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Schmerzmittel bei einer Zahnwurzelentzündung

Einleitung

Die Zahnwurzelentzündung ist der umgangssprachliche Begriff für die Pulpitis oder Zahnmarkentzündung.

Der innerste Teil des Zahnes, die Pulpa, welche von Gefäßen und Nerven durchzogen wird, ist in diesem Fall entzündet. Da die Pulpa von Schmelz und Dentin umgeben ist, hat die Entzündung keinerlei Chance abzufließen und es baut sich ein Druck auf, den wir als Druckschmerz wahrnehmen. Oft verspüren Betroffene ein Pochen des Zahnes

Der Nerv stirbt durch den Entzündungsvorgang ab und es bildet sich ein eitriges Sekret, welches sich unterhalb des Zahnes und im Weichgewebe ausbreitet.

Da es anfangs keine Möglichkeit zum Abfluss hat, bildet sich die alt bekannte „dicke Backe“ (Abszess).

Das eitrige Sekret kann sich auch über einen Fistelgang einen eigenen Abflussweg suchen.

Die Entzündung bewirkt einen sehr unangenehmen Schmerz. Welches Schmerzmittel sollte man folglich einnehmen?

Allgemeines zur Zahnwurzelentzündung

Auf dem Röntgenbild ist bei einer akuten Pulpitis nichts Auffälliges oder gar Pathologisches zu erkennen, auffällig ist klinisch die Klopf- und Druckempfindlichkeit und die starke Reaktion auf Kälte.

In den meisten Fällen ist eine anfängliche Karies die Ursache der Pulpitis, die sich nach und nach durch die einzelnen Schichten des Zahnes (Schmelz, Dentin, Zement) bis hin zum Zahnmark ausgebreitet hat. Die Bakterien der Karies befallen nur das Weichgewebe der Pulpa und entzünden diese.

Wird der Zahn nicht behandelt geht die Entzündung auch auf das umliegende Gewebe über, der Zahn wird locker, ein Abszess entsteht. Dieser Abszess kann sich ausbreiten, wenn das darin befindliche Sekret nicht abgelassen wird und systemisch bis zu einem lebensbedrohlichen Zustand, der Sepsis, enden.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Behandlung einer Zahnwurzelentzündung

Welche Schmerzmittel gibt es?

Die Bandbreite der Schmerzmittel ist nahezu unermesslich. Es gibt von tausenden Herstellern immer unterschiedliche Handelsnamen, die den Käufer verwirren. Schaut man auf den Wirkstoff beschränken sich die Mittel der Wahl bei Zahnwurzelentzündungen auf eine Hand voll.
Von Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Paracetamol über Ibuprofen und Celebrex® sind niedrig dosierte Tablettenformen der Medikamente sogar rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und oftmals wissen die Menschen nicht genau welches der Schmerzmittel im Fall einer Zahnwurzelentzündung das passende ist. Das birgt Gefahren, da einige Schmerzmittel blutungsfördernd sind und daher vorrausschauend auf einen möglichen chirurgischen Eingriff beim Zahnarzt wegen der akuten Blutungsgefahr nicht eingenommen werden sollen (Bsp. Acetylsalicylsäure bekannt unter Handelsnamen wie Ass, Aspirin und Tomapirin).

Acetylsalicylsäure

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der durch den Handelsnamen Aspirin bekannt ist ist wie Diclofenac ein Cox –Hemmer, der blutverdünnend wirkt und von dem deshalb generell bei Zahnschmerzen abzuraten ist. Falls aufgrund der Schmerzen ein chirurgischer Eingriff stattfinden muss, stellt die Blutungsneigung eine Gefahr dar und das Aspirin muss oft erst abgesetzt werden, um einen Eingriff durchzuführen.

Übliche Einzeldosen in Tablettenform sind 75mg bis maximal 325 mg pro Tag. Kontraindikationen für die Einnahme von Acetylsalicylsäure sind Blutungserkrankungen, Asthma bronchiale, Nierenerkrankungen sowie vorallem die Zeit des letzten Drittels der Schwangerschaft.

Diclofenac

Diclofenac ist ein Cox-2 Hemmer und wirkt wie Celebrex schmerzlindernd und fiebersenkend. Es ist vielen in Salbenform als Volksheilsalbe bei jeglicher Art von Muskel- und Gelenkschmerz bekannt und bei fast jedem deutschen Haushalt im Arzneischrank nicht wegzudenken. Erhältliche Einzeldosis sind 50mg- 150mg in Tablettenform. 150mg sind gleichzeitig die Tageshöchstdosis. Die Ausscheidung erfolgt durch die Leber, weshalb bei Lebererkrankungen Vorsicht geboten ist.

Ibuprofen

Ibuprofen ist das am häufigsten verschriebene Schmerzmedikament in Zahnarztpraxen. Es wird in Tablettenform aufgenommen und wirkt neben der Schmerzlinderung auch entzündungshemmend, weshalb es als das Mittel der Wahl gilt. Erhältliche Einzeldosen sind 400mg- 800mg. Die maximale Dosis sind 2400mg für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren. Rezeptfrei in der Apotheke sind 400mg in Tablettenform erhältlich, jegliche Dosis darüber hinaus ist rezeptgebunden. Ibuprofen wird über die Leber ausgeschieden und ist daher bei Patienten mit Lebererkrankungen nur in ärztlicher Absprache einzunehmen und nicht empfohlen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Ibuprofen bei einer Zahnwurzelentzündung

Paracetamol

Paracetamol ist vor allem Mittel der Wahl bei Kopfschmerzen und Fieber, da es neben der schmerzlindernden Wirkung auch fiebersenkend wirkt. Daher wird es nicht in Zahnarztpraxen verschrieben, es sei denn es herrschen Unverträglichkeiten oder Allergien gegen andere Schmerzmedikamente.
Die maximale Tagesdosis beträgt 4000mg, verschrieben werden 500mg in Tablettenform. Es wird wie Ibuprofen über die Leber ausgeschieden und ist deshalb bei Patienten mit Lebererkrankungen nicht das Mittel der Wahl. In der Schwangerschaft überwindet Paracetamol die Plazentaschranke und geht in den Blutkreislauf des Kindes über, daher kontraindiziert.

Celebrex

Celebrex ist der Allrounder unter den Schmerzmitteln und vielen nicht geläufig. Es gehört zu den COX-2 Hemmern, wirkt entzündungshemmend, fiebersenkend und wird meist bei Rheumaerkrankungen, Gelenkschmerzen und Fieber bei Grippe eingesetzt. Es gibt Celebrex in Tablettenform 100mg und 200mg. Normale Tagesdosis sind 200mg.
Das Schmerzmittel ist nicht für Kinder geeignet und auch nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit.

Nebenwirkungen

Acetylsalicylsäure kann durch die verstärkte Blutungsgefahr Magenblutungen verursachen. Gastritis sowie Ulzerationen der Magenschleimhaut sind ebenfalls mögliche Nebenwirkungen.
Ibuprofen und Diclofenac können die Magenschleimhaut reizen bis hin zur Bildung von Magengeschwüren. Oftmals werden Magen- und Refluxbeschwerden verspürt. Ibuprofen ist daher in hoher Dosis nur in Kombination mit Pantoprazol zu empfehlen, was die Säurebildung im Magen hemmt, um die Schleimhaut zu schonen. Zu empfehlen ist das Verhältnis 1:1; also jeweils eine Tablette Ibuprofen und Pantoprazol zusammen einzunehmen. Pantoprazol ist ebenfalls rezeptpflichtig. Paracetamol kann die Leber schädigen und schlimmstenfalls zum Leberversagen führen. Celebrex kann Schwindel und Benommenheit verursachen und man sollte daher nach Einnahme nicht Autofahren. Auch eine Blutdruckerhöhung, Hautausschlag und Magenbeschwerden können auftreten.

Was tun, wenn Schmerzmittel bei einer Zahnwurzelentzündung nicht helfen?

Bei anhaltenden Schmerzen trotz Schmerzmedikation sollte umgehend der Zahnarzt aufgesucht werden, gegebenenfalls auch der zahnärztliche Notdienst, falls dies erforderlich ist.
Der Zahnarzt wird in den meisten Fällen den Zahn aufbohren, um einen Zugang zu schaffen, durch den das Sekret abfließen kann, der Zahn von den Bakterien gespült und desinfiziert wird und ein Medikament direkt in die Pulpa einbringen.
Wenn eine Schwellung, ein sogenannter Abszess besteht, muss dieser durch einen Schnitt entlastet werden, damit der Eiter abfließen kann. Ansonsten kann ein Abszess auch wandern und schlimmstenfalls zur Sepsis führen. Dieser Zustand, der umgangssprachlich als Blutvergiftung bekannt ist und eine generalisierte Entzündungsreaktion des Körpers darstellt, kann lebensbedrohlich sein. Die Sepsis kann zum Organversagen führen. Daher ist abwarten in diesem Fall der falsche Weg und der Gang zum Zahnarzt notwendig und unumgänglich. Oftmals gibt der Zahnarzt zusätzlich ein Antibiotikum, um die Bakterien generalisiert einzudämmen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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