englisch anti-glomerular basement membrane (GBM) disease/anti-GBM disease, ist eine von zahlreichen heftigen, zum Glück aber nur selten vorkommenden Autoimmunerkrankungen. Bei Autoimmunkrankheiten bildet der eigene Körper Antikörper, also eigentlich „gute Abwehrstoffe“ unseres körpereigenen Immunsystems, gegen körpereigene Strukturen oder Zellen. Normalerweise werden diese Antikörper erst gebildet, nachdem der Mensch in Kontakt mit einem für den Körper fremden Stoff gekommen ist, diesen auch dank seiner unbekannten Oberflächenstrukturen als solchen erkannt hat und daraufhin die körpereigenen Abwehrzellen aktiviert. Diese werden dann ganz gezielt auf diesen einen Typ von Fremdstoff und damit potentiellen Krankheitserreger hin gebildet und geprägt. Sie können also nur diesen Typ erkennen und sind ansonsten harmlos, schaden unserem Körper also nicht weiter. Wenn es nun aber dazu kommt, dass der Körper ihm eigentlich vertraute körpereigene Strukturen plötzlich oder auch allmählich nicht mehr als zu ihm gehörig erkennt, stuft er diese ebenfalls als Fremdkörper ein und beginnt sie auch als solche zu behandeln. Was folgt, ist ebenfalls die eigentlich ganz normale und zum Überleben notwendige kaskadenartige Abwehrreaktion des Körpers - nur werden jetzt körpereigene Strukturen angegriffen und bekämpft.

Ursachen des Goodpasture-Syndroms

Die Ausbildung einer Autoimmunkrankheit kann vielfältigste Ursachen haben. Es gibt zum Beispiel gewisse genetisch bedingte und damit vererbbare Autoimmunkrankheiten. Andere sind erworben, etwa durch eine früher durchgemachte Infektion mit Bakterien oder Viren. Wieder andere können auch durch toxische Stoffe, mit denen man in Kontakt gekommen ist, ausgelöst werden. Nicht zuletzt ist es allerdings in einer Vielzahl der Fälle einfach unklar und es kann kein weiterer Auslöser ermittelt werden.

Beim Goodpasture Syndrom sind die Ursachen völlig unklar, man vermutet allerdings, dass es sich um eine Reihe von auslösenden Faktoren handelt, die zusammenwirken. Offenbar spielen die Vorerkrankungen der Patienten eine wichtige Rolle, zum Beispiel die Grippe (wie es beim Patienten der Erstbeschreibung im Jahre 1919 durch den US-amerikanischen Pathologen Ernest Goodpasture (17.Oktober 1886 bis 20. September 1960) der Fall war, auch hier war es die eine vorherige Influenza-Infektion). Außerdem wurden Zusammenhänge mit der Lungentuberkulose beschrieben. Beim Goodpasture-Syndrom werden nämlich im Rahmen einer allergisch-hyperergen Typ-2-Reaktion Autoantikörper (größtenteils IgG1 und IgG4, in 1/3 der Fälle aber auch IgA und IgM) speziell gegen das Typ-IV-Kollagen in den Basalmembranen der Glomeruli (den kleinsten Einheiten der Niere, den sogenannten Nierenkörperchen), die ebenfalls in den Lungen vorkommen, gebildet. So ist zu erklären, dass es durch die selben Autoantikörper zur Zerstörung der Basalmembranen sowohl der Lunge als auch der Nieren kommt. In den Lungen führt das zu Blutungen in das Lungengewebe selbst hinein und zu blutigem Hustenauswurf. In den Nieren tritt Blut in den (Primär-) Harn über und es kommt zur Hämaturie.

Beim Goodpasture-Syndrom nun beginnt der Körper, Antikörper gegen die Basalmembran (welche daher als Anti-GBM Antikörper bezeichnet werden) zu bilden was dann letztendlich zu einer schweren Schädigung der Nieren und Lungen führt. Durch die Nierenbeteiligung kann es früher oder später passieren, dass der/die Betroffene eine Hämaturie entwickelt, also Blut im Urin zu finden ist, und an Hypertonie leidet (da die Niere ein wesentlicher Bestandteil im menschlichen Blutkreislauf-Regulationssystem ist).

Diagnose

Beim Goodpasture-Syndrom nun beginnt der Körper, Antikörper gegen die Basalmembran (welche daher als Anti-GBM Antikörper bezeichnet werden) zu bilden was dann letztendlich zu einer schweren Schädigung der Nieren und Lungen führt. Durch die Nierenbeteiligung kann es früher oder später passieren, dass der/die Betroffene eine Hämaturie entwickelt, also Blut im Urin zu finden ist, und an Hypertonie leidet (da die Niere ein wesentlicher Bestandteil im menschlichen Blutkreislauf-Regulationssystem ist).

Diagnostiziert wird das Goodpasture-Syndrom über den laborchemischen Nachweis von Antibasalmembran-Antikörpern und Immunglobulin-Ablagerungen auf Basalmembranen der Glomerula, welche man in einer Nierenbiopsie einer oder auch beiden Nieren entnimmt.

Behandlung

Die Grundlage der Behandlung des Goodpasture-Syndroms besteht in der Gabe von Immunsuppressiva, (wie zum Beispiel Cyclophosphamid) und Glukokortikoiden (also Cortison) und einem Plasmaaustausch („Plasmapherese“), um die zirkulierenden Antikörper zu entfernen. Das Überleben nach 1 Jahr beträgt in einer britischen retrospektiven 100% und das Überleben der Nieren 95%.

Eine wirkungsvolle Ergänzung der Behandlung besteht nach neueren Erkenntnissen in Antikörpern, die in das immunologische Geschehen eingreifen. Der Antikörper Rituximab (MabThera®) gegen ein Oberflächenantigen der B-Lymphozyten und Prä-B-Lymphozyten führt offenbar zu einer signifikanten Verbesserung der Langzeitprognose.

Häufigkeit

Das Goodpasture-Syndrom ist, wie alle Autoimmunerkrankungen, eine sehr selten vorkommende Krankheit. Es wird geschätzt, dass auf etwa 1 Million Einwohner 1 am Goodpasture-Syndrom Erkrankter kommt. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen. Das Alter der Patienten ist dabei sehr variabel, es werden Fälle von ab 10 bis 90 Jahren berichtet. Die Erkrankungsgipfel, also das Alter, in dem die meisten Patienten daran erkrankten, befinden sich bei um die 30 und um die 60 Jahre (bei den 60-Jährigen handelt es sich vielfach um Frauen, die bereits einmal zuvor in ihrem Leben mit einer Nierenerkrankung auffällig wurden). Laut einer chinesischen Studie zum Goodpasture-Syndrom haben die älteren Patienten zumeist einen etwas milderen Verlauf des Goodpasture-Syndroms.

Verlauf der Erkrankung

Zu Beginn der Erkrankung sind noch kaum oder nur sehr wenige Autoantikörper vorhanden und daher sind die Symptome auch eher dezent. Im Urintest kann man bereits eine leichte Mikrohämaturie feststellen (das heißt, dass sich bereits Blut im Urin befindet, allerdings in so geringen Konzentrationen, dass es mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen wäre, sondern nur mit Hilfe von speziellen Urinteststeifen diagnostiziert werden kann). Durch die beginnende Nierenschädigung kann es zu einer renalen Hypertonie kommen, einem durch die eingeschränkte Nierenfunktion verursachten Bluthochdruck, der dann seinerseits wiederum Symptome und Komplikationen verursachen kann. In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass eine ausführliche Diagnostik erst dann eingeleitet wird, wenn das Goodpasture-Syndrom sich bereits in fortgeschrittenem Stadium befindet und der Patient an Bluthusten leidet und das Blut im Urin auch für das menschliche Auge gut sichtbar ist.

Diese zwei Merkmale-das Bluthusten und das Blut im Urin- sollten einen erfahrenen Arzt auch umgehend an das Goodpasture-Syndrom denken lassen, vor allem, wenn das Nierenversagen rasch voranschreitend ist.

Die Nierenbiospie (die Entnahme von kleinen Proben aus der Niere in einem kleinen chirurgischen Eingriff) kann am sichersten zur Diagnosestellung eines Goodpasture-Syndrom genutzt werden. In der ins histologische Labor eingesendeten Nierenprobe kann dann eine rapid progressiv Glomerulonephritis festgestellt werden. In der direkten Immunfluoreszenz (eine weitere Untersuchungsmöglichkeit der Ärzte in einem histologischen Labor) mit fluoreszierenden Antikörpern gegen menschliches Immunglobulin findet man eine lineare Fluoreszenz an der glomerulären Basalmembran (quasi der „Grundplatte“ des Nierengewebes). In selteneren Fällen dominiert eine rasch fortschreitende Niereninsuffizienz ohne dass bis dahin Bluthusten aufgetreten ist. Unter den aus der Blutentnahme analysierten Laborwerten steigen die Nierenwerte rasch und stark an und kann man außerdem zirkulierende Anti-GBM Antikörper nachweisen. Der Schweregrad der Symptome, an denen der Patient zu leiden hat, ist abhängig von der Menge der im Körper gebildeten Antikörper. Setzt der Bluthusten ein, ist bereits ein fortgeschrittenes Stadium des Goodpasture-Syndroms erreicht und eine sofortige Diagnose und Therapieeinleitung ist von äußerster Wichtigkeit. Bei einem foudroianten (= sehr stürmisch) Verlauf der Erkrankung treten innerhalb kurzer Zeit auch noch eine Atmen-Insuffizienz und eine Niereninsuffizienz auf. Durch den Blutverlust über den Urin entwickeln die Patienten eine schwere Anämie (eine Blutarmut). Dadurch, dass die Nieren mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, werden die Hypertonie und die Niereninsuffizienz immer ausgeprägter.

Zu früheren Zeiten verlief eine Erkrankung wie das Goodpasture-Syndrom stets tödlich. Heute ist es jedoch, dank den modernen Methoden und Möglichkeiten der heutigen Medizin, möglich, zumindest die Lungenbeteiligung gut therapieren zu können. Die Nieren jedoch sind, einmal insuffizient geworden, nicht wieder zu heilen, sodass eine Nierenersatztherapie, also eine Dialyse, oder auch eine Nierentransplantation in Erwägung gezogen werden muss.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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