Selbstbehandlung eines Lagerungsschwindels

Medikamentöse Behandlungsversuche, chirotherapeutische Maßnahmen an der Halswirbelsäule und Akupunktur haben sich bei der Behandlung des gutartigen Lagerungsschwindel als im wesentlichen unwirksam erwiesen.
Verschlimmerung oder sogar Chronifizierung können eintreten, wenn die Betroffenen automatisch jede schwindelauslösende Bewegung vermeiden.

Die Selbstbehandlungsmöglichkeiten (Lagerungsübungen oder Befreiungsmanöver) ergeben sich aus dem Entstehungsmechanismus des gutartigen Lagerungsschwindels.
Zwei (Eplay- und Semont Manöver, beide Manöver sind geeignet, um Störungen im hinteren Bogengang zu behandeln) von drei bekannten Lagerungsmanövern in der Behandlung versprechen eine hohe Wirksamkeit mit gutem Therapieerfolg.

Einem Großteil der Betroffenen kann mit nur wenigen Behandlungen (1-7) geholfen werden, vor allem wenn zusätzlich ein Eigenübungsprogramm (Selbstbehandlung = Verbesserung der Heilungschancen um das Dreifache) regelmäßig durchgeführt wird.

Vor dem Durchführen der Lagerungsmanöver muss das betroffene Ohr diagnostiziert werden.

Die Durchführung des Eigenübungsprogrammes (Selbstbehandlung) sollte regelmäßig der/m Physiotherapeutin/en oder der/m Ärztin/Arzt vorgeführt und kontrolliert werden. Heilungschancen werden in den unterschiedlichen Studien zwischen 60 und 90% angegeben.

Lesen Sie hierzu auch unseren allgemeinen Artikel: Schwindeltraining

Eplay-Manöver

Ziel des Eplay Manövers ist es, die kleinen Salzkristalle wieder aus dem hinteren Bogengang heraus zu schwemmen.

Wichtig
Bevor der Patient das Lagerungsmanöver durchführen soll, ist eine Information über auftretende Schwindelreaktionen während der Übung und die praktische Demonstration durch den Physiotherapeuten unerlässlich.

Ausgangsstellung:
Der Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen auf einer Bank oder auf dem Bett, der Kopf wird zur betroffenen Ohrenseite gedreht.

Übungsausführung
Unter Beibehaltung der Kopfposition lässt sich die/der Patient/in schnell auf den Rücken fallen. Die Schultern liegen auf einem Kissen, so dass der Kopf leicht überstreckt ist. ca. 20-30 sec. warten. Im Liegen dreht sie/er zuerst den Kopf zur Gegenseite, danach den gesamten Körper. Nun ca. 20-30 sec. warten. Wenn der Schwindel vorüber ist, richtet er sich über die andere Seite wieder zum Sitzen auf. Entscheidend für die Wirksamkeit der Übung ist die korrekte Beibehaltung der Kopfposition.

Diese Bewegungsfolge sollte 3 mal täglich je 3 mal hintereinander in Selbstbehandlung ausgeführt werden. Dabei kann der bekannte Lagerungsschwindel ausgelöst werden. Nach den Übungsfolgen sollte der Patient in den nächsten 48 Std. nicht flach, sondern mit erhöhtem Oberkörper schlafen, damit die Otholiten nicht wieder in den Bogengang zurückrutschen. Wenn 24 Std. lang weder beim Üben noch im Alltag Schwindel oder Nystagmen aufgetreten sind, beenden Sie die Übungen.
Eine andere Beschreibung der Übungen finden sie hier.

Semont-Manöver

Wenn die Durchführung des Epley -Manövers nicht zum gewünschten Therapieerfolg führt, kann stattdessen das Semont-Manöver versucht werden.

Ziel des Semont- Manövers ist es ebenfalls, wie beim Eplay-Manöver die kleinen Salzkristalle durch eine gegenläufige Bewegung wieder aus dem hinteren Bogengang heraus zu schwemmen.
Bevor der Patient das Lagerungsmanöver durchführen soll, ist eine Information über auftretende Schwindelreaktionen während der Übung und die praktische Demonstration durch den Physiotherapeuten sinnvoll.

Ausgangsstellung
Der Patient sitzt in der Mitte einer Bank, einer Couch oder eines Bettes, der Kopf wird zur gesunden Seite um ca. 45° gedreht

Übungsausführung: Es erfolgt eine schnelle Lagerung auf die Gegenseite (betroffene Seite, Gesicht nach oben), dabei werden der Schwindel und der Nystagmus provoziert.

- ca. 3 min. abwarten-

Nach Abklingen des Schwindels sollte sich der Patient unter Beibehaltung der Kopfposition (Kopf weiterhin zur gesunden Seite gedreht)mit Schwung auf die andere Körperseite umdrehen. Schwindelattacke und Nystagmus werden erneut abgewartet, nach ca. 3 Minuten kann sich der Patient unter Beibehaltung der Kopfposition wieder langsam aufsetzen.

Auch diese Bewegungsfolge sollte 3 mal täglich 3mal hintereinander in Selbstbehandlung ausgeführt werden. Dabei kann der bekannte Lagerungsschwindel ausgelöst werden. Auch nach diesen Übungsfolgen sollte der Patient in den nächsten 48 Stunden nicht flach sondern mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen, damit die Salzkristalle nicht wieder in den Bogengang zurückrutschen. Wenn 24 Stunden lang weder beim Üben, noch im Alltag Schwindel oder Nystagmus aufgetreten ist, beenden Sie die Übungen.
Für eine andere Beschreibung der Übungen lesen sie auch den Artikel: Lagerungsschwindel Übungen

Kontraindikationen für das Eplay- oder Semont Manöver

Wann darf das Eplay- oder Semont Manöver nicht angewendet werden:

Wichtige Zusammenfassung

Die Übungen regelmäßig vom Therapeuten oder Arzt kontrollieren lassen!

Weiterüben (Selbstbehandlung), auch wenn zu Beginn der Schwindel wieder auftritt!

Viel Bewegung, auch wenn der Schwindel Angst auslöst!

Ruhe schadet!

Medikamente möglichst vermeiden, wenn unbedingt notwendig, dann nur kurzfristig!

Weitere Informationen zum Thema

Mehr zum Lagerungsschwindel finden Sie unter:

Autor: Carla Hötte-Schumacher
Veröffentlicht: 24.06.2012 - Letzte Änderung: 30.06.2021
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