Schmerzen im Steißbein

Allgemeines

Steißbeinschmerzen (med. Kokzygodynie) bezeichnen Schmerzen im untersten Bereich der Wirbelsäule. Dieser Bereich wird als Steißbein (Os coccygis) bezeichnet und reagiert auf Druck mit einem scharfen, stechenden oder ziehenden Schmerz, der in die angrenzenden Bereiche ausstrahlen kann. Insgesamt sind Steißbeinschmerzen eher selten. Die häufigste Ursache sind chronische Mikrotraumen. Aber auch Nervenschmerzen oder Verletzungen können zu Schmerzen im Steißbein führen.

Darüber hinaus zeigt sich im klinischen Alltag deutlich, dass Frauen von Steißbeinbeschwerden wesentlich häufiger betroffen sind als Männer. Schmerzen im Steißbein, denen eher harmlose Ursachen zu Grunde liegen halten in der Regel nur wenige Tage an und sind mit leichten Schmerzmitteln (Analgetika) gut zu behandeln. In vielen Fällen treten die Probleme spontan auf und bilden sich von selbst wieder zurück. Schmerzen im Steißbein können je nach ursächlicher Erkrankung jedoch auch Wochen bis Monate anhalten, den Betroffenen stark belasten und somit eine ärztliche Behandlung unumgänglich machen.


Symptome

Viele Menschen leiden unter starken Schmerzen im Bereich des Steißbeins (Os coccygis). Diese können zeitweise in bestimmten Situationen auftreten, zum Beispiel im Sitzen, beim Stuhlgang oder beim Sport, oder chronisch vorhanden sein. Dieses Krankheitsbild nennt man auch „Kokzygodynie“.

Abbildung Steißbeinschmerzen

  1. Steißbein - Os coccyxis
  2. Fünfter Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis V
  3. Darmbeinkamm - Crista iliaca
  4. Kreuzbein-Darmbein-Gelenk
    (Iliosakralgelenk, abgekürzt ISG)
    Articulatio sacroiliaca
  5. Hüftgelenk - Articulatio coxae
  6. Schambein - Os pubis
  7. Sitzbein - Os ischii
  8. Bandscheibe -
    Discus intervertebralis
  9. Darmbein - Os ilium
  10. Lenden-Kreuzband-Knick -
    Promontorium
  11. Kreuzbein - Os sacrum
  12. Schambeinfuge -
    Symphysis pubica

    Steißbeinschmerzen
    - Kokzygodynie
    a - Nervenschmerzen - Die Körperregion wird von Nervengeflecht (Plexus coccygeus) versorgt
    b - Entzündungen der Sehnen, Muskeln oder Knochen - chronische Belastungen oder Keime
    c - Enddarm und After, chronisch entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus crohn)
    d - Steißbeinbruch, Steißbeinprellung - Schwellung, Blutergüsse (durch Sturz, Tritt usw.)
    e - Schwangerschaft (hormonellen Veränderungen) - in der Regel im 1. und 3. Trimenon
    f - Sport - Verspannung der Bänder und Muskeln (z. B. Radfahren, Rudern)
    g - Langes Liegen - (ältere und bettlägerige Menschen)
    h - Mikrotraumen - langes Sitzen auf harten Stühlen
    i - Steißbeinentzündung - Rötung, Schwellung, Fistel (Sinus pilonidalis)

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Ursachen

https://www.dr-gumpert.de/?id=4905Es gibt sehr viele unterschiedliche Gründe für Schmerzen des Steißbeins. Die Körperregion wird vom Nervengeflecht „Plexus Coccygeus“ versorgt und ist somit sehr schmerzempfindlich.

Auch wenn in manchen Fällen kein wirklicher Auslöser für die Schmerzen am Steißbein gefunden werden kann und man von einem sogenannten psychosomatischen Schmerz spricht, so gibt es auch in direktem Zusammenhang mit den Schmerzen stehende Ereignisse. Dieses Nervengeflecht am Steißbein kann zum Beispiel durch sehr langes Sitzen, also Verharren in der gleichen Position, gereizt werden.

Doch viel häufiger sind Verletzungen am Steißbein, wie zum Beispiel ein Bruch, Weichteilverletzungen der Beckenbodenmuskulatur oder lumbale Bandscheibenvorfälle, und ungenügende Heilung, Grund für entstehende Schmerzen.

Des Weiteren treten bei Frauen derartige Schmerzen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt auf.

Lesen Sie mehr zum Thema: Steißbeinschmerzen während der Schwangerschaft

Auch Darmprobleme können diese Symptomatik aufweisen. Die Schmerzen am Steißbein treten dann nicht nur akut in der Phase der Verletzung und Heilung auf, sondern können auch langfristig bleiben und somit chronisch werden. Dann spricht man von der Kokzygodynie.

Mikrotraumen

Bei starken mechanischen Belastungen wie beispielsweise langem Sitzen auf harten Stühlen, aber auch auf weichen Unterlagen können bei einigen Menschen Steißbeinschmerzen nach längerer Zeit auftreten. Grund sind kleinere Mikrotraumen, welche eine Belastung des knöchernen Steißbeins und der umgebenden Weichteile hervorrufen. Diese Mirkotraumata werden zu den häufigsten Ursachen für das Auftreten von Schmerzen im Steißbein gezählt. Nicht nur nach langem Sitzen nehmen die betroffenen Patienten eine enorme Steigerung der Schmerzempfindungen wahr, auch beim Liegen, beim Laufen und beim Bücken schmerzt das Steißbein vieler Betroffener. Diese Tatsache beruht auf der durch das Trauma bedingten Schädigung des Gewebes in der Steißregion. Schmerzen in Steißbein beschränken sich jedoch meist nicht bloß auf das Gesäß. In einigen Fällen berichten Patienten über das Ausstrahlen der Schmerzen bis in die Oberschenkel oder die Lendenwirbelsäule.

Entzündungen

Entzündungen der Sehnen, Muskeln oder Knochen können durch chronische Belastungen oder Keime entstehen. In der Regel werden diese Entzündungen von anderen Symptomen begleitet. Die chronischen Entzündungen im Rahmen einer Arthritis (Gelenkentzündung) entstehen oft über einen längeren Zeitraum und sind meist nur durch eine konsequente langwierige Therapie zu kurieren. Auch bei Schmerzen im Steißbein, bei denen entzündungsbedingte Ursachen zu Grunde liegen spielen lang anhaltende, eintönige Bewegungen eine entscheidende Rolle. Vor allem nach langem Sitzen, beim Liegen oder Laufen werden Steißbeinschmerzen die von einer Entzündung ausgehen als besonders stark empfunden.

Steißbeinschmerzen nach einem Sturz

Häufig treten Schmerzen am Steißbein im Zusammenhang mit einem Sturz auf. Dabei kann es am Steißbein durch die Krafteinwirkung beim Sturz und die vergleichsweise geringe Polsterung des Steißbeinknochens zur Prellung oder gar zum Bruch kommen.

Bei der Prellung stehen zeitlich gesehen zuerst die Schmerzen, die durch die Reizung des Nervengeflechts „Plexus coccygeus“ und eventuell des „Plexus sacralis“ im Vordergrund. Im Verlauf entwickelt sich durch die Schädigung von Blutgefäße ein Bluterguss, welcher zusammen mit der ödematösen Schwellung des umliegenden Gewebes eine Druckerhöhung am Steißbein hervorrufen. Die gereizten Nerven reagieren indes sensibler auf Druck und Berührung. Die Schmerzen können je nach Schwere über Wochen erhöht sein, klingen aber mit Rückgang des Blutergusses etwas ab.
Beim durch einen Sturz entstandenen Bruch des Steißbeins können die Schmerzen aufgrund der Schädigung der sehr empfindlichen Knochenhaut durchaus stärker ausfallen. Außerdem kann durch den Heilungsprozess des Steißbeinknochens die Schmerzdauer beziehungsweise die Schmerzempfindlichkeit erhöht sein. Im Prinzip passiert nach dem Sturz beim Bruch das gleiche wie bei der Prellung, nur dass der Knochen selbst stärker geschädigt ist und der Bluterguss größer ausfallen kann. Linderung der Beschwerden schaffen Kühlung und Schonung des Steißbeins. Etwas seltener aber nicht zu vernachlässigen sind die Steißbeinluxationen (Verlagerung des Steißbeins) durch einen Sturz. Die Schmerzen lassen nach erfolgreicher Einrenkung in der Regel wieder nach.

Ohne Sturz

Auch ohne Verletzung durch einen Sturz kann es zu starken Schmerzen am Steißbein kommen. Grund dafür kann beispielsweise zu langes Sitzen auf hartem Untergrund sein, da für lange Zeit eine hohe Last auf den verhältnismäßig kleinen Steißbein drückt. Außerdem verkrampft in dieser Haltung nach einiger Zeit die Levatormuskulatur, welche direkt am Steißbein ansetzt. Zusätzlich kommt es beim Sitzen zur Minderdurchblutung der Gesäß- und Steißbeinregion. Um Schmerzen zu vermeiden, ist es daher ratsam immer mal wieder die Position zu ändern, ein paar Schritte zu gehen oder eine andere Sitzgelegenheit auszuwählen.
Aber auch Gewebsschäden in der Steißbeinregion verursachen Schmerzen. Dazu gehören die Steißbeinfistel, eine wund gelegene Stelle, ein sogenannter „Dekubitus“, und eine Perianalvenenthrombose. Außerdem können chronisch entzündliche Darmerkrankungen durch permanente Schädigung des Darmgewebes die Schmerzentwicklung fördern, welche durch die unscharfe Verschaltung der Darmnerven zusammen mit den übrigen Nerven auf das Rückenmark, zum Übertragungsschmerz im Steißbein führt. Somit kann das Steißbein, schmerzen auch wenn es nicht direkt betroffen ist.

Neurologische Ursachen

Ein Bandscheibenvorfall im unteren Lendenwirbelbereich oder eine Reizung der entsprechenden Nervenwurzel (Lumboischialgie) führt zu starken Schmerzen im Bereich des Steißbeins. Dieses wird unter anderem durch den Nervus ischiadicus mitversorgt und führt bei dessen Reizung zu Schmerz. Auch der Nervus anococcygei versorgt einen Bereich zwischen Steißbein und Anus. Wird dieser gereizt, ist er entzündet oder durch eine neurologische Erkrankung gereizt, verursacht er ebenfalls Schmerzen im Steißbein.

Tumore

Knochentumore können wie an vielen anderen Knochen auch das Steißbein befallen und so nach einiger Zeit Schmerzen hervorrufen. Auch gynäkologische Tumoren können durch ihre Lokalisation den Bereich des Steißbeins infiltrieren, oder durch ihr Größenwachstum das Steißbein und die umgebenden Weichteile reizen oder einengen.

Entbindung / nach Geburt

Durch die starke Beanspruchung des gesamten Beckens der Frau während einer Geburt, kann das Steißbein ebenfalls stark gereizt werden. Hierbei kann es zu Stauchungen oder Verletzungen von innen kommen und so Schmerzen verursachen. Bereits gegen Ende der Schwangerschaft beginnt das Kind in Richtung des Beckens abzusinken und sich dadurch in eine ideale Geburtsposition zu begeben. Auch dieser Vorgang kann zu starken Dehnungen des Beckenringes führen, verschiedene anatomische Strukturen reizen und dadurch Schmerzen im Steißbein auslösen. Vor allem während der Geburt kann der Einsatz einer sogenannten Periduralanästhesie - Durchführung und KomplikationenPeriduralanästhesie dazu dienen der Schwangeren eine effektive Schmerzlinderung zu ermöglichen. Bei der Periduralanästhesie handelt es sich um eine spezielle Form der Regionalanästhesie, bei der durch die rückenmarksnahe Injektion eines Betäubungsmittels eine effektive Schmerzlinderung ermöglicht werden kann. Schmerzen im Bereich des Steißbeins, die während der Geburt auftreten können so im Wesentlichen gelindert werden.

Diagnostik von Steißbeinschmerzen

Auch kurzzeitig auftretende Schmerzen im Steißbein sollten in jedem Fall ärztlich vorgestellt werden. Darüber hinaus kann nur die Feststellung der genauen Ursache dabei helfen eine optimale Therapie in die Wege zu leiten. Sollten die Schmerzen im Steißbein über einen längeren Zeitraum anhalten oder immer wieder auftreten, so wird eine umfangreiche Diagnostik umso wichtiger. Darüber hinaus spielen verschiedene Faktoren die zur Schmerzsteigerung oder –linderung beitragen eine erhebliche Rolle in der Diagnostik von Schmerzen im Steißbein. Des Weiteren kann die Beurteilung der Schmerzsymptomatik in verschiedenen Körperhaltungen zur Diagnostik herangezogen werden. Die Anfertigung einer einfachen Röntgenaufnahme bringt in der Diagnostik von Schmerzen im Steißbein in den meisten Fällen nichts, denn die Hauptzahl der zu Grunde liegenden Veränderungen lassen sich durch Röntgenstrahlung nicht nachweisen.
Zunächst wird der Patient jedoch im Rahmen eines Anamnesegesprächs von dem behandelnden Arzt genau nach der Schmerzform, Schmerzdauer und genauen Lokalisation befragt. Zudem möchte der Arzt wissen, ob eine benennbare Ursache, beispielsweise ein Sturz oder eine langandauernde sitzende Tätigkeit vorliegen. Im Anschluss wird der Patient körperlich untersucht. Liegt tatsächlich ein Steißbeinschmerz vor, kann der Schmerz durch Druck auf das Steißbein ausgelöst werden. Eine neurologische Erkrankung, wie beispielsweise ein Bandscheibenvorfall, eine Ischiasneuralgie oder Nervenreizung lösen zwar einen ständigen Schmerz aus, dieser ist durch einen Druck auf das Steißbein jedoch nicht auslösbar. Um diese Ursachen herauszufinden, kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Beckens, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) hilfreich sein. Wenn der Verdacht auf eine Tumorerkrankung oder eine Entzündung besteht, sollten die Blutwerte laborchemisch bestimmt werden. Zudem können tumoröse oder entzündete Bereiche durch eine starke Kontrastmittelaufnahme bildgebend dargestellt werden.

Therapie / Behandlung

Bei Steißbeinschmerzen steht vor allem die Symptomlinderung im Vordergrund. Medikamentös können Schmerzmedikamente, welche zudem entzündungshemmend wirken, eingesetzt werden. Darüber hinaus sollte, wenn möglich, das zu Grunde liegende Problem behandelt und behoben werden. Vor allem leichte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin eigenen sich zur Linderung von Schmerzen im Steißbein. Durch eine lokale Injektion von entzündungshemmenden Medikamenten (Kortison) oder lokalen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) können die Schmerzen für einige Zeit gelindert werden. Auch physiotherapeutische Methoden wie Mobilisation oder Manipulation des Steißbeins helfen einigen Patienten. Wärmebehandlungen oder andere Entspannungsverfahren wirken positiv auf die umgebende Muskulatur und können so eine Linderung erzielen. Spezielle Sitzkissen, ein weicher hinten offener Sitzring oder ein weicher Sitzkeil erleichtern bei akuten Beschwerden das Sitzen. In einigen Fällen lässt sich keine Ursache finden, sodass der Verdacht einer psychosomatischen Erkrankung besteht. In diesem Fall sollte über eine psychotherapeutische Maßnahme nachgedacht werden, auch wenn diese Form der Therapie den meisten Patienten zunächst unangenehm ist.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Behandlung von Steißbeinschmerzen

Wann treten Ihre Schmerzen auf?

Im Liegen

Schmerzen am Steißbein können durchaus auch durch zu langes oder wiederholtes Liegen in derselben Position entstehen. Das kann einfach nur eine Verspannung an der betreffenden Stelle hervorrufen oder aber mit einer Schädigung des Gewebes in der Steißbeinregion einhergehen. Dies ist insbesondere bei älteren, bettlägerigen Menschen der Fall, die lange auf einer Stelle liegen. Da das Steißbein im Vergleich zur Gesäßregion nicht so gut mit Fettgewebe und Muskulatur gepolstert ist, drückt der Knochen je nach Position im Liegen senkrecht auf das aufliegende Gewebe. Dabei spielt das Gewicht der betroffenen Person keine Rolle. Als Folge kommt es häufig zur Druckstelle am Steißbein, die Schmerzen verursacht. Ist man noch mobil und vom Allgemeinzustand gesund, kann man schnell reagieren und Gegenmaßnahmen einleiten, die die Druckstelle wieder abheilen lässt. Bei älteren Menschen ist das Problem jedoch, dass sie eine ohnehin schlechte Gewebsdurchblutung haben und noch eine Begleiterkrankung, die sich ebenfalls nicht fördernd auf die Heilung der durch Liegen verursachte Druckstelle auswirkt. Hinzu kommen manchmal noch schlechte Nerven, sodass derjenige gar nicht merkt, dass am Steißbein ein Gewebeschaden vorliegt. Die Druckstelle kann dann, wenn sie nicht bemerkt wird, zu einer offenen Stelle werden und sich gegebenenfalls infizieren. Im schlimmsten Fall kommt es zum Gewebsuntergang, der Schädigung des Steißbeinknochens selbst oder dazu, dass die Stelle nicht mehr abheilt. Daher ist bei langem Liegen höchste Vorsicht geboten, damit man möglichst größere Schäden oder Schmerzen am Steißbein vermeidet.

Schmerzen nach dem Sport

Auch wenn Sport eine durchaus wichtige Rolle zum Wohlbefindens des Bewegungsapparates spielt, so haben doch gewisse Sportarten auch ihre typischen Verletzungen und Schmerzen zur Folge.
Das Steißbein kann natürlich immer nach Sport in Folge von heftigen und kraftvollen Bewegungen in Hüfte und Beinen durch die dabei entstehenden Scherkräfte in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei kann es zu einer Verspannung der Bänder und Muskeln am Steißbein kommen oder gar zur Ausrenkung des Steißbeinknochens, was therapeutisch wieder eingerenkt werden sollte.
Es gibt außerdem Sportarten, bei welchen das Steißbein vermehrt zum Einsatz kommt und somit auch Schmerzen nach dem Sport auftreten können.
Beispielsweise führen beim Radfahren oder Rudern die vorwiegend sitzende Haltung und die durch die wiederholenden gleichen Bewegungen erzeugte Reibung zur Reizung des um das Steißbein liegenden Gewebes. Dies passiert aufgrund der geringeren Polsterung des Steißbeins sehr schnell. Hinzu kommt bei den Sportarten im Sitzen der Druck auf das Steißbein, welcher die Bänder dehnt und so wieder Schmerzen am Steißbein provoziert.
Die ist aber unter anderem eine Sache der Übung. Meist treten derartige Schmerzen nach Sport bei Anfängern oder nach Überanstrengung oder Fehlbelastung auf und legen sich mit der Zeit wieder. Schmerzt dennoch wiederholt nach dem gleichen Sport das Steißbein, so kann dies auch an der Sportart selbst liegen, die für das Steißbein sehr beanspruchend ist.

Schmerzen im Steißbein beim Bücken

Schmerzen im Steißbein treten in der Regel bei jeder Art der Bewegung auf. Die meisten Patienten verspüren die Schmerzsymptomatik beim Liegen, Laufen, Stehen und Sitzen. Vor allem bei Schmerzen im Steißbein, die beim Bücken auftreten oder durch das Vornüberbeugen verstärkt werden muss eine sogenannte Schmerzausstrahlung geprüft werden. Schmerzen haben nicht immer ihre Ursache in dem Bereich, in dem sie vom betroffenen Patienten verspürt werden. Oftmals scheint es gerade im Bereich des Gesäßes so als würden Probleme vom Steißbein herrühren, obwohl keine direkte Erkrankung dieser knöchernen Struktur nachweisbar ist. Eine mögliche Ursache für Schmerzen im Steißbein ist ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule. Auf Grund der nervösen Verschaltung kann es dazu kommen, dass Patienten neben den typischen Rückenschmerzen auch Schmerzen im Steißbein verspüren. Gerade bei Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls im Bereich L5/S1 kommt es zu Steißbeinschmerzen beim Bücken. Darüber hinaus können auch Reizungen im Bereich des Band- oder Muskelapparates zu Schmerzen im Steißbein führen, die beim Bücken auftreten oder durch das Vornüberbeugen verstärkt werden.

Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Schmerzen im Steißbein. Dieses Schmerzphänomen tritt in der Regel vor allem in der Früh- (1. Trimenon) und Spätschwangerschaft (3. Trimenon) auf. Erklärungsansätze für Schmerzen im Steißbein bei der schwangeren Frau sind vor allem in den hormonellen Veränderungen, denen sich der Körper unterzieht zu finden. Während der Schwangerschaft kommt es zu einer Lockerung des Beckenringes. Aus diesem Grund vergrößert sich der Abstand zwischen dem hinteren Rand des Schambeines und der Oberkante des Kreuzbeines um ungefähr einen Zentimeter. Auf Grund der allmählichen Dehnung der Bänder kann es zu Schmerzen im Steißbein kommen. Des Weiteren übt das heranwachsende Kind im Mutterleib zusätzlichen Druck auf das knöcherne Becken, die Muskeln und Sehnen aus. Auch dadurch wird eine Dehnung des Beckenringes provoziert.

In den meisten Fällen halten die Schmerzen lediglich über einen kurzen Zeitraum an, bei einigen Schwangeren kann diese Veränderung der anatomischen Strukturen jedoch auch zu länger andauernden Beschwerden führen. Gerade bei Schmerzen im Steißbein, die im Zuge einer Schwangerschaft auftreten stehen viele Behandlungsoptionen zur Verfügung. Den meisten Frauen helfen Sitzringe und die Anwendung eines Beckengurtes bei der Linderung der Beschwerden. Darüber hinaus kann die sogenannte TENS- Elektrotherapie zur Schmerzbehandlung genutzt werden. Viele Frauen mit Schmerzen im Steißbein sprechen auf eine gezielte Physiotherapie und manuelle Anwendungen sehr gut an.
Bei starken oder nicht therapierbaren Schmerzen im Steißbein stellt die lokale Infiltration eines Anästhetikums das Mittel der Wahl dar. Auf Grund der möglichen Risiken dieses Verfahrens stellt es jedoch eine der letzten Therapieoptionen dar. Frauen die während der Schwangerschaft häufig unter Schmerzen im Steißbein leiden können sich in der Akutsituation mit Schmerzmitteln (Analgetika) wie Paracetamol aushelfen. Dieses Arzneimittel kann auch in der Schwangerschaft bedenkenlos eingenommen werden. Eine Schädigung des ungeborenen Kindes ist nicht zu befürchten. Während des 2. Trimenons können darüber hinaus Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen angewendet werden. Wohingegen ab dem 3. Schwangerschaftsdrittel keine Anwendung von Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen mehr erfolgen darf. Bei der Einnahme kann es zu einem frühzeitigen Verschluss des kindlichen Blutkreislaufs im Bereich des Herzens (sogenannter Ductus botalli) kommen. Die Einnahme von Aspirin sollte zu diesem Zeitraum möglichst zurückhaltend erfolgen, da auch dieses Schmerzmittel den vorzeitigen Verschluss des Ductus botalli induzieren kann. Des Weiteren muss eine Behandlung mit Aspirin (kurz: ASS) spätestens mit Ende der 37. Schwangerschaftswoche abgebrochen werden. Da sich Aspirin hemmend auf die Blutgerinnung auswirkt drohen im Falle der Nichteinhaltung dieser Frist während der Geburt starke Blutverluste.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft

Darm

Der Darm spielt bei der Entstehung von Schmerzen am Steißbein eine durchaus wichtige Rolle. Anatomisch weist der Enddarm zusammen mit dem After eine örtliche Nähe zum Steißbein auf. Daher beeinflusst vor allem dieser Darmabschnitt das Steißbein. Zum einen können eine banale Verstopfung, Durchfall oder Blähungen den Druck in Darm und folglich auch auf die Beckenbodenmuskulatur und das Steißbein erhöhen. Dadurch wird das Gewebe rund um das Steißbein gedehnt, wie zum Beispiel die Levatormuskulatur oder das Ligamentum anococcygeum, und die dortigen Nerven gereizt.

Zum anderen haben Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie zum Beispiel Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn oft auch Schmerzen in der Steißbeinregion. Bei der Colitis ulcerosa ist im Vergleich zu Morbus Crohn nur die oberflächliche Schleimhaut im Darm geschädigt. Dennoch beginnt sie am Enddarm, also in Steißnähe, während Morbus Crohn überall im Darm auftreten kann. Die chronischen Entzündungen des Darmes können sich auch auf das umliegende Gewebe ausbreiten und dann auch dort Schmerzen verursachen. Sodann eben auch am Steißbein, was durch ein Phänomen bei der Nervenverschaltung auf das Rückenmark zu erklären ist. Auch hier spielen wieder pathologische Darmbewegungsmuster zur Reizung des Steißbeins.
Ein weiteres Krankheitsbild mit Bezug zum Steißbein ist die Divertikulitis. Hier kommt es zu Ausstülpungen der Darmwand, welche sich mit Kot füllen und entzünden können. Im Zuge der Entzündung kann es zur Perforation des Darmes kommen. Dabei tritt Darminhalt ungehindert in den Bauchraum aus und führt zur großflächigen Entzündung mit Bauchfellbeteiligung. Auch das Steißbein kann betroffen sein, da es den tiefsten Punkt im Becken darstellt und die Entzündung sich gerne dorthin gehend ausbreitet. Es können sich durchaus auch Fistelgänge, also Verbindungsgänge von zwei vorher nicht miteinander verbundenen Körperhöhlen, zwischen Darm und Steißbein bilden, die ebenfalls durch Entzündungsreaktionen Schmerzen hervorrufen.
Letztendlich muss man bei den Steißbeinschmerzen durch den Darm die direkten Schmerzen mit Ursprung am Steißbein selbst (also durch Fisteln, direkte Steißbeinentzündung oder Druckerhöhung im Bauchraum) von dem Übertragungsschmerz durch Ver- und Umschaltung des Schmerzes über die Darmnerven auf das Rückenmark (wobei es zur Kreuzung mit anderen Nerven kommen kann), unterscheiden. Den Übertragungsschmerz findet man zum Beispiel bei den aufgeführten chronischen Darmerkrankungen.

Schmerzen am Po/After

Häufig treten Schmerzen am Steißbein in Verbindung mit Veränderungen am Po oder After auf. Zum Teil entstehen die Schmerzen durch einen tief sitzenden lumbalen Bandscheibenvorfall, welcher die Nerven der Gesäß- und Steißbeinregion umfasst. Zum anderen können starke Blähungen und Durchfälle die Schleimhaut und Muskulatur des Afters reizen und durch die Verbindung des Schließmuskels mit dem Steißbein erhöhte Zugkräfte auf dieses auslösen. Meist treten diese Schmerzen in direkter Verbindung mit der Darmentleerung auf und klingen dann nach kurzer Zeit wieder ab.
Aber auch andere Erkrankungen am Po verursachen Schmerzen am Steißbein. Ein Perianalvenenverschluß, bei welchem plötzlich starker Schmerz eintritt, kann bis ins Steißbein ausstrahlen. Auch größere Hämorrhoiden oder Analfissuren am After sind äußerst schmerzhaft und durch die Nähe zum Steißbein dort gerne schmerzverursachend. Ein weiterer Grund für Steißbeinschmerzen kann eine Steißbeinfistel sein, welche durchaus häufig in der direkten Umgebung des Afters auftreten kann. Die Fistel stellt eine direkte Verbindung zwischen Hautoberfläche und dem darunterliegenden Steißbein her, was zu Infektionen der Knochenhaut und des umliegenden Gewebes in Verbindung mit Schmerzen führen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen am After

Beckenboden

Der Beckenboden mit seinen zahlreichen Bändern und Muskeln hat eine wichtige Funktion im Menschlichen Körper. Er schließt nicht nur den Bauchraum nach unten hin ab und trägt die Last der Bauchorgane, sondern beinhaltet auch die Schließmuskeln der Harnröhre und des Darmausganges und Strukturen des Geschlechtstraktes.
Das Steißbein wird vom Beckenboden als Ansatzpunkte für Muskeln und Bänder genutzt. Beckenbodenmuskulatur, die direkt am Steißbein ansetzt ist zum einen der Musculus levator ani und zum anderen der Musculus coccygeus, welche beide zur Darmentleerung benötigt werden. Daneben setzt das Ligamentum anococcygeum mit dem Musculus sphincter ani externus am Steißbein an. Schmerzen am Steißbein können unter anderem von einer Schwäche der Muskulatur und der Bänder im Beckenboden kommen.
Da das Steißbein für seine Größe einer vergleichsweise hohen Last aushalten muss, kommt es dort sehr schnell zur Reizung und zu Schmerzen.
Ursachen für die Schwäche des Beckenbodens können eine generelle, erblich bedingte oder durch Alterungsprozesse hervorgerufene Bindegewebsschwäche sein.

Auch eine Zu hohe Last im Bauchraum, durch Schwangerschaft oder Übergewicht, können unabhängig von der Beschaffenheit des Beckenbodens Druck und somit wieder Schmerzen am Steißbein auslösen.

Lesen Sie hierzu auch: Steißbeinschmerzen während der Schwangerschaft

Steißbeinentzündung

Symptome

Eine Steißbeinentzündung kann entweder völlig symptomlos verlaufen oder in akuten Fällen Schmerzen im Bereich des Steißbeins und unmittelbarer Umgebung verursachen. Außerdem kann eine Rötung und Schwellung oder gar eine Fistel, eine Verbindung zwischen einer Körperhöhle in der Nähe der Steißbeinspitze und der Körperoberfläche, im betreffenden Gebiet auftreten.
Eine reine Knochenhautentzündung muss zunächst von außen überhaupt nicht sichtbar sein. Bei längerem und unbehandeltem Bestehen einer Steißbeinentzündung kann es zum Ausfluss von zum Teil blutigem Sekret aus der Fistelöffnung kommen.

Ursachen

In den meisten Fällen führt das Einwachsen von Haaren im Bereich des Steißbeins in der Gesäßfalte zu einer Entstehung eines Fremdkörpergranuloms. Dies ist eine Neubildung von Gewebe, welches sich um den Fremdkörper herum formiert und zwar in Folge einer dadurch ausgelösten Entzündungsreaktion. Aus diesem kann dann ein Fistelgang entstehen. Diesen nennt man auch „Sinus pilonidalis“. Begünstigt wird dieser durch mangelnde Analhygiene, starke Behaarung, vorwiegend sitzender Haltung und starkes Schwitzen.
Eine weitere Ursache für eine Steißbeinentzündung kann auch eine übermäßige Reizung der Knochenhaut durch beispielsweise Prellung oder Stauchung des Steißbeins mit einhergehender Entzündung sein. Dennoch kann in vielen Fällen auch keine definitive Ursache gefunden werden.

Therapie

Zunächst kann man die Steißbeinentzündung mit einer konservativen Therapie angehen, indem man eine Wundsalbe auf die betreffende Stelle aufträgt. Bei einer Knochenhautentzündung ist es hilfreich diese lokal mit Schmerzmitteln und Cortison zu behandeln. Im Falle einer fortbestehenden Entzündung ohne Aussicht auf Besserung sollte eine operative Entfernung des Steißbeins erwogen werden. Bei der Steißbeinfistel kann als Ergänzung dazu mit Kamille-Sitzbädern die Stelle sauber gehalten werden. Auch sollte man die Fistel, die durch die Steißbeinentzündung entstanden ist, operativ entfernen. Hierbei wird das „Fistelsystem“ vollständig herausgeschnitten. Zur Nachbehandlung und gleichzeitig auch zur Prophylaxe ist es empfohlen die Stelle, an der die Steißbeinentzündung stattgefunden hat, regelmäßig zu enthaaren.

Steißbeinbruch

Von ihrem Steißbein (lat. Os Coccygis) merken viele Menschen zum ersten Mal etwas, wenn sie es sich brechen oder verstauchen. Bei der Diagnostik von Schmerzen am Steißbein ist gut hinzuschauen, denn wenn Betroffene die Stelle ihrer Schmerzen zeigen, so zeigen diese nicht selten auf ihr Kreuzbein, da sie das Steißbein viel höher vermuten als es tatsächlich liegt. Das Steißbein schließt sich als Teil unserer Wirbelsäule nach unten an das Kreuzbein des Menschen an und lässt sich am Gesäß gut tasten. Das Steißbein ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein rudimentärer Überrest eines Schwanzes, den unsere tierischen Vorfahren, die Affen, bis heute haben. Auch wenn dieser sich bei uns Menschen zurück gebildet hat, so hat der ehemalige Schwanz, jetzt Steißbein, nicht alle seine Funktionen verloren. Das Steißbein bildet noch Ansatzpunkt für viele Muskeln des Beckenbodens und des Hüftgelenkes. Es besteht aus mehren kleinen Knochen und Knorpeln, die ihre frühere Architektur in Form von Wirbeln wie bei unserer restlichen Wirbelsäule verloren haben und alle zu einem einzigen Knochen verschmolzen sind.

Brechen oder prellen wird man sich das Steißbein meist beim Sturz oder Tritt auf eben dieses. Es hat kaum Schutz durch Fettgewebe oder Bindegewebe und wird also direkt getroffen. Ein Bruch des Steißbeins ist äußerst schmerzhaft und wird dem Betroffenen für mehrere Wochen das schmerzfreie entspannte Sitzen verwehren. Ebenso schmerzhaft werden Tätigkeiten wie Husten oder Niesen sein, bei denen die Beckenbodenmuskulatur angespannt wird. Als besonders unangenehm wird auch der Gang zur Toilette für den Stuhlgang beschrieben, da während der Darmentleerung die Beckenbodenmuskulatur in besonderem Maße beansprucht wird und das Steißbein selbst direkt an den Mastdarm anliegt.

Siehe auch Schmerzen beim Stuhlgang

Durch den Ansatz der Muskulatur am Steißbein führt jede Bewegung der Muskulatur zum Zug am Steißbein und somit zu starken Schmerzen, wenn dieses gebrochen ist.

Den Zustand von Schmerzen am Steißbein nennt man dann Coccygodynie. Die Schmerzen werden in den meisten Fällen als Ziehen oder Stechen beschrieben und können in das ganze Gesäß ausstrahlen.

Diagnose

Die Diagnose eines Steißbeinbruches kann im Gegensatz zur Prellung durch eine Untersuchung mit dem Finger durch den Mastdarm gestellt werden. Führt man einen Finger vorsichtig ein, so kann man durch die Darmwand die Unterseite des Steißbeins ertasten, welche bei Brüchen extrem schmerzempfindlich ist. Zusätzlich kann ein Röntgenbild die Frage nach einem Bruch klären.

Therapie

Die Therapie eines Bruches des Steißbeins besteht in den allermeisten Fällen aus reiner Schmerzbekämpfung und Schonung, nicht selten zu Beginn mit Bettruhe. Auch Kühlung kann die Schmerzen oft lindern. Die Schmerztherapie sollte optimalerweise mit einem entzündungslindernden Schmerzmittel durchgeführt werden, denn damit wird auch gleich die leichte Entzündung der Muskelansatzpunkte an der Knochenhaut gut behandelt. Bei starken Schmerzen kann ein Schmerzmittel oder Betäubungsmittel auch direkt in die Steißbeinregion gespritzt werden. Eine Schienung, wie eigentlich bei Brüchen üblich, ist in dieser Körperregion leider nicht möglich. Aus diesem Grund kann einen optimale Bruchheilung leider oft nicht gewährleistet werden und der Betroffene ist selbst für die Ruhigstellung verantwortlich um die bestmöglichen Bedingen für die Bruchheilung zu schaffen. Zur Erleichterung des Sitzens wird ein Gummiring zur Hilfe genommen. Dieser verhindert das Aufsitzen des Steißbeins und die Betroffenen können so etwas schmerzfreier sitzen. Zur Behandlung der oben genannten Schmerzen beim Stuhlgang kann es in der Zeit der Bruchheilung ratsam sein für weichen Stuhlgang zu sorgen und Verstopfung zu vermeiden. In seltenen Fällen kann auch eine Operation des Steißbeins zur Heilung nötig sein, wenn die üblichen Maßnahmen nicht ausreichen und der Patient unter dauerhaften Schmerzen leidet. Bei dieser Operation werden dann die gebrochenen Teilstücke entfernt.

Nicht nur ein Bruch kann für Steißbeinschmerzen verantwortlich sein. Auch dauerhaftes sitzen auf harten Unterlagen, lange Radtouren häufiges Pressen beim Stuhlgang, komplizierte Geburten oder Muskelverspannungen des Beckenbodens durch Fehlhaltungen können Schmerzzustände am Steißbein verursachen. Die Ursachenforschung ist in diesen Fällen meist schwierig, da Sturzgeschehen oder andere Ereignisse meist nicht über Jahre in Erinnerung bleiben können bzw. ursächliche Fehlhaltungen nicht immer leicht zu erkennen sind.

Auch eine Schonhaltung aufgrund einer Steißbeinprellung kann zur dauerhaften Schmerzsituation führen. Leiden Patienten unter dauerhaften Schmerzen sollte man auch immer an andere Teile der Wirbelsäule in den Fokus nehmen, denn es können auch Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule, dem Teil der Wirbelsäule zwischen Brustkorb und Becken, für Schmerzen im viel weiter unten gelegenen Steißbein sorgen.

Dauer des Steißbeinbruchs

Eine Aussage über die Dauer eines Steißbeinbruches ist sehr schwer zu treffen. Zu viele Faktoren wie Ort des Bruches, Belastung, Fehlstellungen, Verschiebungen, Alter des Betroffenen oder Begleiterkrankungen beeinflussen die Heilung eines Steißbeinbruches. Die Heilung dauert jedoch im Mittel zwischen zwei und sechs Wochen. Besonders kritisch sind die ersten Wochen der Knochenheilung, in der der neu gebildete Knochen noch sehr zart und instabil ist. Je nach Beruf und Intensität der Schmerzen kann eine Arbeitsunfähigkeit über diesen Zeitraum bestehen.

Viele Betroffene haben auch Jahre nach dem Bruch oder der Prellung noch Probleme im Bereich des Steißbeins. Die frühere Verletzung hinterlässt Schäden wie Myogelosen oder Triggerpunkte an umgebenden Muskeln und Bindegewebe. Diese verursachen dann trotz verheilter Knochen dauerhaft Schmerzen. Myogelosen und Triggerpunkte sind Verdickungen durch verhärtete Muskulatur, welche sehr druckempfindlich und schmerzhaft sind. Durch den Dauerhaften Zug der Muskeln und Bindegewebszüge kommt die Knochenhaut auch sehr leicht in einen dauerhaften Reizzustand, der die Schmerzzustände weiter anhalten lässt. Um die oben beschriebenen langfristigen Folgen zu vermeiden ist es sehr wichtig die Ruhezeit und Heilungszeit ausreichend lange durchzustehen und nicht zu früh wieder zu starke Belastungen auf das Steißbein wirken zu lassen.

Steißbeinprellung

Symptome

Ist das Steißbein geprellt so entstehen primär Schmerzen in dem Bereich, welche sehr weitläufig ausstrahlen können. Eine schmerzfreie Körperhaltung zu finden, stellt für die Betroffenen oft eine Herausforderung dar, da sowohl beim Sitzen, als auch teilweise im Liegen ein gewisser Druck auf das nun schmerzempfindliche Steißbein wirkt. Des Weiteren können in dem Bereich Schwellungen und Blutergüsse auftreten, wenn das Steißbein geprellt ist.

Ursachen

Das Steißbein wird meist durch Stürze direkt auf das Gesäß oder äußere Gewalteinwirkungen geprellt. Hierbei bricht das Steißbein nicht, sondern das umliegende Weichteilgewebe wird derartig verletzt, dass es zur Entwicklung von Flüssigkeitseinlagerungen und Blutergüssen kommt.
Die durch das geprellte Steißbein entstandene Schwellung löst starke Schmerzen aus, da hierbei das versorgende Nervengeflecht gereizt wird. Da das Steißbein vergleichsweise wenig von Fettgewebe umgeben ist, wird es bei Stürzen oder Gewalteinwirkung auch dementsprechend weniger durch dieses geschützt und ist somit anfälliger für alle Arten von Verletzungen.

Diagnostik

Die Symptome, die entstehen, wenn das Steißbein geprellt ist, können oftmals mit schwerwiegenderen Verletzungen, wie einer Steißbeinstauchung oder einem Steißbeinbruch, verwechselt werden. Da sich die weiteren Behandlungen der einzelnen Verletzungsmuster maßgeblich voneinander unterscheiden, ist es wichtig einen Bruch oder eine Stauchung auszuschließen. Dies geschieht durch ein bildgebendes Verfahren, wie einer Röntgenaufnahme, da von außen meist kein Unterschied zu erkennen ist.

Therapie

Bei geprelltem Steißbein ist es ratsam die betroffene Stelle zu kühlen und nicht übermäßig zu belasten. Ein Schmerzmittel kann für eine gewisse Zeit lang die Beschwerden zusätzlich lindern. Dennoch ist es von Vorteil, wenn das Steißbein und das umliegende Gewebe regelmäßig kontrolliert werden, um zu sehen wie sich der Bluterguss und die eingelagerte Flüssigkeit entwickeln und um gegebenenfalls diese chirurgisch auszuräumen.

Prognose und Prophylaxe

In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden sehr schnell. Um chronische Verläufe der Schmerzen zu vermeiden, sollte bei länger anhaltenden Beschwerden möglichst bald ein Arzt aufgesucht werden, um die entsprechende Therapie einzuleiten. Eine spezielle Prophylaxe gibt es jedoch nicht. Wenn Patienten zu Steißbeinschmerzen neigen, kann ein entsprechendes Sitzkissen bei sitzenden Tätigkeiten eine Chronifizierung der Schmerzen vermeiden. Um entzündliche Prozesse oder eine Krebserkrankung frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sollten auftretende Schmerzen immer frühzeitig bei einem Arzt benannt werden.
Grundsätzlich sollte jedoch beachtet werden, dass eintönige Bewegungen, die zur Dauerbelastung einer bestimmten anatomischen Struktur der Steißregion führen in vielen Fällen an der Entstehung von Schmerzen im Steißbein beteiligt sind.
Fakt ist, dass die meisten Menschen schlicht zu viel sitzen. Während der Arbeit im Büro und/oder abends vorm Fernseher. Der Großteil der Menschen hat sich eine ausgeprägte Bewegungsarmut regelrecht antrainiert. Dies ist ein ernstzunehmendes Verhaltensproblem, das eine Reihe von Erkrankungen fördert. Neben Krankheiten wie Adipositas, Diabetes und Gefäßveränderungen leiden vor allem die knöchernen Strukturen und Gelenke unter dem Mangel an Bewegung. Im Falle des Steißbeins kann dies sogar extrem schmerzhaft werden. Auch im Falle von Schmerzen im Steißbein, die durch ein Trauma ausgelöst werden hilft nur die frühzeitige Behandlung um einer chronischen Kokzygodynie (Schmerzen im Steißbein) vorzubeugen. Vor allem das Auftragen von schmerzlindernden und entzündungshemmenden Salben kann zur schnellen Schmerzlinderung und zur Reduktion des Risikos einer Chronifizierung beitragen.
Bei geplantem Kinderwunsch kann die Frau Schmerzen im Steißbein bereits vor der Schwangerschaft durch gezieltes Beckenbodentraining vorbeugen. Das Dehnen der Sehnen und die Stärkung der Muskeln im Bereich des Beckenbodens stellen eine effektive Maßnahme der Schmerzvorbeugung dar. In seltenen Fällen können die Schmerzen im Steißbein auch durch rein psychische Ursachen ausgelöst werden. Aus diesem Grund muss nach Ausschluss einer anatomischen oder pathologischen Ursache dringend ein Psychotherapeut aufgesucht werden.

Zusammenfassung

Schmerzen im Steißbein sind grundsätzlich eher selten und in den meisten Fällen auf einen Unfall, also einen Sturz zurückzuführen. In diesem Fall halten die Schmerzen oft einige Tage an. Auch durch starke Belastung des Steißbeins bei täglichen langdauernden sitzenden Tätigkeiten können Mikrotraumen entstehen und so Schmerzen hervorrufen. In einigen Fällen sind neurologische Erkrankungen wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Nervenreizung für die Schmerzen verantwortlich. Die genaue Ursache lässt sich durch eine gründliche Anamnese, die klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren finden. Die Therapie besteht in den meisten Fällen in einer Kombination verschiedener physiotherapeutischer Maßnahmen, einer weichen Sitzunterlage und einer medikamentösen Therapie in der akuten Phase des Schmerzes. Ebenso ist eine lokale Injektion schmerzhemmender und entzündungshemmender Medikamente möglich. In den meisten Fällen gehen die Schmerzen von selbst nach einigen Tagen zurück. Ist dies nicht der Fall, sollte ein Arzt den Steißbeinschmerz untersuchen, um eine Chronifizeirung der Schmerzen zu verhindern, oder eine entzündliche oder tumoröse Erkrankung zu entdecken. Nur bei frühzeitiger und zielführender Therapie können die Schmerzen gelindert werden.

Bei der Untersuchung des Steißbeins ist neben der Anamnese vor allem die direkte Untersuchung des Knochens wichtig und aufschlussreich. Hierbei wird mit den Fingern über den Enddarm das Steißbein getastet und idealerweise zwischen Zeigefinger und Daumen versucht zu packen und zu bewegen. Ist diese Untersuchung schmerzauslösend bewahrheitet sich der Verdacht der Steißbeinschmerzen. Ergänzend dazu kann man mit einer Bildgebung wie einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie oder bei Frauen mit einer gynäkologischen Untersuchung Hinweise für etwaige Ursachen der Schmerzen erlangen.

Ist eine Ursache für die Schmerzen am Steißbein gefunden, so gilt es diese speziell zu behandeln. Fehlen jegliche Hinweise so sollten diese zunächst einmal mit Schmerzmitteln und Cortison direkt am Schmerzort angegangen werden. Dies kann durch die Dauerhaftigkeit der Schmerzen, welche Dank des Schmerzgedächtnisses nun auch durch leichtere Schmerzreize ausgelöst werden können, sehr langwierig sein. Eine Physiotherapie kann unterstützend wirken. Im schlimmsten Fall kann das Steißbein operativ entfernt werden.

Eine Steißbeinprellung tritt weit häufiger auf als ein Bruch des Steißbeines. Auch wenn der Bruch des Knochens fehlt so sind beide Krankheitsbilder jedoch nahezu gleich schmerzhaft. Wie der Bruch auch sind typische Unfallsituationen Tritte oder Schläge auf das Gesäß. Klassisch sind Stürze auf das Gesäß im Winter auf glatten Straßen oder auch bei Skateboardern und Inlinerfahren im Sommer.Ein Bruch sollte immer durch eine Untersuchung durch den Mastdarm oder ein Röntgenbild ausgeschlossen werden.

Die Therapie gleicht der des Bruches im Bezug auf Schmerztherapie und Schonung. Auch das Sitzen auf einem Gummiring wird hier den Betroffenen Linderung bringen. Auch eine Prellung kann unter ungünstigen Bedingungen jahrelange Probleme mit sich bringen. Ursache hierfür ist ebenfalls eine automatisch eingenommene Schonhaltung in der ersten akuten und schmerzhaften Phase der Prellung. Diese Schonhaltung führt zur Verspannungen der Muskulatur, Reizung der Muskel- und Sehnenansätze am Steißbein und nicht zuletzt wie bei den Brüchen zur Bildung von schmerzhaften Myogelosen und Triggerpunkten, deren Behandlung ein langwieriger Prozess darstellen kann.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.10.2017
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