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Schwerhörigkeit bei Kindern

Einleitung

Die Sinneswahrnehmung Hören ist ein wichtiger Bestandteil für Kinder zum Aufbau und Erlernen der menschlichen Sprache. Hörschäden sollten so schnell wie möglich adäquat behandelt werden, da alle Arten von Hörstörungen zum Teil große Gefahren der sprachlichen Entwicklung des Kindes darstellen können.

Häufigkeit

In Deutschland leiden etwa 500.000 Kinder an einer behandlungsbedürftigen Hörstörung. Ein bis zwei von 1.000 Neugeborenen haben eine relevante Schwerhörigkeit. Es gibt ca. 7.000 bis 8.000 hochgradig schwerhörige Kinder und bis zu 150.000 mittelgradige schwerhörige Kinder.

An leichter Schwerhörigkeit leiden etwa drei Prozent aller Schulkinder.

Arten der Schwerhörigkeit

Die Hörstörung kann anhand der Anatomie, der Ursachen und des Schweregrades eingeteilt werden.

Anatomisch kann das Gehör grob gegliedert werden in:

  • Das äußere Ohr (Ohrmuschel und Gehörgang) hat die Aufgabe das Schallsignal auf das Trommelfell weiterzuleiten.
  • Das Trommelfell gilt als Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr. Hier wird das Schallsignal von einem Luftschall in einen Körperschall umgewandelt.
  • Das Mittelohr besteht aus den Gehörknöchelchen Hammer, Amboß und Steigbügel. Der Körperschall wird zum Innenohr weitergeleitet.

Die spezielle Anordnung des Trommelfells und der Gehörknöchelchen bewirkt einer Vorverstärkung und eine Impedanzanpassung des akustischen Widerstandes der Luft auf den akustischen Widerstand der Innenohrflüssigkeiten. Wenn dies nicht geschehen würde, würde das Schallsignal unmittelbar auf die flüssigkeitsgefüllten Räume der Hörschnecke treffen und eine Reflexion der Schallenergie verursachen. Diese Schallwellen könnten dann für den eigentlichen Hörvorgang nicht mehr genutzt werden.

Das Innenohr ist dafür zuständig, die mechanische Energie der Schallwellen in bioelektrische Nervenimpulse umzuwandeln. Diese Impulse gelangen über den Hörnerv zum Hirnstamm, wo die Nervenimpulse verarbeitet werden. Dann gelangen sie in den audiologischen Kortex, wo Laut- und Geräuschempfindung, Klang- und Wortverständnis, akustische Aufmerksamkeit und Speicherung von Wort-, Musik- und Sprachinhalten verarbeitet werden.

Bei Hörstörungen können diese anatomischen Strukturen einzeln oder in Kombination gestört sein. Es gibt Schallleitungsstörungen (Störungen der Schallübertragung im äußeren Ohr oder im Mittelohr) und Schallempfindungsstörungen (die Reizaufnahme und –umwandlung im Bereich zwischen Steigbügelfußplatte und erstem Neuron des Hörnerven ist gestört). Es können auch Störung der Reizweiterleitung, -verarbeitung und –wahrnehmung auftreten.

Für die Beurteilung des Schweregrades der Hörstörung benötigt man verschiedene Tests. Besonders wichtig ist die Tonaudiometrie, aber auch die Fähigkeit im Gespräch sein Gegenüber zu verstehen und die Einschränkungen, die der Patient dem Arzt berichtet, spielen bei der Gesamtbewertung eine Rolle. Eine Tabelle der Schweregradeinteilung finden sie hier.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Hörstörung bei Kindern

Ursachen

Es gibt erbliche und nicht erblich bedingte Ursachen, beziehungsweise angeborene und vor, während und nach der Geburt erworbene Ursachen.

Typische Gründe für Schallleitungsstörungen sind:

  • Ohrenschmalpfröpfe
  • Missbildungen von äußeren Ohr und Mittelohr
  • Entzündungen vom Gehörgang und oder Mittelohr
  • Traumata wie Blutungen oder Verletzungen
  • otosklerotische Veränderungen (eine überschießende Knochenbildung der Gehörknöchelchen im Mittelohr)

Typische Ursachen für Schallempfindungsstörungen sind Missbildungen, syndromale Erkrankungen, vor und nach der Geburt auftretende Kreislaufschwäche mit einhergehender Atemminderung oder Atemstillstand, Infektionen oder Geburtstraumen. Hochgradige Innenohrschwerhörigkeiten im Kindesalter werden zu ca. 50 Prozent vererbt. Für zentrale Hörstörungen lassen sich keine genauen Gründe nachweisen, vermutet werden aber Medikamenten-, Alkohol-, Drogenmissbrauch während der Schwangerschaft, Sauerstoffmangel in der Geburtsphase, genetische Einflüsse sowie Frühgeburten.

Symptome

Kinder mit einer Schwerhörigkeit im Babyalter können auffallen durch eine verzögerte Sprachentwicklung. Hierbei kommt es dadurch, dass die Kinder die Sprache ihrer Eltern nicht komplett wahrnehmen zu einer Verzögerung.

Außerdem kann es, wenn das Kind seine eigene Sprache nicht richtig hört, zu Problemen in der Lautbildung kommen. Des Weiteren kann eine Schwerhörigkeit beim Kind daran erkannt werden, dass es auf Aufforderungen oder Ermahnungen nicht reagiert.

Dieses kann schnell verwechselt werden mit einem nicht Gehorchen des Kindes. Bei starker Schwerhörigkeit reagieren Kinder nicht auf Laute, die um das Kind herum erzeugt werden. Schnipst man zum Beispiel neben dem Ohr des Kindes mit dem Finger, wird der Kopf nicht in die betreffende Richtung gedreht.

Schwerhörigkeit bei Kindern nach Mittelohrentzündung

Nach einer Mittelohrentzündung kann es zu einer vorübergehenden Schwerhörigkeit kommen. Diese Schwerhörigkeit ist meistens reversibel. Zu einer bleibenden Hörminderung kann es bei rezidivierenden Mittelohrentzündungen kommen. Werden diese nicht konsequent therapiert, kann es im Mittelohr zu einer Vernarbung kommen, die die Schallleitung im Ohr mindert.

Schwerhörigkeit bei Kindern nach Erkältung

Die Erkältung betrifft den oberen Atemtrakt. Durch eine Schwellung der Tuba Auditiva (Hörtrompete), die in den Rachen mündet, kann es zu Belüftungsstörungen des Ohres kommen. Dieses führt zu einer vorübergehenden Hörminderung.

Dieses kann auch starken Druck auf dem betreffenden Ohr erzeugen. Dieser Druck führt zu einer verstärkten Hörminderung und zu Schmerzen. Der Druckausgleich kann über das Valsalva Manöver erfolgen. Bei dem Valsalva-Manöver wird gegen die geschlossene Nase und den geschlossene Mund gepresst. So kommt es meistens zu einem Öffnen der Ohren.

Klingt die Erkältung ab, schwellen auch die Tubae auditivae wieder ab, sodass das Ohr wieder besser belüftet wird. So kommt es zur Wiedererlangung des gesamten Hörvermögens.

Was sind die Folgen einer Schwerhörigkeit beim Kind?

Bei Kindern gehört zu der U1 immer ein Hörtest, um kongenitale (angeborene) Hörschäden auszuschließen. Der Hörtest wird gemacht, da eine Folge der Schwerhörigkeit bei Kindern das erschwerte Lernen der Sprache ist. Daher muss auf das Gehör der Kinder während der Entwicklung geachtet werden.

Diagnostik

Beim Vorliegen von Risikofaktoren sollten gewisse Hörtests zur Überprüfung der Hörleistung erfolgen.

Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise:

  • nach der Geburt erforderliche intensivmedizinische Behandlung
  • Vorliegen von Schwerhörigkeit in der Familie
  • Schwangerschaftsinfektionen
  • von Eltern geäußerter Verdacht der Schwerhörigkeit
  • Ausbleiben altersentsprechender sprachlicher Fortschritte
  • bakterielle Meningitis
  • etc.

Bei der kinderheilkundlichen Diagnostik gibt es subjektive und objektive Hörtest. Bei den subjektiven Untersuchungen wird dem Kind ein Schallreiz angeboten, der Untersucher beobachtet und bewertet dann die Reaktion des Kindes.

Bei den objektiven Hörtest ist es von Vorteil, wenn das Kind schläft, da keine Mitarbeit des Kindes erforderlich ist. Ein Schallreiz wird dargeboten, die neurobiologischen Reaktionen werden aufgezeichnet und von einem Untersucher ausgewertet.

Zu den wichtigsten objektiven Screeningmethoden der Neugeborenen gehört die Messung otoakustischer Signale, die nach einer Beschallung vom Innenohr als „Echo“ zurückgeworfen werden. Als Goldstandard gilt die Messung akustischer evozierter Potentiale (BERA= brainstem evoked auditory potenials).

Lesen Sie mehr dazu unter Hörschwäche bei Kindern erkennen - Hört mein Kind richtig?

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hörstörung.

Bei Schallleitungsstörungen kommen viele mechanische Behandlungenverfahren zum Einsatz. Beispielsweise wird der Ohrenschmalz-(Cerumen-)pfropfen abgesaugt oder ausgespült.

Schwieriger ist die Behandlung der Innenohrschwerhörigkeit. Es kann wie beim Erwachsenen beim akuten Hörsturz eine Infusion mit Rheologica, Novocain und Kortison gegeben werden. Sobald die Schwerhörigkeit nicht operativ oder konservativ behandelt werden kann, sollte ein Hörgerät in Erwägung gezogen werden (siehe auch: Hörsturz Therapie).

Bei einem kompletten Ausfall des Gehörs ist auch an eine Innenohrstimulationsprothese (Cochlearimplantat = CI) zu denken. Hörgeräte und die Cochlearimplantatversorgung werden in ein übergeordnetes Behandlungskonzept eingebunden, das auch die Betreuung, Beratung und Anleitung der Eltern sowie gegebenenfalls sonderpädagogische Maßnahmen umfasst.

Homöopathie

Als homöopathisches Mittel stehen bei Schwerhörigkeit Schüssler Salze zur Verfügung. Diese sollen den Zellstoffwechsel optimieren und so die Schwerhörigkeit mindern. Außerdem stehen Kaliumchlorid und Euphorbium zur Verfügung.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter unseren Themen:

Weiterführende Informationen für Schwerhörigkeit beim Erwachsenen finden Sie hier:

Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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