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Ursachen eines Lagerungsschwindels

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr steuert die Wahrnehmung der Körperstellung im Raum und sorgt dafür, dass wir uns in einer stabilen, aufrechten Körperhaltung befinden.
Grundlage des gutartigen Lagerungsschwindels ist die Ablösung und das Rutschen von kleinsten Salzkristallen (Absprengsel von Otholithen, Calziumcarbonatkristalle) in die Bogengänge (bei 80% -90% der Betroffenen in den hinteren Bogengang) des Innenohrs.
Warum sich diese Salzkristalle ablösen, ist noch nicht 100prozentig nachgewiesen.

Gesichert ist, dass dieser Vorgang Teil des normalen Alterungsprozesses ist, allerdings kann dieser Prozess in seltenen Fällen auch schon bei Kindern nachgewiesen werden.

Andere mögliche Faktoren als Ursache des Lagerungsschwindels sind:

  • Unfälle
    oder
  • Entzündungen
    und
  • Operationen

im Innenohr.
Bei entsprechenden Kopfbewegungen rutschen diese abgelösten, kleinen Partikel im Bogengang hin und her. Durch diese Bewegungen werden kleinste Fühler (Rezeptoren) im Bogengang gereizt, die dem Gehirn widersprüchliche Informationen melden.
Das Gehirn bekommt einerseits Meldung über eine Bewegung aus dem Gleichgewichtsorgan, die andererseits nicht mit dem aktuellem Lagerungsempfinden (Gleichgewichtssinn) und dem Sehen (visueller Eindurck) übereinstimmt.
Das Ergebnis ist ein so genannter vestibulärer Mismatch („Durcheinander“ im Gleichgewichtsorgen), welches den Schwindel auslöst. Auf die gleiche Art und Weise, wie die Salzkristalle über die schnelle Kopfbewegung in die Bogengänge wandern und so die Schwindelattacke auslösen, können sie auch wieder heraus befördert werden. Diese Tatsache wird in Test und Behandlung zu Nutze gemacht.

Lagerungsschwindel durch Stress

Auch Stress kann eine Ursache für Lagerungsschwindel sein.
Er kann in belastenden Situationen, wie zum Beispiel vor einer wichtigen Prüfung oder einem wichtigen Auftritt, bei zu großer Arbeitsbelastung, oder auch beim Befinden in großen Menschenmengen auftreten.

Auch der Tod eines Nahestehenden kann zu einer zu belastenden Situation werden, und mit Schwindel und Ohnmachtgefühl einhergehen. Oftmals hilft der Schwindel Betroffenen dabei sich unbewusst für einen Moment der belastenden Situation durch den Schwindel zu entziehen.
Betroffene entwickeln neben Schwindelattacken und Ohnmachtsgefühl, zusätzlich häufig auch Migräneattacken und Depressionen. Um eine Chronifizierung des Schwindels zu umgehen, helfen vor allem früh entspannende Methoden, wie Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training.
Der Betroffene lernt dabei die Signale seines Körpers besser zu deuten und besser damit umzugehen. Auch Psychotherapie kann helfen, zu Grunde liegende Konflikte zu lösen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel durch Stress

psychogene Ursachen des Schwindels

Viele Schwindelarten können durch psychischen Stress oder auch im Rahmen von psychischen Erkrankungen, wie Depression, Angststörungen oder Psychosen auftreten und durch diese verstärkt werden.
Der Psychogene Schwindel wird meist als diffus beschrieben, geht mit Stand- und Gangunsicherheiten, sowie mit Fallneigung einher. Am häufigsten handelt es sich hierbei um einen phobischen Schwankschwindel, der oft bei Angststörungen oder Depressionen auftritt.

Hierbei kommt es in belastenden Situationen (zum Beispiel hohe Arbeitsbelastung, partnerschaftliche Konflikte oder das Aufhalten in großen Menschenmengen) zu einem starken Schwankgefühl und zu Benommenheit.
Oft kann der psychogene Schwindel mit Kreislaufreaktionen einhergehen, wie mit Herzrasen, Luftnot und Ohnmachtsgefühl. Übelkeit und Erbrechen sind eher selten. Bei Frauen tritt der psychogene Schwindel vor allem zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, bei Männern eher zwischen dem 40.-50. Lebensjahr.

Meistens liegt dem psychogenen Schwindel keine organische Ursache zu Grunde. Doch die Angst der Patienten, vor der nächsten Schwindelattacke, führt zu Zurückgezogenheit und zu einer Verstärkung ihrer psychischen Erkrankung.
Oft trauen sich die Patienten dann gar nicht mehr aus dem Haus, meiden jegliche Auslöser ihrer Schwindelanfälle und steigern sich krankhaft in ihre Angst hinein. Therapeutisch hilft hier vor allem eine Verhaltenstherapie, in der zusammen mit dem Therapeuten die Ursache für den Schwindel angegangen wird, sowie Verhaltensmaßnahmen besprochen werden, um einer nächsten Schwindelattacke zu begegnen.

Formen des Lagerungsschwindels

Gutartiger Lagerungsschwindel

Beim Lagerungsschwindel unterscheidet man zwischen dem gutartigen Lagerungsschwindel und dem bösartigen Lagerungsschwindel. Der gutartige Lagerungsschwindel ist zwar sehr unangenehm für den Betroffenen, aber an sich harmlos.
Ursache ist meist eine Ablösung der Otholithen (kleine Ohrsteine) von den Gleichgewichtsorganen. Wenn die Steinchen in die Bogengänge geraten, irritieren sie dort das Gleichgewichtsorgan und es kommt zum plötzlichen Schwindel.

Meist tritt der Schwindel anfallsweise und bei Lageveränderungen des Kopfes auf, wie zum Beispiel beim Umdrehen, Bücken oder beim Aufstehen aus dem Bett. Therapeutisch können Lagerungsübungen helfen, worunter es zu einer Besserung bis Ausheilung der Erkrankung kommen kann.
Der Lagerungsschwindel sollte auf jeden Fall HNO-ärztlich und neurologisch abgeklärt werden.

Bösartiger Lagerungsschwindel

Beim bösartigen Lagerungsschwindel, liegt die Ursache für den Schwindel nicht im Innenohr, wie beim gutartigen Lagerungsschwindel, sondern im zentralen Nervensystem.
Ursachen können Erkrankungen des Hirnstamms oder des Kleinhirns sein, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Einblutungen ins Hirnbereiche, ein Hirninfarkt oder ein Tumor.
Auch hier kommt es, wie beim gutartigen Lagerungsschwindel, zu Schwindel und Übelkeit, wenn man bestimmte Kopfpositionen einnimmt. Genauere Ursachen sollten von einem Neurologen untersucht werden.

Diagnose des Lagerungsschwindels

Anamnese:
Beim Erheben der Vorgeschichte erfragt der/die Physiotherapeut/in oder Arzt die für den gutartigen Lagerungsschwindel typische Symptomatik.

Wichtig für das Einschätzen des Krankheitsbildes und die Behandlung sind Informationen von:

  • täglichen Aktivitäten
  • Sturzneigung
    und
  • der Beeinträchtigung von Alltag und Beruf

durch den Schwindel.Da der schwindelauslösende Prozess im Innenohr durch den Alterungsvorgang häufiger auftritt, sind überwiegend ältere (selten vor dem 35.Lebensjahr) Menschen von der Problematik betroffen.Schwindelattacken sind in hohem Maße angstauslösend und führen insbesondere bei älteren Patienten zu reduzierten Alltagsaktivitäten und Stürzen mit folgenschweren Komplikationen, die zu weiteren Einschränkungen der Lebensqualität führen können.Entsprechend der der betroffenen Altersstruktur treten verschiedene Begleiterkrankungen gehäuft auf, die entweder auf eine andere Ursache des Schwindels hinweisen, oder eine Kontraindikation für die Therapie darstellen.Dazu zählen:

Die in der Anfangsbefragung erhobenen Informationen (besonders der Ursachen) über das Beschwerdebild und die Beeinträchtigungen des Alltags dienen im Schlussbefund als Maßstab für den Erfolg der Therapie.

Dix-Hallpike Test = Provokationsmanöver

Der Dix-Hallpike Test, ist bei bestehender Symptomatik ein aussagekräftiger Test zur Überprüfung des gutartigen Lagerungsschwindels, wenn die Ursache im hinteren Bogengang liegt.
Vor Durchführung des Tests (Schwindelprovokation) sollte der Patienten über den Ablauf und die Auswirkungen des Tests eingehend informiert werden. Nur so lässt sich vertrauensvolle Mitarbeit erreichen. Durch schnelle Kopfdrehung um 45° und rasches Hinlegen des Patienten auf eine Bank in Rückenlage mit Kopfüberhang werden die typischen Schwindelsymptome, die Augenbewegungen und eventuelle Übelkeit ausgelöst.
Die Symptome beginnen ca. 10sec. nach Drehen des Kopfes und sind abhängig von der Geschwindigkeit der induzierten Bewegung. Der Patient muss die Symptomatik in ihrer verschiedenen Intensität (Beginn, Steigerung, Abschwellen des Schwindels und der Übelkeit) beschreiben, der Therapeut begutachtet die Augenbewegungen nach Kopfdrehung und Hinlegen.
Nach Abklingen der Symptomatik wird der Patient langsam wieder aufgesetzt. Bei mehrfacher Wiederholung der Lagerungsprobe erschöpft sich die Symptomatik.

Weitere Informationen zum Thema

Mehr zum Lagerungsschwindel finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Carla Hötte-Schumacher      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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