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Schmerzen am Sitzbeinhöcker

Definition

Das Sitzbein (Os ischii) ist einer von drei Knochen, die das Hüftbein bilden. Das Sitzbein verdickt sich nach unten hin zum Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum). Dieser dient zum einen als tiefster Punkt des knöchernen Beckens als Auflagepunkt. Zum anderen haben hier viele Hüft- und Oberschenkelmuskeln ihren Ursprung. Außerdem geht vom Sitzbeinhöcker ein das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk stabilisierendes Band (Ligamentum sacrotuberale) aus, das verhindert, dass die Hüfte – genauer das Kreuzbein - nach hinten kippt.

Weiterhin geht vom Sitzbein das sogenannte Ligamentum ischiofemorale aus, welches vom Sitzbein zum Oberschenkelknochen (Femur) zieht. Dieses Band ist zuständig für die Begrenzung der Beininnenrotation sowie Streckung des Beines nach hinten. Da diese Strukturen gereizt, überdehnt oder gar verletzt werden können, kann es in diesem Bereich – je nach betroffener Struktur – zu Schmerzen kommen. Häufig treten diese nach der Ausführung ungewohnter Sportarten auf.

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Ursache

Zum einen kann der Knochen durch Überbeanspruchung oder Stürze verletzt werden. Der Knochen kann zum Beispiel brechen oder angebrochen sein und dadurch Schmerzen verursachen. Auch eine Entzündung des Knochengewebes kann Schmerzen am Sitzbein verursachen. Eine Entzündung des Knochens kann zum Beispiel durch zu langes Sitzen, wie es bei Bürojobs typisch ist, ausgelöst werden. In sehr seltenen Fällen können Tumore für Entzündungen oder Brüchigkeit des Knochens sorgen.

Hauptsächlich entzünden sich allerdings die zahlreichen Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Sehnenansätze, die vom Sitzbein oder Sitzbeinhöcker ausgehen, wobei Sehnen häufiger betroffen sind als Muskeln. Eine Zerrung oder ein Muskelfaserriss können ebenfalls zu Schmerzen führen. Werden Muskeln, Sehnen und Bänder vor dem Sport nicht richtig aufgewärmt, ist die Verletzungsgefahr generell größer. Auch wenn Sportarten ausgeführt werden, die man nicht gewohnt ist und welche zu anstrengend für die bestehende Kondition sind, können Zerrungen und Verletzungen leichter entstehen. Weiterhin verlaufen viele Gefäße und Nerven in der Nähe oder durch Knochenlücken des Sitzbeins hindurch. Auch diese Strukturen können gereizt werden und Schmerzen verursachen.

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Bizepssehnentendinitis

Der Sitzbeinhöcker bildet den untersten Teil des knöchernen Beckens. Neben seiner tragenden Funktion beim Sitzen ist der Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum) ein Ansatzpunkt für viele Muskeln, insbesondere die Muskeln der Oberschenkelrückseite. Bei der Bizepssehnentendinitis handelt es sich um eine Entzündung der Ansatzsehne des Musculus biceps femoris (zweiköpfiger Muskel an der Oberschenkelrückseite). Eine solche Entzündung entsteht typischerweise durch eine Überbelastung des Muskels. Auch durch langes Sitzen kann die Bizepssehnentendinitis entstehen, da die Sehne durch den Druck beim Sitzen gereizt wird. Eine solche Entzündung äußert sich meist nicht nur durch Schmerzen am Sitzbeinhöcker, auch eine Schwellung, Rötung und Überwärmung der betroffenen Stelle kann auftreten. Die Beschwerden werden am besten kuriert, indem man den betroffenen Sitzbeinhöcker über längere Zeit entlastet.

Sehnenriss am Sitzbeinhöcker

Der Sitzbeinhöcker bildet den Ansatzpunkt für viele Muskeln der Oberschenkelrückseite. Dazu gehören folgende Muskeln: Musculus biceps femoriis, adductor magnus, quadratus femoris, gemellus inferior, semimembranosus und Musculus semitendinosus. Durch eine Überbelastung können die Sehnen dieser Muskeln geschwächt werden, wodurch es bei einer erneuten Belastung schnell zu einem (An-)Riss der Sehne am Sitzbeinhöcker kommen kann. Auch ein sehr starkes plötzliches Trauma an einem der Muskeln der Oberschenkelrückseite kann einen Sehnenriss hervorrufen. Ein solcher Sehnenriss äußert sich oftmals durch Schmerzen am betroffenen Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum). Besonders bei der Belastung des Tuber ischiadicum beim Sitzen machen sich die Schmerzen bemerkbar.

Knochenbruch am Sitzbeinhöcker

Der Sitzbeinhöcker ist der Anteil des Beckenknochens, auf dem das gesamte Gewicht des Oberkörpers beim Sitzen lastet. Ein Bruch des Sitzbeinhöckers ist vergleichsweise selten, er kann jedoch durch ein starkes Trauma wie beispielsweise bei einem Verkehrsunfall ausgelöst werden. Auch ein Ermüdungsbruch des Sitzbeinhöckers ist möglich. Die Behandlung erfolgt je nach Schwere des Knochenbruchs konservativ (Schonung des Sitzbeinhöckers) oder auch operativ (durch Knochenschrauben oder -platten).

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Wer bin ich?
Meine Name ist Dr. Nicolas Gumpert. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Gründer von Dr-Gumpert.de
Diverse Fernsehsendungen und Printmedien berichten regelmäßig über meine Arbeit. Im HR Fernsehen sehen Sie mich alle 6 Wochen live bei "Hallo Hessen". 
Aber jetzt ist genug angegeben ;-)

Um in der Orthopädie erfolgreich behandeln zu können, bedarf es einer gründlichen Untersuchung, Diagnostik und Erhebung der Krankengeschichte.
Gerade in unserer sehr ökonomisierten Welt, bleibt zu wenig Zeit, um die komplexen Erkrankungen der Orthopädie gründlich zu erfassen und damit eine zielgerichtete Behandlung einzuleiten.
In die Reihe der "schnellen Messerzücker" möchte ich mich nicht einreihen.
Ziel jeder Behandlung ist die Behandlung ohne eine Operation.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

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Begleitende Symptome

Bei einer Fraktur kommt es meist zu starken, in das Gesäß ausstrahlenden Schmerzen und dadurch zu einer Schonhaltung mit Beugung der Hüfte, um die betroffene Seite zu entlasten. Auch treten Schmerzen meist verstärkt beim Sitzen oder beim Aufstehen aus dem Sitzen auf. Werden umliegende Nerven verletzt, wie zum Beispiel der Nervus pudendus, kann es zum Beispiel zu Sensibilitätsstörungen der Haut im Genital- und Dammbereich führen.

Bei einer Entzündung kommt es zu den typischen Kardinalsymptomen wie Rötung im Bereich der Entzündung, Schmerzen, Überwärmung, Schwellung und Funktionsverlust. Die einzelnen Symptome können hierbei mehr oder minder auftreten und sind individuell verschieden. In seltenen Fällen sind Tumore für Schmerzen am Sitzbein verantwortlich. Hierbei kann man sogenannte B-Symptome wie Fieber, Nachtschweiß und starken Gewichtsverlust beobachten. Sollten diese auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Sehnenentzündung

Bei einer Sehnenentzündung  (Tendinose / Tendovaginitis) entzünden sich die Sehne selbst oder die Sehnenscheiden, das Gewebe, das die Sehnen umgibt. Diese Entzündungen kommen häufig bei Sportlern vor, die vor der Aktivität Muskeln und Sehnen nicht ausreichend aufgewärmt haben. Natürlich können diese auch durch Überbelastung oder ungewohnte Belastung entstehen. Am Sitzbein sind Sehnenentzündungen durch sportliche Aktivität relativ häufig.
Auch kann die Reibung der Sehnen über den naheliegenden Knochen eine Entzündung hervorrufen. Dies kommt zum Beispiel bei Fehlstellungen vor, die durch Wirbelsäulen- oder Hüftfehlstellungen auf das Sitzbein übertragen werden. In seltenen Fällen ist eine Entzündung durch eine bakterielle Infektion hervorgerufen. Da die Sehnenentzündung anfänglich oft nur geringe Beschwerden macht, wird diese gar nicht oder nicht ausreichend behandelt und die Schmerzen verschlimmern sich im Verlauf. Es kann dann zu Kalkablagerungen zwischen Sehne und Knochen kommen und zu einer Degeneration der Sehne, die dann eine schwierige und langwierige Behandlung erfordert.

Diagnose

Bei Schmerzen am Sitzbein oder Sitzbeinhöcker folgt nach einer zielgerichteten Befragung (Anamnese) nach Symptomen, Verlauf und eventuell Verletzungshergang eine körperliche Untersuchung. Bei der Anamnese sind daher Fragen bzgl. sportlicher Aktivität sehr wichtig. Auch ob ein Beruf ausgeführt wird, bei dem viel gesessen wird, ist wichtig, um die Diagnose bzw. die Schmerzursache weitergehend einzuschränken. Bei Schmerzen am Sitzbein sind diese vor allem beim Sitzen zu spüren. Außerdem werden Schmerzen häufig am unteren Gesäß bzw. an der Oberschenkelrückseite beschrieben. Um eine Fraktur der Sitzbeine auszuschließen, kann eine Röntgenaufnahme des Beckens angefertigt werden. Eventuell werden CT oder MRT nötig, um einen Verdacht zu erhärten.

Behandlung / Therapie

Je nach Ursache unterscheidet sich die Therapie. In fast allen Fällen muss eine Ruhigstellung erfolgen. Ist eine Sitzbeinfraktur Schuld an den Schmerzen, sollte neben der Ruhigstellung eine geeignete Schmerztherapie mittels sogenannten NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) erfolgen. Kommt es zu einem instabilen Bruch, so ist eventuell eine operative Versorgung nötig. Auch sollte eine Physiotherapie erfolgen und die Belastung langsam wieder gesteigert werden.
Auch bei Entzündungen von Muskeln und Sehnen sollte eine Entlastung erfolgen. Lokalanästhetika (Betäubungsmittel) oder Glukokortikoide können neben normalen Schmerztabletten am Ort der Schmerzen injiziert werden. Die Glukokortikoide wirken ebenfalls gegen eine Entzündung, sollten allerdings nicht zu oft eingesetzt werden, da sie eine Degeneration von Gewebe nach sich ziehen können. Auch bei der Therapie von Entzündungen sollte eine Physiotherapie angedacht werden. Um die Muskulatur zu entspannen, kann Wärme appliziert werden. Treten die Schmerzen durch zu langes Sitzen während der Arbeit auf, können Sitzkissen oder Sitzringe ein erleichtertes Sitzen ermöglichen und zukünftige Entzündungen im Bereich der Sitzbeine vorbeugen.

Dauer

Je nach Ursache und je nachdem, wie stark die Erkrankung fortgeschritten ist, gestaltet sich die Dauer der Heilung unterschiedlich. Sind die Schmerzen frisch und eine Überbelastung schuld, können die Sitzbeinschmerzen schon nach wenigen Tagen und nach Ruhestellung wieder verschwinden. Handelt es sich um länger bestehende oder wiederkehrende Beschwerden, kann sich die Behandlung über mehrere Wochen oder Monate hinziehen. Teilweise gehen die Schmerzen nicht weg und es kommt zu einem chronischen Verlauf, bei dem eine intensivere Behandlung über Monate bis Jahre erfolgen muss.

Sitzbeinhöcker in der Schwangerschaft

Wenn das Sitzbein während der Schwangerschaft wehtut, ist das normal. Hauptsächlich verspüren werdende Mütter diese Schmerzen beim Sitzen, Aufstehen oder wenn sie sich im Liegen drehen. Zum einen sind die Schmerzen auf die stetige Gewichts- und Größenzunahme des Kindes und der Gebärmutter zurückzuführen. Das zusätzliche Gewicht drückt auf das Becken und somit auch auf die Sitzbeine und kann Schmerzen verursachen. Weiterhin werden das Gewebe und die Gelenke durch Hormone wie Östrogen und Relaxin gelockert, um das Becken auf die Geburt vorzubereiten. Diese Lockerung kann Schmerzen im Becken, die in die Sitzbeine ausstrahlen, auslösen. 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Steißbeinschmerzen während der Schwangerschaft

Schmerzen nach dem Joggen am Sitzbeinhöcker

Nach dem Joggen – besonders bei Überanstrengung der Muskulatur und der Sehnen – kommt es bei Beteiligung der Sitzbeinhöcker vor allem im unteren Gesäß und an der Oberschenkelrückseite zu Schmerzen. Die Schmerzen sind dann auch meist in Ruhe und beim Sitzen zu spüren. Dahinter steckt meist eine Schleimbeutelentzündung im Bereich des Sitzbeins. Es sollte eine Ruhigstellung für mehrere Tage bis Wochen erfolgen. Die Schmerzen sollten in jedem Fall nicht mehr zu spüren sein, bevor erneute sportliche Bewegung wieder aufgenommen wird. Natürlich kann auch ein Muskelkater Schmerzen im Bereich der Sitzbeine und beim Sitzen und Aufstehen aus dem Sitzen hervorrufen. Dieser verschwindet innerhalb weniger Tage wieder und ist nicht besorgniserregend.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Schmerzen am Sitzbein finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.06.2019
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